Ich komme auch gerade aus dem Film und möchte, auch wenn's noch etwas sacken muss, hier meine Kritik loswerden. Angemerkt sei hierbei, dass ich bekennender Potter-"Fan" bin und entsprechend die Story des Films schon vorab kannte. Zudem besteht durchaus
Spoiler-Gefahr!
Nachdem man mit Part 1 von "Die Heiligtümer des Todes" (DHdT) schon einen großen Schritt in die richtige Richtung gemacht hat (nach den diskutablen Teilen 5 & 6) und es schlicht gesagt das "Finale" einer Kindheitsserie von mir ist, ging ich mit entsprechenden Erwartungen in den Film - und wurde, Gott sei Dank, nicht enttäuscht.
Ich war ohnehin dankbar, dass man sich zumindest für das letzte Buch den Freiraum genommen hat, die Story auf zwei Filme zu verteilen - und nachdem es schon in Part 1 dem Ganzen sehr gut getan hat, merkt man auch im Finale, dass hier genug Platz für alle wichtigen Ereignisse gelassen wurde. Yates hält sich, wie schon bei Part 1, sehr dicht an die Buchvorlage und führt alles, bis auf Kleinigkeiten (dazu später mehr), logisch und vernünftig aus - was mich als Buchkenner erneut sehr freut.
Die Spannungskurve mit einem ruhigen Start, wummenden Hauptteil und packendem Ende stimmt, atmosphärisch waren und sind die Harry Potter Filme ohnehin über jeden Zweifel erhaben.
Einen großen Teil des Buches und auch des Filmes nimmt die Schlacht um Hogwarts ein, die in meinen Augen herausragend inszeniert wurde. Visuell und effektmäßig wird hier nicht gespart, stattdessen wird nochmal alles rausgehauen, was derzeit technisch so möglich ist. Ein in sich nach und nach zusammenfallendes Hogwarts, digitale Riesen, ein Hauch von Massenschlacht unterstützt mit tollen Kamerafahrten uvm. bieten einiges für's Auge.
Den Film in 3D zu sehen, lohnt sich meiner Meinung nach übrigens auch, einfach weil merklich viele Szenen deutlich plastischer rüberkommen - neben den üblichen 3D Spielereien, die auch Part 2 hat.
Die eigentliche Story um die Horkruxe und Heiligtümer des Todes wird buchgetreu zu Ende geführt - und speziell auf die letzten Ereignisse des Films, quasi das Finale mitsamt Epilog möchte ich kurz eingehen:
Auch wenn ich es im Buch nicht genau nachgelesen habe, so bin ich mir ziemlich sicher (beim Epilog sowieso), dass das filmische Finale dem Buch sehr nahe kommt. Für mich ist es, so wie es visuell dargestellt wird, auch völlig in Ordnung und packend genug.
Den Epilog fand ich schon im Buch überflüssig und ich hatte befürchtet, dass er entsprechend unnötig im Film wirkt. Den Kritikern stimme ich diesbezüglich also durchaus zu, nur möchte ich dies nicht direkt dem Film an sich ankreiden, da er sich in diesem Fall schlicht ans Buch hält. Einzig die Tatsache, dass man sich nicht großartig Mühe bei der Maske für die Schauspieler gegeben hat, ist ärgerlich. Da hätte man mit dem heutigen Stand der Technik sicher mehr machen können.
Kurz zu den angesprochenen Kleinigkeiten (nochmals Spoiler-Gefahr):
Ja, es stimmt @Sir Horst, dass die Geschehnisse rund um Snape‘s Tod eigentlich in der Heulenden Hütte stattfinden. Das stört mich als Buchkenner allerdings nicht so sehr, weil der Ort des Geschehens relativ unbedeutend für das eigentliche Ereignis ist.
Eine weitere Buchänderung ist die Tatsache, dass der Elder-Stab am Ende eigentlich wieder in Dumbledores Grab gelegt wird - aber auch das Zerbrechen des Stabs im Film „kann“ man als Buchkenner durchaus hinnehmen.
Der kurzen Kritik von Evin würde ich in einem (allerdings auch nur in dem einen) Punkt zustimmen: Die Tode verschiedener Akteure wurden mir auch etwas zu schnell abgehandelt - etwas mehr Emotion wäre hier durchaus angebracht gewesen. Womit wir auch zum Cast kommen...
Wenn's um wirkliche Emotionen geht ist gerade der Hauptdarsteller Daniel Radcliffe einfach nicht der Richtige. Was nicht heißen soll, dass er seine Rolle nicht gut meistert, denn gerade in den beiden DHdT-Teilen zeigt er etwas mehr schauspielerisches Talent als in den vorherigen Filmen.
„Schade“ ist sicherlich auch, dass Hermine und Ron deutlich weniger Laufzeit bekommen, als früher - aber gut, so ist es auch im Buch und dafür hatten beide ihre Zeit in Part 1.
Ein Grund dafür ist zudem die schier unzählbare Menge von Akteuren, die im Finale noch einmal auf die Leinwand kommen - quasi jeder, der irgendwie innerhalb der Harry Potter Filme aufgetreten ist, taucht hier noch einmal auf, was ich hervorragend finde. Nicht nur, dass - obgleich sie kaum eine Zeile zu sprechen haben - Schauspieler wie Jim Broadbent als Horace Slughorn dabeigeblieben sind, sondern auch, dass viele alte Personen wie Professor Sprout oder Percy Weasley nochmal zu sehen sind, macht Part 2 zu einer runden, schönen Sache.
Die Kehrseite ist natürlich, dass viele der Akteure zum einen, wie schon erwähnt, kaum Leinwandzeit bekommen und zum anderen, dass sie infolgedessen auch schauspielerisch nicht groß auftrumpfen können - aber das verlangt man als Zuschauer auch gar nicht.
Besonders Lob gilt der Leistung von Fiennes als Voldemort und Alan Rickman als Severus Snape - die beiden mit den wohl wichtigsten „erwachsenen“ Rollen meistern ihre Aufgaben mit Bravour.
Ich möchte außerdem auf die musikalische Ebene zu sprechen kommen:
Alexandre Desplat hat hier ganze Arbeit geleistet - und das nicht unbedingt aufgrund seiner eigenen Komposition (dazu gleich mehr), sondern vor allem deswegen, weil er dahingehend seiner eigenen Musik weicht und passend zum Finale nochmal das Beste der vorherigen Komponisten, nämlich dem großen John Williams und Nicholas Hooper, einfließen lässt. DANKE kann man dazu nur sagen, denn neben Hooper‘s wohl bestem und höchst emotionalen Werk "
Dumbledore‘s Farewell" ist es einfach nur wundervoll, dass John Williams‘ bekanntes Thema nochmal gebührend Einzug erhält (und, Spoiler, auch den Schlussarkord des Films darstellt).
Desplat‘s eigene Musik gerät dadurch bisweilen in den Schatten, doch auch wenn ich nach dem ersten Anschauen des Films noch (!) keine Melodie von ihm im Kopf behalten konnte (was sich, wie bei Part 1, nach genauerem Reinhören in den Soundtrack sicherlich ändern wird), so hat sie den Film dennoch zu jeder Zeit absolut stimmig untermalt und gerade bei der Schlacht und beim Finale hier und da für kurze Gänsehautmomente gesorgt.
Zur restlichen Ausstattung braucht man, denke ich, bei Harry Potter Filmen nicht viel zu sagen. Tolle Kostüme, tolle Bilder (wenngleich sie nicht ganz an die Aufnahmen aus Part 1 heranreichen), klasse Kamerafahrten und auf technischer Ebene sowieso erstklassig.
Was bleibt mir als Fazit zu sagen? Ich möchte und werde keine nummerische Wertung vergeben - aber die beiden Filme um die Heiligtümer des Todes gehören für mich ohne Frage in die Top 3 aller Potter-Filme.
Part 2 ist deutlich actiongeladener als der eher ruhig angelegte Part 1, trotzdem verbindet das Finale alles, was es für einen würdigen Abgang benötigt: Einen vernünftig und buchgetreuten Abschluss der Story, optisch herausragende Bilder, einen erstklassigen Soundtrack und, auch wenn ich die Emotion weiter oben noch etwas kritisiere, viel Wehmut.
Herausgegangen bin ich aus dem Kino sowohl dankbar, als auch traurig. Dankbar für einen würdigen Abschluss der Serie und einen insgesamt absolut lohnenswerten Film, traurig deshalb, weil sich, auch wenn's blöd klingen mag, mit dem Abspann des Films irgendwie ein Kindheitskapitel für mich geschlossen hat.
Die internationalen Kritiken sind durchweg positiv, ich kann mich dem lobenden Tenor nur anschließen und möchte jedem, der auch nur etwas mit Harry Potter anfangen kann, raten, sich den Film anzusehen. Ihr werdet es nicht bereuen.