War vorhin beim Sport, deswegen hatte ich mich etwas kurz gefasst. Vielleicht etwas mehr zu meinen Erfahrungen.
Wir machen das so, dass wir jeden Tag in einer Tabelle neben unserem Namen Arbeitsbeginn und -ende aufschreiben, neben etwaigen Pausen, Nachtstunden, Überstunden, Minusstunden, Bemerkungen. Das wird dann am Ende der Schicht von einem Vorgesetzten unterschrieben. Diese Daten werden dann von uns in eine Exceltabelle übertragen, ausgedruckt, unterschrieben und vom Vorgesetzten überprüft und dann zur Kostenstelle für die Lohnabrechnung geschickt. Da sieht man dann auch Urlaubstage und so, also es macht die Arbeit für die Personalabteilung auch schön übersichtlich.
Das macht übrigens auch mein Vorgesetzter, der Vertrauensarbeitzeiten hat.
Es geht natürlich auch moderner mit Stempeluhren. So hatte ich das bei meinem vorherigen Arbeitgeber. Da musste man am Anfang und Ende der Schicht seine Karte an ein Gerät halten. Dann erfolgte alles automatisch. Kostet sicherlich etwas mehr und ich fand es auch nur bedingt besser.
Natürlich kann der Arbeitgeber immer noch Druck auf den Arbeitnehmer ausüben und ihn zu Überstunden und unbezahlten Überstunden, ähm, motivieren, aber es kostet mehr Überwindung falsche Arbeitszeiten zum eigenen Nachteil aufzuschreiben als einfach gar nichts zu machen und es hinzunehmen. Und es gibt Branchen, wo jeder Überstunden macht. Wie viele Menschen in der Gastronomie machen keine (meist unbezahlten) Überstunden? Und wie viele machen täglich vier und mehr Überstunden? Und man kann nicht einmal woanders hin, weil es in der Branche überall so ist. Das Gleiche gilt für Fahrer in der Logistik. Dort würde ich sogar weitergehen und unabhängige Zeiterfassungssysteme verpflichtend einführen.
Aber selbst bei "guten" Jobs sieht es nicht anders aus. Einer meiner besten Freunde arbeitet bei einem der größten Chemiekonzerne der Welt als Ingenieur und sein Vater ist im Vorstand. Und jeder Projektingenieur macht auch täglich Überstunden. Ich habe selbst in einem Labor gearbeitet und auch dort waren Überstunden ganz gewöhnlich. Und sie wurden nie aufgeschrieben. Und wenn ein Job eigentlich 10h täglich geht, dann sollte das auch so von Anfang an vereinbart werden. Legal ist das ja immer noch. Aber der Arbeitsmarkt ist in dieser Hinsicht nicht transparent, sondern bescheißt überall mit seiner 40h-Woche, die keine ist. Eine verpflichtende Zeiterfassung wäre ein nötiges Gegengewicht für einen sehr kleinen Preis.