@CandleWaltz
Hab mir das Spiel Club gegen St. Pauli angesehen. In diesem Kontext ist mir mal wieder die Konföderierten Flagge im Heimblock aufgefallen. Normalerweise hängt diese nur als Zaunfahne, aber am Montag wurde auch eine große geschwenkt. Du hattest irgendwo mal geschrieben, dass der Anhang des Clubs eher links einzuordnen ist. Wie passt da diese Flagge rein? Gibts da eine Geschichte dazu?
Sorry für die etwas verspätete Antwort.
Gleich vorneweg: Ich finde es ziemlich besch...eiden, dass die Flagge der Konföderierten bei uns im Block geschwenkt wird oder als Zaunfahne hängt.
Das Problem ist, wie bei so vielen Dingen, dass die eigentliche Verbindung der Flagge eigentlich nicht zur eigenen Gesinnung oder der Gesinnung der ganzen Gruppe passt, es aber zu einem Symbol geworden ist, welches sich wohl nicht mehr aus der Kurve verbannen lässt.
Es gibt viele Ultras, die die Flagge sehr sehr, ich sage mal skeptisch sehen.
Losgelöst von der eigentlichen Symbolik drückt man der Flagge eine neue Symbolik auf:
1. Ein Erkennungssymbol unter den deutschen (und internationalen) Ultras. Fast keine Vereinigung nutzt diese Flagge und ist für die UN94 zum Kult und Erkennungszeichen geworden.
2. Der Stolz, aus dem Süden Deutschlands zu kommen und dies auch zu zeigen.
3. In den 70er und 80er Jahren gab es eine sehr aktive Hooliganszene in Nürnberg, die auch mit vielen Bikern durchsetzt war. Tradition hat es auch bei diesen Leuten gehabt, die Südstaatenflagge sich auf die Kutte zu nähen oder das Motorrad damit zu schmücken.
Politisch gemeint ist die Flagge aber nicht.
Da kann es schonmal zu abstrusen Szenen kommen. Eine Choreo für unseren letzten jüdischen Trainer und gegen die Machtergreifung der Nazis über den Verein, eine Aktion in Nürnberg am Platz der Opfer des Faschismus und an einigen Stellen siehst du Aufkleber der Südstaatenflagge.
Es fehlt die Sensibilität oder die Einsicht, warum man sich der Gesellschaft beugen sollte.
Kann man gut finden, kann man belächeln oder dumm finden, alles ok.
Ein weiteres Schmankerl, warum gerade gegen St. Pauli: Jeder weiß ja um die sehr linke Fanszene St. Paulis, da spielt natürlich eine Menge Provokation mit hinein, da man sich nicht wirklich mag.
Hat damit angefangen, dass die USP die UN und BDA (Banda di amici) angefeindet hat genau wegen der Konföderiertenflagge und dem Konsum von Crystal mit den zwei folgenden Bannern:
Das hat sich die UN natürlich nicht gefallen lassen und sogar eine Stellungnahme herausgebracht, die ich für wirklich gut und beachtenswert halte (kurzer Auszug, der ganze Text lohnt aber) :
Es sollte für euch eigentlich ein leichtes sein uns inhaltlich wegen irgendetwas anzukacken. Kramt die alten Gate 8-Sexismus-Passagen raus, stellt uns in die Grauzonen-Ecke oder macht euch über unser Dorfbauern-Image lustig – alles geschenkt. Aber dass ihr schon so weit gekommen seid, euch thematisch auf ein Niveau mit den Desperados zu begeben, finde ich zugegeben „überraschend“.
Für die kommende Saison wünsche ich euch jedenfalls viel Erfolg mit eurer drogenfreien, straight-edge Kiez-Sportgruppe. Angreifen dürft ihr uns gerne mal – Zähne haben wir sowieso keine zu verlieren. Grenzdebile Grüße aus Nürnberg.
http://yabasta.blogsport.de/2015/04/19/crystal-fighters-nbg/
Pardon für den langen Text, aber sowas kann ich nie in aller Kürze abhandeln.
