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Coronavirus / Covid-19

Benutzer, welche sich diesen Thread anschauen:

Schade dass man das erst durch ne Pandemie merkt... aber genauso fix wird das auch wieder vergessen sein.
Die POlitik spurt halt vor Tönnies und co. Lobbyismus at its worst.
War ja kein Geheimnis, wieso Subunternehmer und Werkverträge eingesetzt wurden. Es hat halt nur jeder weggeschaut, damit Aldi weiter sein Billigfleisch bekommen kann.

Ich persönlich hab das schon vor längerem gemerkt, dass Tierhaltung und -verarbeitung in dieser Art einfach nicht akzeptabel ist und wir haben unsere Konsequenzen für unsere Ernährung längst gezogen.
Würde das jeder ähnlich machen, gäbe es diese Unternehmen in dieser FOrm schon nicht mehr.
 
Die POlitik spurt halt vor Tönnies und co. Lobbyismus at its worst.
War ja kein Geheimnis, wieso Subunternehmer und Werkverträge eingesetzt wurden. Es hat halt nur jeder weggeschaut, damit Aldi weiter sein Billigfleisch bekommen kann.

Ich persönlich hab das schon vor längerem gemerkt, dass Tierhaltung und -verarbeitung in dieser Art einfach nicht akzeptabel ist und wir haben unsere Konsequenzen für unsere Ernährung längst gezogen.
Würde das jeder ähnlich machen, gäbe es diese Unternehmen in dieser FOrm schon nicht mehr.
So und nicht anders. :dhoch:
 
Auch aus dem Grund, dass teueres Fleisch häufig nicht besser ist und die Herstellungsumstände alle miserabel sind.
Sprich: man zahlt zwar mehr, aber am Ende steckt sich nur der Konzern mehr ein.
Sorry aber das ist einfach so pauschal nicht wahr.
Klar, wenn man Discounterfleisch udn Fleisch von der Edeka Theke vergleicht, dann ist was dran. Denn da werden beide von den großen Konzernen beliefert.

Kaufst du dir Fleisch von Bauern, die nach Biokreis oder Demeter Richtlinien arbeiten, eventuell sogar selbst schlachten (oder dazu einer regionalen Genossenschaft angehören), dann ist das in allen Aspekten nicht mit den Zuständen in der Fleischindustrie zu vergleichen.

EDIT: aber auch so besteht ein großer Unterschied in der Qualität, die Discounter und Supermärkte bzw. Standard Metzgereien anbieten. Das merkt man sofort, wenn man ein Stück Fleisch in die Pfanne legt. Weniger Wasser im Fleisch, Schwein schmeckt weniger nach Stresshormonen (der penetrant schweinige Geschmack) und ist allgemein besser. Also 1:1 kann man das Angebot von Discountern und anderen konventionellen Anbietern nicht vergleichen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Kaufst du dir Fleisch von Bauern
Das ist für mich als Großstädter ohne PKW ein Wunschdenken. Und kleine Fleischereien gibt es so viele wie richtige Bäckersläden. Die letzte bei mir im Gebiet hat letztes Jahr dichtgemacht.

Und der Bezug war, aufgrund der Thematik, besonders zu Fleisch aus dem Supermarkt, da diese von diesen großen Fleischhöfen beliefert werden. Und zumindest in der Großstadt wird der Otto-Normal-Bürger dort einkaufen.

Ich schaue, dass ich zumindest aus der Region kaufe, im Glaube und der Hoffnung.
 
Warum nicht dann einfach mal darüber nachdenken auf Fleisch zu verzichten bzw. hart zu reduzieren? Wenn schon keine Bezugsquellen mehr vorhanden sind mit denen man leben kann.... oder handelt es sich hier nur um eine Ausrede?

EDIT: Auch in der Stadt ist es möglich an "gutes Fleisch" zu kommen... seien es Wochenmärkte, anliefernde Bauern oder schlicht der Bio-Markt. Aber das ist eben mit Aufwand und natürlich auch Geld verbunden... und genau daran scheitert es. Dieses "Wenn ich auf dem Land leben würde dann würde ich mir auch "gutes Fleisch" holen." ist doch totaler Käse... auch dann wäre der Lidl ums Eck gemütlicher und billiger. Genau wie in der Stadt.
Wenn der wirkliche Wille da ist dann ist das kein Problem... nur eben der Wille ist zu 90% nicht da.
 
Zuletzt bearbeitet:
Wir haben die Verhältnisse ja allgemein in der Landwirtschaft. Das ist nicht nur die Fleischindustrie, das sind auch oftmals Erntehelfer die mies untergebracht werden. Das fängt beim Spargel an und hört bei Gemüse, Wein- und Apfellese oder Erdbeeren auf.
 
Warum nicht dann einfach mal darüber nachdenken auf Fleisch zu verzichten bzw. hart zu reduzieren? Wenn schon keine Bezugsquellen mehr vorhanden sind mit denen man leben kann.... oder handelt es sich hier nur um eine Ausrede?

EDIT: Auch in der Stadt ist es möglich an "gutes Fleisch" zu kommen... seien es Wochenmärkte, anliefernde Bauern oder schlicht der Bio-Markt. Aber das ist eben mit Aufwand und natürlich auch Geld verbunden... und genau daran scheitert es. Dieses "Wenn ich auf dem Land leben würde dann würde ich mir auch "gutes Fleisch" holen." ist doch totaler Käse... auch dann wäre der Lidl ums Eck gemütlicher und billiger. Genau wie in der Stadt.
Wenn der wirkliche Wille da ist dann ist das kein Problem... nur eben der Wille ist zu 90% nicht da.

Daher wäre ja eine staatliche Lösung wünschenswert.

Ich probier auch immer mal Tierersatzprodukte, manche sind auch ganz ok aber es ist eben doch etwas komplett Anderes.
 
Mal ne kurze Frage, wie ist das eigentlich bei Bio Fleisch, bezieht sich das Siegel rein auf die Haltung und Schlachtung? Es gibt ja dann oft noch die zerlegebetriebe, bei denen die Arbeitsverhältnisse sicher nicht viel anders sind als bei den Schlachtereien.
 
Mal ne kurze Frage, wie ist das eigentlich bei Bio Fleisch, bezieht sich das Siegel rein auf die Haltung und Schlachtung? Es gibt ja dann oft noch die zerlegebetriebe, bei denen die Arbeitsverhältnisse sicher nicht viel anders sind als bei den Schlachtereien.
Bio-Schweinefleisch vs. Schwein aus konventioneller Landwirtschaft: Die 6 größten Unterschiede
1. Artgerechte Tierhaltung
Wie in jedem Biobetrieb steht auch in einem ökologischen Schweinestall das Wohl des Tieres im Mittelpunkt. Dazu gehört z. B. genügend Auslauf im Freien, inkl.

  • Wühlen,
  • Sonnenschutz,
  • Frischluft und
  • Tageslicht.
Das Anbinden der Schweine ist nicht erlaubt.

In einem Bio-Schweinestall gibt es getrennte Bereiche zum Schlafen, Bewegen, Ausscheiden und Fressen. Ein sauberer Liegebereich ohne Kot und ein Aktivitätsbereich im Freien müssen gegeben sein. In einem konventionellen Stall gibt es diese Trennung nicht - das Schwein muss dort liegen, wo es auch sein Geschäft verrichtet. Für die hochintelligenten Schweine ist das natürlich nicht artgerecht.

In der Bio-Landwirtschaft stehen die Bedürfnisse des Tieres im Vordergrund.
Verhaltensstörungen und körperliche Leiden sind in Bio-Betrieben selten. Die Bio-Schweine führen außerdem ein längeres Leben: Sie werden nicht möglichst schnell gemästet und dann gleich geschlachtet.

2. Keine Antibiotika, Medikamente oder Hormone
In einem Bio-Betrieb sind keine gentechnisch veränderten Futtermittel, synthetischen Aminosäuren, Pflanzenschutz- oder synthetische Düngemittel oder Extraktionsschrote erlaubt. Die Tiere nehmen deutlich weniger Pestizide auf. Wachstumsfördernde Stoffe (Hormone) sind verboten.

Die Gabe von Antibiotika ist nur im Notfall, unter bestimmten Voraussetzungen und höchstens 3 x pro Schweineleben erlaubt, sonst darf das Fleisch nicht mehr als Bio verkauft werden.

Krankheiten werden mit pflanzlichen oder homöopathischen Arzneimitteln behandelt - und ihnen wird durch möglichst artgerechte Haltung, hochwertiges Futter, viel Bewegung und rassenspezifisches Fachwissen vorgebeugt.

3. Biologische, naturbelassene Fütterung
Die Tiere werden mit einem hohen Raufutteranteil (Heu, Silage, Stroh und Grünfutter), Getreide, Ackerbohnen, Erbsen, Sojakuchen, Bierhefe und Magermilchpulver gefüttert. Auch die Verwertung von Nahrungsmittel-„Abfällen" (unschöne Kartoffeln, Brot etc.) durch die Allesfresser spielt eine große Rolle.

Im Idealfall werden die Futtermittel aus dem eigenen Bio-Betrieb, und somit einem geschlossenen Nahrungskreislauf, bezogen. Es wird eine 100-prozentige Bio-Fütterung aus kontrolliert biologischem Anbau aus dem Inland, möglichst regional, angestrebt. Dadurch wird auch der Anteil an importiertem Soja reduziert: „Der Anbau von gentechnisch verändertem und stark mit Pestiziden belastetem Soja, oft in Lateinamerika, ist für die Rodung zahlreicher Wälder verantwortlich", meint der WWF.

Und natürlich kommt es auch dir und deinem Körper zugute, wenn du Fleisch von einem Schwein isst, das nur biologisch ernährt wurde!
4. Bessere Qualität und Nährstoffe des Fleisches
Eine Studie der Universität Newcastle, die 67 wissenschaftliche Publikationen zu Fleisch verglich, kam zu dem Schluss: Biofleisch ist gesünder. Es enthält 50 % mehr ungesättigte Omega-3-Fettsäuren als konventionell hergestelltes Fleisch. Diese sind wichtig, um das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu reduzieren, das Immunsystem zu stärken und die neurologische Entwicklung zu begünstigen. Die Signalstoffe, in die diese Fettsäuren umgewandelt werden können, wirken außerdem schmerz- und entzündungshemmend.

Biofleisch weist ebenfalls einen höheren Anteil an Mineralstoffen und Antioxidantien auf. Hingegen ist die Konzentration an gesättigten Fettsäuren (Myristin- und Palmitinsäure), die das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen können, im Biofleisch geringer.

Die Tiere werden ihr Leben lang möglichst stressfrei behandelt, auch bei Transport und Schlachtung - Stress und das dadurch ausgestoßene Adrenalin wirkten sich schließlich negativ auf die Fleischqualität aus. Da Bio-Fleisch einen höheren Fettgehalt aufweist, wird es außerdem als aromatischer und schmackhafter wahrgenommen und auch von Spitzenköchen bevorzugt.

5. Strengste Richtlinien für Bio-Schweinefleisch
Während bei anderen Tierarten, z. B. Rind und Geflügel, die Umstellung auf einen Bio-Bauernhof relativ einfach durch das Hinzufügen von Auslauf durchgeführt werden kann, ist die Bio-Schweinehaltung viel komplizierter. Das beginnt bei strengen Richtlinien beim Stallbau und zieht sich über die Ferkelzucht bis hin zum Platzangebot und den oben erwähnten getrennten Lebensbereichen, die so speziell nur Schweine aufgrund ihrer Natur benötigen.

Ein Bio-Schweinestall muss nicht nur mehrere getrennte Bereiche haben (die die Schweine auch verstehen und richtig nutzen!), sondern bis zu 3 x so viel Platz bieten wie ein herkömmlicher Stall. Klar definierte Innen- und Außenbereiche sind genauso Pflicht wie die Eindeckung mit Stroh. Das bedeutet mehr Arbeit beim Ausmisten und zusätzliche Investitionen für die Lagerung des Strohs.

Ein Stall für 100 Bio-Zuchtschweine kann so bis zu 800.000 Euro kosten! Mehr dazu liest du in unserem Experteninterview mit dem Institut für biologische Landwirtschaft.
6. Stressfreie Geburt, Lebenszeit und Schlachtung
Das sogenannte freie Abferkeln, also die natürliche Geburt in einem Nest aus Stroh und nicht in einem Käfig, läutet das naturbelassene Leben der Bio-Schweine ein. Bio-Ferkel werden 6 bis 8 Wochen lang mit natürlicher Milch gesäugt und dürfen sich schon bald im Freien austoben und ihrem Spiel- und Entdeckungstrieb nachgehen.

Bio-Schweine werden während ihrer Lebenszeit größtenteils in Ruhe gelassen: Ihre Schwänze dürfen nicht abgezwickt und die Zähne nicht geschliffen werden. Sie erhalten keine Impfungen und nur im Notfall Antibiotika (siehe oben).

Beim Transport und bei der Schlachtung müssen Stress, Schmerz, Leid und Angst auf ein Minimum reduziert werden. Elektrische Treibhilfen mit Stromstößen, Schlaginstrumente oder medikamentöse Beruhigungsmittel sind verboten.

https://www.nahgenuss.at/blog/biofleisch-unterschied/

Aber das beste ist immer noch auf Fleisch zu verzichten oder eingrenzen, klar ist das leichter gesagt als getan aber jeder der Kinder hat kann direkt damit anfangen bevor sie das als unverzichtbare Ernährung ansehen.
 
Bei uns sieht man jetzt vermehrt Leute ohne Mundschutz in den Supermärkten.
Sind meistens junge Leute. An den Kassen werden die Abstandsregeln oftmals auch nicht mehr eingehalten und das von allen Altersgruppen.
 
Das kann schlicht nicht jeder so machen, weil sich das nicht jede*r leisten kann.
Kann man, wenn man seinen Fleischkonsum halt mengenmäßig entsprechend reduziert.
Wer sich halt vorher fünf mal pro Woche Fleisch gekauft hat, reduziert das auf einmal die Woche.
Und schon kann man sich vier mal so teures Fleisch leisten.

Wir essen auch lange nicht mehr so viel Fleisch und Wurst wie früher.
 
An sich würde ich das auch gerne, sobald anständige Fleischalternativen auf dem Markt sind, werd ich die auch definitiv vorziehen, aber aktuell siehts da eher mau aus.

Gerade im Sommer, Gasgrill auf der Terrasse. Da kommste imo! ohne Fleisch garnicht aus.
 
In der heutigen SZ ist ein interessantes Interview mit einem Ernährungspsychlogen, auch wenn ich nicht mit allen Punkten übereinstimme.

Ich bezweifle auch sehr, dass sich an den Bedingungen auch nur irgendwas ändern wird. Wegen Corona wird man vielleicht an der ein oder anderen Stellschraube drehen, das System an sich wird man aber nicht anrühren.

Ich bin da auch eher Hardliner, von mir aus sollte und müsste Fleisch so teuer sein, dass es sich kaum jemand leisten kann bzw. Fleisch nicht mehr als das Billigprodukt angesehen wird, das immer und überall verfügbar sein muss.
Bei anderen Lebensmitteln geht es ja auch, Spargel wird hier eigentlich nur regional und saisonal konsumiert.
Sprich die Fleischproduktion so runterschrauben, dass Tiere und Arbeiter ein vernünftiges Leben haben und das eben mit hohen Preisen refinanzieren. Mit dem Massenbetrieb funktioniert das natürlich nicht.

Das Interview ist nur mit SZ Plus lesbar, deshalb kopier ich‘s mal hier rein.

"Ein oralsadistischer Akt"

Der Ernährungspsychologe Christoph Klotter erklärt, wie Menschen es schaffen, das Leid der Tiere, die Gefahr für die Umwelt und die Ausbeutung der Arbeiter auszublenden, wenn sie Schnitzel für 1,50 Euro kaufen.

Die massenhaften Corona-Infektionen in der Tönnies-Fleischfabrik haben nicht nur ein Schlaglicht auf die hygienischen Missstände in deutschen Schlachthöfen geworfen, sondern auch eine alte Debatte neu entfacht: die über das Billigfleisch. Zu den Problemen der industriellen Massenfleischproduktion zählen nicht nur schlimme Arbeitsbedinungen, sondern auch das Leiden der Tiere und die große Belastung für die Umwelt. Der Ernährungspsychologe Christoph Klotter erklärt, wie Menschen es schaffen, das alles auszublenden, wenn sie eine Packung Schnitzel für 1,50 Euro kaufen.

SZ: Herr Klotter, essen wir Fleisch eigentlich nur, weil es so gut schmeckt?

Christoph Klotter: Fleisch war bis vor wenigen Jahrzehnten ein Luxusgut. Wer Fleisch essen konnte, war reich und wohlhabend. Durch die Industrialisierung der Lebensmittelproduktion, einschließlich des Fleisches, können jetzt alle Fleisch essen. Und Fleisch steht in der ganzen Menschheitsgeschichte in fast allen Kulturen für das männliche Geschlecht, für Wohlstand, Macht und Überleben.

Dass wir zum Überleben auf Fleisch angewiesen waren, ist aber ganz schön lange her. Ist es heute noch gerechtfertigt, Tiere für den Fleischkonsum zu töten?

Das ist eine relevante Frage, aber leider schauen wir nicht nach dem, was gerechtfertigt ist, sondern nach dem, was die Tradition uns vorschreibt. Nehmen Sie das Grillen im Sommer, dort wiederholen wir eine Million Jahre Menschheitsgeschichte: die Erfindung des Feuers. Und der Mann als Sammler und Jäger steht selbstverständlich am Grill. Ohne Traditionen haben wir keine Identität. Diese Verhaltensmuster sind fest eingeschrieben in die Seele des Menschen.

Ist es deswegen so schwer, beim Fleischkonsum Verhaltensänderungen zu erreichen?

Beim Essen sind Verhaltensänderungen immer schwierig und langwierig. Wir dürfen da nicht in Jahren, sondern müssen in Jahrzehnten rechnen.

Warum?

Weil der Mensch ein Gewohnheitstier ist. Das limbische System in unserem Gehirn verlangt bedingungslos Belohnung. Und die wichtigste Form der Belohnung ist, Gewohnheiten aufrechtzuerhalten.

Die Natur ist also schuld.

Der Mensch ist auch ein Gewohnheitstier, was unsere kulturelle und soziale Identität betrifft. Wir definieren über das Essen unsere Kultur und unsere soziale Gruppe und grenzen uns ab. Meine Frau und ich waren vor einem Jahr auf einem Familienfest in Franken. Da wurde so viel Bier getrunken, dass ich schon beim Zuschauen umfalle. Die Mutter meiner Frau meinte: Das ist eben Franken. Ein Mann isst hier innerhalb von zwei Stunden neun Würstchen. Franken definiert sich also auch über gewisse Essgewohnheiten. Es müsste sich also eine ganze Gruppe ändern, und das dauert.

Dass Tiere in der modernen Fleischindustrie leiden, ist den meisten Menschen bewusst. Fast jeder würde sich wohl auch gegen Tierleid aussprechen. Trotzdem isst der Durchschnittsdeutsche gut 60 Kilogramm an Fleischerzeugnissen pro Jahr. Woher kommt diese Diskrepanz zwischen Ernährung und Einstellung?

Der amerikanische Psychologe George Kelly hat Mitte des vergangenen Jahrhunderts offengelegt, warum wir widersprüchlich handeln, aber uns selbst nicht so erleben: weil wir in Konstrukten denken. Die können völlig widersprüchlich sein, aber für uns ist alles stimmig.

Das müssen Sie erklären.

Bei einer Veranstaltung der Slow-Food-Bewegung in Italien habe ich vor einiger Zeit ein paar Aktivisten des globalisierungskritischen Netzwerks Attac getroffen. Sie hatten alle Notebooks, Tablets, Smartphones, waren technisch hochgerüstet. Ich hatte einen Block dabei. Ich habe sie auf die Diskrepanz zwischen Kaufverhalten und Gesinnung sogar angesprochen, und sie haben gesagt: "Alles für die Revolution." Wir Menschen bügeln die Widersprüche weg. Genauso spaltet der Mensch das Fleischessen vom Wissen über die Herstellung ab. So kann er für das Tier Mitleid haben, während er gerade eine Hühnchenbrust isst.

Wir sind also gewiefte Verdrängungskünstler.

Genau. Nehmen Sie Corona. Ich weiß nicht, wie es in München ist, aber in Berlin kümmern sich 99 Prozent der Menschen nicht um die Abstandsregeln.

Wegen der Berichte um die Schlachthöfe geht der Verkauf von Billigfleisch jetzt womöglich für kurze Zeit zurück. Nach ein paar Monaten dürfte aber wie so oft alles wieder beim Alten sein. Der US-Amerikaner Upton Sinclair hat schon 1905 über die Ausbeutung der Arbeiter und die hygienischen Missstände in den Schlachthöfen Chicagos geschrieben. Man könnte meinen: In mehr als 100 Jahren hat sich nicht viel verändert.

Ich bin mir sicher, diese Schlachthöfe gehören bald der Vergangenheit an. Es gibt eine stille Revolution. Millennials beurteilen Essen deutlich kritischer. Das Qualitätsbewusstsein ist gestiegen. Und Aldi und andere Discounter setzen seit einigen Jahren stark auf Bio-Produkte. Aldi ist derzeit der erfolgreichste Bio-Händler Deutschlands. Die Lebensmittelbranche wandelt sich, und mit dem Nachhaltigkeitsdenken steht auch das Fleisch zur Disposition.

Ist das nicht zu optimistisch gedacht?

Vegetarier und Veganer sind zu 80 Prozent jung, weiblich, gebildet. Der beharrliche Fleischkonsument ist, überspitzt formuliert, der männliche Proll, der über den Fleischkonsum seine männliche Identität aufrechterhalten will. In ihrem Buch "Fleisch" hat die Autorin Nan Mellinger geschrieben: "Die Frau ist das Fleisch und der Mann isst das Fleisch." Über das Fleischessen stellt sich ein Geschlechterverhältnis her. Da die althergebrachte männliche Rolle, also der Mann als Jäger und Soldat, am Aussterben ist, versucht der Mann, auf anderen Wegen krampfhaft an seiner Identität festzuhalten. Frauen arbeiten heutzutage, genießen die gleichen Privilegien, wo lassen sich noch Geschlechterunterschiede feststellen? Beim Biertrinken und beim Fleischkonsum.

Also wird die Veränderung der Genderrollen auch den Fleischkonsum verändern?

Das ist schon der Fall. Im Ernährungsreport des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft haben 2019 noch über 30 Prozent der Männer angegeben, dass sie Fleisch täglich essen. 2020 sind es nur noch 25 Prozent. Da gibt es einen klaren Wandel.

Reicht es, einfach abzuwarten, bis die Gesellschaft sich selbst wandelt, oder müsste die Politik sich stärker in die Ernährung einmischen?

Es gibt ja schon unglaublich viele Lebensmittelgesetze. Ich glaube, dass der soziale Wandel von einer Gesellschaft selbständig zu vollziehen ist. Die politische Regulation hilft da relativ wenig.

Menschen müssen sich also selbst überzeugen. Ein gängiges Vorurteil über Vegetarier ist allerdings, dass sie zu missionarisch seien.

Wir müssen immer schauen, dass wir nicht ausgrenzen, sondern Verständnis haben für diejenigen, die Fleisch essen. Hass hilft nicht. Vegetarier oder Veganer haben oft unterbewusst das Gefühl, dass sie sich mit dem Essen nicht schuldig machen. Dass sie deswegen moralisch überlegen sind. Das ist allerdings eine Illusion: Sigmund Freud zufolge ist Essen ein oralsadistischer Akt. Essen ist immer gewalttätig, ein Zermalmen. Laut Plato sind auch Pflanzen beseelt. Wer sich aber nicht schuldig fühlt, ist auch nicht dankbar. Aber nur wer dankbar ist und sich schuldig fühlt, bemüht sich auch um Wiedergutmachung. Diese Kultur brauchen wir.

Der Umsatz im deutschen Bio-Fachhandel ist 2019 um neun Prozent gestiegen. Spielt Greta Thunberg und ihre Bewegung da auch eine Rolle?

Greta Thunberg ist eher ein Symptom einer sich wandelnden Gesellschaft, sie symbolisiert die Transformation: Früher war man angesehen, wenn man Fleisch gegessen hat. Heute, wenn man auf Fleisch verzichtet. Die soziale Distinktion hat sich verändert. Was früher Champagner, Fleisch und Kaviar waren, sind heute vegane und vegetarische Speisen.
https://www.sueddeutsche.de/panorama/ernaehrung-gewohnheit-christoph-klotter-1.4942175
 
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