Mingo
wohnt mietfrei in deinem Kopf
In der Regel beschimpfe ich jemanden, der oder die mir dazu einen Anlass gibt, genau so wie es der Anlass mir nahe legt.
Wenn mir jemand die Vorfahrt nimmt oder sich an der Supermarktkasse vordrängelt, dann kann man diese Person schon mal als Arschloch bezeichnen. Ganz einfach deshalb, weil die Person sich wie ein Arschloch verhält. Ein Mensch, der Mist erzählt ist meinetwegen ein Dummschwätzer und jemand der Wasser predigt und Wein säuft ist für mich auch schon mal ein Heuchler.
Aber: wenn diese Person eine eine Frau ist, dann ist sie ebenso Arschloch, Dummschwätzerin und Heuchlerin wie es ein Mann an selber Stelle wäre. Und keine Fotze, Nutte oder Schlampe. Ebenso kann ich einem Schwarzen ein "Idiot" an den Kopf werfen, nicht aber ein "dummer Neger" und eine Türkin als "Arschloch" bezeichnen, nicht aber als "Dreckstürkin".
Solche Beleidigungen stellen Differenz her, sei es auf die Hautfarbe oder das Geschlecht bezogen. Sie nehmen diese Dimension bewusst in die Beleidigung mit auf, um den oder die Beleidigte die Differenz (in aller Regel eine Differenz, die von oben nach unten verläuft: Mann --> Frau; Weiß --> Schwarz; nicht behindert --> behindert, etc.) spüren zu lassen und sie damit besonders zu treffen.
Für mich ist es viel zu einfach und viel zu relativierend, geschlechtsspezifische Beleidigungen auf die Beleidigung zu reduzieren und das sexistische (oder sonst auf eine Weise diskriminierende) Element zu negieren.
In solchen Beleidigungen wird immer auch die Erfahrung des Beleidigungsopfers gespiegelt, das ihre (vermeintliche) Differenz in der Regel nicht zum ersten Mal zu spüren bekommt. Das ist der Grund, weshalb ich z.B. ein "Wichser" (eine der wenigen Beleidigungen, die
zumindest entfernt das männliche Geschlecht miteinbezieht) locker wegstecken kann, während meiner Freundin ein hinterhergerufenes "Fotze" vielleicht den ganzen Abend nachhängt. Ebenso wenig berührt mich die Beleidigung "Kartoffel", weil ich ansonsten wenig Erfahrung damit habe, dass meine Hautfarbe bzw. Herkunft für mich Stigma bedeuten würde während ein "Kanake" wiederum mit aller Härte trifft. Ist "Kartoffel" nichtsdestotrotz eine rassistische Beleidigung? Vermutlich schon. Ist Sexismus eine Einbahnstraße? Mit Sicherheit nicht.
Was aber imo fatal wäre, ist gesellschaftliche Gegebenheiten zu ignorieren und zu sagen "ist halt eine Beleidigung wie jede andere" und "war eigentlich gar nicht so gemeint".
Denn das ist ja genau die Krux, das ist genau die Schnittstelle, wo sich gesellschaftlich verankerter Sexismus oder Rassismus in individuellen Handlungen spiegelt. Solange es an der Tagesordnung ist, eine Frau als "Schlampe" zu bezeichnen, nur aus dem Grund, weil sie eine Frau ist. Dann ist das für mich eine eindeutige Dimension bestehender sexistischer Verhältnisse in unserer Gesellschaft.
Das Relativieren und Abstreiten selbiger gehört für mich im übrigen dazu.
Wenn mir jemand die Vorfahrt nimmt oder sich an der Supermarktkasse vordrängelt, dann kann man diese Person schon mal als Arschloch bezeichnen. Ganz einfach deshalb, weil die Person sich wie ein Arschloch verhält. Ein Mensch, der Mist erzählt ist meinetwegen ein Dummschwätzer und jemand der Wasser predigt und Wein säuft ist für mich auch schon mal ein Heuchler.
Aber: wenn diese Person eine eine Frau ist, dann ist sie ebenso Arschloch, Dummschwätzerin und Heuchlerin wie es ein Mann an selber Stelle wäre. Und keine Fotze, Nutte oder Schlampe. Ebenso kann ich einem Schwarzen ein "Idiot" an den Kopf werfen, nicht aber ein "dummer Neger" und eine Türkin als "Arschloch" bezeichnen, nicht aber als "Dreckstürkin".
Solche Beleidigungen stellen Differenz her, sei es auf die Hautfarbe oder das Geschlecht bezogen. Sie nehmen diese Dimension bewusst in die Beleidigung mit auf, um den oder die Beleidigte die Differenz (in aller Regel eine Differenz, die von oben nach unten verläuft: Mann --> Frau; Weiß --> Schwarz; nicht behindert --> behindert, etc.) spüren zu lassen und sie damit besonders zu treffen.
Für mich ist es viel zu einfach und viel zu relativierend, geschlechtsspezifische Beleidigungen auf die Beleidigung zu reduzieren und das sexistische (oder sonst auf eine Weise diskriminierende) Element zu negieren.
In solchen Beleidigungen wird immer auch die Erfahrung des Beleidigungsopfers gespiegelt, das ihre (vermeintliche) Differenz in der Regel nicht zum ersten Mal zu spüren bekommt. Das ist der Grund, weshalb ich z.B. ein "Wichser" (eine der wenigen Beleidigungen, die
zumindest entfernt das männliche Geschlecht miteinbezieht) locker wegstecken kann, während meiner Freundin ein hinterhergerufenes "Fotze" vielleicht den ganzen Abend nachhängt. Ebenso wenig berührt mich die Beleidigung "Kartoffel", weil ich ansonsten wenig Erfahrung damit habe, dass meine Hautfarbe bzw. Herkunft für mich Stigma bedeuten würde während ein "Kanake" wiederum mit aller Härte trifft. Ist "Kartoffel" nichtsdestotrotz eine rassistische Beleidigung? Vermutlich schon. Ist Sexismus eine Einbahnstraße? Mit Sicherheit nicht.
Was aber imo fatal wäre, ist gesellschaftliche Gegebenheiten zu ignorieren und zu sagen "ist halt eine Beleidigung wie jede andere" und "war eigentlich gar nicht so gemeint".
Denn das ist ja genau die Krux, das ist genau die Schnittstelle, wo sich gesellschaftlich verankerter Sexismus oder Rassismus in individuellen Handlungen spiegelt. Solange es an der Tagesordnung ist, eine Frau als "Schlampe" zu bezeichnen, nur aus dem Grund, weil sie eine Frau ist. Dann ist das für mich eine eindeutige Dimension bestehender sexistischer Verhältnisse in unserer Gesellschaft.
Das Relativieren und Abstreiten selbiger gehört für mich im übrigen dazu.
