Captain America
Captain America, ein Held bzw. Film über den das (deutschsprachige) Internet gerne und viel schimpft. Wieso? Das kann ich mir nicht wirklich erklären, denn in meinen Augen ist
Cap eine gelungene, wenn auch nicht perfekte, Comicverfilmung. Vielleicht kommt meine positive Grundeinstellung einfach daher, dass ich doch tatsächlich schon vor Jahren
Captain America Comics gelesen und schätzen gelernt habe. Für mich ist er somit ein relativ vertrauter Held, was auf die meisten Kinogänger in unseren Gefilden wohl nicht zutrifft. Von daher kann ich die vielen negativen Meinungen über diesen "patriotischen, lächerlichen, Strumpfhosetragenden" Charakter durchaus verstehen. Den Film an sich macht das aber auch nicht schlechter.
Die Entstehungsgeschichte des ersten Avengers ist überraschend stimmig geraten und wird in einem verhälsnitmäßig gemächlichen Tempo erzählt. Zudem nimmt sich der
Cap sehr viel ernster als andere Marvel-Verfilmungen. Ist nicht schlimm, jedoch wirkt er so natürlich etwas schwerfälliger und weniger kurzweilig. Auf Humor wurde dennoch nicht gänzlich verzichtet. So spielt der Film zwischenzeitlich immer wieder mit dem Thema Patriotismus (Comics, Filme, Bühnenshows), lässt Tony Starks Vater gewohnt freche Sprüche klopfen und betrachtet die Dritte Reich-Thematik überraschend differenziert und selbstironisch.
Chris Evans liefert einen tollen und sympathischen, wenn auch etwas zu glattgebügelten, Superhelden ab, dem man seine Entwicklung ohne zu zögern abkauft. Auch Bösewicht Red Skull ist tatsächlich böse und schmiedet klassische Welteroberungspläne. Das ist zwar ohne Ende klischeehaft, funktioniert in einem derartigen Film aber immernoch am besten. Positiv anzumerken ist außerdem, dass auch hier weitesgehend auf eine Liebesgeschichte verzichtet wurde. Danke für diese Entscheidung, Marvel.
Leider rückten diese positiven Eigenschaften im weiteren Verlauf in den Hintergrund und überlassen der generischen Action den Vortritt. Diese ist zwar nett gefilmt, lässt Caps Potential aber nur selten erahnen - im Prinzip ist er ja ein kleiner Hulk.

Schade, dass man von seiner Kraft und Geschwindigkeit kaum etwas sieht. Immerhin wissen die Waffen, Rüstungen und Maschinen der bösen Buben zu gefallen. Ja, sieht teilweise aus wie Plastik, aber was solls? Es ist schließlich eine Comicverfilmung. Gefehlt hat mir ebenfalls eine echte Auseinandersetzung zwischen unserem Helden und Red Skull. Bis auf zwei kurze Wortgefechte und den relativ harmlosen Endkampf (*schwupps* Plötzlich ist Red Skull weg.), verbringen sie leider keine Zeit miteinander. Dass Red Skull ungefähr das für den Captain ist, was der Joker für Batman ist, wird nicht gerade deutlich.
Captain America ist eine gelungene Umsetzung eines gewöhnungsbedürftigen Helden.
Mit einer US-Flagge auf der Brust und heroischen In-Zeitlupe-auf-die-Kamera-zugeh-Szenen, macht man sich nicht nur Freunde. Kann ich verstehen. Trotzdem wurde ich gut unterhalten. Die Schauspieler sind gut, die Handlung banal, aber effektiv (es ist nunmal eine Origin-Story) und die Umsetzung natürlich historisch unkorrekt und überzeichnet, dafür aber nah am Comic. Ich mag Chris Evans, ich mag die Comicvorlage, ich mag geradlinige Geschichten und habe nichts gegen amerikansiche Helden. Von daher bin ich mit dieser Verfilmung sehr zufrieden und freue mich auf
The Avengers, wenn Gut-Mensch Cap endlich auf Tony Starks Riesen-Ego, Sturkopf Thor und den unglaublich unglaublichen Hulk trifft.
Macht, schon mit Fan-Bonus versehene,
7/10 Kriegsanleihen