Gestern einen fantastischen Film Abend erlebt. Zuerst im Linzer City Kino Carnage (Der Gott des Gemetzels) im OT gesehen und anschließend zuhause The Hidden Blade.
The Hidden Blade
Ausnahmsweise ein Samurai Film der mir mal wieder sehr gefallen hat, was vor allem daran liegt, dass er zu keiner Zeit überzeichnet wirkt und zum Glück auch nicht im Genre der Wuxia Filme wildert, sondern eine sehr authentische Wirkung entfaltet.
Wer Ausschau nach großer Action hält ist hier allerdings fehl am Platz, da jene kaum vorhanden ist, mit der Ausnahme von sehr, sehr wenigen Schwertkämpfen, die sich dafür aber toll choreografiert und realistisch geben - im Grunde eigentlich nur zwei wirkliche Schwertkämpfe, die sich relativ am Ende des Films befinden und einer davon ein Übungskampf ist.
The Hidden Blade versucht kein großes Epos darzustellen, sondern erzählt einfach nur eine kleine, eigentlich unbedeutende Geschichte von Loyalität und Ehre, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts spielt, in der sich Japan dem Westen öffnet und auch deren Kriegsführung adaptiert.
Ein durch die Charaktere angetriebener Historienfilm, der mehr auf Motivationen und Emotionen setzt, denn auf Action und Kampfkünste. Im besten Sinne altmodisch und ausgestattet mit einem hervorragender Storytelling, sowie viel Liebe zum Detail.
9/10
Carnage (Der Gott des Gemetzels)
Ich bin hin und weg von diesem Werk. Schon alleine die Tatsache, dass als Hauptschauplatz eine kleine Wohnung her hält, ganz im Stil eines Theaterstücks und der Film dabei während seiner Laufzeit von 80 Minuten zu keiner Sekunde zu langweilen beginnt, ist ein kleines Meisterstück und stellt die Genialität der Dialoge und der schauspielerischen Leistung eindrucksvoll unter Beweis. Den vieren hätte ich wahrscheinlich noch sehr viel länger zuschauen können, ohne Ermüdungserscheinungen.
Ein beständiges Grinsen befand sich die ganze Zeit über auf meinen Lippen und ich musste das ein oder andere Mal sogar lachen, obwohl ich das eigentlich sonst nie im Kino tue. Absolut herrlicher Film, der von seinen grenz genialen Dialogen und einer wirklich beispiellosen schauspielerischen Leistung getragen wird. Die Oscar für die besten Darsteller müsste man einzig und alleine an Carnage verleihen. In all den größeren Filmen 2011 wurde zusammen nicht so viel und gut geschauspielert wie hier.
Insbesondere Christoph Walz fand ich grandios, da er einen ähnlichen Ton wie mit Hans Landa (Inglourious Basterds) anschlug, nur in noch besser. Die anderen standen dem aber auch kaum in etwas nach, egal ob nun eine Jodie Foster als emanzipierte Hobbypädagogin und "Gutmensch", John C. Reilly als widerwärtiges Ekel oder Kate Winslet als Geschäftsfrau und verhaltene Cholerikerin.
Fantastische Gesellschaftssatire und das beste Werk anno 2011.
10/10