Seit März 2020 äußerte sich Stefan Homburg in den Medien, auf YouTube und bei öffentlichen Demonstrationen zur
COVID-19-Pandemie in Deutschland. Am 13. April 2020 veröffentlichte er das Diskussionspapier
Effectiveness of Corona Lockdowns: Evidence for a Number of Countries. Laut seiner Darstellung sind die staatlichen Maßnahmen der Lockdowns in sieben Ländern zwischen zwei und acht Tagen nach dem Wendepunkt der Neu-Infektionen erfolgt. Dies sieht er als Evidenz dafür an, dass Länder mit dem Lockdown nicht besser durch die Pandemie gekommen seien als jene ohne.
[31] Am 15. April veröffentlichte Homburg in der Zeitung
Die Welt den Meinungsartikel
Warum Deutschlands Lockdown falsch ist – und Schweden vieles besser macht.
[32] Homburg wandte sich zunächst gegen die weitgehende Schließung der deutschen Volkswirtschaft (
Lockdown) vom 23. März 2020 und gegen den Beschluss vom 15. April 2020, den Lockdown im Wesentlichen fortzusetzen.
[33] Homburgs Ansicht zufolge sollte sich Deutschland am Vorbild
Schweden orientieren, dessen Regierung keinen Lockdown verfügte.
[32] In einem YouTube-Interview mit
Milena Preradovic vom 17. April 2020 bezog er sich zur Begründung seiner Position auf Zahlen des
Robert Koch-Instituts und erklärte erneut, die politischen Maßnahmen seien unnötig und kaum wirksam.
[34]
In einem
Correctiv-Faktencheck wurden die Aussagen von Homburg zur Corona-Krise als „teilweise falsch“ eingestuft; der Artikel von Correctiv berief sich dabei zum Teil auf Aussagen des
Robert Koch-Instituts, die dieses per Mail übermittelt hatte.
[35] Auch verschiedene Wissenschaftler – u. a. vom
Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation sowie die Ökonomen
Rüdiger Bachmann,
Sebastian Dullien und
Jan Schnellenbach – widersprachen Homburgs Äußerungen und seiner Interpretation der Zahlen. Bachmann warf Homburg grobe methodische Fehler vor.
[36][37][38][39][40][41] Homburg hatte in dem Preradovic-Interview außerdem geäußert, die Bundesregierung sei insgeheim der gleichen Meinung wie er, und dass die „Eliten […] um den wahren Sachverhalt“ wüssten. Auch
Bundesgesundheitsminister Spahn wisse, dass das „Ganze […] überhaupt nicht gefährlich“ sei.
[42]
Ende April rückte Homburg die Bundesregierung in die Nähe einer
Diktatur und erklärte, „Wir haben jetzt hier eine Art chinesisches Politikmodell“. Der
Süddeutschen Zeitung bestätigte er auf Nachfrage, dass er die Einschätzung „Faschismus“ teile, die von einem Besucher der Demo als Reaktion auf seine Rede gerufen wurde. In verschiedenen Reden schürte er auch
Furcht vor Impfungen und mutmaßte, der COVID-19-Ausbruch könnte Folge einer Impfkampagne in Norditalien sein. Er hielt es ebenfalls für sicher, dass es zu Zwangsimpfungen gegen das Corona-Virus kommen wird. Die von Medizinern inzwischen empfohlenen Schutzmasken bezeichnet er als „Sklaven-Masken, mit denen die Bevölkerung psychisch niedergehalten werden soll“.
[42]
Am 9. Mai 2020 trat er in Stuttgart als Redner auf einer unter anderem von
Verschwörungstheoretikern besuchten Demo gegen die COVID-19-Einschränkungen auf, bei der auch
Ken Jebsen sprach. Dort erklärte er, dass Wissenschaftler, die die Regierung zur Pandemie berieten, „weitgehend korrumpiert“ seien, und behauptete, seit der Ausbreitung des Corona-Virus verstehe er nun besser, was 1933 bei der
Machtergreifung geschehen sei.
[43] Zudem nannte er dort die vom
Robert Koch-Institut produzierten Statistiken „Lügen“.
[42] Einige Tage später nahm er Bezug auf seinen Vergleich mit 1933 und bekräftigte auf Twitter: „Das hier IST 1933“.
[44]
Die
Süddeutsche Zeitung schrieb in einem Artikel vom 14. Mai: „Wilde Behauptungen, keine Belege.“ Sie attestierte ihm eine „selektive Wiedergabe von Informationen“; dies sei ein „typisches Mittel“ zur Verbreitung von
Verschwörungsmythen. Homburg selbst sei zwar „kein ungehobelter Covidiot, keiner von denen, die die ganze Corona-Krise für eine irre Verschwörung halten“, er trete aber vor ihnen auf. Wie in „vielen Verschwörungsbeiträgen“ mische Homburg zudem „unbelegte Vorwürfe mit legitimen Kritikpunkten und Abwägungen“. Zuvor hatte Homburg u. a. die aktuelle Situation in Deutschland mit der Anfangszeit des
Nationalsozialismus verglichen.
[42]
Der Journalist und Kulturhistoriker
Dieter Schnaas urteilte Mitte Mai 2020 in der
Wirtschaftswoche, dass Homburgs „Regierungskritik eskaliert“ sei „und das, was einmal diskutabel war an Homburgs ‚Kritik‘ [...] der Ökonom Jan Schnellenbach bereits mustergültig destruiert“ habe.
[45] Homburg verfasste darauf im Blog
Wirtschaftliche Freiheit eine Replik an
Schnellenbach.
[46]
Am 23. Mai 2020 wurde bekannt, dass Homburg Studenten, die einen Protestbrief zu seinen Thesen zum Lockdown auf seiner Vorlesungsplattform hochgeladen hatten, von seiner Online-Vorlesung „Öffentliche Finanzen“ ausgeschlossen hat.
[47] Er begründete dies damit, dass die Studenten damit auf der Lernplattform „vandaliert“ hätten. Er habe vorher mitgeteilt, dass es dort ausschließlich um das Vorlesungsthema gehen solle. Den Studierenden würde das Lehrmaterial zugeschickt. Als Reaktion auf den Ausschluss erklärte die Leibniz-Universität Hannover, den Vorfall zu prüfen.
[48][49] Am 25. Mai veröffentlichten Senat, Präsidium und Hochschulrat der Universität Hannover eine gemeinsame Erklärung,
[50] in der sie auf die Grundrechte der Wissenschaftsfreiheit und freien Meinungsäußerung verwiesen. Zugleich distanzierten sie sich aber dezidiert von Homburgs Äußerungen, insbesondere in Bezug auf dessen Twitter-Tweet, in dem er heutige Verhältnisse mit 1933 gleichgesetzt hatte. Das sei „eine unerträgliche Verharmlosung der Geschehnisse im Jahr 1933“. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung teilte Homburg mit, er habe „niemals Parallelen zur nationalsozialistischen Diktatur gezogen“, sondern beziehe sich auf „Gefahren wie in der Spätphase der
Weimarer Republik“.
[51]