Staffel 1 (8 Episoden) von
One Piece ist seit dem 31. August 2023 bei Netflix zu streamen.
In Zeiten, wo uns Netflix & Co wöchentlich mit zig Streaming-Neuerscheinungen zuballern, gibt es nicht viele, für die ich einen separaten Thread eröffne. One Piece ist jedoch eine davon.
Wieso? Ich habe die erste Staffel am Wochenende durchgebingt und will, dass das möglichst viele tun, um der Show eine lange und erfolgreiche Zukunft zu sichern.
Meine One Piece Historie: habe den Anime damals, als er bei uns erstmalig im Free TV (RTL2?) lief, geschaut. Waren glaube ich um die 150 Episoden, die damals gezeigt wurden. Fand ich gut, hat mir Spaß gemacht, aber ich wurde nie zum Super-Fan und weiter hab ich es auch nie geschaut. Vor einigen Jahren wollte ich noch mal einsteigen, aber mittlerweile bin ich leider aus Animes "rausgewachsen". Von wenigen Ausnahmen mal abgesehen, kann ich die einfach nicht mehr mit meinen Sehgewohnheiten vereinbaren.
Die Ereignisse der ersten Netflix Staffel kenne ich also schon.
Außerdem war ich höchst skeptisch. Denn so "nett" die Trailer im Vorfeld aussahen, gegen One Piece ist Fluch der Karibik ein realistischer Historienfilm.

One Piece ist tiefste, abgedrehte Piraten-Fantasy. Mit Fisch-Menschen, die Fisch-Kung Fu kämpfen und wortwörtlich Häuser umwerfen. Seht euch die absurden Charakterdesigns und Fähigkeiten doch an. Das kann man nicht in einer Real-Verfilmung umsetzen, ohne entweder wie ein mieser Fan-Film auszusehen oder sich komplett von der Vorlage entfernen zu müssen.
Doch, wisst ihr was, das Team hinter One Piece hat es geschafft!
Ich bin ehrlich gesagt ziemlich perplex, wie fantastisch diese Serie geworden ist. Viel besser als sie unter diesen Bedingungen eigentlich jemals hätte sein dürfen.
Sie ist einerseits eine Verbeugung vor der Vorlage, ist detailgetreu, teilweise fast 1:1 aus dem Anime übernommen, erzählt die abgedrehte Geschichte mit ihren noch abgedrehteren Charakteren dabei aber auch für Neulinge und in seiner Real-Film-Umgebung absolut verständlich und stimmig.
Dabei sieht es zwar immer noch aus wie ein Fan-Film, aber diesmal meine ich das im allerbesten Sinne. Denn anders kann man das eben kaum umsetzen. Dieses Kabinett der Absurditäten, Kreativität und Fantasygeschichten funktioniert nicht in "fotorealistisch". Also steckt man echte, menschliche Darsteller in handgemachte Kostüme und Masken und stellt sie vor überaus imposante, detailverliebte Kulissen. Erinnert so vielleicht ein wenig an Power Rangers, ist vielleicht ein bisschen gewöhnungsbedürftig, sieht aber auch unglaublich gut, weil handgemacht, aus und ist in sich wahnsinnig stimmig.
Das Casting ist eine 1+ mit Sternchen. So eine treffsichere, vorlagengetreue Besetzung habe ich bisher eigentlich nur im MCU gesehen. Die Schauspieler sehen nicht nur so aus wie ihre Vorbilder, sondern sie verhalten sich auch so. Ihre Mimik und Gestik. Wahnsinn. Ich weiß nicht, ob es an den Kostümen oder der Kameraarbeit liegt, aber selbst ihre Gliedmaßen wirken leicht unrealtisch überzeichnet. Ruffy hat in der Vorlage halt diese dünnen, langen Gliedmaßen und hier irgendwie auch.
Bin verliebt in jeden einzelne Castingentscheidung. Egal ob unsere Crew, Bösewichte oder unscheinbarer Nebencharakter. Das ist schlichtweg brillant besetzt und gespielt (als jemand, der One Piece nur in der deutschen Version kennt, sind die original deutschen Sprecher natürlich noch die Kirsche auf der Sahne).
Die Effekte und Kostüme sind wie gesagt weitgehend handgemacht und praktisch, in einigen Situationen aber natürlich auch computeranimiert. Und obwohl es keine multimillionen Dollar Kinoproduktion ist, sieht das ernsthaft gut aus. Hier und da finde ich die Kamera etwas unglücklich. Also diese häufigen Nahaufnahmen usw. sind natürlich gewollt, aber wirken auf mich irgendwie etwas "billig". Dafür sehen andere Aufnahmen wieder unverschämt gut aus. Aber das sind alles nur Kleinigkeiten.
Denn One Piece ist vor allem eins: charmant und unterhaltsam.
Wie schon im Anime ist die Truppe einfach nur liebenswert. Allen voran unser Ted Lasso der Piraten, der immerzu naive, optimistische, unverwüstliche Ruffy. Und genau so fühlt sich die gesamte Staffel an. Kindlich spaßig, sympathisch, herzlich, aber auch dramatisch und vor allem cool. Live-Action Mihawk: Holy shit! Bester Auftritt ever. Ich meine wtf.
(am besten natürlich in der Serie erleben, aber hier noch mal für den re-watch)
Überhaupt ist die Action super umgesetzt. Und von der gibt es ja auch nicht zu knapp.
Oben drauf noch der gelungene Soundtrack mit spitzenmäßigen Themes der einzelnen Charaktere.
Ach, ich könnte noch ewig weiter schwärmen. One Piece ist schrill, bunt und rasant. Dem ein oder anderen sicher zu schrill, bunt und rasant. Muss man mögen. Wer aber auf spaßige Fantasy-Spektakel steht und ein unbeschreiblich kreatives, unverbrauchtes Piraten-Setting sehen möchte, sollte hier ein mal rein schauen. Egal ob ihr die Vorlage kennt oder nicht.
Muss gestehen, dass mir die Realverfilmung ernsthaft besser gefällt als der Anime.