Killer Joe
William Friedkin, Regisseur von Klassikern wie Der Exorzist und French Connection und mittlerweile schon 77 Jahre alt, meldet sich mit einem fiesen, kleinen Paukenschlag zurück. Killer Joe ist ein bitterböses Neo-Noir-Drama, ein teils verstörender Genre-Film, irgendwo zwischen Tarantino und Trailerpark-Trash. In diesem Film - der übrigens auf einem Theaterstück basiert, was man zwischendurch, etwa an den eingeschränkten Schauplätzen, auch immer wieder merkt - gibt es keine Helden, sondern nur gescheiterte Persönlichkeiten, hervorragend gespielt von einem oscarwürdigen Cast.
Neben einem absolut überzeugenden Emile Hirsch, einem sympathisch-dummen Thomas Haden Church und einer undurchsichtigen Gina Gershon, sind es vor allem zwei Schauspieler, die diesen Film tragen: Zum einen Newcomerin Juno Temple, welche nicht nur wegen ihrer Freizügigkeit im Gedächtnis bleibt, sondern auch wegen der herausragenden Darbietung eines naiven, psychisch angeschlagenen Mädchens, das zugleich jedoch die einzige positive Person in ihrer verzweifelten Filmfamilie darstellt. Zum anderen ist da Matthew McConaughey, der nach Jahren der Sunnyboy-Darstellungen, endlich zeigen darf, dass er ein abartig guter Schauspieler ist. Er verleiht der titelgebenden Figur des mordenden Cops eine einschüchternde Ruhe, die er zwischenzeitlich immer wieder aufbrechen und in makaberen, fast schon perversen Momenten gipfeln lässt. Beispielsweise im unbeschreiblich intensiven Finale, das dann auch ganz anders endet als man es sonst so von Hollywood gewohnt ist.
Killer Joe ist ein gemeiner, kleiner Genre-Film. Eine deprimierend-mitreißende Trailerpark-Familientragödie voller Sex, Gewalt und miesem Fernsehprogramm. Hier gibt es weder Gutmenschen, noch auflockernden Hollywood-Zynismus, sondern nur ehrliche, manchmal vielleicht sogar grenzwertige Südstaaten-Noir. Herausragend bebildert, genial gespielt und glücklicherweise an nahezu jedem Klischee vorbeierzählt. Sicherlich kein Gute-Laune-Film für zwischendurch, aber ein fabelhaftes Charakterdrama, das, trotz wenig überraschender, manchmal gar absurd wirkender Handlung, immerzu leicht zu schauen bleibt, in gewisser Weise sogar unterhält und eigentlich schon wegen McConaughey's Schauspiel geguckt werden muss.
9/10 Chicken Wings "Nimm ihn in den Mund!"