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MOVIE Interstellar (Zeitreise-Sci-Fi von Christopher Nolan)

Benutzer, welche sich diesen Thread anschauen:

Der Kommentar zu Interstellar ist spoilerfrei gehalten. Ich verrate nichts über den Inhalt was nicht auch bereits durch die Trailer bekannt war. Deshalb werde ich auch im Grunde nahezu nichts zum Inhalt erwähnen, da im Grunde alles irgendwie und irgendwo spoilern könnte. Viel mehr werde ich schildern wie Interstellar auf mich wirkte und wieso ich ihn so genial fand.

Zu allererst, es ist auf jeden Fall ein Film der die Gemüter sehr spaltet. Das sah man bereits anhand der Kritiker vor dem Kinostart, das sah ich nach dem Kinobesuch selbst, anhand der Leute die mich umgaben, egal ob nun die anderen, mir unbekannten Kinogänger oder meine Freunde, mit denen ich dort war. Das sieht man auch sehr gut in sämtlichen Diskussionsforen und Kommentar-Rubriken, wo sich die Besucher jetzt nach der Premiere zu Wort melden.
Dabei kann ich eigentlich fast jede Meinung irgendwo verstehen. Viele waren besonders deshalb maßlos enttäuscht, weil sie sich einen SciFi Blockbuster erwartet haben, in heutiger "Kinotradition". Das ist Interstellar auf keinen Fall. Es ist kein Action-Feuerwerk, kein CGI-Schlachthaus, keine Klamauk-Parade, kein Präsentations-Blender (obwohl ich den Look wirklich sehr toll weil eben recht authentisch fand) und ganz allgemein kein typisches Popcornkino, welches die letzten Kinojahre über dominierte. Es ist aber zugleich auch kein echter Arthouse oder wie sich das hier im Forum gerne schimpft: FC Arte Film.

Tatsächlich steht er wahrscheinlich irgendwo zwischen beiden Extremen, wobei er doch etwas mehr in Richtung Arthouse zeigt, als die meisten Nolan Werke bisher. Wer hier einen The Dark Knight oder einen Inception erwartet, der wird vermutlich sehr enttäuscht werden. Ich würde ihn aber selbst weniger als Arthouse bezeichnen und mehr als einen Film alter Schule, der den Zuseher mehr durch Anspruch denn Unterhaltung faszinieren möchte.

Auch wenn er in seiner Machart auf keinen Fall ein The Dark Knight oder Inception ist, trägt er dennoch unmissverständlich die Handschrift der Nolans - die ich in der Batman Trilogie übrigens abseits der Cinematographie etwas vermisst habe. Er ist nämlich durchwegs intelligent geschrieben, hat Niveau, trieft nur so vor Substanz und weist den ein oder anderen Nolan-Twist auf.
Wie ja bereits erwähnt handelt es sich um keinen Action-Flick in SciFi-Gewandung. Für den Großteil der fast 170 Minuten - bei der mir übrigens zu keiner Zeit Langweile aufkam und ich ihn auch kein Bisschen als zu lang empfand - besitzt Interstellar ein sehr ruhiges Tempo, trotz aller Spannung. Er versetzt den Zuschauer in die Rolle des völligen Beobachtens und erweist sich als sehr dialoglastig, mit der vollen Bandbreite: Von humoristischen Kommentaren, über ernste Gespräche, metaphysischem Meinungsaustausch und physikalischen Erläuterungen.

Spirituell und kitschig liest/hört man öfter, was ich aber aus meiner Warte heraus als Blödsinn abtun muss. Meistens wird dies an den Dialogen bzw. Aussagen der Charaktere festgemacht. Diese jedoch schildern nur ihre Sicht der Dinge und stellen damit nur den Versuch an sich die Dinge, mit denen sie konfrontiert wurden, irgendwie begreiflich zu machen. In den meisten dieser Szenen gibt es gar immer einen Konterpart, der dies wiederum in Frage stellt und damit unterstreicht, dass es sich hier bloß um die Sichtweise des Charakters handelt.

Ich befürchtete selbst im Vorhinein auch etwas zu kitschigen Familien Pathos, aber hier kann ich Entwarnung geben, denn dieser gliedert sich hervorragend ins Konzept von Interstellar ein und wirkt nicht aufgesetzt oder störend. Man muss sich nur einmal in das Szenario hineinversetzen.
An dieser Stelle kommt ein kleiner Mini-Spoiler, für all jene die keinen Trailer zu Interstellar bisher sahen und keine offizielle Inhaltsangabe vor dem Kinostart gelesen haben. Wer weiterhin absolut ohne Vorwissen in den Film gehen möchte, der möge einfach zum nächsten Textblock runterspringen.
Als Ausgangssituation haben wir eine Menschheit die mit einem Planeten zu kämpfen hat der immer lebensfeindlicher wird, weil ihnen die Nahrung ausgeht und [SPOILER-ZENSUR]. Die meisten Leute streben wieder danach Farmer/Bauer zu sein, um sich das größte aller Grundbedürfnisse zu sichern: Nahrung. Familienbande werden wie früher - mit Blick ins Geschichtsbuch - wieder sehr viel wichtiger bzw. überlebenswichtig.

Auf optischer Seite existieren ja auch zwei Meinungen. Die einen die sich enttäuscht darüber äußern, da sie mehr erwartet haben, in heutiger "BAM-IN-YOUR-FACE"-CGI-Manier und die anderen (zu denen ich zähle) die vom Look des Films sehr angetan sind, aufgrund seiner (wie ich es nenne) nüchternen Authentizität, mit der man versucht hat dies umzusetzen. Der Score passt wie die Faust aufs Auge und ist mal wieder etwas anderes, ganz besonders mit Hinblick auf Nolans letzte Filme (Batman Trilogie und Inception). Hat mich ua (und nicht nur hier) etwas an Kubricks 2001 erinnert und ich denke, dass dieser auch eine große Quelle der Inspiration für den Look and Feel von Interstellar war.

Nolans neuestes Werk bringt auch endlich mal wieder Science back to Fiction. Alles was in dem Film geschieht fußt auf Theorien der Physik und wurde dabei sogar dem Publikum recht gut in wenigen Worten erklärt, damit dieses den Zusammenhang erfassen kann und nicht völlig ahnungslos davor sitzt. Scheint jedoch dennoch nicht ganz gelungen zu sein, wenn ich mir unzählige Kommentare zu Interstellar durchlese. Ich unterstelle diesen Personen aber einfach zu wenig aufgepasst zu haben. Interstellar ist nichts um mal eben das Hirn abzuschalten, denn etwas Aufmerksamkeit verlangt dieses Werk schon ein. Nichts Hochtrabendes oder übermäßig Verknotetes à la zum Beispiel David Lynch, sondern bloß ein gesundes Maß an Aufmerksamkeit und die Bereitschaft seine grauen Zellen ein klein wenig zu aktivieren.

Insgesamt bin ich von vorne bis hinten begeistert und kann eigentlich keine wirkliche Kritik äußern. Klar, ein paar Dinge finde ich bestimmt, denn die findet man immer und überall, aber nichts was mir meinen Gesamteindruck negativ trüben könnte. Für mich ist dieses angenehm niveauvolle und anspruchsvolle Werk Nolans bisher beste Kreation und neben 2001 mein neuer SciFi Liebling.

Infinite space/10 für dieses tolle Kinoerlebnis.

Freue mich bereits darauf mir nächstes Jahr die Blu-ray kaufen zu dürfen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich möchte auch nochmal die tollen, sehr authentisch wirkenden Aufnahmen unterstreichen. Hat mir sehr gut gefallen. Viel besser als z. B. in Gravity. Es sieht hier einfach echt aus. Licht und Schatten im Weltraum sind genial. Schon allein wegen dem Bühnenbild werde ich ihn mir nochmal auf BlueRay geben.
 
Komme gerade aus dem Kino.
Wenn man Odyssee 2001 mag und selbst Papa ist muss man unbedingt reingehen.
Ich fand den Film spitze.
KT hatte wie immer mal wieder recht.

Natürlich ein riesengroßes Logikloch, aber egal.
 
Die Menschen aus der Zukunft haben ja das Wurmloch und den ganzen Kram gebaut. Das konnten sie jedoch nur, da sie sich selbst durch das Wurmloch retteten, um Cooper wieder zurück zu schicken. Wie aber konnten sie sich ursprünglich retten?
 
Die Menschen aus der Zukunft haben ja das Wurmloch und den ganzen Kram gebaut. Das konnten sie jedoch nur, da sie sich selbst durch das Wurmloch retteten, um Cooper wieder zurück zu schicken. Wie aber konnten sie sich ursprünglich retten?

Das war lediglich Coopers Interpretation, dass dies Menschen waren. Selbst wenn, gibt es Möglichkeiten, wie zum Beispiel die Theorie eines Multiversums.

Das ist eigentlich das größte Mysterium des Films, welches nicht gelüftet wurde und das finde ich sehr gut so, da dies Interpretationsspielraum lässt und nicht alles entmystifiziert.
 
Die Theory eines
Multiversums
war dann auch für mich eine mögliche Erklärung, denn damit wären es
Parallelmenschen, die die Menschheit retten
 
Ganz kurz aufgeführt, was mir am Film so gut gefiel:

Erinnert angenehm an Odyssee 2001
Super Humor mit den Robotern
Trotz ruhiger Erzählweise kurzweilige 170 Minuten
Ich bin selbst Papa und konnte die Beweggründe, Gefühle und daraus resultierenden Handlungen super nachvollziehen
Musik passend, in der Mitte des Films erinnert die Musik z.B. an das Ticken einer Uhr, als es gerade mal wieder um die Zeit ging
 
Fand den Film auch großartig. Tolle Erzählstruktur, super Tempo, keine Langweile in fast 3 Stunden und die Story hat mir insgesamt auch sehr gut gefallen. Meine Befürchtung, der Film wäre zu emotional, hat sich sogar bestätigt, allerdings hat das zur Thematik auch sehr, sehr gut gepasst. Gab 2-3 Szenen, da hätte ich am liebsten mitgeheult. Überhaupt gab es sehr viele, großartige Szenen, in denen auch schnitttechnisch ein sehr gutes Gespür für Timing zu erleben ist.

Ich würde nicht soweit wie pil gehen und den Film als Arthouse-Ding zu bezeichnen. Ich finde, er geht nicht zu deep und zu intellektuell in die Materie. Deswegen finde ich auch die 2001-Vergleiche eher unpassend. Tatsächlich kratzt er vermutlich an der ein oder anderen Stelle eher an der Grenze zur Trivialität. Insgesamt hält er aber meiner Meinung nach ziemlich gut das Gleichgewicht zwischen Unterhaltung, Spannung, Anspruch und Humor. Denke, das ist im Grunde ein Film für fast jeden.

Was ich jetzt gar nicht so geil fand, war das 70mm Bild. Das Bild an sich war super was Bildschärfe etc angeht, aber auf sehr hellen Flächen neigte das Bild zum flackern. Ziemlich unschön. Naja.
 
Zuletzt bearbeitet von einem Moderator:
Der Film ist überhaupt nicht sperrig, stellenweise träge und langatmig wie Odyssee, erinnert aber bei einigen Momenten wohlig daran.
Z.b. bei so trivialen Dingen, dass es im Vakuum des Weltalls keinen Schall gibt, beim Drehen des Raumschiffs, dass sich für einige Szenen ausreichend Zeit genommen wird etc.

Ich hatte ich bei einigen Aussagen bissl Pippi in den Augen, was aber daran liegt, dass ich seit ich Vater bin die Welt ganz anders erlebe.

Ich fand den Film nur genial und sowas kurzweiliges hatte ich schon lange nicht mehr gesehen.
Wir waren in der 16:45 Vorstellung und der Saal war ziemlich leer.

Muss mich bei KT bedanken, ohne KT hätte ich diesen tollen Film im Kino ausgelassen.
 
Ich hab ihn mir gestern Abend auch angesehen und fand ihn im großen und ganzen sehr gut aber jetzt nicht so mitreißend wie manch andere Filme.
Erst mal erinnert mich der ganze Film sehr stark an "Contact".

Im Endeffekt ist es fast der selbe Film nur mit einer anderen Ausgangslage. Jodie Foster baut ne Maschine um auf die andere Seite zu kommen, weil sie Bock darauf haben.
In Interstellar bauen sie ne Machine (Raumschiff) um auf die andere Seite zu kommen, weil sie müssen.
Ja schon klar, die zwei Filme kann man vom Storyverlauf jetzt nicht direkt miteinander vergleichen. Aber dieses Vater/Kind Konstrukt und man versucht mit der anderen Seite in Kontakt zu treten, hat mich am Ende doch schon sehr an Contact erinnert.
Was ich jetzt Interstallar nicht negetiv auslegen will. Er hat schon noch genug eigene Ideen.
Aber meiner Meinung auch schon Logiklöcher. Und ich rede jetzt nicht von den ganzen Zeitebenen Ding.
Warum fliegt am Ende Cooper alleine in das Wurmloch zu dem 3. Planeten?
Die ganze restliche Menschheit ist auf diesen letzten Planeten angewiesen und sind scheinbar auf der Reise dorthin. Aber er schleicht sich alleine raus und fliegt da alleine hin? Warum?
Und was für Informationen brauchen sie aus dem Inneren des Wurmlochs damit sie das große Raumschiff bauen bzw. die Gleichung lösen können? Wie hängen die 2 Dinge zusammen?
Aber nicht destro trotz hat mir der Film viel Spaß gemacht und ich steh sowieso krass auf Raumschiff und das Zeitreisen Zeug.
 
Aber meiner Meinung auch schon Logiklöcher. Und ich rede jetzt nicht von den ganzen Zeitebenen Ding.
Warum fliegt am Ende Cooper alleine in das Wurmloch zu dem 3. Planeten?
Die ganze restliche Menschheit ist auf diesen letzten Planeten angewiesen und sind scheinbar auf der Reise dorthin. Aber er schleicht sich alleine raus und fliegt da alleine hin? Warum?
Und was für Informationen brauchen sie aus dem Inneren des Wurmlochs damit sie das große Raumschiff bauen bzw. die Gleichung lösen können? Wie hängen die 2 Dinge zusammen?

1. Wie am Ende verdeutlich wird, hat Cooper eigentlich keinen Platz mehr in dieser Welt, da er und die Welt aneinander vorbei gealtert und seine Kinder (gut, von seinem Sohn weiß man es nicht, aber ich stelle nun die Vermutung an) ebenfalls tot sind. Er sieht seine nächste Aufgabe halt nun darin Brand zu finden, was ihm von seiner sterbenden Tochter nahegelegt wird.
Wieso er nun alleine dorthin fliegt ist eine offene Frage, aber ich schätze, dass so ein kleines Schiff wahrscheinlich viel flinker sein wird als die großen Koloniestationen und daher sehr viel früher ankommen könnte. Seinen Werdegang als Piloten könnte man auch noch als weitere Motivation ansehen, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen und nicht einfach als Passagier dorthin zu reisen, denn eigentlich waren es vorher nur seine Kinder, die ihn daran zweifeln ließen seinen Traum vom Weltall nachzugehen.

2. Es geht um die Daten aus dem schwarzen Loch und nicht aus dem Wurmloch. Konkreter um die Singularität.
 
Zuletzt bearbeitet:
Etwas konkreter geht es wohl in der Gleichung darum,
Dank der Vereinheitlichung von Relativität und Quantenphysik ist es nunmehr möglich, die Gravitation zu manipulieren und die Menschen können die Erde verlassen
 
@eape
Ich wollte den Film ja auch erst aus der Videothek ausleihen, bin dann aber wegen KT doch ins Kino und war einfach nur begeistert.
Aber wegen KT wusste ich zum Glück, was mich ungefähr erwartet.
Es ist kein Weltraum Alien Gemetzel Action Ding, sondern halt wie schon hinreichend beschrieben.

Trotzdem ist es ein Film für jedermann, da er im Gegensatz zu Odyssee leicht zugänglich ist, den Physikkram auch für NichtNERDs simpel erklärt, und schon die emotionale Schiene fährt.

Odyssee konnte ich erst im dritten Versuch zu Ende schauen,da ich ihn die erersten beiden Male zu langatmig und langweilig fand, und dann ließ einen natürlich das Ende entsprechend verwirrt zurück.
Bei Interstellar wird es zu keinem Zeitpunkt langweilig oder kompliziert und auch die emotionale Schiene ist in einer guten Balance und kommt nie platt oder pathetisch rüber.
Und den Humor fand ich einfach Klasse, die Roboter waren dadurch super menschlich.

Mir hat der Film einfach nur von der ersten bis zur letzten Minute super gefallen.

Deshalb nochmal @eape
Es ist kein FC Arte Arthouse, aber auch kein Emmerich Bummbäng Pathos Scheissendreck, sondern einfach nur ein klasse Film.
 
Ich kann mit Bay/Emmerich/Cameron (#hatersgonnahate) eh nichts anfangen. 2001 fand ich noch nicht einmal langweilig. Ich liebe ja auch Solaris und Lems andere Werke und die sind noch unzugänglicher, glaube ich. :ugly:
 
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