Power Rangers
Ok, normalerweise war das bei Power Rangers immer so: der Hauptteil jeder Folge waren wild gestikulierte Kämpfe, sinnfreie Rückwärtssaltos, Kampfgeschrei und natürlich hässliche Aliens, die gegen coole Zords fighten. Füllmaterial waren dann High School, Teenager-Geschichten, Freundschaft und so 'n unwichtiger Kram. Action ging vor.
Jetzt spielt die neue Power Ranger Interpretation aber verkehrte Welt: sie bläst den Filler zum Abendfüller auf und serviert geschätzt dreiviertel der Laufzeit sich selbst findende Teenager, Schule und Freundschaftsmotive. Während die Ranger erst um fünf vor Zwölf auftreten und dann auch nur kurz lieblos dahinanimierte Steinhaufen verdreschen dürfen.
Von daher muss ich, aus Sicht der Power Ranger Serie, leider sagen: Thema verfehlt. Power Ranger Fans brauchen damit auch gar nicht mehr weiter lesen und können den Film getrost übersehen.
Kurioserweise funktioniert der Einstieg, also der Teenager-Part, aber sehr gut. Bisschen wie The Breakfast Club meets Chronicle. Und das geht auf. Hätte ich nie und nimmer erwartet, aber den Schauspielern und ihren Charakteren kann man eigentlich nichts vorwerfen. Die sind noch mit Abstand das Beste am Film. Weil sie erstaunlich glaubwürdig und sympathisch sind. Fängt schon damit an, dass hier Klischees überraschend gut umschifft werden. Das hübsche Mädchen ist beispielsweise hübsch, wird aber trotzdem nicht gemocht. Ist so gar nicht das plakative, peinliche Teenager-Gedöns, das ich erwartet habe. Nein, die Charaktere, ihr Training und ihre Freundschaft machen sogar irgendwie Spaß.
Bis sie dann zu den Rangers werden. Ab diesem Zeitpunkt stürzt der Film total ab. Dann trifft nämlich die bodenständige Originstory auf ein liebloses Monster- und Zorddesign, miese Kämpfe und Elizabeth Banks als
Goldständer Rita Repulsa, die mit ihrer total überdrehten Art (sie keift, kichert und gestikuliert wild) zwar noch am nächsten an der Vorlage ist, damit aber irgendwie nicht so recht zum restlichen Filmton passen möchte. Maximaler Anticlimax. Zeichnen ewig die Charaktere, um dann so ein belang- und einfallsloses Finale abzuspulen.
Eigentlich dachte ich ja, dass es genau umgekehrt wäre und ich die Action gut und den Rest schlecht finden würde. Aber am Ende hat mir der Pre-Ranger Teil noch am besten gefallen, was glücklicherweise auch den Großteil des Films ausmacht, während die Ranger dann rund gelutschte Transformers für Arme waren. Mann, selten so ein lahmes Kostümdesign gesehen... der Megazord sieht aus wie ein verkappter Jaeger aus Pacific Rim. Und Goldar, ehrlich? In der Serie war das ein Krieger, hier ist es ein Haufen eingeschmolzenes Gold ohne jeglichen Ausdruck. Genau so wie die Stein-Golem Armee. Künstlerische Freiheit schön und gut, aber das ist schlichtweg langweilig.
Total absurd, aber für die Charaktere in den Ranger Rüstungen und ihren Alltag würde ich wahrscheinlich sogar 'ne potentielle Fortsetzung schauen. Für der Rest nicht.
Nix guter Power Rangers. Aber eine überraschend solide Teenager-Superhelden-Origin.