HeyHo

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Hab diesen Thread hier "unter Beobachtung" , da ich ich das Thema sehr interessant finde. Schade, dass er eher ein Mauerblümchen ist. Dennoch möchte ich kurz beschreiben, was bei mir beruflich so los ist - denn es ist schließlich Wochenende

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Tätig bin ich in einer Einrichtung, die sich um Kinder und Jugendliche kümmert, welche schwierige Hintergründe haben. Von Vernachlässigung über seelische und körperliche Gewalt bis hin zu Missbrauch.
In unserem Haus gibt es mehrere Wohngruppen, wo die Kinder ein sicheres und behütetes Zuhause mit konstanten, strukturierten Abläufen haben. Darüber hinaus gibt es noch eine Inobhutnahme, wo Kinder und Jugendliche direkt aufgenommen werden.
Ich bin dort pädagogischer Mitarbeiter und immer da, wenn Psychologen und Traumatherapeuten pausieren. Man könnte sagen, dass ich eine Art Leuchtturm bin, Ansprechpartner, Vertrauensperson im Wortsinn und irgendwie auch Freund. In einem Krankenhaus wäre ich kein Chirurg, sondern eher Krankenschwester.
Unsere Kinder sind zwischen 3 und 15 Jahren, in die Inobhutnahme kommen teils auch Ältere. Im Schnitt kann ich sagen, dass ungefähr jedes 10. Kind aus sehr, sehr gutem bis reichen Elternhaus kommt und generell Elterteile mit akademischen Grad vorhanden sind.
Über meinen Arbeitsalltag kann ich sagen, dass kein Tag dem anderen gleicht und es oft über Nacht zu völlig neuen Herausforderungen kommt. Zum einen begleite ich Kinder zu Terminen bei Ärzten und Psychotherapie, bin Unterstützer bei Gesprächen mit Schulen und Vermittler zwischen Lehrern, unseren Erziehern & Betreuern im Haus oder arbeite mit Schulhelfern zusammen.
Zum anderen kommt es vor, dass ich mir einen Zugang zu suizidalen Kindern verschaffen muss, damit überhaupt ein "Ankommen" in unserer Einrichtung beginnen kann. Ed gibt auch Jugendliche, welche Sozialstunden ableisten müssen. Dort suchen wir gemeinsam nach Einrichtungen wo dies möglich ist und auch da bin ich als Vermittler ebenso dabei, wie bei der Suche eines Schulpraktikums oder Ausbildungsplatzes.
Darüber hinaus plane ich auch tägliche Unternehmungen und Projekte, bei denen ich freie Hand habe und auf die Wünsche der Kinder eingehe. Von Bastelarbeiten (Fortnite Bus, hier im Lego-Thread) über Kinobesuche oder "rumhängen" im Einkaufszentrum oder der Besuch einer Sportgruppe - es ist unheimlich vielfältig.
Durch mein Hobby, dem Golfen, habe ich ein vergleichsweise gutes Netzwerk und bessere Möglichkeiten, um über diesem Weg ebenfalls zu agieren. Fahrten mit Ferrari und Co, ein Besuch im örtlichen PorscheZentrum oder ein kostenloser Tag auf dem Golfplatz sind Dinge, die die Kinder zwar genießen aber noch wichtiger, die sie im Augenblick wieder Kind sein lassen.
Was mir an meiner Tätigkeit gefällt sind die Situationen, die ich mit den Kindern und Jugendlichen erlebe. Sei es die Reaktion, wenn sie das erste Mal in einer Autowäsche sitzen oder sie mich in ihre Gedankenwelt lassen. In wen sie verliebt sind oder was sie sonst so beschäftigt. Sie drücken mir die Daumen, wenn ich zum Zahnarzt muss und fordern gleichzeitig, dass ich als Erster mit dem selbstgebauten Lenkschlitten fahren muss.
Andererseits verschmelzen oft berufliche und private Grenzen. So zeigen die Kinder natürlich Interesse am Leben von meiner Frau und mir, was selbstverständlich normal ist.
"Was bekommt Dein Sohn zum Geburtstag?"
"Wohin fahrt ihr in den Urlaub?"
und, und, und...
Neben dem Zocken fahre ich noch MTB Downhill, bin begeisterter Autotuningfan und habe mit meiner Frau 3 gemeinsame Kinder. Diese Sachen helfen mir in verschiedensten Situationen beim "Mitreden" mit den Kindern, so dass man immer komplexe Schnittstellen findet.
Der größte Nachteil - oder besser, die Herausforderung - ist für mich(!) , dass ich meinen Beruf nicht mit nach Hause nehme. Meine Eselsbrücke ist die Brücke über die Elbe, die gleichzeitig mein Arbeitsweg ist. Alle Gedanken bleiben beim Überqueren dann auf Arbeit. Das gelingt natürlich nicht immer! Denn meine Kinder (aktuell 11,15,19) decken altersmäßig immer ein Kind von Arbeit ab. Ich vergleiche dann zwangsläufig.
Die Gründe für eine Aufnahme in unsere Einrichtung, auch wenn sie oft schlimmst sind, teilweise auch sichtbar, beschäftigen mich dabei weniger. Es sind vielmehr Kleinigkeiten, die länger nachhallen.
So gab es ein Mädchen im Grundschulalter, welches auf Grund von Verwahrlosung gemobbt wurde. Ich freute mich daher riesig, als sie nach einiger Zeit ihren Freundschaftsring zeigte. Als ich fragte, von wem der Ring sei, sagte sie, dass sie ihn sich selbst geschenkt habe. Das hat mich schon sehr bewegt und da gab und gibt es viele Kleinigkeiten, die sich immerwieder mal in den Kopf schleichen.
Doch das eigene soziale Umfeld und Hobbys helfen mir und meiner Psyschohygiene. Ist aber natürlich rein subjektiv. Denn Jeder geht anders damit um.
Vom Gehalt her und den Benefiz bin ich sehr zufrieden, sehe mich überdurchschnittlich! Weiter- und Fortbildungen sind jährlich gewünscht und ausgeschrieben.
Nicht schön reden kann ich die recht hohe Influktion der Betreuer, welche durch die 24/7 Schichten begründet sind.
Ja, dann Dankeschön an Jeden, der bis hier hin gelesen hat. War dann doch mehr, als ich gedacht habe

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