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Der Politikthread

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Finds erstaunlich wie man diesen Hardcore Kapitalismus schön reden kann. Natürlich geht's grad den meisten hier im Forum finanziell nicht schlecht und natürlich geht's wohl auch den armen in Deutschland nicht schlechter als den ärmsten in Afrika (denen geht es ja per se sogar eigentlich eher besser als uns weil wir ja wissen das Zeit wichtiger als Geld ist) aber ich finde der eigene Status quo ist keine Rechtfertigung dieses kaputten Systems. Das ist eher ein Zeichen mangelnder Vorstellungskraft. (no offense)

Dann auch an dich die Frage: in welchem System, in welchem Land mit einem anderen System geht es mehr Menschen gut?

Klar gibt es Auswüchse, die man beheben muss. Klar kann und soll man Vermögen(de) höher besteuern, damit ärmere Menschen mehr Gerechtigkeit erfahren. Aber tut doch nicht so, als gebe es eine bessere Alternative, wo es uns besser gehen würde.

Macht euch mal Gedanken, wievielen Menschen es gut oder sogar sehr gut geht, weil eine Frau Klatten Milliarden hat.
 
Naja Kapitalismus ist ja nun kein deutsches Phänomen. Es geht nicht darum das es mir als mutmaßlichen mittelschichtler in anderen Ländern besser gehen könnte oder sollte, sondern darum das es nicht 1% der Weltbevölkerung Bombe geht, 19% ganz gut soweit und 80% scheiße.

Edit: und nur weil es die bessere Alternative aktuell augenscheinlich nicht gibt heißt es nicht das es sie per se nicht gibt. Das meine ich ja mit mangelnder Vorstellungskraft.
 
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Es gibt doch Alternativen?

Steuern! Ob nun jetzt die Abgabe oder halt politisch zu "steuern".
 
Deswegen rennst du ja auch nicht mit selbstgebastelten Knarren durch die Städte :gerri:

Zumindest ist es wie bei den islamischen Terroristen, die ja auch z.T. durch das Internet erst radikal geworden sind. Ich glaube übrigens schon, dass Leute, die sowieso vorgeschädigt sind, u.a. in ihren Internetblasen den letzten Schubs kriegen können. Als ein Baustein von vielen.
 
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Milliardär*in zu sein ist unmoralisch, da kann es doch eigentlich keine zwei Meinungen geben.

Und diese Milchmädchenrechnung soll genau was beweisen? Gibt genug Milliardäre, die durch ihre Firmen Hunderttausenden (!) Menschen eine Arbeit ermöglicht haben. Klar kann das dann und darf das entsprechend zu Reichtum führen.
Und ich meine ordentliche Arbeit. Ausbeuterjobs wie bei Amazon dürfen durchaus gern staatlich sanktioniert/reguliert werden. Und ebenso sollte man gern die üblichen Steuervermeidungstechniken der Reichen abschaffen.
 
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Kurzfristig schon. Langfristig tötet man mit sozialistischen Deckelungen und Besteuerungen aber nicht nur jegliche Innovation, sondern erreicht letztendlich auch das Gegenteil dessen, was man erreichen wollte. Gut gemeint ist die kleine Schwester von Scheiße.
 
Dass die Begleitumstände mit Euphorie und weltweitem Wiederaufbau nach dem Krieg und Hochrüstung gegen den Kommunismus da völlig anders waren aber vielleicht auch.

Euphorie nach dem Krieg in den 70ern!? Kommunismus als Grund, dass die westliche Wirtschaft auch bei sehr hohen Spitzensteuersätzen lief!?

Klar, man kann sich die Fakten auch so (ver)drehen, dass sie zu den eigenen Ansichten passen.
 
Ich muss echt aufpassen dass mir die Hutschnur nicht platzt wenn ich hier immer von den "reichen" lese die regelrecht stigmatisiert werden. Und dann noch mehr Steuer fordern-natürlich auch gleich mit dem populären Begriff Reichensteuer. Für mich ist da tatsächlich Neidsteuer treffender. Tut mir leid, aber früher waren es die bösen reichen Juden die unsinnigerweise an allem Schuld sind, jetzt sind es die Reichen an sich.

Wie aber schon geschrieben wurde, würde eine höhere Steuer genau was gegen Hunger und Armut bringen? Nix, dann dürfte halt nur der Berliner Flughafen nochmal teurer werden. Wie Zimti mehrmals anmerkte, muss der Wille da sein. Das Geld wäre jetzt schon problemlos da. Fast 800 Milliarden ist das Steueraufkommen von Deutschland. Da wäre etwas machbar. Genauso was Klima, Internet, innere Sicherheit etc angeht.

Viele Reichen haben ihre soziale Verantwortung erkannt und sind in vielen Bereichen diesbezüglich tätig. Jetzt kann man sich fragen wieviel Prozent deren Einkommens das ausmacht, dann fragt man sich aber auch ob jeder Gutsmensch einen ähnlichen Prozentsatz spendet. Was so im Jahr über meine Schreibtisch geht sehe ich das jedenfalls nicht.

Wobei ich auch mal eine interessante Statistik gelesen hatte. Durch Globalisierung und Konsum sinkt die weltweite Armut deutlich. Auch wenn da beileibe nicht unseres gehobenes Niveau erreicht wird, erleben früher armen Länder wie China, Indien und Co ein höheres Pro Kopf Einkommen. 2016 oder 2017 wäre die Aussage des Raports gewesen, jeden Tag sinkt die Zahl der Menschen die in extremer Armut leben um 137.000. Und das trotz steigender Weltbevölkerungs zahlen.

Das macht die vielen hunderte Millionen hungernden Menschen nicht besser. Aber ich bezweifle auch dass es nur einem Menschen in Afrika besser gehen wird weil Dieter Bohlen im Jahr 100.000 Euto mehr Steuer zahlt.

Da muss die Weltgemeinschaft als solches zusammen dran arbeiten. Ein Anfang wäre da erstmal sich nicht in Kriegen aufzutreiben und Infrastrukturen zu zerstören. Aber das bekommt der Mensch an sich wohl nicht hin.
 
Der grosse Irrglaube ist halt, dass wenn man den deutschen Milliardären ein paar Milliarden nimmt, dass dieses Geld dann in die Rentenkassen gepumpt wird und alles ist gut. Und wenn das Geld dann wieder knapp wird, dann nehmen wir eben noch ein paar Milliarden. Warum sollte man noch gross Politik machen, wenn man sich die Kohle doch einfach a la Robin Hood nehmen kann, wo es vorhanden ist?

Bei einigen Kommentaren hier habe ich auch das Gefühl, dass es nicht darum geht, den "Reichen" eine höhere Steuer aufzuerlegen, da würde man am liebsten das komplette Vermögen verallgemeinern...
 
Ich check einfach nicht wie man dieses Ungleichgewicht verteidigen kann. Es gibt Menschen da draußen die sich körperlich wirklich kaputt schuften für nen absoluten Witz von Lohn. Wir haben da alle gut reden, das bonzentreff rollt die Augen und denkt sich der Pöbel soll sich mal nicht beschweren. Seid doch dankbar dafür das die großen Herrscher euch einen Job geben. :ugly:

Und dann so Wörter wie neidsteuer, sorry aber wenn ich sowas lese kotze ich unwillkürlich über die Couch. Ich bin völlig zufrieden mit meinem Gehalt, meinem leben und allem drumherum. Ich könnte das natürlich auch so handhaben und sagen "also für MICH muss sich nichts ändern" aber mein Großvater der jahrelang auf dem Bau gearbeitet hat und ne mini Rente bekommt,meine Patienten die an schweren Depressionen leiden weil sie ihre Familie mit ihren 1200€ Monatsgehalt nur so eben versorgen können oder gar ihren Job verloren haben weil der Konzern wachsen muss während die Manager in einem Jahr so viel verdienen wie die Basis in ihrer berufslaufbahn, die sehen das wohl alle ein bisschen anders.

Das ist ja auch nur ein Bruchteil des Problems. Macht doch mal nen Schritt rüber in den Dr konsolentreff thread. Ärzte die ihre Patienten nur noch wie ware behandeln weil das ganze gesundheitssystem auf Effizienz und erwirtschaften einer positiv Bilanz ausgerichtet ist. Menschen die keinen sozialen oder handwerklichen Beruf mehr wollen weil die Wirtschaft zuweilen absurd mehr Geld abwirft. Man könnte noch ewig weiter argumentieren.

Aber egal, vermutlich bin ich nur neidisch und sehe nicht das wir in der uns Menschen bestmöglichen Variante einer Gesellschaft leben.
 
Was hat Ärztebudget mit mehr Steuer zu tun? Das ist deswegen da, damit jeder nicht noch höhere Beiträge zahlen muss. Wie verhindert Reichensteuer Depressionen bei deinen Kunden? Bei 1200 Euro hat der keinen Cent Steuer gezahlt. Der ZF Konzern hält in Saarbrücken den ganzen Stadtverband am leben. Bin den wären schon die Lichter hier ausgegangen. Und Management Ebene versucht man alles um ihn am Leben zu halten. Trotz erheblicher Brexit Probleme und auch Wandel hin zu emobilität.

Man kann Dinge auch ruhig mal von der anderen Seite sehen. Ich habe einen Mandanten der auf die 80 zugeht und sein defizitärer 30 Mann Bauunternehmen nur weiter führt aus Sozialverantwortung, da viele AN älter sind und keinen Job mehr finden würden. Trotzdem wird es gemeckert.

Edit. Und ein Land in dem sich keiner der 80 Mio Bürger sorgen machen muss auf der Straße zu schlafen und auch immer essen haben wird sowie Gesundheitsversorgung in einem gewissen Maße gegeben ist, kommt meiner Vorstellung von einem guten Staat schon nahe. Da geht es hier jedem besser als einem Hungernden in Afrika und sonstwo.
 
Und diese Milchmädchenrechnung soll genau was beweisen? Gibt genug Milliardäre, die durch ihre Firmen Hunderttausenden (!) Menschen eine Arbeit ermöglicht haben. Klar kann das dann und darf das entsprechend zu Reichtum führen.
Die soll gar nichts "beweisen", die soll in erster Linie nur veranschaulichen wie absurd viel Geld eine Milliarde ist und wie wenig man deren Erwerb über einen 'Leistungswettbewerb' rechtfertigen kann.
Denn dein Geniekult in allen Ehren, es mag sein, dass es dann und wann Menschen gibt mit einer guten Idee und einer grandiosen Vision und auch dem entsprechenden Ehrgeiz, darauf ein Unternehmen aufzubauen; aber das tun sie nicht alleine, sondern das Gelingen hängt maßgeblich von der Arbeit anderer Menschen ab und tut es mit dem weiteren Wachstum immer mehr.
Es ist für mich geradezu absurd, über so etwas wie 'unternehmerische Verantwortung' Millardenvermögen (!) von Einzelpersonen zu rechtfertigen.

Ich muss echt aufpassen dass mir die Hutschnur nicht platzt wenn ich hier immer von den "reichen" lese die regelrecht stigmatisiert werden. Und dann noch mehr Steuer fordern-natürlich auch gleich mit dem populären Begriff Reichensteuer. Für mich ist da tatsächlich Neidsteuer treffender. Tut mir leid, aber früher waren es die bösen reichen Juden die unsinnigerweise an allem Schuld sind, jetzt sind es die Reichen an sich.
Ich bin ja ein Fan davon, dass man auch Äpfel und Birnen vergleichen kann, aber der Vergleich ist schlicht eine Unverschämtheit.

Bei einigen Kommentaren hier habe ich auch das Gefühl, dass es nicht darum geht, den "Reichen" eine höhere Steuer aufzuerlegen, da würde man am liebsten das komplette Vermögen verallgemeinern...
Glückwunsch, exakt darum geht es.
Mit der Einschränkung, nicht das ganze Vermögen zu verallgemeinern, sondern bis auf ein Maß, auf dem das Privatvermögen sozial verträglich erscheint.
Und mit der zweiten Einschränkung, dass eine Regulierung des Systems stattfindet, dass es überhaupt nicht möglich sein sollte, jemals Millardär*in zu werden, damit man niemandem etwas wegnehmen muss.
Milliardär*innen sind ja überhaupt erst ein Symptom eines pervertierten Kapitalismus.
 
Kurzfristig schon. Langfristig tötet man mit sozialistischen Deckelungen und Besteuerungen aber nicht nur jegliche Innovation, sondern erreicht letztendlich auch das Gegenteil dessen, was man erreichen wollte. Gut gemeint ist die kleine Schwester von Scheiße.

Der Staat als Hemmschuh von Innovationen ist allerdings auch nicht selten eine Mär.

https://www.wired.co.uk/article/mariana-mazzucato


The development of Google’s search algorithm, for instance, had been supported by a grant from the National Science Foundation, a US public grant-awarding body. Electric car company Tesla initially struggled to secure investment until it received a $465 million (£380 million) loan from the US Department of Energy. In fact, three companies founded by Elon Musk — Tesla, SolarCity and SpaceX — had jointly benefited from nearly $4.9 billion (£3.9bn) in public support of various kinds.

Sehr oft ist der Staat mit Förderungen und Investment in Grundlagenforschung jener Faktor, der Innovationen ermöglicht. Und Um solche wichtigen Dinge finanzieren zu können muss der Staat halt Einnahmen generieren, sprich Steuern einheben.

Und natürlich ist nicht jeder Milliardär ein verantwortungsloses Arschloch. Es gibt viele die einen großen Teil ihres Vermögens spenden. Allerdings platzt mir, lieber @Mandos, ebenfalls die Hutschnur, wenn wohlhabenden Leuten der Kopf gestreichelt wird, weil sie von ihrer massenhaft vorhanden Kohle einen größeren Teil spenden, als jemand der ohnehin von Zahltag zu Zahltag lebt und sich versucht ein paar Sicherheitspolster zu schaffen.

Es ist halt auch viel einfacher aus einer Million zwei Millionen zu machen, als die erste Million zu verdienen. Aus dem Grund gehören Erbschaften, nach Abzug eines großzügigen Freibetrages MASSIV besteuert. Gewinne aus Aktien, Anleihen, Zinsen,... usw. gehören mindestens gleich besteuert wie Einkommen aus Arbeit.

Es ist einfach nicht erklärbar, warum zB jemand der Arbeiten geht, 40% seines Einkommen als Steuern an den Staat abführen soll, während jemand, der mit dem silbernen Löffel im Arsch geboren wurde, quasi abgabenfrei ein Lebenseinkommen erbt und dann auch noch minimale Abgaben auf seine Zinsgewinne bezahlt. Das hat nichts mit Neid zu tun, sondern ist einfach nur unpackbarer Bullshit. Und ja, die Beispiele sind absichtlich plakativ gewählt um meinen Punkt rüber zu bringen.

According to a study by Mazzucato and economist Bill Lazonick, between 2003 and 2013 publicly listed companies in the S&P 500 index used more than half of their earnings to buy back their shares to boost stock prices, rather than reinvesting it back into further research and development. Pharmaceutical company Pfizer, for example, spent $139bn (£112bn) on share buybacks. Apple, which had never engaged in this type of financial engineering under Jobs, started doing so in 2012. By 2018, it had spent nearly one trillion dollars on share buybacks. “Those profits could be used to fund research and training for workers,” Mazzucato says. “Instead they are often used on share buybacks and golfing.”


That posed an urgent, more fundamental problem. If it was the state, not the private sector, which had traditionally assumed the risks of uncertain technological enterprises that led to the development of aviation, nuclear energy, computers, nanotechnology, biotechnology and the internet, how were we going to find the next wave of technologies to tackle urgent challenges such as catastrophic climate change, the epidemic of antibiotic resistance, the rise of dementia? “History tells us that innovation is an outcome of a massive collective effort – not just from a narrow group of young white men in California,” Mazzucato says. “And if we want to solve the world’s biggest problems, we better understand that.”

Das. lieber @Mondknallschlumpf passiert nämlich wenn man auf "sozialistische Deckelungen" verzichtet und den "freien Markt" "freien Markt" sein lässt. Die Allgemeinheit zahlt für die Grundlagenforschung (Internet? GPS? Computer?) und kapitalistische Unternehmen häufen unfassbare Reichtümer an.

Wie oben erwähnt, nicht jeder Milliardär ist ein unsoziales Arschloch. Aber nur weil es ein paar Philanthropen unter ihnen gibt spricht das nicht die gesamte Clique frei.
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Lieber @Evin, jemand der sich keine Spenden leisten kann braucht normalerweise keinen Steuerberater. Ich Rede von berühmten Mittelstand. Jemand der 45k im Jahr verdient hat ganz sicher die Möglichkeit zu spenden. Sehe ich aber bei meinen Mandanten nahezu kaum. Da ist sich jeder der Nächste. Sollen halt die Reichen alles machen.
 
Sehe ich aber bei meinen Mandanten nahezu kaum. Da ist sich jeder der Nächste.

Um den alten Bärtigen aus Trier zu zitieren...
Es ist nicht das Bewusstsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewusstsein bestimmt.
Wundert mich innerhalb unseres aktuellen Systems kein Stück.
 
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