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Der Politikthread

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und gerade dann ist so ein 35 Jahre altes (!) Flugblatt, verfasst von einem 16-Jährigen aus Wut auf seine Schule (!!), wo nie geklärt werden wird, ob es Hubert A. oder sein Bruder verfasst hat (!!!), nicht geeignet, um Aiwangers Nichteignung für politische Ämter nachzuweisen.

Was aber geklärt und zugegeben ist: dass er die Blätter auf jeden Fall bei sich im Schulranzen hatte

Bin da auf Johnnys Seite.
 
Es ist auch klar, dass sie auf der Schreibmaschine der Familie getippt worden sind. So what? Wenn ihr dem Mann in einer Linie von damals bis heute immer wieder rechtsextreme Auswüchse nachweisen könntet, hättet ihr einen Punkt. Was so aber bleibt, ist die Dummheit eines 16-jährigen. Ich finde es einfach schwach, wenn Euch das reicht, um einen Menschen zu disqualifizieren.
 
Jau, ich würde für alles was ich je gesagt habe, die volle Verantwortung übernehmen. Ich habe bpsw. früher so um 15/16 herum "schwul" als Beleidigung benutzt, ohne dabei überhaupt was gegen Schwule zu haben und bestimmt auch so manche Wortwahl über Mädels verwendet, die ich schon ab 20 wahrscheinlich nie wiederholt hätte. Dass verbale Entgleisungen oder Pointen von Witzen aber die Worte Auschwitz und Schornstein enthielten kann ich aber zu jeder Alters- und Bildungsniveaustufe ausschließen.

Ich sehe btw. einen inhaltlichen Unterschied aufgrund des Kontextes, wenn bspw. heute ein Scherz bei Family Guy oder South Park Auschwitz thematisiert zu einem solchen Flugblatt, falls jetzt jemand sagt, ich würde doch bei solchen Serien bestimmt auch lachen. Das tue ich.

Der Vergleich sollte übrigens kein "Whataboutism" sein. Immerhin wäre es weitaus schlimmer als abschreiben, wenn das Flugblatt sich doch als seines entpuppen würde. Nein, ich erwarte wirklich keinerlei schlimmen Folgen für ihn. Egal ob er es war oder nicht. Es wird bei einem kleinen Twitter-Aufschrei bleiben, die Suche nach dem größten Lump ist unnötig.
 
Ja, "schwul" hat mein 16-jähriges Ich auch als Beleidigung benutzt. Ansonsten ... vielleicht war ich einfach ungebildeter, dümmer als andere zu jener Zeit, aber ich habe damals durchaus Witze über den Holocaust gemacht (auch abstoßende). Wir haben besoffen den Hitlergruß gezeigt und uns verachtend über andere Menschen geäußert. Das war leider so eine Phase von mir. Es definiert aber in keiner Weise, wer ich heute bin.
 
Ja, "schwul" hat mein 16-jähriges Ich auch als Beleidigung benutzt. Ansonsten ... vielleicht war ich einfach ungebildeter, dümmer als andere zu jener Zeit, aber ich habe damals durchaus Witze über den Holocaust gemacht (auch abstoßende). Wir haben besoffen den Hitlergruß gezeigt und uns verachtend über andere Menschen geäußert. Das war leider so eine Phase von mir. Es definiert aber in keiner Weise, wer ich heute bin.
Solch ein Flugblatt ist da doch aber (auch mit 16) eine ganz andere Liga!! Anstatt ihn heute zu denunzieren, hätte der Lehrer aber m. E. damals die Polizei und die Eltern einschalten MÜSSEN.

Ich für meinen Teil würde eine "Relativierung" tatsächlich auch nur gelten lassen, wenn das Flugblatt wirklich durch den Bruder "verfasst" wurde. Zu so einem Schriftstück gehört schon ein gewisse Sozialisierung und bewusste und eiskalte Kenntnis der menschlichen Verachtung, die man damit ausdrückt. Ich kenne niemanden, der sowas auch nur ansatzweise oder in Bruchstücken verfasst hat oder verfasst hätte. Auch mit 16 Jahren zeugt das als "Gymnasialschüler" schon von einer maßlosen Unverfrorenheit und Kaltblütigkeit. Wenn man sich das unterbelichtete Geschwätz von ihm heute anhört, kann man nicht davon sprechen, dass er in irgendeiner Hinsicht reifer geworden ist, er kann sich vielleicht besser ausdrücken. Im Gegenteil erzeugt die Geschichte bei mir ein äußerst unangenehmes Grummeln im Magen, da so ein Mensch auch noch mit Macht ausgestattet ist.
 
Ja, "schwul" hat mein 16-jähriges Ich auch als Beleidigung benutzt. Ansonsten ... vielleicht war ich einfach ungebildeter, dümmer als andere zu jener Zeit, aber ich habe damals durchaus Witze über den Holocaust gemacht (auch abstoßende). Wir haben besoffen den Hitlergruß gezeigt und uns verachtend über andere Menschen geäußert. Das war leider so eine Phase von mir. Es definiert aber in keiner Weise, wer ich heute bin.

Bis auf den Hitlergruß kann ich das unterschreiben, das N-Wort war auch oft als "Witz" dabei. Aber zum Glück habe auch ich mich da weiterentwickelt, und denke mir heutzutage was hast du nur für ein Müll gelabert. Aber damals als Jugendlicher war man einfach Dumm und ungebildet, und war sich die Tragweite der Worte nicht bewusst. Deshalb ist es für mich schwierig was Aiwanger betriftt einserseits natürlich abstoßend, anderseits war ich in dem Alter auch nicht wirklich besser. Aber gut wie Johnny schon sagte in 1-2 Tagen wirds vermutlich eh niemanden mehr interessieren, Twitter eben..
 
Jau, ich würde für alles was ich je gesagt habe, die volle Verantwortung übernehmen. Ich habe bpsw. früher so um 15/16 herum "schwul" als Beleidigung benutzt, ohne dabei überhaupt was gegen Schwule zu haben und bestimmt auch so manche Wortwahl über Mädels verwendet, die ich schon ab 20 wahrscheinlich nie wiederholt hätte. Dass verbale Entgleisungen oder Pointen von Witzen aber die Worte Auschwitz und Schornstein enthielten kann ich aber zu jeder Alters- und Bildungsniveaustufe ausschließen.

Ich sehe btw. einen inhaltlichen Unterschied aufgrund des Kontextes, wenn bspw. heute ein Scherz bei Family Guy oder South Park Auschwitz thematisiert zu einem solchen Flugblatt, falls jetzt jemand sagt, ich würde doch bei solchen Serien bestimmt auch lachen. Das tue ich.

Der Vergleich sollte übrigens kein "Whataboutism" sein. Immerhin wäre es weitaus schlimmer als abschreiben, wenn das Flugblatt sich doch als seines entpuppen würde. Nein, ich erwarte wirklich keinerlei schlimmen Folgen für ihn. Egal ob er es war oder nicht. Es wird bei einem kleinen Twitter-Aufschrei bleiben, die Suche nach dem größten Lump ist unnötig.

Yep. Wir bzw. ich haben auch jede Menge Dummheiten gesagt & gemacht aber das Flugblatt ist schon ne ganz andere Liga.
Als Teenager in den frühen 80er Jahren waren bei uns in der Schule "Behindertenwitze" mal schwer in Mode. Niemand afaik aus unsere Klasse hatte irgendwas gegen Behinderte und wir hatten auf der ganzen Schule - so weit ich mich erinnern kann - damals auch keinen behinderten Mitschüler.
Ich kann mich auch noch erinnern mit 12/13 den KZ Manager und noch so anderen Mist auf dem C64 mal nach einem Diskettentausch gehabt zu haben.
"Spiel" gestartet max. 2 Minuten angekuckt,Kopf über den Scheiß geschüttelt und direkt gelöscht.
Ich finde das befremdlich und lässt auch auf das Umfeld (Eltern?!) schließen wenn man selbst als Teenager glaubt das so ein Flugblatt ein (schlechter) Scherz sein soll...
 
Ich bin da bei @Eiskalt. Ich bin heute mit Mitte 30 ein politisch eher links denkender Mensch, aber mit 16, 17, 18 war ich dumm und unsensibel. Damals fand ich durchaus die NPD attraktiv und ja ... wenn ich selbstkritisch bin ... ein solches Flugblatt hätte in meinen dunkelsten Stunden von mir stammen können.

Das ist ja richtig, das ist aber doch insofern nicht zu vergleichen weil Hubert Aiwanger ja eben kein "eher links denkender Mensch" ist. Ich glaube das ist ein Punkt, der es schwieriger macht, Aiwanger diesen Fehler einfach zu verzeihen. Wenn dir aktuell ein Zitat anhängt ("Jetzt ist der Punkt erreicht, wo endlich die schweigende große Mehrheit dieses Landes sich die Demokratie wieder zurückholen muss"), das auch vor der Kenntnis über ein antisemitisches Flugblatt ein 'Geschmäckle' hat, dann zeigt sich da eher eine gewisse Kontinuität als eine Position, die konträr zu einer möglichen Vergangenheit steht. Und das ist nur ein Beispiel für Aiwangers bedenkliche politische Positionen.

Darüber hinaus finde auch ich, dass Fehler aus der Vergangenheit zunächst mal Fehler aus der Vergangenheit sind. Aber das ist der zweite Punkt, über den Aiwanger zu stolpern droht. Nicht allein der Fehler aus (vermeintlich) seiner Vergangenheit ist ein Problem, sondern der Umgang mit diesem Fehler ist ein weiteres Problem. Fehler aus der Vergangenheit potenzieren sich dann zu Fehlern der Gegenwart.
 
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:D

Wenn das tatsächlich Aiwanger auf dem Klassenfoto ist, dann können wir alle mächtig froh sein, dass es nur bei dem Flugblatt geblieben ist.
Auf dem Foto verkörpert er m. E. den Inbegriff eines kranken und menschenhassenden Psychopathen. Hat irgendwie leichte Dahmer-Vibes und sieht schon schräg aus...:ugly:
 
Das ist ja richtig, das ist aber doch insofern nicht zu vergleichen weil Hubert Aiwanger ja eben kein "eher links denkender Mensch" ist. Ich glaube das ist ein Punkt, der es schwieriger macht, Aiwanger diesen Fehler einfach zu verzeihen. Wenn dir aktuell ein Zitat anhängt ("Jetzt ist der Punkt erreicht, wo endlich die schweigende große Mehrheit dieses Landes sich die Demokratie wieder zurückholen muss"), das auch vor der Kenntnis über ein antisemitisches Flugblatt ein 'Geschmäckle' hat, dann zeigt sich da eher eine gewisse Kontinuität als eine Position, die konträr zu einer möglichen Vergangenheit steht. Und das ist nur ein Beispiel für Aiwangers bedenkliche politische Positionen.

Darüber hinaus finde auch ich, dass Fehler aus der Vergangenheit zunächst mal Fehler aus der Vergangenheit sind. Aber das ist der zweite Punkt, über den Aiwanger zu stolpern droht. Nicht allein der Fehler aus (vermeintlich) seiner Vergangenheit ist ein Problem, sondern der Umgang mit diesem Fehler ist ein weiteres Problem. Fehler aus der Vergangenheit potenzieren sich dann zu Fehlern der Gegenwart.

Ich kann Dir gar nicht widersprechen. Ich will nur hinzufügen, dass eine Kontinuität hier auch nur aus einer linken Perspektive heraus als gegeben angenommen wird. Für einen "Linken" (was auch immer das ist) ist der Nazi oft gedanklich nur einen Schritt nach rechts vom Konservativen entfernt. Ein Konservativer, für den die Ablehnung des Rechtsradikalismus von Herzen kommt und nicht bloß ein Lippenbekenntnis ist, würde hingegen wohl leidenschaftlich bestreiten, dass es eine gedankliche Linie zwischen konservativ und rechtsradikal gibt (oder das eine die logische Weiterentwicklung des anderen).

Aber ich finde, dieses Beispiel zeigt wunderschön, dass die Welt nicht nur schwarz und weiß ist und dass es gar nicht einfach ist, Sachverhalte klar einzuordnen. Ich will hier auch wirklich nicht zum Anwalt Aiwangers werden - ich kann den Kerl nicht ausstehen und halte ihn für die Personifizierung von allem, was in Bayern falsch läuft.
 
Ich kann Dir gar nicht widersprechen. Ich will nur hinzufügen, dass eine Kontinuität hier auch nur aus einer linken Perspektive heraus als gegeben angenommen wird. Für einen "Linken" (was auch immer das ist) ist der Nazi oft gedanklich nur einen Schritt nach rechts vom Konservativen entfernt. Ein Konservativer, für den die Ablehnung des Rechtsradikalismus von Herzen kommt und nicht bloß ein Lippenbekenntnis ist, würde hingegen wohl leidenschaftlich bestreiten, dass es eine gedankliche Linie zwischen konservativ und rechtsradikal gibt (oder das eine die logische Weiterentwicklung des anderen).
Die Einordnung als Konservativer hast jetzt aber du vorgenommen, nicht ich.
 
Für einen "Linken" (was auch immer das ist) ist der Nazi oft gedanklich nur einen Schritt nach rechts vom Konservativen entfernt.

Das würde ich so nicht unterschreiben, auch wenn du "Linker" nicht genau definierst. Es gibt Schreihälse, die immer sofort bei allem Nazi schreien. Ich zum Beispiel bin sicherlich ne linke Socke, aber einfach bei allem Nazi brüllen, fiele mir nicht ein, allein schon um diesen Begriff nicht zu verwässern oder Taten der Nazis dann mit irgendwelchen nicht in Relation stehenden Kleinigkeiten zu entwerten.

Und auch ob es jetzt jeder Faschist oder so auch gleich und sofort mit Adolf Hitler hält, ob es jeder Faschist gut findet, dass sich Faschisten aus ihrer jeweiligen Gegend zusammenfinden und aufmarschieren (Europa der Völker z.B.), statt sich zu hassen und zu vermöbeln, keine Ahnung. Man muss nicht gleich den Nationalsozialismus verherrlichen um Antisemit zu sein und auch ich selbst war in meinen über 20 Jahren im Sozialbereich schon "Nazi", aber nur vereinzelt und dann in der Regel eher weil ein ausländischer Mitbürger mit zuviel Anspruchdenken nicht bekam was er will.

Aber der Autor des Flugblatts z.B., der macht nicht nur einen Step weg vom Konserverativen, der wählt auch die Begrifflichkeiten bewusst, weil er nationalsozialistisches Gedankengut in sich trägt. Hier wäre es keine bloße Unterstellung oder sowas...
 
Meine Erfahrung dazu ist, Faschisten bleiben Faschisten, Antisemiten bleiben Antisemiten. Hat sich jemand später geändert, war er in der Regel eher ein Verirrter und kein echtes Faschist.
 
Kindergrundsicherung - Opposition und Sozialverbände kritisieren Ampel-Kompromiss

Oppositionsparteien und Sozialverbände haben den Kompromiss von SPD, FDP und Grünen bei der Ausgestaltung und Finanzierung der Kindergrundsicherung kritisiert. Die stellvertretende CDU-Vorsitzende Breher nannte die Einigung „die größte sozial- und familienpolitische Mogelpackung“. Der Sozialverband VdK sprach von einem „Mini-Reförmchen“.


https://www.deutschlandfunk.de/opposition-und-sozialverbaende-kritisieren-ampel-kompromiss-100.html
 
Das ist ja der Punkt. Ich finde schon, dass man diesem Flugblatt in seinem gesamten Klang anmerkt, dass der Verfasser das gar nicht so sehr als Witz versteht.
Ich denke es war als Drohung gemeint. Vielleicht kam er mit Lehrern nicht klar oder war Außenseiter? Gruppendruck, oder Angeberei... es gibt viele Gründe. In der Jugend spielen die Hormone verrückt, man macht dumme Dinge ohne an den nächsten Tag zu denken.

Ohne Fan von Aiwanger zu sein, ich finde jeder hat das Recht auf Vergessen, insbesondere bei Jugendsünden. Es gibt nicht umsonst ein Jugendstrafrecht und Verjährungsfristen. Jeder entwickelt sich weiter und wird reifer, man ist ja noch ein halbes Kind. Daher finde ich es auch nicht gut, wenn man solch alten Staub aufwühlt, egal ob ich die politische Figur mag oder nicht. In meiner Jugend könnte man sicher auch krasse Verfehlungen finden und damit bin ich ganz sicher nicht alleine..
 
seh ich anders. Jeder hat zwar das Recht auf vergessen aber es ist ja nicht so als hätten die Aiwangerbrüder nen monumentalen Wandel vollzogen (einer ist Rechtspopulist, der andere hat nen Waffenladen) UND sie haben sich beide, soweit ich bisher gelesen habe, nicht dafür entschuldigt sondern bisher nur relativiert.
 
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