Ich hoffe, dass Hellblade - so absurd das klingt - trotz des niedrigen Preises die notwendige Aufmerksamkeit (und den wirtschaftlichen Erfolg) erhält, den es verdient. Auch wenn das vielleicht wenig Sinn macht, schenke ich Games, die nicht zum üblichen Preis auf den Markt kommen, i.d.R. wenig Beachtung, es sei denn, das Genre spricht mich besonders an. Bei Gamern ohne KT-Erleuchtung dürfte die Gefahr, Hellblade links liegen zu lassen, noch grösser sein; ist wie der Weinkäufer ohne Ahnung: Steht er ohne Plan vor dem Regal, ist der Preis des Weines wohl das meistbeachtete Kaufkriterium...
Ich habe nun etwa drei Stunden gespielt und bin den positiven Meldungen im Thread folgend ganz angetan davon. Ich bin mir zwar noch nicht sicher, wie das Fazit zum Schluss sein wird, insbesondere ob das Ganze trotz der kurzen Spielzeit nicht irgendwann etwas eintönig wird. Den Kauf bereue ich unabhängig vom weiteren Verlauf aber bereits jetzt nicht. Es ist die Kombination verschiedener Dinge, welche mich zur Zeit in den Bann ziehen: Die audiovisuelle Umsetzung ist durchgehend gut bis sehr gut (die Audioumsetzung auf höherem Niveau als die visuelle; butterweiche FPS auf der pro im 60Hz Modus), das Kampfsystem (obwohl es nicht im Zentrum steht) ist grundsolide, wuchtig und macht gerade mit den mächtigen defensiven Möglichkeiten viel Spass, ist aber bisweilen bei mehreren Gegnern etwas unübersichtlich. Die Atmosphäre ist gigantisch, verstörend und einfach anders als in jedem bisherigen Game, welches ich gespielt habe. Das Ganze gepaart mit dem Umstand, dass diese Perle für mich völlig überraschend meinen Weg kreuzt, ist einfach grossartig.
Grossartig ist auch der Einstieg und die Tatsache, dass es kaum Einblendungen und Erklärungen gibt - das passt herrlich zur Story. Man wird in die Welt hineingeworfen und lässt das Ganze völlig ahnungslos einmal auf einen zukommen bzw. mehr über einen ergehen. Hellblade zeigt mir auch einmal mehr, wie gut es einer Menge moderner Games täte, wenn sie hie und da von dem ganzen Sammelwahn befreit würden... Da werden die schönsten Welten kreiert und trotzdem rennt man grösstenteils nur darin rum, um belanglose Dinge zu finden, die an allen möglichen und unmöglichen Orten versteckt sind - ich Idiot bin dabei jeweils so auf die Suche bzw. die Details konzentriert, dass der Gesamteindruck der Umgebung völlig flöten geht (ich freue mich z.B. bei jedem Tomb Raider auf einen Rerun, nachdem ich alles aufgesammelt habe und man endlich die wunderbaren Welten in vollen Zügen geniessen kann; könnte man zum Vornherein links liegen lassen, ich weiss...). In Hellblade kann man völlig in die Welt eintauchen, die Umgebung, die Details, die Stimmen in sich aufsaugen. Herrlich entschlackt das Ganze.
Etwas weniger gefallen hat mir bisher das immer gleich gebliebene Gegnerdesign (vielleicht kommt da noch mehr) und die Tatsache, dass die Bewegungsfreiheit arg eingeschränkt ist. Ich habe nichts gegen schlauchige Levels, aber wenn die Spielfigur nicht über kleinste Steine gehen kann oder es nicht absehbar ist, über welche Kanten man nach unten gelangen kann und über welche nicht, reisst mich das immer wieder aus der ansonsten famosen Spielwelt. Dasselbe gilt für den Umstand, dass Laufen/Erkunden und Kämpfen wie zwei separate Steuermodi sind, zwischen denen ich nicht frei wechseln kann (Senua zieht z.B. das Schwert automatisch, wenn Gegner da sind, danach steckt sie es weg und es bleibt weg bis die nächsten Gegner kommen). Diese Punkte dürften aber nicht zuletzt auch dem niedrigen Budget geschuldet sein und tuen dem positiven Gesamteindruck keinen Abbruch.
Ich bin mir zwar nicht ganz sicher, ob Hellblade ohne den Überraschungsfaktor, mit einer gewissen Erwartungshaltung oder bei zu einem höheren Preis ähnlich positiv wegkommen würde (also generell hier im Thread). Trotzdem kann ich als Zwischenfazit viel Positives berichten und jedem raten, Hellblade eine Chance zu geben. Innovative Spiele wie diese brauchen unsere Konsolen und sind imo absolut unterstützungswürdig - vielen Dank NT für den Mut, hoffentlich wird er belohnt!