Hart, Härter, Harry Brown.
So lässt sich wohl der Film am allgemeinsten umschreiben. Insgesamt ist es eines der beklemmendsten und intensivsten Rachedramen, die ich bisher gesehen habe. Mit welch Schonungslosigkeit dem Zuschauer die Jugendkriminalität in England vorgehalten wird ist bemerkenswert.
Michael Caine spielt hier wirklich oscarreif und zieht eine bitterernste One-Man-Show ab. Und zwar nicht im Stile von 96 Hours, sondern in einer kompromisslosen Ernsthaftigkeit, dass es einem einen Schauer über den Rücken jagt. Sowieso ist der Film bitterernst und auf Realismus getrimmt.
Es dauert mindestens 45 Minuten bis Harry Brown zur Waffe greift. Vorher skizziert der Film mit wunderbaren Kameraeinstellungen und ruhigen Bildern einen traurigen, gebrochenen alten Mann, der zwar liebenswert, aber verloren scheint.
Die (imo absolut krasse) Szene, in der sich Brwon die Waffe kauft, bildet den Wendepunkt des Films. Er wird nich actionreicher (na gut, ein klein wenig), er wird härter.
Dieses Werk ist nicht brutal, wenn man Brutalität auf Gewalt bezieht. Dieser Film ist brutal in seiner Darstellung und in seinen Emotionen. Kaltblütig triffts wohl.
Es gibt keine Sekunde, in der man Harry Brown nicht versteht. Es gibt keine Sekunde, wo man sagt "Komm, lass das" (obwohl eine Szene gibt es, aber die will ich nicht spoilern). Die Identifikation ist stets gegeben und gibt uns in der zweiten Hälfte des Films eine herrlich politisch inkorrekte Verhaltensweise seitens Harry Brown. Man erschreckt vor ihm, aber man hasst ihn nicht. Man versteht ihn, aber hinterfragt seine Vorgehensweise. Antiheld par excellance.
Ruhiges Rache-Drama, dass vollkommen untergegangen ist. Warum läuft sowas nicht im Kino?
9/10