Nur Mal meine Sicht zum Thema längere Arbeitszeiten. Einfach ein paar Links und Zitate. Irgendwer hat ja nach Statistiken gerufen, gibt es, ist doch alles da:
https://www.destatis.de/DE/Themen/A...eit/Dimension-3/ueberlange-arbeitszeiten.html
Wer arbeitet denn heute schon länger, da hätten wir ja eine Tendenz wer überhaupt dazu bereit wäre:
Steigendes Alter, längere Arbeitszeiten
Grundsätzlich gilt: Je älter, desto länger die Arbeitszeiten. Nur 1,5 % der Vollzeiterwerbstätigen im Alter von 15 bis 24 Jahren arbeiteten 2019 mehr als 48 Stunden wöchentlich. Dieser Anteil steigt mit zunehmendem Alter, sodass von den Vollzeittätigen zwischen 55 und 64 Jahren 12,8 % mehr als 48 Stunden pro Woche arbeiteten.
Also nur eher ältere ohne Kind und Kegel.
Einer der Gründe für die deutlichen Altersunterschiede ist der hohe Anteil überlanger Arbeitszeiten bei Führungskräften, die eher in den höheren Altersgruppen zu finden sind. 30,3 % der Vollzeiterwerbstätigen in Leitungs- und Führungspositionen arbeiteten 2019 gewöhnlich mehr als 48 Stunden – bei den Erwerbstätigen ohne Führungsaufgaben lag dieser Anteil mit 8,3 % deutlich niedriger. Landwirtschaftliche Fachkräfte (32,7 %) und Erwerbstätige in akademischen Berufen (14,4 %) arbeiteten ebenfalls häufig länger. Am seltensten traten lange Arbeitszeiten bei vollzeittätigen Hilfsarbeitskräften (2,1 %), bei Bürokräften und kaufmännischen Angestellten (3,2 %) sowie bei Handwerkern (4,8 %) auf.
Ok, also dort wo man angeblich doch viele Leute sucht, da wird am wenigsten gearbeitet. Bei den höherwertigen Berufen scheinbar mehr. Vielleicht liegt das ja eher an dem Anspruch der Rollen (Führungskräfte) samit ihrer Entlohnung - hmm, könnte also mehr Geld eine Motivation sein (nein, doch, ohhh).
Sucht man die Gruppe, die am häufigsten über 48 Wochenstunden arbeitet, so wird man bei den Selbstständigen fündig: 46,3 % aller Selbstständigen arbeiten besonders lang.
Ok, also derjenige der die größte Verantwortung trägt und letztendlich für die eigene Tasche arbeitet (mehr Arbeit, mehr Geld) - hmm.
Aber, naja wir deutschen sollten hier ja gar nicht Jammern, wir sind ja schließlich verwöhnt was die Arbeitszeit angeht - oder?
https://www.marktundmittelstand.de/personal/die-deutschen-arbeiten-zu-wenig-1302061/
Die Deutschen arbeiten zu wenig
Handwerker sind nicht zu bekommen, die Unternehmen finden keine Bewerber für offene Stellen, Aufträge bleiben liegen. Einer der bekanntesten deutschen Ökonomen wagt sich deswegen zum ersten Mal von einer ganz neuen Seite an das Thema Sein Vorschlag: Einfach mehr arbeiten. Sollte also die 40-Stunden-Woche verschwinden?
Tatsächlich sieht es in Europa laut den jeweiligen offiziellen Länderstatistiken so aus: Im Jahr 2020 arbeiteten die Vollzeitbeschäftigten hierzulande durchschnittlich 40,5 Stunden. Damit rangiert Deutschland knapp unter dem EU-Durchschnitt, der bei 40,7 Stunden liegt.
Ja, wer arbeitet denn mehr?
Die fleißigsten sind rein statistisch gesehen die Griechen mit einer Durchschnittsarbeitszeit von 43,8 Stunden. Am Ende der Statistik stehen die Dänen, denen es schon nach 38,4 Stunden reicht. Die Arbeitszeit variiert in Deutschland je nach Branche, Tarif und Arbeitsverhältnis. Arbeiter und Angestellte machen in der Regel pünktlicher Feierabend als Selbständige und Führungskräfte. Kurzfristig sind Ausnahmen erlaubt. Bis zu 60 Wochenstunden dürfen es dann schon mal sein.
Sapperlot, da sollten wir aber direkt ran und mehr arbeiten als die ... Griechen? - Hä - Hopa, was ist denn hier los - hmm, lohnt sich das:
Die Deutschen sind produktiv
Ökonomen schauen allerdings beim Vergleich der Arbeitszeiten auch auf die Produktivität, also darauf, wieviel die Menschen in einem Land durchschnittlich in einer bestimmten Zeit schaffen. Hier liegen die Deutschen über dem Schnitt, ganz oben findet sich Dänemark, das sich so gesehen seine kurzen Arbeitszeiten leisten kann, deutlich unter dem Schnitt findet sich Griechenland, wo folgerichtig länger gearbeitet wird, um das gleiche zu schaffen. Die Produktivität steigt durch Hilfe von Maschinen und digitalen Arbeitsprozessen.
Ok, also bringen mehr Arbeitsstunden nicht unbedingt mehr Waren vom Fließband - ja wer hätte das gedacht. Woran kann das aber liegen, optimierte Arbeitsabläufe, Digitalisierung oder vieleicht einfach mehr Konzentration?
https://www.boeckler.de/de/pressemi...on-fachkraftebasis-und-sozialkassen-43038.htm
SICHERUNG VON FACHKRÄFTEBASIS UND SOZIALKASSEN: WAS BESSER HILFT ALS ARBEITSZEITVERLÄNGERUNG
Pauschale Verlängerungen von wöchentlichen oder von Lebensarbeitszeiten können Engpässe bei Fachkräften verschärfen und sind deshalb nicht geeignet, Arbeitsmarktprobleme durch den demografischen Wandel zu reduzieren und die Sozialkassen zu stabilisieren. Denn angesichts stark verdichteter Arbeitsabläufe und erheblicher psychischer und/oder körperlicher Belastungen an sehr vielen Arbeitsplätzen drohen bei weiter verlängerten Arbeitszeiten geringere Produktivität, vermehrte Leistungsreduzierung oder sogar Arbeitsausfall, etwa durch Unfälle oder Stress-assoziierte Erkrankungen, die wiederum zu höheren Sozialausgaben führen. Andere Beschäftigte könnten mit einem Wechsel in Teilzeit reagieren – ein Muster, das beispielsweise in der Pflege längst zu beobachten ist und den Fachkräftemangel dort vergrößert. Generell längere Vollzeit-Arbeitszeiten würden für Eltern, insbesondere Mütter, die Probleme verschärfen, Erwerbs- und Familienarbeit zu vereinbaren – mangels Alternativen könnte dieser Druck ebenfalls zur Reduzierung der vereinbarten Arbeitszeit oder sogar zum kompletten Rückzug aus der Berufstätigkeit führen. Junge Menschen in der Familiengründungsphase könnten noch höhere Vereinbarkeits-Hürden dazu bringen, auf Kinder zu verzichten. Zu diesen Ergebnissen kommen Dr. Eike Windscheid und Dr. Yvonne Lott in einer neuen Analyse der aktuellen Forschung.
Hups, echt mehr Arbeiten macht nicht glücklicher, zufrieden und satt? Wer hätte das gedacht.
So erhöhen lange Arbeitszeiten die Fehleranfälligkeit, auch Erschöpfung und Unfälle nehmen zu. Bei Wochenarbeitszeiten über 40 Stunden geht beispielsweise mit einer Verkürzung um eine Stunde das Unfallrisiko um etwa acht Prozent zurück.
Aua!
Aber es gibt doch dann mehr Kohle in die Sozialkassen oder?
„Überlange Arbeitszeiten erschweren Zugänge zu sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung und provozieren einen höheren Drop-out, z. B. aus Gründen des Verschleißes oder aus Vereinbarkeitsproblemen. Das vermindert Sozialkassenbeiträge.“
Ok, aber was machen wir denn gegen den Fachkräftemangel:
Daneben sei es wichtig, die oft pauschalen Arbeitgeber-Klagen über einen Mangel an Bewerberinnen und Bewerbern richtig einzuordnen. Denn in einem erheblichen Teil der Fälle sei das Problem hausgemacht, weil schlechte Konditionen der offenen Stellen, etwa unattraktive Gehälter oder ungünstige Arbeitszeiten ohne Kompensation, abschreckten.
Hmm, kommt mir so bekannt vor, gab es da nicht unlängst eine Branche die quasi Vorreiter für längere Arbeitszeit war?
https://blog.ostwestfalen.ihk.de/re...aessige-taegliche-arbeitszeit-auf-12-stunden/
In bestimmten Bereichen dürfen Arbeitnehmer ab sofort bis 31.7.2020 12 Stunden am Tag beschäftigt werden. Die Ruhezeit wurde von 11 auf 9 Stunden reduziert.
ah, hab ich mich doch korrekt erinnert, welche Branche war denn das?
Nach der Verordnung ist nunmehr erlaubt:
-Verlängerung der werktäglichen Arbeitszeit auf bis zu 12 Stunden (§ 3 Abs. 1 S. 1 Covid-19-Arbeitszeitverordnung)
-Verlängerung muss wegen COVID-19-Epidemie erfolgen und der Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung, des Gesundheitswesens und der pflegerischen Versorgung, der Daseinsvorsorge oder zur Versorgung der Bevölkerung mit existenziellen Gütern notwendig sein (§ 3 Abs. 1 S. 3 COVID-19-Arbeitszeitverordnung)
– Beschränkung auf bestimmte Branchen wie z.B. Herstellen, Verpacken, Liefern, Einräumen von Waren des täglichen Bedarfs, Arzneimitteln, Desinfektionsmitteln, medizinischer Versorgung und Pflege, Versorgungsunternehmen, Landwirtschaft und Tierhaltung, Betreiber von Datennetzen und Rechenzentren (§ 3 Abs. 2 Covid-19-Arbeitszeitverordnung)
Ok, die Pflegekräfte also, na dann schauen wir doch mal wie sich der Arbeitsmarkt seit der Erhöhung der Arbeitszeiten so entwickelt hat
https://gesundheit-soziales-bildung...ge/++co++a5eda66c-f12e-11ec-9db0-001a4a160100
So dreht sich die Spirale weiter: Weil sie die Arbeit unter diesen Bedingungen nicht mehr aushalten, verlassen immer mehr qualifizierte Pflegekräfte ihren Beruf oder verringern auf eigene Kosten ihre Arbeitszeit. Oft gehen Kolleg*innen schon kurz nach ihrer Ausbildung aus der Profession, die sie sich eigentlich aus gutem Grund gewählt hatten. Weil sie nicht das umsetzen können, was sie in der theoretischen Ausbildung gelernt haben. Weil sie sich nicht vorstellen können, unter den Bedingungen bis zur Rente durchzuhalten. Die Folgen sind: noch weniger Pflegekräfte und noch höherer Druck auf die Verbliebenen.
Ähhh....ok, was hätten die denn gerne um zu bleiben
95,1 % halten »bedarfsgerechte Personalbemessung« für wichtig
Klarer Befund: Eine bedarfsgerechte Personalausstattung ist der entscheidende Schritt zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Pflege. Das betonen über 95 Prozent derjenigen, die sich eine Rückkehr bzw. längere Arbeitszeiten vorstellen können.
Wenn man die Befragung weiter ließt dann stellt man fest, das vor allem Teilzeitkräfte zur Aufstockung ihrer Arbeitszeit bereit wären, maw.: Die würden gerne eher in Vollzeit arbeiten. Daraus ergibt sich aber auch, das eine Erhöhung der Gesamtarbeitszeit täglich auf 12 h eher kontraproduktiv ist, da diese Stunden einer anderen Pflegekraft gekürzt werden. Brutal könnte man auch rechnen, bei einer Erhöhung von 8 auf 12 h fällt einen Teilzeitkraftstelle mit 4 h komplett weg. Das steht aber im Gegensatz zu dem Wunsch der Beschäftigten an einer bedarfsgerechten Personalbemessung.
Aber, es gibt doch mehr Geld für die Leute, ist doch super - hmm naja:
https://www.haufe.de/amp/personal/h...it-ueberstunden-in-deutschland_80_412324.html
Mehr als die Hälfte der Überstunden sind unbezahlt
Mehr als die Hälfte der Überstunden - 892 Millionen - waren unbezahlt. Während die Zahl der durchschnittlichen unbezahlten Überstunden von 23 auf 21,9 sank (minus 5,8 Prozent), fiel der Rückgang der bezahlten Überstunden deutlicher aus: Machten Beschäftigte 2019 noch durchschnittlich 22,3 bezahlte Überstunden, waren es 2020 nur noch 19 (minus 15,4 Prozent). Das zeigt die Arbeitszeitrechnung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Ingesamt machten die Arbeitnehmenden in Deutschland rund 775 Millionen (2019: 915 Millionen) bezahlte und 892 Millionen (2019: 948 Millionen) unbezahlte Überstunden.
ähh, ok - mehr arbeiten für keine Kohle, wie geht das - ach ja, da gab es ja das tolle Modell der Vertrauensarbeitszeit. Moment, wurde da nicht was vom Eugh kassiert - ach ja:
https://www.boeckler.de/de/intervie...teil-hat-weitreichende-konsequenzen-20044.htm
Das IAB
leisten hier im Schnitt mehr Überstunden, als diejenigen mit festen Arbeitszeiten oder Gleitzeit.
Arbeitszeit wird durch das Urteil des EuGH damit rechtlich gesehen nicht mehr oder weniger flexibel als zuvor. Das Konzept der „Vertrauensarbeitszeit“, die nachweislich zu einem Mehr an unbezahlten Überstunden führt, wird aber, so wie sie heute praktiziert wird, vielerorts wohl nicht haltbar sein. Das Urteil bietet damit auch die Chance, der Entgrenzung von Arbeit und Freizeit entgegenzuwirken.
Tja, nunmehr nach all dem Kram da oben, ich sehe nicht wie eine Lockerung des Arbeitszeitgesetzes nach
oben ein Vorteil für die
unten entstehen soll. Vielmehr ist zu befürchten, das die Abwanderung von Fachkräften in bestimmten Branchen (siehe Pflege und Gesundheit aber auch Polizei, dort gibt es ja auch mega Überstunden) noch weiter dadurch forciert wird. Ähnlich wie bei der Vertrauensarbeitszeit ist dann sogar zu befürchten das der ein oder andere anstatt 12, doch 13, 14, 15 Stunden arbeitet bzw. soll.
Nach meiner eigenen Erfahrung (> 20 Jahre Vertrauensarbeitszeit) neigen die meisten Arbeitnehmer eher zur Selbstausbeutung weil sie schlicht Angst vor personellen Konsequenzen haben. Dabei habe ich festgestellt, das es grade diejenigen sind die sich immer mit vielen Stunden brüsten, die mit die schlimmsten Fehler und Murks produzieren. Einer meiner Vorgesetzten hat mal gesagt, das man eh nicht mehr als 4 h gute Arbeit am Tag leisten kann, sprang dann auf sein Rennrad und übte für den Triatlon. Auch ich hab in der Anfangszeit meiner IT-Karriere teils 12 h am Tag und mehr gearbeitet. Unbezahlte Überstunden, weil ähh Außertariflich. Das hat mir später nicht wirklich gut getan und geholfen aber als junger ITler spielt man halt gerne mit seinem Spielzeug.
Diejenigen die bei uns lange Arbeiten sind meist die, die man zu jeder Zeit an der Kaffeebar findet - ob es das nun bringt, bei der Bearbeitung von Projekten. Mir könnte es egal sein, ich definiere mich nicht über Arbeitszeit sondern über die Umsetzungsgrad meiner Projekte (immer zu langsam, aber wegen den anderen

). Ich befürchte aber, das es nur zu mehr Fehler, mehr Unfälle und weniger Fachkräften führt. Temporär verdient nur einer daran: Der "shareholder" (also meine Kinder mit ihren Ausbildungsfonds...). Ich möchte auch ehrlich gesagt nicht in ein öffentliches Verkehrsmittel steigen, wo der Typ vorne schon 12 h auf dem Zeiger hat - gruselig.
Auf alle Fälle müsste gewährleistet sein, das jede Arbeitsstunde korrekt erfasst wird und nicht wie bislang, die hälfte einfach for low geleistet wird. Dann bitte noch den Mindestlohn rauf und wir werden sehen welcher Arbeitgeber bereit ist12 h * (halten wir uns mal an Californien) 15 Euro zu zahlen.