Also so einen starken Eindruck kann ME1 nicht hinterlassen haben, wenn noch nicht mal der Name hängen geblieben ist.
Nee, aber das ist zwar einerseits ein legitimes Argument von dir, insbesondere gegen ME2 (gegen ME3 weniger, weil das ja nur mit Reapern zu tun hat), aber andererseits hat ME2 dafür so viel mehr Highlight Momente, die direkt mit Squad Mates zu tun haben, wovon ME1, außerhalb von Virmire, was auch noch leider Main Story und dadurch nicht missable ist, nicht wirklich viele hat. Dazu führt ME2 so viele coole Konzepte, Rassen, Technologien ins Universum ein, dass das einfach das komplett überwiegt.
So sehr das als gesamte Story nicht an ME1 anknüpft, sind die Stärken dafür umso besser und werden von ME1 nicht ganz abgedeckt. Und es funktioniert halt auch nicht anders.
Die Reaper sind so ziemlich meine favourite Antagonisten über alle fiktiven Medien übergreifend, weil sie von der Scale auch so viel größer sind.
Selbst wenn man an andere bekannte IPs denkt, das Imperium in Star Wars z.B. ist offensichtlich böse, aber selbst die sind nicht ansatzweise so unvorstellbar unbesiegbar und so unvorstellbar alles umfassend, was die gesamte Auslöschung angeht. Da muss man dann schon an Lovecraft-eske Stories denken um derartige Größenordnungen zu kommen. Was ja das Gedankenexperiment in ME1 so cool gemacht hat. Du triffst da einen einzigen Reaper und die gesamte Flotte der bekannten Galaxie schafft es noch nicht mal einen ansatzweise zu beschädigen ohne das Wumbo-Jumbo spacemagic passiert, weil Shepard Saren killt.
Nach ME1 hat man doch nur die Vorstellung, wie unmöglich diese Aufgabe sein soll, die Reaper in einem Konflikt zu besiegen.
Man kann sie nicht aufhalten. Man kann sie nicht besiegen. Wenn die Reaper ankommen und keine Lösung gefunden wurde, ist alles vorbei.
Was soll ME2 denn als Story zu den Reapern bringen, dass glaubwürdig das ganze connected und eine glaubwürdige Massnahme gegen die haben soll, ohne das es komplett den Villain dekonstuiert, den sie in ME1 als so dermaßen überlegen aufgebaut hatten? Einen Ausschalter in irgendeiner alten Ruine, den die Reaper vergessen haben, wodurch die alle in Standby gesetzt werden? Einen EMP-Blast als Superwaffe, der ihre Elektronik lahm legt?
Selbst wenn ME2 direkt an den Plot angeknüpft hätte, früher oder später hätten die sich auch etwas Crucible-ähnliches aus dem Arsch ziehen müssen, weil sie sonst nicht zu besiegen sind.
Deshalb ist ja der Anfang von ME3 so intensiv. Direkt in den Opening 5 Minutes passiert das schlimmste was passieren kann, die Reaper sind da, keine wirklich Lösung wurde vom Rat gefunden, keiner hat so richtig ne Ahnung was man jetzt machen soll und da sind tausende und abertausende von gigantischen Robo-Spacecrabs, von denen vor wenigen Jahren man gemeinsam nur eine einzige grade eben durch glückliche Umstände ausschalten konnte.
Es ist von vornherein klar, das sie sich entweder irgendwas aus dem Arsch ziehen müssen, damit man doch irgendwie die Reaper besiegen kann, oder die Story relativ schnell vorbei ist und absolut alle tot sind und die Investment in "1 save game for an entire trilogy" komplett fürn Arsch ist, weil alle eh sterben (gut, das tatsächliche Ende war eigentlich noch schlimmer, aber das mal außen vor).
Kann auch gerne sonst das MrBTongue Video von 2012 nochmal posten, weil er das sehr gut erläutert, wenn du die 30min Video sehen willst, aber er erkennt das schon richtig so.
Die Reaper waren als Villain so effektiv, weil sie so klar und simpel waren und gleichzeitig so alles übergreifend. Du musst nicht den zweiten Teil dafür verwenden, um denen irgendeine tiefere Backstory zu geben. Das entmystifiziert sie nur, und die Reaper sind nicht der Fokus der Story, waren sie nie gewesen. Genauso wenig wie der Fokus von Dragon Age Origins die Darkspawn waren. Sondern nur das Bindemittel um die Hauptteile passend zusammenzubinden...