Vielleicht reden wir aneinander vorbei, aber bei der bestehenden Praxis (getrennte öffentliche Toiletten nach Männern und Frauen) hielte ich es auch für die angemessenste Lösung, dass Menschen sich selbst aussuchen sollten, welche Toilette sie besuchen wollen. Sprich, eine "biologische Frau", die sich als Mann fühlt, sollte die Männertoilette nehmen können.
Ich würde aber mal davon ausgehen, dass es in der Mehrzahl der Fälle für einen "biologischen Mann" nicht möglich sein wird, die Frauentoilette zu benutzen ohne mindestens dumme Blicke zu ernten, eher aber noch dumme Kommentare bis hin zu dem Versuch ihr den Zutritt zu verwehren.
Und wieder: ich kann es nicht nachfühlen, was es bedeutet diesen Spießrutenlauf jedes Mal mitmachen zu müssen, wenn ich in der Öffentlichkeit einen Harndrang verspüre.
Ja, mein Gott... dann muss man eben über seinen Schatten springen. Ich habe auch schon Harndrang verspürt und es war garkein Klo in der Nähe. Ich bin auch nicht der geborene Wild-Pinkler, aber manchmal geht es eben nicht anders, auch wenn man sich dabei unwohl fühlt.
Ich verstehe das "Problem", aber was ist die Lösung? Die Gesellschaft dahingehend zu "trimmen", dass
alle Männer und Frauen die gleiche Toilette benutzen, damit ein unheimlich kleiner Prozentsatz X sich nicht entscheiden muss?
Das Gleiche bei dem Häkchen beim Anmelde-Prozess auf Internetseiten. Was ist die Alternative? Ein "X" für Menschen, die sich ihrer Geschlechtsidentität nicht sicher sind? Daraus ergibt sich auch die persönliche Anrede bei Schriftverkehr. Was soll da stehen?
Ich finde es ganz schrecklich toll von dir, dass du dir diese Gedanken machst und dich so in diese Menschen einfühlen kannst. Am Ende des Tages kann ich dir aber etwas sagen. Es ist richtig, wichtig und gut, gegen Diskriminierung zu sein! Aber auch hier gibt es Grenzen.
Unisex-Toiletten, die die "Privatsphäre" von 99,9% aller Menschen verletzen, bzw. berühren, um einem verschwindend kleinen Teil der Bevölkerung dieses Unwohlsein zu nehmen?
Es gibt so und so viele Menschen, die Angst vor Spinnen haben. Sollen wir dafür gesetzlich öffentliche Spinnen ausrotten? Vielleicht kein wirklich passendes Beispiel, aber es soll zeigen, wo die Krux liegt.
Mir persönlich ist es ziemlich egal, ob auf der Toilette neben mir ein Mann oder eine Frau (oder X) steht/sitzt. Vielen, zumeist Frauen, dürfte das aber nicht egal sein. Und deren
Rechte würdest du unterordnen?
Ich habe gerade gelesen, dass du zusätzliche Unisex-Toiletten ins Spiel bringst. Ja, das könnte eine Lösung sein. Aber ganz ehrlich, bis auf ein paar alternative Clubs o.ä. sehe ich da wenig Chancen. Das bedeutet im Zweifelsfall Erschaffung neuen Raums (oder Verzicht bestehenden Raums) und finanzielle Belastung.
Und da hört es ja nicht auf, wenn wir ehrlich sind. Es gibt keine wirkliche Unisex-Kleidung. Saunen und Umkleiden sind nicht dafür ausgelegt. Die Anrede im Gespräch. Eigentlich ist fast nichts im Leben dafür ausgelegt.