The Shawshank Redemption (Die Verurteilten)
Hatte ja gewisse Erwartungen in den Film und die wurden im Grunde vollends erfüllt, insbesondere da es nicht unbedingt meine Thematik ist und ich bereits so einige Knast-Filme gesehen habe, von denen mich bisher nur
Dead Man Walking richtig begeistern konnte - der in dem Genre übrigens immer noch mein Favorit ist. The Shawshank Redemption gehört aber definitiv zu den besten seiner Art und kommt für mich direkt nach eben genannten
Dead Man Walking.
Man merkt dem Film in jeder seiner Facetten an, dass er auf den Massenmarkt hingetrimmt wurde, was ich jetzt nicht abwertend meine. Es ist wohl einer jener seltenen Filme mit denen die meisten Menschen etwas anfangen können (ich zähle mich hier selbst dazu), durch seine grundsätzlich interessante Geschichte (die allerdings stellenweise arg konstruiert wirkt), den zwar nicht beispiellosen aber durchaus sehr guten Darstellern, seinen netten Wendungen, inszenatorischen Spitzen und der inhaltlichen Leichtfüßigkeit, die zwar kurzzeitig zum Denken anregen kann, aber dies nicht wirklicht erfordert, da einem der Film plakativ vorkaut und auch gewisse, gesellschaftliche Bedürfnisse nach Dingen wie Beispielsweise der Moral befriedigt.
-> Vorsicht, ab hier könnte es zu Anspielungen kommen, die einem Spoiler ähneln könnten... <-
Gibt es denn irgendetwas an diesem Film zu bemängeln? Ja, gibt es durchaus. Für ein derartiges Thema geht er meiner Meinung nach viel zu handzahm vor und mimt zum Schluss sogar ein Happy End, mit beispielhafter und strahlender Moral. Mir fehlte da irgendwie die kompromisslose Härte, die er einem am Anfang zu suggerieren versuchte (die erste Nacht im Knast oder the Sisters).
Habe mir eigentlich sagen lassen, dass das letzte Drittel der Höhepunkt bzw. das Beste von The Shawshank Redemption sein sollte, auf welchen man sich freuen sollte. Empfinde das aber selbst genau umgekehrt. Das Finish ist meiner Meinung nach der schwächste Part, in dem alles viel zu schnell auf den "Ende gut alles gut"-Zug aufspringt und der Spannungsfaden vollkommen reißt.
Der bekannte Trick mit dem Kurzzeitgedächtnis (man ist bei einem großartigen Finish eher geneigt eine bessere Wertung zu vergeben, auch wenn der Rest nicht mithalten kann) griff daher leider nicht bei mir.
Das End-Szenario mit Red sah man in ähnlicher Form bereits mit Brooks, nur mit weniger Impact, was dem Ende nochmals einen kleinen Dämpfer gab.
Dafür konnte man zuvor mit einigen tollen Szenen punkten, wie eben genannter Szenarie um Brooks, Tommy Schicksal oder die Szene mit dem Plattenspieler.
Die 142 Minuten waren vielleicht auch etwas zu viel des Guten. Irgendwie kam es mir so vor, als würde sich The Shawshank Redemption von einem kleinen Checkpoint zum nächsten ziehen, bei jenem er dann wieder neue Energie tankte, in dem er an jener Stelle den Zuseher wieder bannt, bevor er zu auffallend langatmig werden würde.
Insgesamt aber ein sehenswerter Film, der definitiv seine Momente hat und den man sich vor allem wahrscheinlich mit nahezu jedem ansehen kann, ohne am Ende mit langen Gesichtern leben zu müssen. Perfekt auf einen breiten Geschmack zugeschnitten und eine optimale Abendunterhaltung - er bedient im Grunde genau das, was die meisten Leute sehen wollen. Wird mir aber aufgrund genannter Kritiken, der fehlenden Substanz -Tiefgründigkeit ist aber imo auch überhaupt nicht der Anspruch dieses Films, denn er will in erster Linie gut unterhalten und das tut er auch - und standalone Merkmalen, die ihn wirklich besonders machen würden, nicht allzu lange im Kopf bleiben.
3/5