„Wir wollen v. Zimmel entführen und ihn für seine Verbrechen zur Rechenschaft ziehen.“ – „Welche sind das?“ – „Na, seine Beteiligung am Holocaust!“ – „Ach das. Na, das war ja auch 'n Ding.“
Frankreichs Super-Spion, Hubert Bonisseur de la Bath, auch OSS 117 genannt, ist zurück. Diesmal verschlägt es ihn im Jahr 1967 nach Südamerika, wo er einen Obernazi ausfindig machen soll, der die Grande Nation mit einer Liste ehemaliger Nazi-Kollaborateure erpresst. Dabei stolpert der selbstverliebte Macho-Geheimagent natürlich wieder von einer waghalsigen Situation in die nächste.
Wie auch schon der erste Teil (
OSS 117 – Der Spion, der sich liebte), ist
Er selbst ist sich genug eine herrlich abgedrehte, politisch unkorrekte Geheimagentenfilm-Parodie, in der nicht nur Genre-Klischees, sondern gleich ganze Nationalitäten, Religionen und Weltbilder gekonnt durch den Kakao gezogen werden. Im Gegensatz zu seinen amerikanischen Vorbildern, wie etwa
Austin Powers oder
Johnny English, besticht
OSS 117 dabei weniger durch debilen Schenkelklopfer-Humor (den ich auch sehr zu schätzen weiß), sondern scharfzüngige Dialoge und einmalig satirische Situationen. Schon der Einstieg sucht seinesgleichen. Wenn OSS 117 eine Gruppe von Chinesinnen mit billigen Zaubertricks bezierzt und selbige dann, in der darauf folgenden Schießerei, ausversehen über den Haufen schießt, nur um danach mit der letzten Überlebenden auf dem Teppich vorm Kamin Liebe zu machen, bleibt kein Auge trocken. Das ist grandios geschriebener, bissiger und gut getimter Humor, der in Hollywood leider nur sehr selten anzutreffen ist.
Dabei spielt Jean Dujardin den überheblichen, dauergrinsenden Frauenhelden mit einer derartigen Perfektion, dass man ihm nur nochmal zu seinem zurecht verdienten Oscar gratulieren kann. Ein einzigartiger Schauspieler, der es schafft Jim Carrey-würdige Grimasse mit einer erstaunlichen Ernsthaftigkeit rüberzubrignen. So nimmt man seinem total überzeichneten Charakter doch tatsächlich jedes Wort ab, obwohl sein Handlen in den meisten Fällen einfach nur dumm ist. An dieser Stelle muss ich jedoch auch Oliver Kalkofe lobend erwähnen, der hier, wie auch schon im Vorgänger, für die Übersetzung und die deutsche Synchronisation verantwortlich war und wieder für eine weit überdurchschnittliche Lokalisierung und köstlichen Wortwitz sorgt.
Die Geschichte ist dabei natürlich Nebensache.
OSS 117 lebt von seinen Charakteren und originellen Einfällen. Trotzdem weiß die klischeehafte Handlung zu unterhalten und überrascht zwischenzeitlich sogar mit mehr oder weniger vorhersehbaren Wendungen und eine nette Hommage an Alfred Hitchcock's
Vertigo. Insgesamt haben mir Story und Setting hier sogar noch mehr zugesagt als im ersten Teil. Dafür gehen dem Spion diesmal im letzten Drittel die Witze aus, wodurch der Film ein wenig an Tempo verliert.
OSS 117 - Er selbst ist sich genug ist eine erheiternde Geheimagenten-Parodie. Eine zynische Verneigung vor dem Genre, das durch seine charmant-schrägen Charaktere, den frechen Humor und die nostalgische Umsetzung für reichlich gute Laune sorgt. Meiner Meinung nach sogar noch etwas besser als der eh schon gelungene Vorgänger.
"Wie heißen noch die Chinesen, die mit den Nazis verbündet waren?" - "Japaner!" - "Aah, ja, Japaner ..."
8/10 Trapez-Unfälle