Der Kommentar zu Interstellar ist spoilerfrei gehalten. Ich verrate nichts über den Inhalt was nicht auch bereits durch die Trailer bekannt war. Deshalb werde ich auch im Grunde nahezu nichts zum Inhalt erwähnen, da im Grunde alles irgendwie und irgendwo spoilern könnte. Viel mehr werde ich schildern wie Interstellar auf mich wirkte und wieso ich ihn so genial fand.
Zu allererst, es ist auf jeden Fall ein Film der die Gemüter sehr spaltet. Das sah man bereits anhand der Kritiker vor dem Kinostart, das sah ich nach dem Kinobesuch selbst, anhand der Leute die mich umgaben, egal ob nun die anderen, mir unbekannten Kinogänger oder meine Freunde, mit denen ich dort war. Das sieht man auch sehr gut in sämtlichen Diskussionsforen und Kommentar-Rubriken, wo sich die Besucher jetzt nach der Premiere zu Wort melden.
Dabei kann ich eigentlich fast jede Meinung irgendwo verstehen. Viele waren besonders deshalb maßlos enttäuscht, weil sie sich einen SciFi Blockbuster erwartet haben, in heutiger "Kinotradition". Das ist Interstellar auf keinen Fall. Es ist kein Action-Feuerwerk, kein CGI-Schlachthaus, keine Klamauk-Parade, kein Präsentations-Blender (obwohl ich den Look wirklich sehr toll weil eben recht authentisch fand) und ganz allgemein kein typisches Popcornkino, welches die letzten Kinojahre über dominierte. Es ist aber zugleich auch kein echter Arthouse oder wie sich das hier im Forum gerne schimpft: FC Arte Film.
Tatsächlich steht er wahrscheinlich irgendwo zwischen beiden Extremen, wobei er doch etwas mehr in Richtung Arthouse zeigt, als die meisten Nolan Werke bisher. Wer hier einen The Dark Knight oder einen Inception erwartet, der wird vermutlich sehr enttäuscht werden. Ich würde ihn aber selbst weniger als Arthouse bezeichnen und mehr als einen Film alter Schule, der den Zuseher mehr durch Anspruch denn Unterhaltung faszinieren möchte.
Auch wenn er in seiner Machart auf keinen Fall ein The Dark Knight oder Inception ist, trägt er dennoch unmissverständlich die Handschrift der Nolans - die ich in der Batman Trilogie übrigens abseits der Cinematographie etwas vermisst habe. Er ist nämlich durchwegs intelligent geschrieben, hat Niveau, trieft nur so vor Substanz und weist den ein oder anderen Nolan-Twist auf.
Wie ja bereits erwähnt handelt es sich um keinen Action-Flick in SciFi-Gewandung. Für den Großteil der fast 170 Minuten - bei der mir übrigens zu keiner Zeit Langweile aufkam und ich ihn auch kein Bisschen als zu lang empfand - besitzt Interstellar ein sehr ruhiges Tempo, trotz aller Spannung. Er versetzt den Zuschauer in die Rolle des völligen Beobachtens und erweist sich als sehr dialoglastig, mit der vollen Bandbreite: Von humoristischen Kommentaren, über ernste Gespräche, metaphysischem Meinungsaustausch und physikalischen Erläuterungen.
Spirituell und kitschig liest/hört man öfter, was ich aber aus meiner Warte heraus als Blödsinn abtun muss. Meistens wird dies an den Dialogen bzw. Aussagen der Charaktere festgemacht. Diese jedoch schildern nur ihre Sicht der Dinge und stellen damit nur den Versuch an sich die Dinge, mit denen sie konfrontiert wurden, irgendwie begreiflich zu machen. In den meisten dieser Szenen gibt es gar immer einen Konterpart, der dies wiederum in Frage stellt und damit unterstreicht, dass es sich hier bloß um die Sichtweise des Charakters handelt.
Ich befürchtete selbst im Vorhinein auch etwas zu kitschigen Familien Pathos, aber hier kann ich Entwarnung geben, denn dieser gliedert sich hervorragend ins Konzept von Interstellar ein und wirkt nicht aufgesetzt oder störend. Man muss sich nur einmal in das Szenario hineinversetzen.
An dieser Stelle kommt ein kleiner Mini-Spoiler, für all jene die keinen Trailer zu Interstellar bisher sahen und keine offizielle Inhaltsangabe vor dem Kinostart gelesen haben. Wer weiterhin absolut ohne Vorwissen in den Film gehen möchte, der möge einfach zum nächsten Textblock runterspringen.
Als Ausgangssituation haben wir eine Menschheit die mit einem Planeten zu kämpfen hat der immer lebensfeindlicher wird, weil ihnen die Nahrung ausgeht und [SPOILER-ZENSUR]. Die meisten Leute streben wieder danach Farmer/Bauer zu sein, um sich das größte aller Grundbedürfnisse zu sichern: Nahrung. Familienbande werden wie früher - mit Blick ins Geschichtsbuch - wieder sehr viel wichtiger bzw. überlebenswichtig.
Auf optischer Seite existieren ja auch zwei Meinungen. Die einen die sich enttäuscht darüber äußern, da sie mehr erwartet haben, in heutiger "BAM-IN-YOUR-FACE"-CGI-Manier und die anderen (zu denen ich zähle) die vom Look des Films sehr angetan sind, aufgrund seiner (wie ich es nenne) nüchternen Authentizität, mit der man versucht hat dies umzusetzen. Der Score passt wie die Faust aufs Auge und ist mal wieder etwas anderes, ganz besonders mit Hinblick auf Nolans letzte Filme (Batman Trilogie und Inception). Hat mich ua (und nicht nur hier) etwas an Kubricks 2001 erinnert und ich denke, dass dieser auch eine große Quelle der Inspiration für den Look and Feel von Interstellar war.
Nolans neuestes Werk bringt auch endlich mal wieder Science back to Fiction. Alles was in dem Film geschieht fußt auf Theorien der Physik und wurde dabei sogar dem Publikum recht gut in wenigen Worten erklärt, damit dieses den Zusammenhang erfassen kann und nicht völlig ahnungslos davor sitzt. Scheint jedoch dennoch nicht ganz gelungen zu sein, wenn ich mir unzählige Kommentare zu Interstellar durchlese. Ich unterstelle diesen Personen aber einfach zu wenig aufgepasst zu haben. Interstellar ist nichts um mal eben das Hirn abzuschalten, denn etwas Aufmerksamkeit verlangt dieses Werk schon ein. Nichts Hochtrabendes oder übermäßig Verknotetes à la zum Beispiel David Lynch, sondern bloß ein gesundes Maß an Aufmerksamkeit und die Bereitschaft seine grauen Zellen ein klein wenig zu aktivieren.
Insgesamt bin ich von vorne bis hinten begeistert und kann eigentlich keine wirkliche Kritik äußern. Klar, ein paar Dinge finde ich bestimmt, denn die findet man immer und überall, aber nichts was mir meinen Gesamteindruck negativ trüben könnte. Für mich ist dieses angenehm niveauvolle und anspruchsvolle Werk Nolans bisher beste Kreation und neben 2001 mein neuer SciFi Liebling.
Infinite space/10 für dieses tolle Kinoerlebnis.
Freue mich bereits darauf mir nächstes Jahr die Blu-ray kaufen zu dürfen.
Zu allererst, es ist auf jeden Fall ein Film der die Gemüter sehr spaltet. Das sah man bereits anhand der Kritiker vor dem Kinostart, das sah ich nach dem Kinobesuch selbst, anhand der Leute die mich umgaben, egal ob nun die anderen, mir unbekannten Kinogänger oder meine Freunde, mit denen ich dort war. Das sieht man auch sehr gut in sämtlichen Diskussionsforen und Kommentar-Rubriken, wo sich die Besucher jetzt nach der Premiere zu Wort melden.
Dabei kann ich eigentlich fast jede Meinung irgendwo verstehen. Viele waren besonders deshalb maßlos enttäuscht, weil sie sich einen SciFi Blockbuster erwartet haben, in heutiger "Kinotradition". Das ist Interstellar auf keinen Fall. Es ist kein Action-Feuerwerk, kein CGI-Schlachthaus, keine Klamauk-Parade, kein Präsentations-Blender (obwohl ich den Look wirklich sehr toll weil eben recht authentisch fand) und ganz allgemein kein typisches Popcornkino, welches die letzten Kinojahre über dominierte. Es ist aber zugleich auch kein echter Arthouse oder wie sich das hier im Forum gerne schimpft: FC Arte Film.
Tatsächlich steht er wahrscheinlich irgendwo zwischen beiden Extremen, wobei er doch etwas mehr in Richtung Arthouse zeigt, als die meisten Nolan Werke bisher. Wer hier einen The Dark Knight oder einen Inception erwartet, der wird vermutlich sehr enttäuscht werden. Ich würde ihn aber selbst weniger als Arthouse bezeichnen und mehr als einen Film alter Schule, der den Zuseher mehr durch Anspruch denn Unterhaltung faszinieren möchte.
Auch wenn er in seiner Machart auf keinen Fall ein The Dark Knight oder Inception ist, trägt er dennoch unmissverständlich die Handschrift der Nolans - die ich in der Batman Trilogie übrigens abseits der Cinematographie etwas vermisst habe. Er ist nämlich durchwegs intelligent geschrieben, hat Niveau, trieft nur so vor Substanz und weist den ein oder anderen Nolan-Twist auf.
Wie ja bereits erwähnt handelt es sich um keinen Action-Flick in SciFi-Gewandung. Für den Großteil der fast 170 Minuten - bei der mir übrigens zu keiner Zeit Langweile aufkam und ich ihn auch kein Bisschen als zu lang empfand - besitzt Interstellar ein sehr ruhiges Tempo, trotz aller Spannung. Er versetzt den Zuschauer in die Rolle des völligen Beobachtens und erweist sich als sehr dialoglastig, mit der vollen Bandbreite: Von humoristischen Kommentaren, über ernste Gespräche, metaphysischem Meinungsaustausch und physikalischen Erläuterungen.
Spirituell und kitschig liest/hört man öfter, was ich aber aus meiner Warte heraus als Blödsinn abtun muss. Meistens wird dies an den Dialogen bzw. Aussagen der Charaktere festgemacht. Diese jedoch schildern nur ihre Sicht der Dinge und stellen damit nur den Versuch an sich die Dinge, mit denen sie konfrontiert wurden, irgendwie begreiflich zu machen. In den meisten dieser Szenen gibt es gar immer einen Konterpart, der dies wiederum in Frage stellt und damit unterstreicht, dass es sich hier bloß um die Sichtweise des Charakters handelt.
Ich befürchtete selbst im Vorhinein auch etwas zu kitschigen Familien Pathos, aber hier kann ich Entwarnung geben, denn dieser gliedert sich hervorragend ins Konzept von Interstellar ein und wirkt nicht aufgesetzt oder störend. Man muss sich nur einmal in das Szenario hineinversetzen.
An dieser Stelle kommt ein kleiner Mini-Spoiler, für all jene die keinen Trailer zu Interstellar bisher sahen und keine offizielle Inhaltsangabe vor dem Kinostart gelesen haben. Wer weiterhin absolut ohne Vorwissen in den Film gehen möchte, der möge einfach zum nächsten Textblock runterspringen.
Als Ausgangssituation haben wir eine Menschheit die mit einem Planeten zu kämpfen hat der immer lebensfeindlicher wird, weil ihnen die Nahrung ausgeht und [SPOILER-ZENSUR]. Die meisten Leute streben wieder danach Farmer/Bauer zu sein, um sich das größte aller Grundbedürfnisse zu sichern: Nahrung. Familienbande werden wie früher - mit Blick ins Geschichtsbuch - wieder sehr viel wichtiger bzw. überlebenswichtig.
Auf optischer Seite existieren ja auch zwei Meinungen. Die einen die sich enttäuscht darüber äußern, da sie mehr erwartet haben, in heutiger "BAM-IN-YOUR-FACE"-CGI-Manier und die anderen (zu denen ich zähle) die vom Look des Films sehr angetan sind, aufgrund seiner (wie ich es nenne) nüchternen Authentizität, mit der man versucht hat dies umzusetzen. Der Score passt wie die Faust aufs Auge und ist mal wieder etwas anderes, ganz besonders mit Hinblick auf Nolans letzte Filme (Batman Trilogie und Inception). Hat mich ua (und nicht nur hier) etwas an Kubricks 2001 erinnert und ich denke, dass dieser auch eine große Quelle der Inspiration für den Look and Feel von Interstellar war.
Nolans neuestes Werk bringt auch endlich mal wieder Science back to Fiction. Alles was in dem Film geschieht fußt auf Theorien der Physik und wurde dabei sogar dem Publikum recht gut in wenigen Worten erklärt, damit dieses den Zusammenhang erfassen kann und nicht völlig ahnungslos davor sitzt. Scheint jedoch dennoch nicht ganz gelungen zu sein, wenn ich mir unzählige Kommentare zu Interstellar durchlese. Ich unterstelle diesen Personen aber einfach zu wenig aufgepasst zu haben. Interstellar ist nichts um mal eben das Hirn abzuschalten, denn etwas Aufmerksamkeit verlangt dieses Werk schon ein. Nichts Hochtrabendes oder übermäßig Verknotetes à la zum Beispiel David Lynch, sondern bloß ein gesundes Maß an Aufmerksamkeit und die Bereitschaft seine grauen Zellen ein klein wenig zu aktivieren.
Insgesamt bin ich von vorne bis hinten begeistert und kann eigentlich keine wirkliche Kritik äußern. Klar, ein paar Dinge finde ich bestimmt, denn die findet man immer und überall, aber nichts was mir meinen Gesamteindruck negativ trüben könnte. Für mich ist dieses angenehm niveauvolle und anspruchsvolle Werk Nolans bisher beste Kreation und neben 2001 mein neuer SciFi Liebling.
Infinite space/10 für dieses tolle Kinoerlebnis.
Freue mich bereits darauf mir nächstes Jahr die Blu-ray kaufen zu dürfen.
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