Ich verstehe deinen Punkt, aber für mich persönlich ist das ein riesen Unterschied. Wir reden hier von jungen Leuten, die normal über eine Erkältung lachen.
Fall 1: Es sind 0 Leute wirklich stark krank. Das ist ein Szenario, wo ich dir absolut beipflichte. Es ist nichts weiter passiert, wir leben mit der Welle, die hier immer wieder über unsere Bevölkerung schlagen wird.
Fall 2: Es hat sich 1 junge Person von 70 so schwer angesteckt, dass sie ins Krankenhaus muss. Sry, das ist ein absolutes No Go und würde darauf hindeuten, dass hier 1 junge Person durch den neuen Erreger eine fortschreitende Lungenschädigung hat (die bei Leuten, die im Krankenhaus landen, immer schon einsetzt)
1 von 70 ist bei Kindern und Jugendlichen einfach zu viel. Das macht die Diskussion so schwierig, aus meiner Sicht.
Gut, prinzipiell würde es mich tatsächlich schon bei 1 v. 70 wundern, da die Quote da auch geringer sein sollte.
Und natürlich ist es tragisch, wenn sich junge Menschen eine Krankheit holen, die sie ins KH schickt und evtl. sogar Langzeitschäden verursacht. Wobei gerade heute ein SZPlus-Artikel erschienen ist, der sich mit Long Covid bei Kindern beschäftigt und da gibt es erhebliche Zweifel am Krankheitsbild an sich, da es kaum doppelblinde Studien und schon gar keine Metastudien gibt und die wenigen Studien mit Kontrollgruppe teilweise keinerlei Unterschied bei "Long Covid" Symptomen zwischen Jugendlichen mit Infektion und der Kontrollgruppe ohne COVID-Infektion gibt.
Da ist das letzte Wort noch in keine Richtung gesprochen.
So, aber mein Hauptpunkt ist: Nehmen wir mal eine neue Krankheit an, die bei jüngeren Menschen ca. 1% der Infizierten ins KH bringt, beim Rest höchstens mittelschwere Erkältungssymptome auslöst und selbst die im Krankenhaus bis auf ganz wenige tragische Fälle wieder vollständig ausheilen.
Währenddessen hat die Infektion auf ältere Menschen keinen deutlich schlimmeren Einfluss (um mal die hohe Durchimpfung dort gedanklich einzubeziehen).
Würden wir da auch nur eine Sekunde darüber nachdenken, so drastische Einschnitte in die Freiheitsrechte vorzunehmen, wie es jetzt noch der Fall ist? (EDIT: Oder besser gesagt beim Status Quo wieder passieren wird, wenn die Regeln nicht angepasst werden und die Fallzahlen weiter steigen)
ich denke nicht. Ich denke, das würde durchaus wahrgenommen werden aber kein all zu großes Thema sein.
Damit meine ich: Bei der Bewertung der Situation und v.a. den gesellschaftlichen Maßnahmen muss man mehr auf die Ist-Situation schauen - die sich durch Impfungen drastisch verändert hat - und nicht auf den Clusterfuck, den wir 2020 noch hatten.
es ist schwer - die Berechtigung der Einschränkung vieler Freiheitsrechte ist nichts, was man auf die leichte Schulter nehmen darf und ich beobachte ein wenig, dass die anfängliche Begründung, dass wir unser Gesundheitssystem vor Überlastung schützen müssen - wo ich absolut dahinter stand und stehe - von der Begründung, dass wir möglichst viele Fälle verhindern müssen, abgelöst wird.
Und das halte ich für falsch, für bedenklich hinsichtlich der langfristigen Zukunft des Systems und der Unantastbarkeit der Grundrechte.
So kaltherzig es klingt - aber wenn gesamtgesellschaftlich keine Gefahr droht, zentrale Systeme zu überlasten und es im Prinzip um seltene Fälle geht müssen die Grundrechte über den schwer erkrankten Jugendlichen stehen.
Wenn die Grundrechte nicht diesen hohen, eigentlich bis auf Extremsituationen unantastbaren Rang haben werden wir als Gesellschaft u.U. Einschränkungen immer schneller als gerechtfertigt ansehen. Das muss verhindert werden.