Auch die Europäische Seuchenbehörde ECDC hat in einem „Threat Assessment Brief“ erste Erkenntnisse über die neue Virusvariante zusammengetragen. Danach gibt es bereits aus Dänemark (9), den Niederlanden (1), Australien (1) und Belgien (4) Nachweise des Erregers. Bislang seien aus Deutschland keine Nachweise von B.1.1.7.-Viren bekannt (laut Datenbank des Konsiliarlabors für SARS-CoV-2 am Institut für Virologie der Charité in Berlin).
Allerdings werden in Deutschland nicht wie im COG-UK Konsortium in Großbritannien 5 bis 10% aller positiven Virusproben komplett sequenziert. Es kann also nicht ausgeschlossen werden, dass die neuartige Virus-Variante bereits nach Deutschland eingeschleppt worden ist. „Leider gibt es außerhalb von Großbritannien nur wenige vergleichbar starke Genomsequenzierungsnetzwerke“, sagt Privatdozent Dr. Roman Wölfel, Oberstabsarzt und Leiter des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr, München.
Keine Hinweise auf höhere Sterblichkeit oder Wirkverlust von Impfungen und Medikamenten
Der Virusexperte und Berater der britischen Regierung Prof. Dr. Chris Whitty gab laut
Medscape UK eine Erklärung ab, in der er sagte: „Aufgrund der raschen Verbreitung der neuen Variante, den vorläufigen Modellierungen und den schnell steigenden Inzidenzraten im Südosten hat die NERVTAG (New and Emerging Respiratory Virus Threats Advisory Group) Bedenken, dass sich die neue Variante sehr viel schneller ausbreiten kann.“ Allerdings, so räumt er ein, gebe es derzeit „keine Hinweise darauf, dass der neue Stamm eine höhere Sterblichkeitsrate verursacht oder die Wirkung von Impfstoffen und Behandlungen beeinflusst“. Derzeit werde mit Hochdruck daran gearbeitet, dies zu bestätigen.
Wie er bei einer Pressekonferenz sagte, handele es sich derzeit bereits im Südosten von England bei 43% des Virusnachweise um diese neue Variante, in Ostengland bei 59% und in London sogar bei 62%. Und: In Gebieten, in denen die neue Variante vorherrsche, seien auch die Hospitalisierungsraten höher.