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Die große Sexismus-Debatte

Benutzer, welche sich diesen Thread anschauen:

Weil ich das irgendwie ungern so stehen lassen möchte, ein paar Zeilen von meiner Seite. Ich möchte der Dame sicherlich nichts unterstellen und mit Sicherheit kann ich nicht vollständig nachvollziehen, was sie laufend durchmachen muss. Ich fand das Bild einfach in seiner "Einfachheit" nicht aussagekräftig. Offenbar habe ich damit den großen Kontext ausgeblendet und ihr unrecht getan. Das lag sicherlich nicht in meiner Absicht, weil ich den Rassismus nicht kleinreden möchte.

Ich bin aber auch nicht der "weiße Mann", sondern war der schlitzäugige "Chinese", der zu Hause immer Reise gefressen hat. Leute haben den Hitlergruß vor mir gemacht und mich oft genug als dreckiger Ausländer bezeichnet. Bei meiner Mutter und bei meinem Bruder war das dann nicht weniger ausgeprägt, sondern eher noch schlimmer. Es gab dann einfach eine Zeit, wo wir recht schnell Rassismus gesehen haben, wo einfach keiner war. Wenn mein Bruder nicht in den Club kommt, weil schon zu viele Südländer drin sind, dann ist das eine klare Ansage. Wenn ich als dreckiger afrikanischer Jude (fragt mich nicht nach der Kombination) bezeichnet werde, ist auch klar, woher der Wind weht. Dann wiederum gibt es Situationen wo man dumm von der Seite angemacht wird, aus welchen Gründen auch immer. Oft genug habe ich mich dann aufgeregt und mich über die Rassisten aufgeregt, die hier rumlaufen, um dann im Nachgang, in einem ruhigen Dialog mit meinem Bruder zu registrieren, dass es eben kein Alltagsrassismus war, sondern einfach dämliches Benehmen von Volltrotteln. Daher fand ich das in der Hinsicht einfach nicht aussagekräftig. Aber gut, vielleicht habe ich trotzdem komplett übers Ziel hinaus geschossen, was sicherlich nicht in meiner Absicht lag.

Hoffe, dass das dadurch etwas verständlicher wird.

Edit: Kurze Ergänzung des Postings.
 
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@Mingo Was war denn überhaupt deine Intention diesen Tweet zu posten? Was willst du damit sagen?
@kingpin68 hat geschrieben, dass er von einer Schwarzen Frau gelesen hätte, die in der Öffentlichkeit keine Banane essen will, offenbar weil sie keine Lust hat auf die Reaktionen, die aufgrund rassistischer Stereotype folgen könnten.
Daraufhin habe ich den Tweet gepostet, in dem ebenfalls normales Verhalten (Reisen) gezeigt wird, dass bei einer Schwarzen Frau aber unschöne Reaktionen zur Folge hat (ständiges begafft werden).

@Cthulhu Alles gut, aber hab ich das jetzt richtig verstanden, dass die Vorfälle, in denen dein Bruder nicht in den Club gekommen ist oder wo du derart beschimpft wurdest, für dich nichts mit Rassismus zu tun hatten?
 
Ne, definitiv nicht. Musste mein Posting unvollständig abschicken, weil ich meinen Sohn ins Bett bringen muss. Das sind selbstverständlich rassistische Äußerungen. Darüber hinaus gab es dann aber Situationen, wo ich zunächst Rassismus vermutet habe, es aber letztlich keiner war. Der Satz dazwischen fehlt jetzt. Korrigiere ich später noch einmal.
 
@Lord EKKA Ich werde mir das Buch mal geben.

Muss gerade die ganze Zeit retrospektiv an Jermaine (Schulkamerad von damals) und an gewisse Situationen und Erfahrungen mit ihm denken.
Jetzt so im nachhinein wird mir teilweise richtig übel dabei. Mit unter auch wie ich mich verhalten habe oder halt bei gewissen Situationen einfach nur zugeschaut habe.

naja ihr wart Schüler. Wie Reflektiert will man da groß sein? Wo wurde denn das Thema groß behandelt in der Schule? Zu meiner Schulzeit wurde das 0 aufgegriffen und ich bin in Berlin Lichtenberg/ Hohenschönhausen aufgewachsen. Quasi gab es jeden Tag irgendeinen Idioten der meint für das Vaterland einen Schwarzen fertig machen zu müssen. Mein Bruder hatte nur Probleme in der Schule, weil er sich ständig wegen rassistischen Äußerungen gewehrt hat. Meine Lehrer haben mich teilweise schikaniert und mir nichts zugetraut blablabla ich weiß ist nur ein Individuelles Problem :D Jetzt bin ich selbst als Theaterpädagoge zugange und habe 12 jährige jeder Ethnie im Kurs. Rassismus ist da zum Glück kein Problem. :)
 
Ne, definitiv nicht. Musste mein Posting unvollständig abschicken, weil ich meinen Sohn ins Bett bringen muss. Das sind selbstverständlich rassistische Äußerungen. Darüber hinaus gab es dann aber Situationen, wo ich zunächst Rassismus vermutet habe, es aber letztlich keiner war. Der Satz dazwischen fehlt jetzt. Korrigiere ich später noch einmal.

ich kenn das Gefühl nur zu gut. Man erlebt einfach so oft Rassismus, dass man irgendwann schon Gespenster sieht oder Situationen nicht mehr richtig deuten kann. Die Frau gibt dir einen Korb, weil du Schwarz bist und und und. Das ist teilweise echt belastend und stört die normale Kommunikation mit netten Menschen, die es eigentlich gut meinen oder vielleicht auch gar nicht an Hautfarbe gedacht haben...Aber was will man machen? Die Erfahrungen haben einen leider so gemacht und man kann es sich nur bewusst machen und genau hinschauen. Not an easy task
 
ich kenn das Gefühl nur zu gut. Man erlebt einfach so oft Rassismus, dass man irgendwann schon Gespenster sieht oder Situationen nicht mehr richtig deuten kann. Die Frau gibt dir einen Korb, weil du Schwarz bist und und und. Das ist teilweise echt belastend und stört die normale Kommunikation mit netten Menschen, die es eigentlich gut meinen oder vielleicht auch gar nicht an Hautfarbe gedacht haben...Aber was will man machen? Die Erfahrungen haben einen leider so gemacht und man kann es sich nur bewusst machen und genau hinschauen. Not an easy task
Was übrigens genau das ist was ich meinte. Das ist der eigentlich traurige Part an der Geschichte. Das Menschen negative Erfahrungen auf Grund ihrer Regelmäßigkeit generalisieren und überall nur noch das schlechte sehen und erwarten.

Edit: Was kein Vorwurf an die Menschen selbst sondern an das Umfeld ist. Allein das man das extra erwähnen muss...
 
naja ihr wart Schüler. Wie Reflektiert will man da groß sein? Wo wurde denn das Thema groß behandelt in der Schule? Zu meiner Schulzeit wurde das 0 aufgegriffen und ich bin in Berlin Lichtenberg/ Hohenschönhausen aufgewachsen. Quasi gab es jeden Tag irgendeinen Idioten der meint für das Vaterland einen Schwarzen fertig machen zu müssen. Mein Bruder hatte nur Probleme in der Schule, weil er sich ständig wegen rassistischen Äußerungen gewehrt hat. Meine Lehrer haben mich teilweise schikaniert und mir nichts zugetraut blablabla ich weiß ist nur ein Individuelles Problem :D Jetzt bin ich selbst als Theaterpädagoge zugange und habe 12 jährige jeder Ethnie im Kurs. Rassismus ist da zum Glück kein Problem. :)

War in der Ausbildung in der Berufschule, da waren ich und er auch schon Anfang 20.
Da waren jetzt aber keine so schlimmen Situationen dabei wie welche die du gerade hier beschreibst, und ich würde mein Verhalten im nachhinein auch nicht als rassistisch oder irgendwie als gemein einstufen. Mindestens aber als Dumm und/oder Unachtsam. Solche Dinge fangen ja schon im kleinen an. Ich kann diese Situationen nur gerade nicht wiedergeben. Sie sind so fein und unterschwellig.


Das ist mir jetzt etwas unangenehmer, hab ich bis heute auch noch niemanden so erzählt.
Aufgrund meiner Sozialphobie habe ich schön länger nur noch einen sehr überschaubaren Freundeskreis und anders als früher in meiner Kindheit oder Jugend auch keinen mehr mit Migrationshintergrund dabei (an sich sollte das aber kein Problem sein). Ich bemerke jedoch wie ich mich häufig einfach dumm und zu verkopft anstelle und mein Gegenüber dadurch vielleicht in unangenehme Situationen bringe.

Ist mir echt unangenehm und ich ärgere mich oft deswegen sehr:
Wenn ich eine Schwarze Person in den Bus einsteigt sehe, bemerke ich wie meine Verkopftheit anfängt.
Ich erstmal anfange ganz bewusst wegzuschauen und ihn ignoriere, weil ich mir bewusst bin, dass mein Hirn erstmal hingucken will, weil er für mich anders aussieht (scheiß Gehirn). Dann aber nach einer weile mein Kopf anfängt auch dasa infrage zustellen und anfängt extrem doof und scheiße zu finden was ich da gerade mache. Spätestens dann bin ich aber schon so Verkopft in meinen Gedanken, dass einfach jegliche Natürlichkeit und Normalität flöten gegangen ist. Das ist einfach absolut dämlich und lächerlich und ich hasse mich manchmal dafür, dass ich scheinbar doch Unterschiede mache.

Edit: Ich bilde mir ein damit allerdings nicht alleine zu sein, aber es ist und war mir bis jetzt echt einfach viel zu unangenehm, dieses Problem auch mal anderen mitzuteilen. vielleicht stelle auch wirklich nur ich mich bei sowas so doof an.
 
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Und da ist es wieder :ugly:

Einfach den Post von Mingo auch nach diesem ersten Satz lesen. Dann macht die Spitze schon Sinn:


Sorry, aber ich bin wirklich erschüttert wie verbissen versucht wird die spezifischen Erfahrungen einer Schwarzen Frau als solche in Abrede zu stellen? Als ob sie zu dumm wäre zu erkennen, wie sie das Verhalten ihrer Mitmenschen ihr gegenüber deuten soll?

"She explains: ‘This happens to me most places I go to in the world so it’s refreshing when I go to black countries like in the Caribbean or when I’m somewhere it’s normal to be black and I can just sink in and explore."

Da liegt sie dann wohl einfach falsch, das ist wohl ihre Einbildung, weil eigentlich wird sie in karibischen Ländern genauso behandelt wie in europäischen Ländern. Checkt sie vielleicht nicht, bisschen verwirrt die Gute.

Yasmin in Alice Springs, Australia where she was asked if she was a cleaner while enjoying a stay at a fancy hotel (Bildunterschrift)

Einfach nur menschlich, passiert mir ständig, dass ich als Putzkraft angesprochen werde, wenn ich in der Hotellobby rumchille. Wer kennt es nicht?

Nochmal weniger sarkastisch. Es ist einfach anmaßend solche spezifischen Erfahrungen in der Weise zu relativieren, indem man sagt "solche oder so ähnliche Erfahrungen hat jede*r schon mal erlebt", denn darum geht es ja gar nicht! Es geht um das Ausmaß, um die persönliche Belastung, die eine ständige (!) Markierung als 'besonders' oder 'anders' mit sich bringt.
Und es ist anmaßend zu unterstellen, dass gerade die Menschen, die diese Erfahrungen tagtäglich (!!) machen, vielleicht nicht richtig einschätzen können, woher diese Erfahrungen stammen.
Denn man weiß selbstverständlich warum man bestimmte Erfahrungen häufiger und intensiver macht, als andere Menschen.

Ich werde z.B. ständig von Kindern angeglotzt und ich weiß ganz genau warum die Kinder glotzen.
Die glotzen nicht, weil ich einen Vollbart habe, die glotzen nicht, weil ich eine Brille trage. Die glotzen nicht, weil ich Swag hab.
Die glotzen weil ich fucking 4 Meter groß bin. Und ich merke, wenn mich Leute anglotzen weil ich groß bin. Und das hat nichts damit zu tun, dass Menschen halt manchmal Menschen anglotzen und jetzt kann mir irgendjemand sagen "es ist menschlich, dass man manchmal angeglotzt wird" dann werde ich trotzdem ständig angeglotzt weil ich ein Riese bin und nicht weil Glotzen menschlich ist.
 
Ich erlebe das ja selber fast täglich in Berlin, im Bus oder in der Bahn.
Während ich allerdings häufig ins andere extrem verfalle (krampfhaft etwas ignoriere oder bewusst anderswo hinglotze), sehe und erlebe ich auch das Anglotzende Gegenteil. Völlig egal ob das nun Aufgrund einer Hautfarbe oder wegen was auch immer geschieht.

Sei es bei einer gehandicapten Person das neugierige Glotzen, oder das Bemitleidende Glotzen oder im schlimmsten Fall das angewiderte Glotzen. Oder bei einem Schwarzen das "Ey krass der ist ja Schwarz"-Glotzen, oder das abwertende "Ach so einer"-Glotzen, oder das "Dich habe ich im Blick"-Glotzen.

Völlig egal was das für ein Glotzen ist. Es muss für Betroffene einfach mächtig belastend sein.
Und ganz ehrlich, mein Verhalten bei solchen Situationen (ich wünscht ich wäre mehr ich und cooler dabei) finde ich ganz ehrlich auch völlig daneben und im Grunde irgendwie auch rassistisch.


Edit: Andere Situation im Bus in Berlin (geschieht nicht überall, aber in Köpenick häufiger als anders wo). Oft will sich keiner neben den Schwarzen setzen, oder zumindest wird sich solange woanders hingesetzt bis nur noch der Platz neben dem Schwarzen frei ist. (häufig beobachtet)

Ich setz mich genau deswegen häufig aus solidarischen Gründen direkt neben einen Schwarzen (sollte kein Zweier Sitzplatz mehr frei sein - im Grunde sitze ich nämlich lieber alleine). Find ich allerdings irgendwie auch wieder viel zu verkrampft und verkopft von mir.


Edit2: Ich weiß gar nicht wieso ich euch so einen tiefen Einblick in meine Seele gewähre. :fp:
Edit3: Bin echt nur ich so bescheuert verkopft unterwegs?
 
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Wobei hier jetzt schon Sachen miteinander vermischt werden, oder?

Eine schwarze Frau wird angeglotzt, weil sie ein Selfie von sich macht. Es werden aber viele Menschen angeglotzt, wenn sie in der Öffentlichkeit ein Selfie machen.

Der Dicke wird angeglotzt, der Riese wird angeglotzt, die Frau mit den dicken Titten wird angeglotzt, der Besoffene wird angeglotzt, der Einbeinige wird angeglotzt...

Wenn ein Mensch von 50 schwarz ist, wird man ihn anschauen. Nicht zwangsläufig aus rassistischen Gründen, sondern weil er halt anders ist.

Daher ist das Bild mMn unpassend gewählt. Ändert aber natürlich nichts daran, dass es für die Betroffenen unangenehm und belastend ist. Ändert auch nix an den anderen Beispielen im Artikel.
 
Wobei hier jetzt schon Sachen miteinander vermischt werden, oder?

Eine schwarze Frau wird angeglotzt, weil sie ein Selfie von sich macht. Es werden aber viele Menschen angeglotzt, wenn sie in der Öffentlichkeit ein Selfie machen.
Nein. Das wurde schon tausend Mal richtig gestellt und es wäre schön, wenn man der Diskussion auch folgt wenn man sich daran beteiligen will. Weil sonst drehen wir uns noch mehr im Kreis als wir es ohnehin schon tun bisweilen.

Davon abgesehen ist "Glotzen" in keinem Fall ein sozial angemessenes Verhalten. Aber auch das hatten wir schon.
 
Dieses relativieren ist doch völlig blöd.
In der letzten Bundestagswahl hat es die NPD auf 0,4% der Stimmen geschafft.
Und die AfD hat es sogar auf 12,5% geschafft (lass davon 10% so richtig Ausländerfeindlich sein).

Jetzt kann man sich ja mal ausrechnen wie oft man in einer Großstadt wie Berlin auf ausländerfeindliche Blicke trifft.
Das ganze runterspielen oder "ganz deutsch" fachmännisch in Relation setzen, bringt hier doch einfach nichts, wenn du als PoC in einer Großstadt Mehrmals täglich auf solche Gestalten stößt und solche Blicke ausgesetzt bist. Die anderen Glotzenden sind dann halt einfach nur noch nervig und irgendwie auch teil des Problems.
 
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Glotzen ist genauso kacke wie demonstratives Weggucken. @Cycron Das ist jetzt keine Kritik an deiner Person, ich fand deine Beispiele einfach sehr gut! Ich kenne das von mir früher nämlich auch, jetzt nicht unbedingt auf Menschen mit anderer Hautfarbe bezogen, sondern ganz Allgemein in Bezug auf Menschen.
Menschen, die man für sich selber als „auffällig“ wahrnimmt. Das können besonders schöne Menschen sein, behinderte Menschen, Menschen mit anderer Hautfarbe, was auch immer.

Ich habe z.B. lange Zeit in einem Heim für behinderte Kinder gearbeitet, dort wurde mir das bewusst und dort habe ich für mich gelernt damit besser umzugehen. Man will ja alle Menschen gleich behandeln, will selber nicht doof auffallen und auch andere nicht in unangenehme Situationen bringen.
Die Herausforderung im Heim bestand damals für mich darin, den Bewohnern nicht das Gefühl von Mitleid zu geben. Mein Ziel war immer, dass mein Gegenüber sich gut und ernst genommen fühlt.
Ich hatte da z.B. einen jungen Mann in der Pflege, der geistig ziemlich fit, körperlich aber sehr eingeschränkt war und nur über einen Sprachcomputer kommunizieren konnte. Ich habe mich immer wieder dabei ertappt, wie ich möglichst „einfach“ oder Kind-gerecht mit ihm gesprochen habe und kam mir zunehmend doofer vor.
Irgendwann habe ich mir dann gesagt „der Junge hält dich doch für total bescheuert“ und habe einfach so getan, als wären all diese „Auffälligkeiten“ an dem jungen Mann nicht vorhanden und es wurde immer mehr eine tolle zwischenmenschliche Beziehung. Bis 2015 habe ich diesen Mann noch regelmäßig besucht, ihn mit seinem Rollstuhl mal in die Stadt mitgenommen und so Sachen, dann ist er leider verstorben.
Ich muss aber noch oft über ihn nachdenken, da er damals sehr viel in mir verändert hat.

Sorry für den kleinen „Exkurs“, denn darauf wollte ich nicht hinaus.
Es geht mir nur darum, dass sich diese Verhaltensmuster auf alle Situationen übertragen lassen.
Wenn ein Mensch, der in irgend einer Form anders ist als ich selber, in der Stadt an mir vorbeiläuft oder in den Bus einteigt, schaue ich den genauso an, wie ich jeden Menschen in dieser Situation anschauen würde. Das macht man halt so. Und wenn ich das Gefühl habe, das jemandem das unangenehm ist, spreche ich diese Person auch bewusst an. Ein einfaches Hallo reicht oft schon aus. Man kennt das ja vielleicht aus der Stadt.

Gutes Beispiel ist der behinderte Mensch, der im Rollstuhl an einem vorbeigeschoben wird.
Dieser Mensch ist es gewohnt, dass ALLE ihn anschauen. Er hat vermutlich selten das Gefühl, dass er unbeobachtet unter Menschen sitzen und z.B. seinen Kaffee oder sein Eis genießen kann.
Ich schaue den Menschen natürlich auch an, wenn er an mir vorbeifährt.
Ich schaue dann aber nicht demonstrativ weg, wenn er meinen Blick erwidert oder meinen Blick bemerkt, sondern schenke ihm ein Lächeln und grüße nett. Das macht für mich im Alltag den entscheidenden Unterschied.

Menschen mit anderer Hautfarbe nehme ich für mich tatsächlich gar nicht als „Besonderheit“ war.
 
Dieses relativieren ist doch völlig blöd.
In der letzten Bundestagswahl hat es die NPD auf 0,4% der Stimmen geschafft.
Und die AfD hat es sogar auf 12,5% geschafft (lass davon 10% so richtig Ausländerfeindlich sein).

Jetzt kann man sich ja mal ausrechnen wie oft man in einer Großstadt wie Berlin auf ausländerfeindliche Blicke trifft.
Das ganze runterspielen oder "ganz deutsch" fachmännisch in Relation setzen, bringt hier doch einfach nichts, wenn du als PoC in einer Großstadt Mehrmals täglich auf solche Gestalten stößt und solche Blicke ausgesetzt bist. Die anderen Glotzenden sind dann halt einfach nur noch nervig und irgendwie auch teil des Problems.

Nein, für die Betroffenen sind alle Blicke das Problem.

Und für einen Schwarzen ist es sicher irgendwann ganz grundsätzlich ein Problem, dass er permanent Blicken ausgesetzt ist. Und irgendwann ist es sicher unmöglich, da noch zu unterscheiden. Wenn aber 9 von 10 Blicken sich eher auf die Andersartigkeit im Grundsatz beziehen, ist das für mich kein gutes Beispiel für Rassismus.

Natürlich aus der bequemen Position eines "normalen" weissen Mannes.
 
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