Foren Aktuelles Erstellen Mitglieder Anmelden

KT Zimtzicke denkt: Die Spielebranche und der Kuchen...

Benutzer, welche sich diesen Thread anschauen:

Ich halte es jetzt einfach mal wie Bart. Das Schreiben macht mir einfach Spass, ob es andere User interessiert, was ich so denke und schreibe, sei erst mal dahingestellt. Ich glaube, so richtiges Diskussions-Potential hat der Text eh nicht.

Heute habe ich einen ziemlich ausführlichen Artikel gelesen, dass es der Schweizer Spiele-Industrie wiederholt nicht gut geht. Zwar konnte die PS3 seit dem Release der Slim um 11% zulegen, aber insgesamt ist der Markt sowohl bei Hard- als auch Software stark rückläufig. Ok, der Schweizer Markt alleine ist kein Indiz für eine schwache Branche, aber es ist ja weltweit gesehen nirgends anders. USA, Japan, grosse Teile Europas... alles rückläufig. Selbst der „Musterschüler“ UK fällt immer tiefer. In UK geht das soweit, dass Spiele hier, unabhängig vom schwachen Pfund, quasi verschenkt werden. Modern Warfare 2 ging als bewusster Millionen-Seller in Kaufhäusern für 26 Pfund über die Ladentheke, wenn ein Titel acht Wochen alt ist, bekommt man ihn oftmals für 15 Pfund bei amazon „hinterhergeschmissen“. Aber warum? Im grössten europäischen Markt lassen sich nur noch Stückzahlen machen, wenn der Preis am Boden ist. Das gesamte Preisgefüge in UK ist im Eimer, die UPE ist keinerlei Indiz mehr für den wirklichen Preis. Anscheinend kann aber nur über den Preis verkauft werden.

Wie konnte es soweit kommen? Die landläufige Begründung ist momentan fast immer die Wirtschaftskrise. Klingt ja auch logisch. Aber ich denke, das ist nur die halbe Wahrheit. Wahrscheinlich sogar weniger als die Hälfte. Die Wirtschaftskrise mag einen Prozess beschleunigt haben, der sowieso nicht mehr zu stoppen war. Die Übersättigung des Marktes. Die Übersättigung der Spieler. Warum ich das denke? Ich bin seit nunmehr über 20 Jahren Spieler, verfolge das Geschehen genauso lange. Ich habe die Tiefen der Branche erlebt, ich habe ihren Höhenflug erlebt, als das Medium Videospiele Ende der 90er Jahre vom Nerd-Spielzeug zum Massenprodukt heranwuchs. Jedes Jahr produzierte die Branche mehr Wachstum, jedes Jahr gab es neue Rekordumsätze und Gewinne. Jedes Jahr wuchsen Studios in ihrer Mitarbeiterzahl, die Publisher nahmen immer mehr Geld in die Hand, um immer noch grössere und bessere Spiele zu entwickeln. Jeder wollte ein Stück dieses anscheinend so leckeren und grossen Kuchen, der so rosige Aussichten versprach. Zunächst konnte man sogar davon ausgehen, dass der Kuchen selbst ewig weiter wachsen wird. Aber das tut er nicht. Nicht mehr.

Als Ende 2006 die Wii erschien, war die Branche euphorisch. Der weisse Kasten verkaufte sich schneller als je eine Konsole zuvor. Selbst die scheinbar allmächtige PS2 stand im Schatten dieser VKZ. Die Branche war vor allem deswegen euphorisch, weil die Wii ein ganz neues Klientel bediente und vor allem ERSCHUF. Millionen von Nicht-Spielern (so will man es uns jedenfalls Glauben machen) wurden zu Käufern der Wii, man addierte diese Millionen einfach zum errechneten Potential von 360 und PS3 hinzu. Der Markt schien nochmals zuzulegen. Doch es kam anders. Nintendo verdient sich an seinen eigenen Wii-Spielen dumm und dusselig, viele Publisher beklagen jedoch meist magere Erfolge, ohne die Gründe teils bei sich selbst zu suchen. Und was machen die HD-Konsolen? Auch hier sah es lange Zeit auf den ersten Blick prächtig aus. Zwar klagten einige Entwickler schon früh in der HD-Ära, dass die Kosten aus dem Ruder laufen, aber wen interessiert das schon, wenn man die VKZ von einigen Titeln sieht? Recht schnell haben die dahinter stehenden Publisher allerdings bemerkt, dass man mit VKZ, die vor 10 Jahren noch zu Jubelstürmen taugten, heute kein Gewinn mehr zu machen ist. Trotzdem ging es weiter wie gewohnt. Die Spiele wuchsen weiter, legten (scheinbar) an Qualität zu, wurden zu audiovisuellen Erlebnissen. Und wurden weiter teurer. Viele Entwickler mussten ihre Unabhängigkeit aufgeben und sich schlucken lassen. Electronic Arts hat sich damals etliche Studios einverleibt und wurde zum grössten Publisher weltweit. Und heute? Machen sie Miese ohne Ende und schliessen ein Studio nach dem Anderen. Hoffnungsträger wie Dead Space oder Mirror’s Edge wurden von Presse und Spielern gelobt, haben sich beide über eine Million Mal verkauft, und waren wirtschaftliche Flops. Aktuell entlässt EA abermals über 1.500 Mitarbeiter und schliesst einige Studios. Dabei gab es den ersten Kahlschlag schon Anfang des Jahres. 2009 war eh das Jahr der Studioschliessungen. EA steht unter den grossen Publishern aber auch nicht alleine da, was die Brisanz weiter verdeutlicht. Activision / Blizzard hat im 3. Quartal magere 15 Millionen Dollar Gewinn gemacht. Besser als Miese, aber ohne den Dauerbrenner World of Warcraft und dessen Abo-Modell würde es auch hier weitaus schlimmer aussehen. Auch Take Two hatte schon letztes Jahr schwer zu knabbern. Selbst der Release von GTA IV und dessen VKZ von weit mehr als 10 Millionen Einheiten konnten die Bilanz 2008 nicht wirklich positiv ausfallen lassen. Ein Mega-Seller alleine kann die anderen Spiele nicht auffangen.

Gründe für das schlechte Ergebnis sind zum einen die Kosten aktueller Spiele. HD-Titel kosten in der Entwicklung locker 10 Millionen Dollar und mehr. Also bedarf es Stückzahlen, um diese Kosten wieder reinzuholen. Vielen Stückzahlen. Spiele wie Modern Warfare 2, GTA IV, Halo 3 oder Resident Evil 5 überstrahlen alles und erwecken den Anschein, dass ja alles nicht so schlimm sein kann. Wenn aber Titel wie Red Faction oder Bionic Commando knapp an der Million knabbern, dann ist dies für den Publisher ein Misserfolg. Und so läuft es momentan. Die Titel, die sich richtig gut verkaufen, nehmen den anderen Spielen die Käufer weg. Denn die Statistik zeigt, dass sich selbst der 360-Zocker nur alle 5,5 Monate (!) ein neues Spiel kauft. Der Normalo-Zocker legt sich aktuell also MW2 und AC2 zu, für alles Andere bleibt kein Geld und keine Zeit. Es gibt schlicht zu viele Spiele. Der Kuchen ist nicht weiter gewachsen, es gibt nur mehr Leute, die ein Stück davon abhaben wollen. Die Stücke werden also kleiner. Und einige gehen gar ganz leer aus. Da wird die Industrie auch kreativ, und Publisher, das haben wir ja gelernt, versuchen halt, die Wertungen in Magazinen zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Dürfen sie ja, ist ja ihr Produkt. Oder man verhängt gleich ein Review-Embargo bis zum Release. Lieber Kunde, merke dir immer: du DARFST vorbestellen und kaufen, ein Recht auf frühzeitige oder fundierte Information hast du aber nicht. Und hey, sehen wir es positiv. Vier Stunden Singleplayer-Kampagne in einem 60€-Spiel sind halt besser als nur drei Stunden. Was motz ich überhaupt...?

Ich vermisse die Einsicht und eine Reaktion der Entwickler und Publisher auf die jetzige Lage. Beispiel: SingStar läuft gut. Also bringt man Lips. Und Guitar Hero. Und Rock Band. Und Band Hero. Und LEGO Rock Band. Und DJ Hero. Und Drum Hero. Und U-Sing. Und We Sing... Jeder normal denkende Mensch müsste wissen, dass das auf Dauer nicht gut gehen kann. Wahrscheinlich nichtmals kurzfristig. Aber hochbezahlte Manager sagen „Hey, macht das 200. Musikspiel, es ist noch Kuchen da. Bestimmt“. Mir kommt es so vor, als würden da echt Leute sitzen die meinen, dass sich mit jedem Spiel die potentielle Userbase weiter erhöht, nur weil es dieses Spiel eben gibt. Zwar findet das Weihnachtsgeschäft 2009 jetzt im Frühjahr 2010 statt (da wollten die Publisher mal richtig schlau sein...), aber die das Problem ist nicht gelöst, nur verschoben. Ein „Sommerloch“ gibt es schon lange nicht mehr. Es gibt zu viele Spiele. Vielleicht nicht für uns Spieler, denn wir haben ja die riesige Auswahl. Aber für die Branche.

Und welche Konsequenzen hat das für uns Spieler? Nun, wahrscheinlich nicht sonderlich viele. Der Markt wird sich bereinigen und „gesundschrumpfen“. Merken werden wir das wohl nicht unmittelbar, denn es wird auch weiterhin mehr Spiele geben, als wir spielen können. Einige Publisher und Entwickler werden es wohl nicht schaffen zu überleben, es wird einige 08/15-80%-Wertungsschnitt-Spiele weniger geben. Es wird vielleicht einige frische Ideen in der Branche nicht geben, denn in schwierigen Zeiten verlässt man sich besser auf Altbewährtes. Einige für uns unschöne Tendenzen wie DLC und Pre-Order-Bonus werden wahrscheinlich weiter zunehmen und das schnell. Wenn man kein Entwickler in einem kleinen Studio ist oder Aktien von EA hält, muss man sich als Spieler keine akuten Sorgen machen. Ich gehe aber davon aus, dass in dieser Generation einige Menschen Lehrgeld geben mussten. Ich gehe auch davon aus, dass aus der Hurra-Stimmung Anfang 2000 nicht viel übrig geblieben ist. Dafür ist das jeweils eigene Stück Kuchen viel kleiner als erhofft. Und die Gabel des Tischnachbarn ist immer in Reichweite des eigenen Tellers...

------------------------------------------------------------------------------

Welche Konsequenzen hatte diese Entwicklung für mich persönlich? Nun, ich kann mich erinnern, es war zu Zeiten des SNES, dass ich im Nachhinein betrachtet ein ganz anderes Verhältnis zu Videospielen hatte. Die Wertschätzung für ein einzelnes Spiel war viel höher. Street Fighter II oder Zelda habe ich bis zum Erbrechen gezockt. Es gab schon damals viele Spiele, aber es gab drei, vier Spiele im Jahr, die man sehnlichst erwartet hatte. Die Perlen von damals waren echte Perlen. Perlen gibt es auch heute noch, aber ihr Glanz hat nachgelassen. Selbst nach einem Spiel wie Uncharted 2 verspüre ich heute den „Zwang“, das nächste Spiel einzulegen, es liegen ja noch so viele im Regal. Und wenn mir ein Spiel nicht gefällt, wird direkt das Nächste eingelegt. Immer auf der Suche nach dem nächsten „geilen“ Spiel, auf der Suche nach guten Angeboten. Ich lese im Forum von all den geilen Spielen, tagtäglich. Früher gab es ein Mal im Monat die Videogames und die Maniac... Informations-Überfluss. Ich denke, dass ich damit nicht alleine bin. Dieses Verhalten hat wohl zum Teil auch dazu beigetragen, dass die Branche heute so ist wie sie ist. Wenn wir ein Spiel erst mal gekauft haben, ist es doch letztlich egal, ob es uns gefällt oder nicht. Es ist egal, ob der Entwickler das Herzblut eines Zockers in sein Spiel hat einfliessen lassen, oder ob er seine Ware einfach nur produziert hat. Ich glaube, ich selbst habe an Herzblut eingebüsst. Ich schwimme mit in dieser Entwicklung. Klar, ich bin älter geworden. Ich gehe arbeiten, verdiene mehr Geld und habe weniger Freizeit. Und klar, ich habe auch immer noch Spass am Spielen. Aber es hat sich etwas geändert, ich kann von mir sagen, dass mir das Gefühl, Teil einer gigantischen Industrie zu sein, die nur noch mein Geld möchte, nicht behagt. Trotzdem werde ich noch weiter mitschwimmen und spielen. Sehr inkonsequent, ich weiss...


PS: Wie ich Eingangs bereits sagte, sind das hier nur in Worte zusammengefasste Gedanken über die jetzige Situation. Dies muss keinen interessieren und ich hege keinen Anspruch auf Richtigkeit. Ach ja, und sorry für den langen und teils wohl schwierig zu lesenden Text...
 
Also jetzt nur mal nen Kommentar zu den ersten drei Absätzen (den Rest lese ich später): die Branche ist nicht im Arsch. Ja, in diesem Jahr wird es weltweit bestenfalls ne schwarze Null geben (vermutlich eher nen Minus), aber schaut man sich mal an, was für geisteskranke Wachstumszahlen diese Industrie gerade in den letzten 3, 4 Jahren hingelegt hat, dann ist es imo einfach Unsinn ausgerechnet jetzt zu behaupten, dass der Markt nicht mehr wächst oder wachsen wird. Ich persönlich gehe fest davon aus, dass 2010 bereits wieder ein solides Wachstum haben wird.
Dass es Publisher gibt, die auch unter an sich äußerst soliden Vorzeichen (wie gesagt: es werden auch jetzt, in der "Krise", geisteskranke Mengen an Videospielen verkauft) es nicht gebacken bekommen, Geld zu verdienen, ist ne unschöne Sache, spricht aber wohl eher für deren zweifelhaftes Wirtschaften.
Unternehmen wie Activision Blizzard (wobei da zumindest in letzter Zeit primär Blizzard verantwortlich war), Capcom, Valve, afaik auch Ubisoft und insbesondere Nintendo zeigen, dass man in dieser Branche Geld verdienen kann.

Der Kuchen ist nicht weiter gewachsen, es gibt nur mehr Leute, die ein Stück davon abhaben wollen. Die Stücke werden also kleiner.


Ähm halt. Das ist schlicht faktisch falsch. Der Kuchen IST gewachsen. Selbst wenn wir mal nur den Konsolenmarkt betrachten war dieser in der SNES/Megadrive Generation ~80 Mio. Konsolen groß, in der PS1/N64/Saturn Generation ~145 Mio. Konsolen groß und in der PS2/Xbox/GC/Dreamcast Generation ~200 Mio. Konsolen groß. Die aktuelle Konsolengeneration wird den vorherigen Rekordwert mit einiger Sicherheit nochmal übertreffen. Darüberhinaus ist die Tie Ratio (=verkaufte Spiele pro Konsole) im Verlauf der Generationen tendenziell gestiegen, von afaik um die ~8 auf ~10 in der PS2 Generation und auf vermutlich eher um die 11 in dieser Generation.
Absatzsteigerungen im PC Bereich und insbesondere im explodierenden Handheldmarkt - vorherige Generation: ~80 Mio. Handhelds, diese: ~160 Mio., nächster Halt: 200 Mio., Endstation: unklar - jetzt mal ganz außen vor gelassen.
 
Sehe das so wie Steffko. Das Ende des Marktes ist noch nicht in Sicht. Mit Microsofts und Sonys Casual-Produkten (u.a. Natal) wird der Markt weiter zunehmen. Das Spiele wie Bionic Commando usw. keinen Gewinn abwerfen kannst du auch nur vermuten. Eine Bestätigung hat da niemand, denn ich denke nicht, dass alle so schlecht wirtschaften, wie immer behauptet wird.

Das EA derzeit schlechter da steht ist kein Wunder. Man hat Millionen für Studios wie Bioware ausgegeben und dann noch mal Investitionen für neue Franchises getätigt. Auf langer Sicht wird das EA gut tun und sehr viel Geld in die Kassen spülen. EA plant im Gegensatz zu Activision langfristig. Denn Activison melkt derzeit wirklich jeden Bereich wo sie mitmischen. Das wird dann genau so enden, wie bei EA. Die Kundschaft lehnt Activision ab und die machen Verluste. Irgendwann wird man auf das altbewährte zurückgreifen, eben so wie es EA derzeit macht.
 
Dass die Tie Ratio in dieser Gen die 11 erreichen wird, glaub ich kaum. Selbst die 360 bleibt seit langer Zeit als führende Plattform konstant zwischen 8 und 9. PS3 und Wii liegen unter 7. Da müsste im Schlussspurt dieser Gen aber noch mächtig was passieren. Und die Tie Ratio verrät letztlich auch, wieviele Spiele verkauft wurden.

Und selbst, wenn die Menge an Spielen konstant bliebe, bleibt allen Anschein nach einfach weniger hängen. Ich rede nicht unbedingt vom Ende des Marktes, aber es hat gereicht, um Milliarden Dollar und massig Arbeitsplätze zu vernichten.
 
Und welche Konsequenzen hat das für uns Spieler? Nun, wahrscheinlich nicht sonderlich viele. Der Markt wird sich bereinigen und „gesundschrumpfen“.

Genau das wird und muß passieren . Wie du ja auch schreibst ist dieser prozess ja schon voll im gange . Es gibt einfach viel zu viele spiele .
Ich selber sehe mich ja etwas als Freak was spiele angeht und kaufe mir dementsprechend auch sehr sehr viele spiele . Aber selbst ich kann mir nicht alle kaufen und spielen die mich interessieren , ich habe es versucht . Mit dem ergebniss mir in einem Jahr 50 spiele gekauft und 3 durchgespielt zu haben .
Und selbst wenn man nur wenige genres mag hat man ( zumindest bei den beliebten Genres ) noch eine riesen auswahl und muß selektieren . Bis auf ganz wenige ausnahmen verfolge ich auch die entwicklung der Spiele garnicht mehr . Früher gab es so 1-2 spiele denen man ewig entgegenfieberte und sich über jeden kleinen infohappen freute . Aber heute ? Ich weis so in etwa was in den nästen Monaten kommen müßte , aber das wars auch schon .

Es ist egal, ob der Entwickler das Herzblut eines Zockers in sein Spiel hat einfliessen lassen, oder ob er seine Ware einfach nur produziert hat. Ich glaube, ich selbst habe an Herzblut eingebüsst. Ich schwimme mit in dieser Entwicklung. Klar, ich bin älter geworden. Ich gehe arbeiten, verdiene mehr Geld und habe weniger Freizeit. Und klar, ich habe auch immer noch Spass am Spielen. Aber es hat sich etwas geändert, ich kann von mir sagen, dass mir das Gefühl, Teil einer gigantischen Industrie zu sein, die nur noch mein Geld möchte, nicht behagt. Trotzdem werde ich noch weiter mitschwimmen und spielen. Sehr inkonsequent, ich weiss...

Ich denke dieses gefühl kommt eher daher das man einfach alles schon gesehen und gespielt hat . Es gibt heute genauso spiele mit Herzblut wie früher , man nimmt das ganze aber einfach nichtmehr so wahr . Ich zumindest arbeite die spiele auch einfach viel zu sehr ab um wirklich diese feinheiten , an denen man sehen kann was für eine mühe sich die entwickler gegeben haben , noch wiklich mit zu bekommen .
Z.b Uncharted2 , ein tolles spiel . Aber nach einmal durchspielen ist die sache für mich erledigt und ich könnte jezt kaumnoch die level in die richtige reihenfolge bringen . Wenn ich mich bemühe könnte ich aber sicher immernoch große passagen von TombRaider oder Ocarina of Time halb blind spielen . Diese spiele habe ich aber auch deutlich öfter gespielt , ganz einfach da es früher imho auch deutlich weniger herrausragende spiele gab . Da gab es einige wenige wirklich richtig gute , dann kamen nochmal eine handvoll nice to have games und dann ein haufen schrott , wo man sich wundert wie man früher so ein gameplay länger als 5min ertragen konnte .

Ich fand die arcade ecken im Onineangebot bei den Konsolen anfangs ja wirklich toll , aber selbst mit einer Rosaroten Brille und vielen erinnerungen ist der großteil doch einfach nur schlecht und damit meine ich ganz sicher nicht die Grafik , sondern die spiele an sich .


Im großen und ganzen kann ich aber sehr gut mit der aktuellen entwicklung leben . Mir ist zwar sicherlich einiges an faszination für spiele abhanden gekommen ( augrund der menge an spielen und der Tatsache das ich nun auch schon über 20 Jahre spiele ), dafür habe ich aber eine nie dagewesene auswahl an wirklich guten Spielen .
Es werden zwar wohl wieder etwas weniger werden , aber die viel höhere qualität der spiele wird uns wohl erhalten bleiben .
 
Puh, ich habe den ganzen Text hier nur überflogen, aber muss im großen und ganzen Zimtzicke recht geben.

Auch ich bin erwachsen geworden, blicke auf 20 Jahre Spielerfahrung zurück und ein Secret of Mana ist immer noch ein Spiel bei dem ich noch genau weiß, wie ich es gekauft, ausgepackt und die ersten Minuten damit verbracht habe.

Heute liegt das meiste im Briefkasten, wird zwischen Abendessen und Bude aufräumen aufgemacht und irgendwann in den nächsten Tagen/Wochen mal angespielt.

Ich denke, die Spieleindustrie fängt an ebenso erwachsen zu werden, tritt aus dem Nischendasein raus, hat ein großes wachstum hinter sich und muss sich nun den Problemen stellen.
 
@ DaMeep

Genau da sehe ich das Problem. Selbst wir, wie wir die absoluten Freaks sind, können uns auf die wirklich guten Spiele konzentrieren, ohne was zu verpassen.

Die grossen Publisher wie Capcom, Nintendo, Ubi oder Acti werden in Zukunft noch verstärkter auf Mega-Blockbuster setzen, werden ihr Marketing für diese Titel weiter anheizen. Deren Output wird grosse Teile des Rests für uns überflüssig machen. Und für den Massenmarkt dann noch mehr. Meine Meinung.
 
Zimtzicke schrieb:
Dass die Tie Ratio in dieser Gen die 11 erreichen wird, glaub ich kaum. Selbst die 360 bleibt seit langer Zeit als führende Plattform konstant zwischen 8 und 9. PS3 und Wii liegen unter 7. Da müsste im Schlussspurt dieser Gen aber noch mächtig was passieren. Und die Tie Ratio verrät letztlich auch, wieviele Spiele verkauft wurden.

Und selbst, wenn die Menge an Spielen konstant bliebe, bleibt allen Anschein nach einfach weniger hängen. Ich rede nicht unbedingt vom Ende des Marktes, aber es hat gereicht, um Milliarden Dollar und massig Arbeitsplätze zu vernichten.


Die Xbox 360 Tie Ratio bleibt nicht "konstant" zwischen 8 und 9, die steigt ständig und war im September 2009 in den USA z.B. bei 8,8 (=0,2 höher, als drei Monate früher, 0,6 höher als 7 Monate früher und 0,7 höher als 8 Monate früher). Die X360 hat noch jede Menge Zeit, um die Tie Ratio noch um gut 2 Spiele zu erhöhen, da seh ich persönlich kein Problem. PS3 und Wii sind nen Jahr kürzer auf dem Markt, die werden auch zumindest sehr nahe rankommen (und die X360 eher darüberhinaus).
 
Mal abgesehen davon, dass du a) nur vom US-Markt sprichst, der für die 360 halt auch mit deutlichem Abstand der beste Markt ist (was den Erfolg in keinster Weise schmälern soll!) und b) der zeitliche Aspekt bei der Tie Ratio eigentlich keine Rolle spielt... Multipliziere 33 Mio. 360 mit der Tie Ratio und mach das dann mit der Menge an PS2, die die PS2 nach vier Jahren hatte mit ihrer Ratio. Dann erkennst du schnell, dass wir einfach über ganz andere Menge an abgesetzten Spielen sprechen. ;)
 
Zimtzicke schrieb:
Welche Konsequenzen hatte diese Entwicklung für mich persönlich? Nun, ich kann mich erinnern, es war zu Zeiten des SNES, dass ich im Nachhinein betrachtet ein ganz anderes Verhältnis zu Videospielen hatte. Die Wertschätzung für ein einzelnes Spiel war viel höher. Street Fighter II oder Zelda habe ich bis zum Erbrechen gezockt. Es gab schon damals viele Spiele, aber es gab drei, vier Spiele im Jahr, die man sehnlichst erwartet hatte. Die Perlen von damals waren echte Perlen. Perlen gibt es auch heute noch, aber ihr Glanz hat nachgelassen. Selbst nach einem Spiel wie Uncharted 2 verspüre ich heute den „Zwang“, das nächste Spiel einzulegen, es liegen ja noch so viele im Regal. Und wenn mir ein Spiel nicht gefällt, wird direkt das Nächste eingelegt. Immer auf der Suche nach dem nächsten „geilen“ Spiel, auf der Suche nach guten Angeboten. Ich lese im Forum von all den geilen Spielen, tagtäglich. Früher gab es ein Mal im Monat die Videogames und die Maniac... Informations-Überfluss. Ich denke, dass ich damit nicht alleine bin. Dieses Verhalten hat wohl zum Teil auch dazu beigetragen, dass die Branche heute so ist wie sie ist. Wenn wir ein Spiel erst mal gekauft haben, ist es doch letztlich egal, ob es uns gefällt oder nicht. Es ist egal, ob der Entwickler das Herzblut eines Zockers in sein Spiel hat einfliessen lassen, oder ob er seine Ware einfach nur produziert hat. Ich glaube, ich selbst habe an Herzblut eingebüsst. Ich schwimme mit in dieser Entwicklung.
Das geht mir 100% auch so .
 
Gott sei Dank, ich hatte schon Erzugserscheinungen! :D

Zimtzicke schrieb:
Mal abgesehen davon, dass du a) nur vom US-Markt sprichst, der für die 360 halt auch mit deutlichem Abstand der beste Markt ist (was den Erfolg in keinster Weise schmälern soll!) und b) der zeitliche Aspekt bei der Tie Ratio eigentlich keine Rolle spielt... Multipliziere 33 Mio. 360 mit der Tie Ratio und mach das dann mit der Menge an PS2, die die PS2 nach vier Jahren hatte mit ihrer Ratio. Dann erkennst du schnell, dass wir einfach über ganz andere Menge an abgesetzten Spielen sprechen. ;)


Die Tie Ratio ist von den absoluten Verkaufszahlen der Konsole weitgehend unabhängig, das ist ja gerade der Aussagewert. Es ist richtig, dass ich nur den US Markt nehme, der Grund dafür liegt schlicht darin, dass wir für die X360 keine anderen vernünftigen Zahlen haben. Es ist absolut möglich, dass die Tie Ratio ein Europa oder Japan en bissal niedriger liegt, aber die Grundtendenz passt schon.

Ich weiß jetzt nicht, was das mit dem zeitlichen Aspekt genau bedeuten soll. Der zeitliche Aspekt spielt natürlich eine Rolle! Umso länger die Konsole auf dem Markt ist, desto höher wird die Tie Ratio. Und natürlich sind die Softwareverkaufszahlen der X360 viel geringer, als die der PS2. Das ist doch auch kein sinnvoller Vergleich. Vergleich man stattdessen den aktuellen Marktführer (Wii) mit dem damaligen Marktführer (PS2) über die ersten ~2 Jahre und neun Monate, dann sieht die Sache ganz, ganz anders aus (~430 Mio. vs. 308 Mio.).

Edit: Und nur um das nochmal klarzustellen: die PS2 hatte zu dem in etwa vergleichbaren Zeitpunkt nach Launch (Dezember 2002 PS2 vs. September 2009 Wii) eine Tie Ratio von 6,2 bei Sonys eigenen Daten (= produzierte Einheiten), Wii steht bei 7,7.
 
Wenn sie entsprechende Stücke vom Kuchen abkriegen würden bestimmt. Dummerweise (für die Third Parties) hat Nintendo allerdings in letzter Zeit nen enormen Hunger ;)
 
@Zimtzicke: :dhoch:

Der Artikel ist klasse und entspricht auch meiner Meinung nach der Wahrheit. Es gibt einfach viel zu viele Spiele. Man muss quasi viele Perlen einfach links liegen lassen, weil man entweder keine Zeit hat sie zu spielen oder das Geld nicht hat sie zu kaufen bzw. nicht bereit ist soviel Geld für so viele neue Spiele auszugeben.

Dein Beispiel mit dem gleichbleibenden Kuchen (er wächst wohl in Wahrheit ganz leicht an) und der zunehmenden Esser ist total treffend! Da sitzen mittlerweile irgendwelche Manager die von der Materie absolut keine Ahnung haben und aufgrund von Statistiken und falsch verstandenem Medium gepaart mit einer unschlagbaren Geldgie einen immer höheren Output produzieren. Kein Unternehmen darf sich je wundern, wenn das irgendwann nichtmehr gut geht, denn sowas ist hochgradig naiv. Und das merken die Hersteller wohl momentan.
 
MouseMan schrieb:
@Zimtzicke: :dhoch:

Der Artikel ist klasse und entspricht auch meiner Meinung nach der Wahrheit. Es gibt einfach viel zu viele Spiele. Man muss quasi viele Perlen einfach links liegen lassen, weil man entweder keine Zeit hat sie zu spielen oder das Geld nicht hat sie zu kaufen bzw. nicht bereit ist soviel Geld für so viele neue Spiele auszugeben.

Dein Beispiel mit dem gleichbleibenden Kuchen (er wächst wohl in Wahrheit ganz leicht an) und der zunehmenden Esser ist total treffend! Da sitzen mittlerweile irgendwelche Manager die von der Materie absolut keine Ahnung haben und aufgrund von Statistiken und falsch verstandenem Medium gepaart mit einer unschlagbaren Geldgie einen immer höheren Output produzieren. Kein Unternehmen darf sich je wundern, wenn das irgendwann nichtmehr gut geht, denn sowas ist hochgradig naiv. Und das merken die Hersteller wohl momentan.



Jetzt mal ehrlich... sieht das für dich nach einem "leichten" Wachstum aus (Daten für die USA):

industry-revenue-2005-2009.png



Dagegen ist China ein stagnierender Haufen. Wir reden hier von einem Videospielemarkt, der bereits vor 2005 entwickelt und riesig war. Und dann wurden die Umsätze mal eben in 3 Jahren mehr als verdoppelt. Verdoppelt, in 3 Jahren!
Man sollte doch die Kirche auch mal irgendwo im Dorf lassen.
 
Um den absoluten Quotewar zu umgehen, nur die wesentlichsten Aussagen:

- Wirtschaftskrise nicht der wesentliche Grund: Videospiele sind superiore Güter und leiden daher besonders unter Rezessionen

- Niedrigpreise UK: resultiert im Wesentlichen aus dem Konkurrenzkampf der Händler (und nicht aufgrund einer Sättigung) und UPE ist so oder so ne Sache von vorvorgestern

- Sättigung: hat Steffko bereits erläutert

- VKZ / Herstellkosten / Gewinn / Erfolg eines Spiels: 95% der öffentlichen Informationen hierzu stammen aus der Industrie, damit ist eigentlich alles gesagt.

Halte das beschriebene Problem insgesamt für etwas konstruiert. Die angesprochene Übersättigung existiert nicht (siehe Wachstum), der Misserfolg einiger Firmen in diesem Jahr hängt im Wesentlichen mit der Finanzkrise und vor allem mit Missmanagement zusammen und das Problem von zu vielen Spielen freut mich als Konsument eher.
 
Steffko schrieb:
Wenn sie entsprechende Stücke vom Kuchen abkriegen würden bestimmt. Dummerweise (für die Third Parties) hat Nintendo allerdings in letzter Zeit nen enormen Hunger ;)

Ja, Nintendo hat grossen Hunger. Und Capcom, und Acti, und EA und Take Two... Und für den Rest bleibt halt nicht mehr viel. Mensch Steffko, du siehst es doch selbst jeden Monat, wer Spiele verkauft. Die grossen Titel überragen alles, dann geht es auf Platz vier in den US-Charts meistens schon mit sehr mageren Zahlen weiter. Guck dir den Output im Frühjahr 2010 an, dann weisst du jetzt schon, wer in den Statistiken oben stehen wird, und wer erst garnicht erwähnt wird. Zwar gab es das in der Form schon immer, aber IMO nie so extrem. Und wenn dein Spiel dann bei 300k bis 400k weltweit stehen bleibt, war's das.

Ausserdem kannst du nicht wissen, ob der Markt gesättigt ist oder nicht. Nur weil es stetiges Wachstum gab, muss das nicht zwangsläufig heissen, dass dies immer so bleiben wird. Siehe Handy-Branche, siehe iPod. Haben sich lange Zeit verkauft wie geschnitten Brot...
 
Wenn man nicht weiß, woher das bisherige Wachstum wirklich kommt, dann weiß man auch nicht wann es aufhört. Das ist eben typisch für BWLer: Die Statistik sagt, dass es momentan wächst und in den letzten Jahren gewachsen ist. Also wächst es auch weiter weils ja einfach so ist.
So wie die Voraussage, dass die Computerchips alle 2 Jahre halb so große Strukturen besitzen (oder so ähnlich), das Moore'sche Gesetz eben. Das stimmt eben nur bis zu einem gewissen Punkt. Wir sind jetzt dann an einem Punkt angekommen, an dem das Gesetz nimmer stimmt. Für Manager aber stimmt das weiter, weils bisher ja immer so war. Da wird nicht nach den Gründen gefragt warum dieser Prozess zum Stillstand kommen könnte.

Das Gleiche passiert meiner Meinung nach momentan der Spielebranche. Aber mal schauen, ich bin sowieso ein wenig kaufender Spielekunde, mir macht es nix aus wenn es weniger Spiele gibt ;)
 
Zurück
Oben