Es fällt mir schwer, die passenden Worte zu finden, ohne diskrimierend zu sein/wirken.
Mein Ego wurde ganz sicher nicht durch das generische Maskulin aufgebaut. Eine Frau (oder whatever), die sich durch die
nicht-explizite Nennung ihres Geschlechts (das generische Maskulin bezieht Frauen ja trotzdem mit ein, spricht auch nicht explizit das männliche Geschlecht an) diskriminiert oder unterdrückt fühlt, hat vielleicht tiefergehende Probleme. Die werden aber sehr wahrscheinlich durch Gender-Sprache nicht gelöst.
"Ganz sicher nicht" ist eine verflixt absolute und reflektierte (im Sinne von geistiger Reflexion) Aussage, die ich angesichts der Tatsache, dass Geschlechteridentität und Selbstbewusstsein in aller Regel auf einer unbewussten Ebene und damit eher beiläufig herausgebildet werden, für gewagt halte.
Ich werde jetzt auch mal aus Wikipedia zitieren, hätte ich mehr Zeit und Muße würde ich mich ggf. um weitere Quellen bemühen:
Kinder lernen im Zuge des Spracherwerbs erst relativ spät, ein generisches Maskulinum als geschlechtsneutral zu verstehen. Das generische Maskulinum erfordert eine „Geschlechtsabstraktion“ in dem Sinne, dass der Hörer oder Leser vom natürlichen Geschlecht einer konkreten Person absehen muss. Studien im englischsprachigen Raum ergaben, dass ein Großteil von Erstklässlern und Drittklässlern generische Maskulina nicht versteht und stattdessen das grammatische Geschlecht mit dem biologischen Geschlecht gleichsetzt. Im Englischen hören Kinder das generische „he“ als Bezeichnung für einen Mann, weil es die gleiche Form hat wie das geschlechtsspezifische „he“. Einige Fünftklässler interpretieren und verwenden Pronomen generisch, ihr Verständnis ist allerdings unzuverlässig und wird von den Vorstellungen des Kindes über die Welt und Stereotypen beeinflusst. Auch wenig gebildete oder kognitiv beeinträchtigte Menschen verstehen generische Maskulina nicht. Das Gebot der Barrierefreiheit (vgl. auch leichte Sprache) mache es erforderlich, allgemeinverständliche Formulierungen zu benutzen.
Kinder müssen sich demnach die Fähigkeit (mühsam) erwerben, ein Generisches Maskulinum als solches zu erkennen. Daher habe ich nun auch schon wiederholt davon gesprochen, dass ich es als 'generös' erachte, dass man zwar nur ein Geschlecht benennt, aber ja selbstverständlich (mindestens) beide Geschlechter 'mitmeint'.
Dazu weiter bei Wikipedia:
Darüber hinaus setze jemand, der ein generisches Maskulinum benutze, die Bereitschaft von Leserinnen oder Hörerinnen voraus, dass bei Bezeichnungen, mit denen sie bezeichnet werden, von ihrem natürlichen Geschlecht abgesehen werde; diese Akzeptanz sei nicht unbedingt gegeben. In solchen Fällen komme es oft zu vermeidbaren Störungen der Kommunikation auf der Beziehungsebene.
Man kann noch so oft darauf hinweisen, dass die deutsche Sprache alle Geschlechter miteinbezieht, auch wenn man de facto nur Männer benennt. Man kann nicht in die Köpfe der Menschen hineinschauen und wissen was diese meinen. Man kann aber hören, was diese sagen. Und wenn mir jemand eine Anekdote von einer Gruppe Studenten erzählt, die gestern Nacht im McDonalds ein Burger-Wettessen veranstaltet hat, dann hat der Zuhörer oder die Zuhörerin eben guten Grund anzunehmen, dass es sich bei dieser Gruppe um männliche Studenten gehandelt hat. Das gesagte ruft eben diese Bilder
unweigerlich hervor. Ganz anders wäre es, wenn von einer Gruppe Studentinnen berichtet würde. Dann hätte ich sofort das Bild einer rein
weiblichen Gruppe im Kopf.
Und wenn eben beide Geschlechter vertreten waren, dann sagt man halt "eine Gruppe aus Studentinnen und Studenten". Worte erzeugen Bilder im Kopf. Und als Sprecher*in hat man einen gewissen Einfluss darauf, dass ähnliche Bilder entstehen wie die, die man selbst dabei im Kopf hat.
@Dow Jones
Sorry, aber das ist doch Quatsch.
Wohl kaum jemand spricht ab, dass es ewig Gestrige gibt, die in ihrer Einstellung irgendwo vor 100 Jahren stehen geblieben sind. Diese Menschen änderst du aber nicht jetzt, und auch nicht in 20 Jahren, durch Gender-gerechte Schreibweise. Eher sogar im Gegenteil. Bei solchen Menschen erreicht man damit IMO keine Sensibilisierung oder gar einen Sinneswandel, sie schotten sich noch mehr in ihrem Gedankengut ab.
Sollen sie sich abschotten. In der Zwischenzeit dreht sich das Rad der Zeit eben weiter, Geschlechtergerechtigkeit wird weiter Einzug in die Mehrheitsgesellschaft halten (und dabei spreche ich nicht nur von
gender mainstreaming). Und die Gestrigen werden zu Vorgestrigen. Das wird ihnen nicht dabei helfen sich leichter in der veränderten Gesellschaft zurechtzufinden, aber zwingen kann man sie dazu ja nicht.
Ebenso könnte ich als Mann sagen, dass mir von Geburt an eingetrichtert wird, dass ich als Mann alles können muss. Ich muss akademisch gut sein, ich muss aber auch wissen, wie man einen Baum fällt, ein Haus baut, meine Familie ernährt, dabei aber immer am besten auch noch sensibel und einfühlsam sein muss. Auch Männer haben ihr Rollenbild, ob es nun passt oder nicht. Und viele von "uns" können dies nicht erfüllen.
Exakt! Ich würde mir auch wünschen, dass hier im Thread die Diskussion viel weniger zum Kampf der Geschlechter stilisiert werden würde, so wie es imo derzeit an vielen Stellen ist.
Das sind Gedankenbilder und Prozesse, die angesprochen und verarbeitet werden müssen. Die Umgehung/Abschaffung des generischen Maskulins wird dabei aber nicht helfen.
Nein, das behauptet glaube ich auch niemand. In vielen Bereichen trägt aber die explizite und nicht nur 'mitgedachte' Nennung mehr als eines Geschlechts dazu bei.
Es gibt sie doch, die Geschichten von Frauen, die darüber berichten wie unvorstellbar es für sie als Kind oder Jugendliche war, z.B. von einer Karriere bei der Feuerwehr zu träumen. Einfach weil in ihrer Welt nur der Feuerwehr
mann existierte, der allein qua seiner Bezeichnung zwingend ein Mann sein musste. Und klar, gibt es Frauen, die trotzdem zur Feuerwehr gegangen sind. Aber mir erscheint es sehr nachvollziehbar, dass eine sprachliche Exklusion auch zu einer tatsächlichen Exklusion werden kann (und natürlich vice versa: eine sprachliche Exklusion ist in erster Linie Ausdruck einer historisch gewachsenen realen Exklusion).
Und um nochmal auf deinen Punkt von Ego und Selbstbewusstsein zurückzukommen.
Kleine Anekdote dazu. Meine Freundin ist ausgebildete Tischlerin. Das ist eine klassische Männerdomäne. Ja, sie hat diesen Beruf damals ergriffen,
obwohl in dieser Branche Frauen eigentlich gar nicht existieren,
obwohl sie sich als Frau ungleich mehr beweisen musste.
Einmal sind wir durch die Stadt gegangen und neben dem Büro einer Zeitarbeitfirma stand ein Plakat mit der Aufschrift "Starke Männer braucht das Land: bewirb dich jetzt für eine Ausbildung zum Tischler". Sie konnte nicht kommentarlos daran vorbeigehen, sondern ist stattdessen ins Büro gegangen und hat dem Geschäftsführer erzählt, was sie als ausgebildete Tischlerin mit ihren dort gemachten Erfahrungen davon hält. Das ist das Gegenteil von kleinem Ego, das ist das Gegenteil von geringem Selbstbewusstsein.
Das ist aber die Erkenntnis, dass genau solche Plakate ihren Teil dazu beitragen, warum a) so wenige Frauen eine solche Ausbildung beginnen und b) die Ausbildung für junge Frauen kein Zuckerschlecken ist.
Wenn man jetzt aber mit der Mensch und die Menschin anfängt, dann sind das für mich abstruse Auswüchse, die oftmals keine Brücke baut sondern eher Gräben schafft.
Und du baust auch keine Brücken, wenn du die Argumentation der 'Gegenseite' ins Lächerliche ziehst. Niemand fängt mit Mensch und Menschin an und das weißt du so gut wie ich. Graben bauen: Marcello steht mit dem Spaten in der ersten Reihe.
ohne jetzt alex oder mingo ihr engagement absprechen zu wollen (und den eisenharten willen, das durchzuziehen) finde ich selber zimtzicke "bemerkenswerter".
nicht nur, weil ich die meinung teile, sondern weil er es imo schafft vernünftig zu diskutieren, seine meinung zu sagen und auch zu argumentieren. ich glaube die meisten von uns (inkl. mir) finden das ganze so blöd, dass sie dazu gar nicht in der lage wären...
Der Unterschied liegt darin, dass Zimtzicke nicht an den Kopf geworfen bekommt, dass sein Anliegen "blöd", "lächerlich" oder "Quatsch" ist.
Von daher nehme ich das Lobb von
@Dow Jones gerne entgegen.
Ich erkenne es übrigens auch an, dass z.B.
@Nimble trotz anderer Ansichten seine Wertschätzung auf mein Beiträge zum Ausdruck bringt.
Ja, moment. Das ist nicht mein Punkt. Ich will keine Werbung dafür machen, dass eine Schreibweise geändert werden muss. Das ist ja nur das Symptom. Es geht mir darum, dass, wenn ich jemanden Frage, warum die Leute überhaupt auf so eine Idee kommen, sich nicht bemüht wird das Problem, welches es zweifellos gibt, nachzuvollziehen.
Danke, ich schließe mich an. Ich mache keine Werbung, dass hier auch nur irgendjemand seine Schreibweise zu ändern hat.