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Ich habe schon bestimmt zwei Tage keine auf die Schnauze bekommen wegen meines Filmgeschmacks. Deswegen habe ich mir jetzt einen besonderen Film ausgesucht und gebe mein Bestes.
Interstellar
Zur Vorbereitung hatte ich in der letzten Woche den großen SciFi-Klassiker 2001: A Space Odyssey und Nolans Batman-Filme, die Spitzen des Hollywoodkinos, gesehen. Um einen relativ leeren, aber dennoch großen Saal zu erwischen, holte ich dann Karten für Montag Abend. So richtig erfolgreich war das nicht. Nicht weit von uns saßen drei halbstarke Mittdreißiger, die in 'ner Kneipe besser aufgehoben gewesen wären. In den ruhigen Momenten wurde ich so wieder daran erinnert, weswegen ich Filme am liebsten zu Hause gucke.
Wie auch immer. Der Film schaffte es mich ab der ersten Sekunde in seinen Bann zu ziehen. Das lag an der cleveren Storyführung. Wie in einem Thriller ließ man den Zuschauer nie zu viel wissen und köderte ihn mit interessanten Informationen und dem Weglassen von Informationen. Das funktionierte über die gesamte Spielfilmlänge, aber auch einzelne Szenen spielten isoliert betrachtet viel mit dem Ungewissen, in großen physikalischen Fragen und auch in persönlichen Beziehungen. Genial, wie Nolan hier wieder Fingerspitzengefühl beweist. Das ist perfekt inszeniertes Hollywoodkino.
Als es dann Richtung endlose Weiten des Weltraums ging, wurde die Atmosphäre des Films stark angehoben. Man sah diese gigantischen Himmelskörper, andere Welten. Ich hatte gleich das Gefühl eines unglaublichen Abenteuers und bestaunte als kleiner Mann die Größe dieser Geschichte. Es gab für mich bis jetzt keinen Film der ein Weltraumabenteuer so authentisch transportieren konnte wie Interstellar. Ich bin großer Fan von realistischer Science Fiction und es gibt nichts Vergleichbares.
Nolan weiß es den Zuschauer mitzureißen und liefert dann in der zweiten Hälfte des Films auch spektakuläre Actionszenen im Stile von Gravity. Die fügten sich aber wunderbar in den Film. Ich zitterte schon lange nicht mehr so bei solchen Szenen. Die Charakterkonflikte, die den Spannungsbogen im Weltraum mitaufbauten fand ich ehrlich gesagt dagegen etwas banal. Das waren vorhersehbare Dialoge und zu schwach gezeichnete Charaktere. Das hat im Gegensatz zum Familiendrama im Film für mich gar nicht funktioniert.
Dann kam das Ende, trotz drei Stunden Laufzeit, irgendwie überhastet und hat mich leider etwas verloren. Ich habe mehr erwartet als diesen "Storykreis", den man aus anderen Zeitreisefilmen kennt. Ich fand die Auflösung verglichen mit anderen Nolan-Filmen sehr simpel. Nolan hat hier versucht - im wahrsten Sinne des Wortes - unfassbare Theorien dem gemeinen Zuschauer näherzubringen und das macht das Unterhaltungskino selten so realistisch, aber inhaltlich fehlte mir hier der Kick.
Ich muss leider auch sagen, dass ich sogar viel mehr Science erwartet habe. (Das ist keine Kritik. Der Film braucht das nicht.) Als es hieß, dass hier ein renommierter theoretischer Physiker mitgearbeitet hat, habe ich gedacht, dass die Theorien sehr viel tiefer betrachtet werden würden. Das wäre natürlich eine Mammutaufgabe hier den Spagat zwischen Unterhaltung und Realismus zu finden. Nolan hätte ich es durchaus zugetraut. Letztendlich hat mir die Theorien aber sehr oberflächlich aufgegriffen, so dass jeder, der mal bei diesen N24-Dokus hängen geblieben ist oder Galileo regelmäßig schaut, jetzt keinen Mindfuck erleben sollte. Wie die Raumzeitkrümmung dann zwischen zwei Astronauten mit einem Blatt Papier und einem Bleistift erklärt wurde, fand ich etwas albern. Hätte man sich sparen können und sollen.
Aber wie gesagt, der Film braucht nicht mehr Physik. Er hat ein gutes Maß für wissenschaftliche Begeisterung und filmische Unterhaltung gefunden. Nur um den Bogen zu schließen: Der Film ist ein Meisterwerk. Er schafft es ein schwieriges wissenschaftlichen Thema interessant aufzugreifen, verbindet es mit einer tiefen, rührenden Beziehung zwischen Vater und Tochter, erzeugt mit seiner Action und zwischenmenschlichen Konflikten bebende Spannung. Der Film ist ein Glanzprojekt des Hollywoodkinos.
10/10
- Bester Science Fiction-Film seit vielen Jahren und überhaupt einer der besten Filme überhaupt.
Und jetzt werden mich wieder einige falsch verstehen, weil ich ein "aber" dahinterklemme. Aber egal.
Glanzprojekt des Hollywoodkinos, aber wir haben hier weiterhin einen Hollywoodfilm, der im Aufbau, in der Dramaturgie, in den Beziehungen konservative Wege geht. So richtig tief traut er sich weder in die Vater-Tochter-Beziehung noch in die Wissenschaft. Enttäuscht hat es mich, dass er bei der Schwester-Bruder-Beziehung noch nicht einmal die Gelegenheit beim Schopf packt und den Konflikt in einem Dialog Tiefe verleiht. Das Gleiche gilt für Brand/Cooper. Hätte dem Film jedenfalls nicht geschadet.
Und hier kommen wir auch dem Nahe, was ich eigentlich ausdrücken will, abseits der eigentlichen Filmbewertung. Der Film spielt nicht in einer Liga mit 2001: A Space Odyssey mit. Mich wundern die Vergleiche und mich wundert noch mehr, dass man Interstellar in die Arthouse-Ecke schieben will. Ich kann mir bei bestem Willen nicht vorstellen, dass jemand, der so einen Vergleich zieht, überhaupt 2001 gesehen hat.
2001 ist kein Meisterwerk des Hollywoodkinos. Der Film hat keinen konventionellen Aufbau, er hat keinen richtigen Spannungsbogen, als Film langweilt der Film sehr schnell. Ganze Teile des Films erschließen sich überhaupt erst am Ende oder eben gar nicht. Es ist ein Rätsel in vier abgeschnitten Akten. Der Film spielt fernab der Wissenschaft, die Intention des Machers ist die persönliche Interpretation, der emotionale Instinkt. Es ist ein Film, der voller Details steckt, dass man nach dem Schauen die Bedeutung einzelner Kompositionen des Scores googlet. Es werden einem Brotkrümel vor die Nase geworfen, die nirgendwo und überall hinführen. Der Film ist ein unglaublich komplexes Kunstwerk. Und bis auf das Genre (SciFi) sehe ich keine Ähnlichkeiten zu Interstellar, der einen gänzlich anderen Weg geht.