Yzerman
Alle Konsolen sind grün
Devil’s Knot
Es ist der 5. Mai 1993, als der kleine Steve zusammen mit seinen beiden Pfadfinder-Freunden im Wald spielen geht. Seine Mutter Pam (Reese Witherspoon) erwartet ihn vor der Dämmerung zurück und geht zur Arbeit. Doch Steve und seine Freunde tauchen nicht mehr auf. Die Kleinstadt West-Memphis gerät ausser sich, und jedermann versucht, die verschwundenen Kinder zu finden. Der nächste Tag jedoch bringt die schreckliche Gewissheit: Die drei Jungen sind tot. Sie wurden ermordet und schrecklich zugerichtet.
Verdächtige für die schreckliche Tat sind schnell gefunden. Die Polizei verhaftet drei Teenager: den etwas zurückgebliebenen Jessie Misskelley (Kristopher Higgins), den Okkult-Fan Damien Echols (James Hamrick) und sein Anhängsel Charles Baldwin (Seth Meriwether). Die Angehörigen und die örtliche Polizei glauben an ein satanistisches Ritual der drei, und bevor überhaupt Beweise gefunden worden sind, stehen die Jungs vor Gericht. Einzig Privatdetektiv Ron Lax (Colin Firth) kann sich auf die Vorwürfe keinen Reim machen und ermittelt für die drei Verdächtigen, die von der Presse nur noch die "Memphis Three" genannt werden.
1993 geschah im kleinen Städtchen West Memphis Unvorstellbares. Drei 8-jährige Jungen wurden auf bestialische Weise ermordet. Eine schreckliche Tat, die aber ohne das desaströse Gerichtsverfahren von den Medien wohl nur am Rande aufgegriffen worden wäre. Erst mit der Verurteilung dreier Teenager, die laut Aussagen der Bewohner des Öfteren schwarze Kleider trugen, zu Satan beteten und gerne Heavy-Metal hörten, drang der Fall an die breite Öffentlichkeit. Die handfesten Beweise blieben aus, Daten wurden gefälscht, und spätere gentechnische Nachprüfungen, die während des Verfahrens verschlampt wurden, deuteten auf einen Justizirrtum hin. Bis heute weiss man nicht genau, was sich in den Wäldern von West Memphis abgespielt hat, bloss, dass die verurteilten jungen Männer zu Opfern von Vorurteilen und schlechter Arbeit der Gesetzeshüter wurden.
Die Geschichte ist wirklich haarsträubend und strotzt nur so von Ungereimtheiten. Der Film kann da leider nicht mithalten. Er ist nicht wirklich spannend, noch sonderlich packend. Das merkt man dann auch deutlich an den verschenkten Möglichkeiten der Schauspieltalente. Während Colin Firth als Privatdetektiv und Reese Witherspoon als Mutter eines der ermordeten Kinder ihre Fähigkeiten beweisen dürfen, bleibt irgendwie alles etwas unterkühlt. Der Film bleibt vor allem wegen der krassen Gerichtsverfahren in Erinnerung. Denn die Geschichte ist wirklich spannend. Ich habe mir jedenfalls danach eine 2h HBO-Dokumentation auf Youtube angesehen, welche viel spannender als der Film war. Eigentlich kann man sagen, dass sie die Dokumentationsfilme verfilmt haben. Was irgendwie unnötig ist. Kein Wunder floppte der Film, trotz sehr guten Darstellern, an den Kinokassen.
Zu bemerken ist noch, dass die Darsteller im Film extrem ähnlich aussehen, wie die richtigen Leute aus dem Jahr 1993. Da hat das Casting eine grandiose Arbeit geleistet.
Schlussendlich würde ich aber eher zu einer Dokumentation greifen, wenn einem Justizirrtümer und spannende (ungeklärte) Kriminalfälle interessieren. Peter Jackson’s West of Memphis soll überragend sein. Ich habe ihn mir jedenfalls mal bestellt.
5/10



