KTMN: Bereits im dritten Rennen ihrer Karriere den ersten Sieg: Pole und Rennsieg, was bedeutet das für Sie?
Wil: Ich bin natürlich überglücklich sowohl über die Pole wie auch über den Sieg!
KTMN: Nach den Ergebnissen in der Quali hätten wir mit einem einfacheren Verlauf im Rennen gerechnet, weshalb mussten Sie bis zum Schluss kämpfen?
Wil: Leider vermochte mich auch in Indien nicht aus gewissen Anfangsscharmützeln rauszuhalten. Der Start war zwar in Ordnung und ich konnte vorne bleiben, jedoch wurde mir bereits Kurve drei zum Verhängnis. Wegen der kalten Reifen und des bescheidenen Standardsetups verzögerte der Wagen zum einen deutlich langsamer als angenommen und liess sich zum anderen nur wie ein störrischer Esel zum einlenken bewegen… Nachdem ich auch in diesem Rennen dann noch unsanft von der Strecke befördert wurde, befand ich mich wiederum auf P5 und musste mich zurückkämpfen. In Anbetracht des zu konservativen Setups fehlte mir auch der nötige Speed um ohne übermässigen Aufwand - d.h. auf den Geraden - überholen zu können. Hauptproblem war aber das Setup, ich bin damit schlicht und ergreifend nicht wirklich warm geworden und habe dadurch auch massig kleinere Fehler begangen. Ich denke, das Rennen wäre für uns deutlich einfacher abgelaufen, hätten wir unser eigenes Setup verwenden können.
KTMN: Schlussendlich war die Ausgangslage aber für alle gleich…
Wil: Selbstverständlich! Und die Pace von Rockeracer zeigt, dass er sich auf die neuen Begebenheiten schlicht besser einzustellen vermochte als wir.
KTMN: Wie gelang es Ihnen, von P5 wieder ganz nach vorne zu kommen?
Wil: Ich hatte mich auf der Strecke bis auf P3 nach vorne gekämpft, dann kam der Unfall von Kuhbesamer. Durch das SC wurde das Feld wieder zusammengebracht, was mir sehr entgegen kam. Ich konnte zudem den Stopp optimal zu Beginn der SC-Phase durchführen, wodurch ich auf Rang zwei nach vorne stiess. Nach dem Neustart entfachte ein wilder, aber äusserst fair geführter Spitzenkampf zwischen Rocketracer und mir. Wir haben uns über das halbe Rennen bekämpft - mal war man vorne, mal hinten. Wir waren von der Pace her so nahe beisammen, dass es kaum möglich war, den Gegner aus der DRS-Zone abzuschütteln. Nachdem mich Rocketracer kurz vor Schluss erneut schnappen konnte, machte ich unnötigerweise einen kleinen Fehler, wodurch ich ihn auf über 2 Sekunden davonziehen lassen musste. Nur ein Fehler seinerseits ermöglichte es mir, wieder heranzukommen und dank DRS vorbeizugehen. Alles in allem hätte es in diesem Rennen zwei Sieger geben müssen.
KTMN: Was sagen sie zur Leistung von Rocketracer?
Wil: Er fährt fantastisch und war bisher in allen Situation vorne mit dabei. Wirklich weltmeisterlich! An dieser Stelle natürlich auch herzliche Gratulation an MAXStarP3T3 für seine Podestplatzierung. Etwas weniger Glück hatten leider die bisherigen ersten Verfolger von Rocketracer, nämlich Barry the Scarry und Kuhbesamer. Für beide lief das Rennen leider sehr schlecht. Bei Kuhbesamer bin ich froh, dass er den Unfall heil überstanden hat und ich hoffe, dass er in alter frische zurück sein wird in Kanada. An dieser Stelle gute Besserung und ein sorry für unsere Berührung. Barry dagegen wurde offensichtlich Opfer verschiedener Zwischenfälle. Die Pace sowohl in der Quali wie auch im Rennen haben gezeigt, dass auch er ganz vorne hätte mitfahren können. Ich hoffe, dass er sich dadurch nicht allzu sehr entmutigen lässt und die passende Antwort in Kanada auf der Strecke geben wird.
KTMN: Es gab wiederum zahlreiche Zwischenfälle. Insbesondere läuft zur Zeit eine Untersuchung gegen i am a xbox - was sagen sie dazu?
Wil: Die Zwischenfälle in Indien kann ich nicht kommentieren, denn ich habe sie nicht gesehen. In den bisherigen Rennen ist mir seine aggressive, zuweilen auch etwas rücksichtslose Fahrweise auch schon aufgefallen und ich musste auch schon den Acker pflügen wegen ihm … Problematisch scheint mir vor allem zu sein, dass er trotz erbosten Fahrern aus den verschiedensten Lagern kein Einsehen zu haben scheint.
KTMN: Die Forderungen der Fahrer gehen von Punkteabzug, über Sperren bis hin zum Ausschluss: Wie ist ihre Sicht der Dinge?
Wil: Also einen Ausschluss halte ich nicht für angemessen, immerhin war eine Bestrafung trotz verschiedener Zwischenfälle bisher kein Thema. Eine gewisse Einsicht vorausgesetzt halte ich eine mildere Strafe für ausreichend.
KTMN: Was heisst für Sie Fairness?
Wil: Also vorerst muss man mal festhalten, dass Fehler passieren. Es ist wohl kein Fahrer dabei, welcher diese Saison noch keine Berührung (mit)verschuldet hat. Es gehört sich aber, die Fehler anstandslos zuzugeben, den „gefoulten“ wieder überholen zu lassen und schliesslich - ganz wichtig - aus den Fehlern auch etwas lernen zu wollen.
Es ist ja denn auch nicht so, dass ein faires Verhalten auf der Strecke eine Einbahn wäre: In aller Regel ruiniert man sich das eigene Rennen früher oder später auch selbst, wenn man zu rücksichtslos zu Werke geht. Von daher gilt es halt, im Zweifelsfalle zurückzustecken und nicht zu erwarten, dass das Gegenüber dies auch tut.
KTMN: Zurück zum gestrigen Rennen: Was bedeutet der Sieg in Indien für die WM?
Wil: Der Sieg ist natürlich toll und ich konnte Plätze in der Fahrer-WM gutmachen. Nachdem Rocketracer auch in Indien kräftig gepunktet hat (18 Punkte, Anm. d. Red.), hat er seinen Vorsprung jedoch gar noch ausgebaut. Wenn er so konstant weiterfährt, wird kein Weg an ihm vorbei führen.
KTMN: Und die Teamwertung?
Wil: Ein leidiges Thema… Eric wird sich im Verlaufe der Woche sicherlich noch dazu äussern - Tatsache ist, dass das Team zur Zeit mit dem Auftreten bzw. dem Nichtauftreten von PatrickB. äusserst unzufrieden ist. Bevor ich jedoch nicht seine Sicht der Dinge gehört habe, möchte ich mich dazu nicht äussern. In Anbetracht des fantastischen Autos und dem bisherigen Steigerungslauf (P5 in Australien, P3 in Spa, P1 in Indien, Anm. d. Red.) ist es aber schon sehr ärgerlich, dass zur Zeit nur ein Fahrer überhaupt versucht, Punkte für die Konstrukteurs-WM zu liefern.
KTMN: Noch eine letzte Aussicht auf Kanada: Was erwarten Sie?
Wil: Ich bin leider noch nicht sicher, ob ich in Kanada an den Start gehen kann. Die Strecke jedoch ist fantastisch wie alle in der KTWM. Der Kurs dürfte dem Gros der Fahrer wesentlich besser liegen als Indien, entsprechend denke ich, dass die Zeiten näher beisammen sein werden als zuletzt.
KTMN: Herzlichen Dank für Ihre Zeit!