Zimtzicke schrieb:Ansonsten denken wir halt zu sehr in festgefahrenen Mustern. Ein Ego-Shooter muss Geballere am laufenden Band sein. Warum nicht einfach mal 80% der Ballereinlagen weglassen, dafür glaubwürdigere Gegner (wo im realen Leben kämpft man gegen 600 Gegner?) einsetzen. Warum nicht mal die Spielmechanik eines Mirror's Edge einbauen, dazu Areale, wie man sie aus Tomb Raider kennt?
Das Entwickeln storybasierter Spiele wird imo falsch herum gedacht. Das Schubladendenken, das du kritisierst, zieht sich ja auch durch deinen Beitrag.
Videospielegenres definieren sich ja über die Spielregeln. Sprich Shooter, Rätselspiel, Jump 'n' Run. Für mich persönlich ist die Story bei solchen Spielen auch Beiwerk, schmückendes willkommenes Beiwerk. Das kann man noch verbessern, aber die Story wird niemals im Mittelpunkt dieser Spiele stehen. Muss sie auch nicht, denn wir spielen einen Shooter, um zu schießen, wie Sam richtigerweise anmerkt.
Wenn wir aber über Videospiele als neues Medium zum Storytelling diskutieren, müsste das grundlegend anders laufen. Da müssten sich die Entwickler zuerst Gedanken machen, was sie erzählen wollen oder was sie den Spieler erleben lassen wollen. Dann müsste das Kriegserlebnis, der Kriminalfall, das Agentenleben, die Liebesgeschichte etc. im Fokus stehen und DANACH müsste man sich überlegen, wie man das ganze in interaktive Software umsetzt. Das ist das worauf ich oben hinauswollte. Wenn man Stories in Spielen wirklich pushen will, dann muss bei solchen Spielen die Story im Zentrum und am Anfang stehen.
Aber so werden 99,9% der Spiele eben nicht entwickelt. Sondern da steht am Anfang die Idee: Als nächstes machen wir einen Shooter, ein RPG, ein P&C-Adventure oder ein Rennspiel.
Positives Beispiel ist für mich diese Generation Red Dead Redemption, auch wenn das Spiel im traditionellen Sinne nicht sehr storylastig ist. Red Dead Redemption verkörpert den Wilden Westen. Zwar wird viel geschossen, aber ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl einen "Shooter" zu spielen. Und ich glaube das liegt daran, dass Rockstar die von mir skizzierte Philosophie verfolgt. Am Anfang stand die Idee einen interaktiven Western zu machen. Und dann hat man die Elemente zusammengesucht, die zu so einem virtuellen Western gehören könnten, wobei man sich sicherlich auch bei traditionellen Videospielkonventionen bedienen kann. Auch das nächste Projekt L.A. Noire deutet auf diese Philosophie hin. Da steht auch das Leben eines Kriminalbeamten im Mittelpunkt und nicht irgendein Videospielgenre.
Solche Spiele gibt es wenige. Solche Spiele will ich öfters spielen.