Klar, es gibt weder gesellschaftliche noch rechtliche Hindernisse dass zB Frauen in "Männerberufen" tätig werden. Das Problem ist dass sie großteils einfach nicht auf die Idee kommen, einfach weil sie von Klein auf mit Rollenklischees zugemüllt werden.
Andererseits hast dieses Problem aber auch auf umgekehrter Seite und hier wird interessanterweise viel weniger (oder gar kein) Wirbel darum gemacht. Krankenpfleger, um nur ein Beispiel zu nennen, als Berufssparte die händeringend nach Personal sucht. Die Krankenschwester Witze und die herablassende Pöbelei von anderen Mitmenschen sind hier den meisten Pflegern ein Begriff, obwohl dies eigentlich eine ziemlich harte, alte und wichtige Tätigkeit ist.
Diese penetrante und vordergründige Awarenessschaffung mit dem *innen-Zusatz finde ich aber etwas lächerlich, um ehrlich zu sein. Das ist doch bloß ein Tropfen am heißen Stein, der auch von Menschen belächelt wird welche bereits ein Bewusstsein für Sexismus aufgebaut haben.
Ich würde von mir durchaus behaupten ein gewisses Bewusstsein für diese Them/Problematik zu haben, aber dessen weigere ich mich trotzdem bzw. habe ich nicht die Bereitschaft hier meine Gewohnheiten zu kippen und es zukünftig akribisch zu berücksichtigen. Einfach, da ich es nicht benötige, um mir des Problems bewusst zu werden und es eher als lästig empfinde.
Kann man jetzt als Vorurteil werten, aber besonders in niedrigeren Bildungsschichten (nein, damit beziehe ich mich jetzt nicht auf etwas wie Beruf und Einkommen, das hat damit rein gar nichts am Hut, sondern mit den Fähigkeiten sich kritisch und hinterfragend mit seiner Umwelt auseinander zusetzen, auf einem gewissen Niveau) ist das ein großes, gelebtes Problem. Da glaube ich kein Stück daran, dass hier die Awarenessschaffung im Grammar-Nazi Style fruchtet und das ist im Grunde das, worüber sich doch die meisten unterhalten und ständig thematisiert wird, wenn es um diese Thematik geht: Gendering linguistisch betrachtet.
Dinge, wie du sie hier wieder in deinem Post angesprochen hast, Evin, mit anderweitiger Indoktrinierung, wie eben durch Spielzeug, Werbung und derlei, sind finde ich viel kritischere Aspekte, die man angreifen und publik machen sollte. Davon hört man aber leider und besonders medial nur sehr wenig, wenn man sich nicht gerade etwas weiter mit dem Thema beschäftigt bzw. qualitative Berichte liest, welche diese Botschaft übermitteln und thematisieren. Hier erreichst du aber gerade wieder die vorhin angesprochenen, "niedrigeren Bildungsschichten" nicht, welche einen Hauptanteil der Bevölkerung ausmachen und die hier bloß mit dem linguistischen Problem des *inninenenen konfrontiert werden. Für viele ist halbwegs korrekte Grammatik alleine schon ein Graus und denen vorrangig auf dieser Schiene zu entgegnen ist eigentlich die reinste Idiotie. Das kann einfach nur scheitern.