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KT Bart Wux denkt: Spiele für Erwachsene?

Benutzer, welche sich diesen Thread anschauen:

Videospiele sind eher selten mit Kunst oder Kultur verbunden. In letzter Zeit vermag ich auch des Öfteren zu sehen, wieso und warum. Warum Videospiele immer noch als Kinderkram abgetan und nicht als vollwertiges Hobby anerkannt sind. Warum sich niemand schämen muss, lesen, Skifahren oder Badminton als Hobbies anzugeben, warum man aber bei Videospielen zwei Mal überlegt, wie das Gegenüber reagieren könnte. Mittlerweile zocke ich seit 19 Jahren und ohne jetzt mir den Stempel des Nachdenklichen zu verpassen, der meint, sich den Ansprüchen der Allgemeinheit an einen Dreißigjährigen anpassen zu müssen, so muss ich einfach sagen, dass ich, wenn auch nur der Abwechslung halber, gerne mal ein paar reifere Spiele für Erwachsene auf dem Markt sehen möchte. Um Missverständnissen klar vorzubeugen: Mit Spielen für Erwachsene meine ich keineswegs 18er Titel mit massig Gore, Gewalt und Sex. Ich meine das krasse Gegenteil.

Ich fühle mich mehr und mehr persönlich beleidigt, wenn ich sehe, welche Spiele für mich als Zielgruppe hergestellt werden. Beispiele aus jüngerer und etwas weniger jüngerer Zeit:

Ninja Gaiden 2 auf der Xbox360. Es bietet eine Story, die von einem Zehnjährigen nach Logiklöchern zerpflückt werden könnte und versucht dies, durch eine unnatürliche Menge an Blut und Gore sowie unmenschlich proportionierten, halbnackten Damen zu kompensieren.

Mad World auf der Wii will das Image der Kiddiekonsole ankratzen und alles, was es bietet, ist ein Gorefestival, das auf einer Party für das eine oder andere "OOOOOOOOOOAHHHH, GEIL, ALTER!" sorgen, aber sicherlich nicht das Videospielen als Hobby für den Anwalt nach Kanzleischluss etablieren wird.

Fairytale Fights nimmt die schönen Geschichten und Charaktere der Märchen, mit denen wir aufgewachsen sind und pervertiert sie zur Videospielvariante von Happy Tree Friends... und hat dann noch den Nerv, das Gameplay so zu verhunzen, dass selbst die 90 Sekunden lange Demo langweilt, bevor sie endet.

Und dann ist da natürlich Modern Warfare 2, dessen Gameplay unverändert auf einem sieben Jahre alten Prinzip fußt, aber sich dadurch als ernsthaften Beitrag zum aktuellen Politikgeschehen verstehen will, dass man in einer der dümmsten und unrealistischsten Missionen aller Zeiten ein paar NPCs auf einem Flughafen abmurkst.

Vielleicht aber wird es am deutlichsten, wenn man sieht, wie Videospieldesigner bekannte Figuren der Zeitgeschichte und Geschichte selbst behandeln. Vergessen wollen wir ganz grundsätzlich die Tatsache, dass der Zweite Weltkrieg seit Jahren als Abenteuerspielplatz für pickelige Teenager herhalten muss.

Aber man sehe sich nur einmal an, wie beispielsweise Leonardo da Vinci in Assassin's Creed II behandelt wird. Der Mann ist einer der berühmtesten Künstler der Weltgeschichte und laut einem bekannten Onlinelexikon als Maler, Bildhauer, Architekt, Anatom, Mechaniker, Ingenieur und Naturphilosoph einer der vielseitig begabtesten Menschen aller Zeiten gewesen. In AC II wird er zum schwätzenden Schwarzmarkt-Waffenhändler degradiert.

Die Französin Violette Szabo war eine Agentin im Dritten Reich, dessen Leben wie so viele ein abruptes Ende durch das NS Regime nahm. Im Spiel Velvet Assassin ist die nach ihr erschaffene Violette Summer eine Britin, die in Unterwäsche durch ein Krankenhaus rennt und Nazis zu allen Seiten abknallt.

Mehr oder weniger das Gleiche hat man mit dem englischen Rennfahrer und Widerstandskämpfer William Grover-Williams gemacht, nur dass man seine Nationalität in The Saboteur zu einem Iren abgewandelt hat, der lallend und Flüche raus hauend Nazis im Dutzend billiger nieder mäht.

Aus dem Poeten Dante Alighieri macht man in Dante's Inferno kurzerhand Kratos für ganz, ganz Arme, der sich ein Kreuz auf die Brust näht und sich mit Sichel durch sein eigenes Gedicht schlachtet.

Spätestens allerdings wenn man Brüste mit dem Controller wackeln lassen (Ninja Gaiden Sigma 2) oder durch Download-Codes entblößen (The Saboteur) kann, fragt man sich, was für ein Bild der Entwickler dieses Spiels wohl von seinem Kunden gehabt haben muss.

Nun ist gegen unreifen Spaß an sich natürlich nichts einzuwenden. Saint's Row 2 lebt einzig von diesem Konzept und das ziemlich gut. Der Unterschied ist nur: Saint's Row 2 weiß, wie lächerlich unreif es ist und der Spaß, einfach mal sie Sau ohne Konsequenzen und Schuldgefühle raus zu lassen, macht Saint's Row 2 eben zu diesem guilty pleasure. Das ganze Spiel ist so überzeichnet, dass das Augenzwinkern kaum zu übersehen ist. Bei so vielen anderen Titeln habe ich leider den Eindruck, dass die das tot-ernst meinen.

Wie könnte ein richtig ernst zu nehmendes, anspruchsvolles Spiel für Erwachsene denn nun aussehen und trotzdem noch ein richtig spaßiges Gameplay bieten? Es gibt Titel, denen ich niemals Unreife attestieren würde, die zudem viel Spaß machen und sich sicher auch als Demonstration für Besuch eignen. Uncharted 2 ist da sicherlich ein solcher Titel, doch so gut er dann auch ist (und er IST es), schlussendlich ist Uncharted 2 (gewollt) das Videospieläquivalent zum Hollywood-Sommerblockbuster und auch wenn es damit weit über den meisten anderen Spielen steht, so bin ich nicht sicher, ob ich Uncharted 2 wirklich meine.

Ich denke auch an Max Payne, dessen Story sicher keine Preise für Originalität gewinnen wird, dessen geschickter Wechsel zwischen Cutszenes, Comicsequenzen, Voiceacting und Neo-Noir Stimmung sich wohltuend von den üblichen sinnlosen Shootern ab hob.

Ich erinnere mich auch gerne an Folklore mit seiner ruhigen Stimmung und dem interessanten Ende, aber ein Spiel mit Elfen war auch nicht wirklich in meinem Sinne.

Alles in allem ist es leichter zu sagen, was ich nicht will als zu benennen, was ich will. Was ich nicht will ist, dass die Entwickler glauben, der Anblick künstlicher, unbeweglicher, detailarm animierter, nackter Frauennippel oder die Möglichkeit, in möglichst realistisch aussehender Weise Menschen abschlachten zu dürfen seien schon genug, um all meine Bedürfnisse zu befriedigen.

Solange allerdings Kleidung für virtuelle Männecken im Dashboard zum Verkauf angeboten wird, dürfte klar, was die Industrie von ihrem Kunden hält. Und solange das Zeug gekauft wird, haben sie auch vollkommen recht.
 
Das Problem, warum Spiele noch immer teilweise belächelnd werden, ist, dass die Masse garkeinen Schimmer hat, wieviel Arbeit dahinter steckt. Ein Spiel kostet idR genauso viel Arbeit wie ein guter Film. Aber Filme gabs schon immer.

Wenn ich mir die ganzen Diskussionen bzgl Killerspiele etc anhöre, wird mir echt ganz anders. Denkt mal jemand daran, wie genial die sterbenden Zivilisten in Warfare 2 animiert sind? Da gehts nicht nur um Blut und eine überflüssige Diskussion. Was die Entwickler da vollbracht haben, IST Kunst.
 
Christian86 schrieb:
Das Problem, warum Spiele noch immer teilweise belächelnd werden, ist, dass die Masse garkeinen Schimmer hat, wieviel Arbeit dahinter steckt. Ein Spiel kostet idR genauso viel Arbeit wie ein guter Film. Aber Filme gabs schon immer.

Wenn ich mir die ganzen Diskussionen bzgl Killerspiele etc anhöre, wird mir echt ganz anders. Denkt mal jemand daran, wie genial die sterbenden Zivilisten in Warfare 2 animiert sind? Da gehts nicht nur um Blut und eine überflüssige Diskussion. Was die Entwickler da vollbracht haben, IST Kunst.

QFT. In Filmen regt sich auch kein Kritiker auf, dass zig tausend Unschuldige sterben.
 
Bart Wux schrieb:
Mittlerweile zocke ich seit 19 Jahren und ohne jetzt mir den Stempel des Nachdenklichen zu verpassen, der meint, sich den Ansprüchen der Allgemeinheit an einen Dreißigjährigen anpassen zu müssen, so muss ich einfach sagen, dass ich, wenn auch nur der Abwechslung halber, gerne mal ein paar reifere Spiele für Erwachsene auf dem Markt sehen möchte. Um Missverständnissen klar vorzubeugen: Mit Spielen für Erwachsene meine ich keineswegs 18er Titel mit massig Gore, Gewalt und Sex. Ich meine das krasse Gegenteil.

Ich sehs ähnlich.
Die Videospieler werden immer älter, aber vorgesetzt bekommt man immer noch 'Kinderkram', der einfach nur auf mehr setzt: mehr Blut, mehr Gewalt, mehr Sex.
Ich bin bald 32, und ja, ich fühl mich auch nicht immer wohl, wenn ich sage, eines meiner Hobbies sind Videospiele. Bestenfalls stösst man da auf ein halb nachsichtiges, halb mitleidiges Lächeln.

Was reifere Spiele angeht, hoffe ich auf Heavy Rain. Auch wenn das wegen den vielen QTEs vom Spielprinzip eher nix für mich ist. Aber die Aufmachung und die Story wirken ziemlich anspruchsvoll.
 
Das Problem ist ja auch, dass ihr euch mit dem Hobby nicht wohl fühlt. Falls mich einer schief anguckt bei dme Thema, erklär ich ihm/ihr, was dahinter steckt und dass das eine Profession ist (nicht das Zocken an sich).
 
Christian86 schrieb:
Das Problem ist ja auch, dass ihr euch mit dem Hobby nicht wohl fühlt. Falls mich einer schief anguckt bei dme Thema, erklär ich ihm/ihr, was dahinter steckt und dass das eine Profession ist (nicht das Zocken an sich).

Tue ich das, gucken mich die Leute noch schiefer an. Aber vermutlich erklärst du bedeutend beeindruckender...
 
Ist klar. Aber wie erklärst du, dass du gerne Locust zersägst? :D Ich verstehe Bart's Punkt durchaus - es fehlt an Games, die wirklich ernsthaft sind und in denen die "Spielkunst" ähnlich wie die "Filmkunst" zur Geltung kommt. BeyondGood&Evil... Vielleicht noch TheDarkness, aber da wirds auch schon schwierig ;)
 
Christian86 schrieb:
Das Problem ist ja auch, dass ihr euch mit dem Hobby nicht wohl fühlt.

Das hat doch damit nix zu tun.
Aber erklär mal einem völligen Laien, am besten einem ab 50 aufwärts, das Spielprinzip von nem Shooter oder nem Hack and Slay....
 
Ich würde zB kurz anreißen, was alles getan werden muss, bis das Blut so spritzt, wie es spritzt und dass zig Leute Am Konzept des Zersägens gearbeitet haben, dass zig Arbeitsstunden draufgingen und dass es sowas derart vorher noch nicht so gut gab etcpp.

Am liebsten zeige ich unwissenden, was ein Polygon ist. 3D-Prog aufmachen, Poly aufziehen und sagen, dass man daraus Spiele macht.

@ Seo: Es geht ja nicht ums Spielprinzip- nicht bei meinem Diskussionsansatz. Oder wo ist das Zuschauerprinzip bei ähnlichen Filmen? Worum gehts denn da?


Meine Eltern zB sagen oft von sich aus, wenn sie eine neues Spiel oder einen Film sehen, wieviel Arbeit da wohl drinstecken mag. Dadurch, dass ich ihnen mal direkt zeige, wie sowas (ansatzweise) funktioniert, haben sie eine ganz andere Einstellung zu den Medienbereichen.
 
@Christian:
Die Leute interessiert doch nicht im Geringsten wie viel Arbeit dahinter steckt. Das tut's ja nicht mal mich wirklich.

Es besteht ja kein kausaler Zusammenhang zwischen den verwendeten Mitteln (Mannstunden, Geld,...) und dem Endergebnis.

Spiele werden nicht belächelt respektive nicht ernst genommen, weil die "Lächler" nicht wissen welch teils immenser Aufwand dahinter steckt. Nein; sie werden belächelt weil sich die Industrie zum überwiegenden Teil noch immer auf banaler Ebene bewegt. Beispiele hat Bart genug genannt.

Filme hätten auch keinen besseren Stand wenn es zu 99% nur billige Trash-Splatter-Filme und miese B-Movie-Actioner gäbe.
 
Da bin ich ganz anderer Meinung.


Und klar, Filme hätten auch keinen besseren Stand wenn es zu 99% nur billige Trash-Splatter-Filme und miese B-Movie-Actioner gäbe... Aber es gibt ja nicht NUR billige Trashgames.
 
Evin schrieb:
@Christian:
Die Leute interessiert doch nicht im Geringsten wie viel Arbeit dahinter steckt. Das tut's ja nicht mal mich wirklich.

Es besteht ja kein kausaler Zusammenhang zwischen den verwendeten Mitteln (Mannstunden, Geld,...) und dem Endergebnis.

Spiele werden nicht belächelt respektive nicht ernst genommen, weil die "Lächler" nicht wissen welch teils immenser Aufwand dahinter steckt. Nein; sie werden belächelt weil sich die Industrie zum überwiegenden Teil noch immer auf banaler Ebene bewegt. Beispiele hat Bart genug genannt.

Filme hätten auch keinen besseren Stand wenn es zu 99% nur billige Trash-Splatter-Filme und miese B-Movie-Actioner gäbe.

Ich hätte es nicht besser sagen können.
Meiner Oma könnte ich nen sauteuer produzierten Porno auch nicht schön reden, eben weils im Kern halt trotzdem nur ums poppen geht.
 
Ich denke, es war auch früher schon so, dass die Spiele, die über einen einigermaßen intelligenten Plot verfügten, eher die Ausnahme bildeten.

Dennoch denke ich, dass man mit dieser Generation schon einen Tiefpunkt markiert hat, was das Thema "Anspruch" angeht. Obwohl ich schon auch finde, dass SH: HOMECOMING oder BiA HELLS HIGHWAY (neben genanntem UNCHARTED) schon einen etwas "intelligenteren" Ansatz verfolgen/verfolgten als der große Rest.

Last Guardian und Heavy Rain werden da hoffentlich 2010 etwas gegensteuern. Vielleicht noch Maxl Schmerz 3 oder ein neues Hitman. Oder Alan Wait. Wer weiß.


P.S. Mir persönlich fehlen schon Titel wie Shadowman, The Suffering. Ico, SOTC oder Silent Hill 2 usw., die auch etwas zu erzählen haben.
 
Die ganzen Metal Gear Solid Spiele (zumindest die die es für die Playstations gab) ist für mich Kunst.
Und die ganzen EA-Spiele ist für mich nur Kinderkram. EA macht nur einen auf Cool. Hauptsache viele "kinder" sehen das auch als cool an und Kaufen den Müll.
 
Ein Spiel das ich unter Ernst einzuordnen habe ist Chutlu. Und vlt auch Haze. Die Story zeigte sehr schön die menschlichen Abgründe.

Aber wenn man nur auf Grafik schaut wird man solche Eigenschaften nie zu schätzen wissen.
 
Schwieriges Thema. Spiele sollten sich nicht zwangsläufig auf ne gute Story versteifen, weil Spiele in erster Linie ein gutes Spielgefühl in den Spieler hineinprojezieren müssen. Das ist ihre wichtigste Aufgabe. Spielerische anstatt inhaltliche Tiefe, sozusagen. Wenn beides nicht vorhanden ist, schalte ich mittleweile automatisch ab.
Nintendo hat das von je her erkannt und deswegen sind deren klassischen Spiele oft für alle Alterstufen geeignet. Erwachsene wie Kinder können sich in diesen Spielwelten zuhause fühlen. Ein Manko ist aber sicherlich, daß sie oft keine richtige Geschichte erzählen oder sich an einer märchenhaften Erzählweise orientieren, die vielen heute nicht mehr ausreicht.

Ich fühl mich von den aktuellen Spielen intellektuell auch oft unterfordert, manchmal sogar schon beleidigt. Ego-Shooter spiele ich z.B. nur noch in den seltensten Fällen. Welche die sich ein echtes Kriegsszenario zum Vorbild nehmen, spiele ich schon aus Prinzip nicht mehr. Auf so ein primitives Niveau kann ich mich nicht mehr herabgeben. Mag arrogant klingen, ist aber wahr.

Wenn ein Spiel sich gut spielen lässt, kann ich dagegen über inhaltlichen Mumpf hinwegsehen. Im Zweifelsfall höre ich einfach weg, wenn die Story vorangetrieben wird.
 
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