Gerade "Der Tag an dem die Erde stillstand" auf Blu-ray reingezogen. Muss sagen, dass der mir ein Stück besser gefallen hat, als damals im Kino. Da war ich doch sehr enttäuscht, aber für nen DVD Abend taugt der Film dann doch sehr gut. Daher poste ich nochmal meine, frisch überarbeitete, Kino-Kritik:
Eins vorneweg: das gleichnamige Sci-Fi-Original aus dem Jaher 1951 habe ich nie gesehen. Ich weiß zwar worum es dort geht und kenne auch einige Ausschnitte, aber einen Vergleich werde ich auf Grund meines "Nichtwissens" auslassen. Ist vielleicht sogar besser, da ein Film, egal ob Remake oder nicht, schließlich für sich selbst sprechen soll.
Im Central Park landet ein unbekanntes Flugobjekt. Zusammen mit anderen, weltweit auf ihren Gebieten führenden, Wissenschaftlern wird Dr. Helen Benson (Jennifer Connelly) auf den Plan gerufen, um das außerirdische Raumschiff genauer zu untersuchen. Als aus diesem plötzlich der Alien Klaatu (Keanu Reeves) steigt, weiß sogar die Supermacht Amerika nichtmehr weiter. Der Außerirdische hat nämlich eine Botschaft für die Erdbevölkerung: der Planet steht kurz vor einem Kollaps und schuld sind die Menschen. Daher müssen sie ausgelöscht werden.
So beginnt "Der Tag, an dem die Erde stillstand". Verhältnismäßig schnell, im Falle von Klaatu leider schon fast zu schnell, werden die Charaktere vorgestellt und ratzfatz befindet man sich mitten in diesem modernen Sci-Fi-Thriller. In einem Interview habe ich gelesen, dass Regisseur Scott Derrickson zuerst geplant hatte den Film langsam starten zu lassen. Im Drehbuch vergingen ursprünglich ganze 40 Minuten, bis Klaatu das erste Mal die Szenerie betritt. Als dann jedoch klar wurde, dass ein großer Hollywoodstar, in diesem Falle Keanu Reeves, die Hauptrolle übernimmt, wollte Derrickson sein Film-Zugpferd natürlich schon in den ersten Minuten präsentieren. Meiner Meinung nach, eine Felentscheidung, da so viel Atmosphäre und Spannung flöten geht, die man durch eine längere Einleitung hätte erzeugen können.
Die Grundaussage des Films ist simpel und gleicht der des Originals: die Menschheit steht kurz davor den Planeten zu vernichten. Sie muss sich ändern, um dies zu verhindern. Die Kritik an der Gesellschaft und deren Umgang mit Mutter Erde, zieht heute noch genauso, wie vor 50 Jahren. Leider wird dieser interessante Ansatz, durch ein lediglich durchschnittliches Drehbuch, mehr schlecht als recht in Szene gesetzt.
Beginnt der Film noch überaus spannend und regt immer wieder zum Nachdenken an, verliert er mit jeder weiteren Filmminute an Aussagekraft. Die erste Filmhälfte kann mit einem rasanten Erzähltempo, einigen guten Effekten und einem hervorragenden Keanu Reeves überzeugen. Dieser spielt das freundlich anmutende, aber irgendwie doch befremdlich wirkende Alien grandios und steigt, ich muss es zugeben, in meiner Gunst immer mehr. Sein emotionsloses Schauspiel gehört übrigens zu seiner Rolle - diese Kritik an seiner Darbietung habe ich schon häufiger gelesen, halte sie jedoch für unberechtigt. Auch Jennifer Connelly bringt ihren Charakter glaubwürdig rüber und John Cleese hat einen unglaublich charmanten (Kurz)Auftritt, was alles, jedenfalls zu Beginn, für einen hohen Unterhaltsungswert sorgt.
Leider vermehren sich die Kritikpunkte, im Verlauf des Films, deutlich.
Der schlimmste ist hier ganz klar Jaden Smith, der im Film den Stiefsohn von Dr. Helen Benson verkörpert. An sich natürlich nichts Negatives, jedoch gibt er die wohl nervigsten, unsinnigsten und belanglosesten Dialoge von sich, die ich seit geraumer Zeit in einem Film erleben durfte. Sein Charakter trägt kaum etwas zur Story bei bzw. das was er beiträgt, hätte man sicher auch anders einfädeln können und seine dauernden Stimmungsschwankungen und Meinungsänderungen sind schlichtweg unglaubwürdig und lächerlich. Ich möchte nicht zu viel verraten, aber die auf sein Handeln zurückzuführenden Storywendungen sind einfach unsinnig. Dazu kommt noch, dass Jaden Smith nicht gerade herrausragend schauspielert.
Ja, es ist vielleicht gemein, aber man kann sagen, dass der kleine Herr Smith den kompletten Film versaut.
Das angeblich so übertriebene "Product Placement", hat mich übrigens nicht gestört.
Da gibt es ganz andere "Verbrechen", wie beispielsweise "Transformers". Bis auf "McDonalds" und "Microsoft Surface" sind mir hier keine Namen im Gedächtnis geblieben.
Ansonsten bietet "Der Tag, an dem die Erde stillstand" solide Effekte, eine Priese Action - wer hier einen Sci-Fi-Actioner erwartet ist ganz klar falsch - und ein ansprechendes und überraschend rasantes Tempo.
Langeweile kommt bei diesem Film sicher nicht auf, dafür aber eine ganze Portion unglaubwürdiger Momente, eine altbackene, aber momentan trotzdem wieder aktuelle Message und der wohl nervigsten Filmsohn der letzten Jahre.
Stört man sich nicht an diesen, zwar verhältnismäßig großen, aber durchaus zu verkraftenden, Kritikpunkten, bekommt man hier einen handwerklich souverän umgesetzten Sci-Fi-Thriller mit überwiegend guten Schauspielern und einer Geschichte, die zum Nachdenken anregt, geboten. Dieses Remake wird sicherlich nicht zu einem Klassiker, kann aber durchaus unterhalten.
6/10 Punkte
Die Blu-ray weiß, im Gegensatz zum Film, vollends zu überzeugen. Das Bild ist sehr scharf und kann durch einen hervorragenden Kontrast Punkten. Dieser wird in den überwiegend dunklen Szenen aber auch benötigt. Sogar Bildrauschen, welches in anderen Filmen mit einem ähnlich hohen Dunkelheitsanteil ansonsten häufiger anzutreffen ist, ist so gut wie nicht vorhanden. Vor allem die Bilder vom nächtlichen Manhattan zu Beginn des Films sind einfach grandios.
Nicht weniger gut gelungen ist der Ton. Hier gibt es ständig etwas zu hören. Egal ob Actionszenen, oder Dialogpassagen, alles klingt sehr klar und räumlich. Mit Surroundeffekten wird ebenfalls nicht gegeizt. Selbst in ruhigen Momenten gibt es immer Arbeit für die Surround Speaker, sodass ein überzeugendes Klangbild der gerade laufenden Aufnahe erzeugt wird.
Das Bonusmaterial ist nicht wirklich spektakulär, bietet aber trotzdem einen netten Einblick in die Entstehung des Films. Mehrere Makings-Ofs ("Die Neuauflage eines Klassikers", "Die Entstehung von Gort", "Ein Blick in den Weltraum", "Der Tag an dem die Erde 'grün' war"), entfallene Szenen, die üblichen In-Movie Features und die nette Spielerei "Erschaffe deinen eigenen Gort", in der man mit einigen Handgriffen seinen eigenen Roboter zusammenstellen kann, runden diese gelungene Blu-ray ab.