Ich halte es jetzt einfach mal wie Bart. Das Schreiben macht mir einfach Spass, ob es andere User interessiert, was ich so denke und schreibe, sei erst mal dahingestellt. Ich glaube, so richtiges Diskussions-Potential hat der Text eh nicht.
Heute habe ich einen ziemlich ausführlichen Artikel gelesen, dass es der Schweizer Spiele-Industrie wiederholt nicht gut geht. Zwar konnte die PS3 seit dem Release der Slim um 11% zulegen, aber insgesamt ist der Markt sowohl bei Hard- als auch Software stark rückläufig. Ok, der Schweizer Markt alleine ist kein Indiz für eine schwache Branche, aber es ist ja weltweit gesehen nirgends anders. USA, Japan, grosse Teile Europas... alles rückläufig. Selbst der „Musterschüler“ UK fällt immer tiefer. In UK geht das soweit, dass Spiele hier, unabhängig vom schwachen Pfund, quasi verschenkt werden. Modern Warfare 2 ging als bewusster Millionen-Seller in Kaufhäusern für 26 Pfund über die Ladentheke, wenn ein Titel acht Wochen alt ist, bekommt man ihn oftmals für 15 Pfund bei amazon „hinterhergeschmissen“. Aber warum? Im grössten europäischen Markt lassen sich nur noch Stückzahlen machen, wenn der Preis am Boden ist. Das gesamte Preisgefüge in UK ist im Eimer, die UPE ist keinerlei Indiz mehr für den wirklichen Preis. Anscheinend kann aber nur über den Preis verkauft werden.
Wie konnte es soweit kommen? Die landläufige Begründung ist momentan fast immer die Wirtschaftskrise. Klingt ja auch logisch. Aber ich denke, das ist nur die halbe Wahrheit. Wahrscheinlich sogar weniger als die Hälfte. Die Wirtschaftskrise mag einen Prozess beschleunigt haben, der sowieso nicht mehr zu stoppen war. Die Übersättigung des Marktes. Die Übersättigung der Spieler. Warum ich das denke? Ich bin seit nunmehr über 20 Jahren Spieler, verfolge das Geschehen genauso lange. Ich habe die Tiefen der Branche erlebt, ich habe ihren Höhenflug erlebt, als das Medium Videospiele Ende der 90er Jahre vom Nerd-Spielzeug zum Massenprodukt heranwuchs. Jedes Jahr produzierte die Branche mehr Wachstum, jedes Jahr gab es neue Rekordumsätze und Gewinne. Jedes Jahr wuchsen Studios in ihrer Mitarbeiterzahl, die Publisher nahmen immer mehr Geld in die Hand, um immer noch grössere und bessere Spiele zu entwickeln. Jeder wollte ein Stück dieses anscheinend so leckeren und grossen Kuchen, der so rosige Aussichten versprach. Zunächst konnte man sogar davon ausgehen, dass der Kuchen selbst ewig weiter wachsen wird. Aber das tut er nicht. Nicht mehr.
Als Ende 2006 die Wii erschien, war die Branche euphorisch. Der weisse Kasten verkaufte sich schneller als je eine Konsole zuvor. Selbst die scheinbar allmächtige PS2 stand im Schatten dieser VKZ. Die Branche war vor allem deswegen euphorisch, weil die Wii ein ganz neues Klientel bediente und vor allem ERSCHUF. Millionen von Nicht-Spielern (so will man es uns jedenfalls Glauben machen) wurden zu Käufern der Wii, man addierte diese Millionen einfach zum errechneten Potential von 360 und PS3 hinzu. Der Markt schien nochmals zuzulegen. Doch es kam anders. Nintendo verdient sich an seinen eigenen Wii-Spielen dumm und dusselig, viele Publisher beklagen jedoch meist magere Erfolge, ohne die Gründe teils bei sich selbst zu suchen. Und was machen die HD-Konsolen? Auch hier sah es lange Zeit auf den ersten Blick prächtig aus. Zwar klagten einige Entwickler schon früh in der HD-Ära, dass die Kosten aus dem Ruder laufen, aber wen interessiert das schon, wenn man die VKZ von einigen Titeln sieht? Recht schnell haben die dahinter stehenden Publisher allerdings bemerkt, dass man mit VKZ, die vor 10 Jahren noch zu Jubelstürmen taugten, heute kein Gewinn mehr zu machen ist. Trotzdem ging es weiter wie gewohnt. Die Spiele wuchsen weiter, legten (scheinbar) an Qualität zu, wurden zu audiovisuellen Erlebnissen. Und wurden weiter teurer. Viele Entwickler mussten ihre Unabhängigkeit aufgeben und sich schlucken lassen. Electronic Arts hat sich damals etliche Studios einverleibt und wurde zum grössten Publisher weltweit. Und heute? Machen sie Miese ohne Ende und schliessen ein Studio nach dem Anderen. Hoffnungsträger wie Dead Space oder Mirror’s Edge wurden von Presse und Spielern gelobt, haben sich beide über eine Million Mal verkauft, und waren wirtschaftliche Flops. Aktuell entlässt EA abermals über 1.500 Mitarbeiter und schliesst einige Studios. Dabei gab es den ersten Kahlschlag schon Anfang des Jahres. 2009 war eh das Jahr der Studioschliessungen. EA steht unter den grossen Publishern aber auch nicht alleine da, was die Brisanz weiter verdeutlicht. Activision / Blizzard hat im 3. Quartal magere 15 Millionen Dollar Gewinn gemacht. Besser als Miese, aber ohne den Dauerbrenner World of Warcraft und dessen Abo-Modell würde es auch hier weitaus schlimmer aussehen. Auch Take Two hatte schon letztes Jahr schwer zu knabbern. Selbst der Release von GTA IV und dessen VKZ von weit mehr als 10 Millionen Einheiten konnten die Bilanz 2008 nicht wirklich positiv ausfallen lassen. Ein Mega-Seller alleine kann die anderen Spiele nicht auffangen.
Gründe für das schlechte Ergebnis sind zum einen die Kosten aktueller Spiele. HD-Titel kosten in der Entwicklung locker 10 Millionen Dollar und mehr. Also bedarf es Stückzahlen, um diese Kosten wieder reinzuholen. Vielen Stückzahlen. Spiele wie Modern Warfare 2, GTA IV, Halo 3 oder Resident Evil 5 überstrahlen alles und erwecken den Anschein, dass ja alles nicht so schlimm sein kann. Wenn aber Titel wie Red Faction oder Bionic Commando knapp an der Million knabbern, dann ist dies für den Publisher ein Misserfolg. Und so läuft es momentan. Die Titel, die sich richtig gut verkaufen, nehmen den anderen Spielen die Käufer weg. Denn die Statistik zeigt, dass sich selbst der 360-Zocker nur alle 5,5 Monate (!) ein neues Spiel kauft. Der Normalo-Zocker legt sich aktuell also MW2 und AC2 zu, für alles Andere bleibt kein Geld und keine Zeit. Es gibt schlicht zu viele Spiele. Der Kuchen ist nicht weiter gewachsen, es gibt nur mehr Leute, die ein Stück davon abhaben wollen. Die Stücke werden also kleiner. Und einige gehen gar ganz leer aus. Da wird die Industrie auch kreativ, und Publisher, das haben wir ja gelernt, versuchen halt, die Wertungen in Magazinen zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Dürfen sie ja, ist ja ihr Produkt. Oder man verhängt gleich ein Review-Embargo bis zum Release. Lieber Kunde, merke dir immer: du DARFST vorbestellen und kaufen, ein Recht auf frühzeitige oder fundierte Information hast du aber nicht. Und hey, sehen wir es positiv. Vier Stunden Singleplayer-Kampagne in einem 60€-Spiel sind halt besser als nur drei Stunden. Was motz ich überhaupt...?
Ich vermisse die Einsicht und eine Reaktion der Entwickler und Publisher auf die jetzige Lage. Beispiel: SingStar läuft gut. Also bringt man Lips. Und Guitar Hero. Und Rock Band. Und Band Hero. Und LEGO Rock Band. Und DJ Hero. Und Drum Hero. Und U-Sing. Und We Sing... Jeder normal denkende Mensch müsste wissen, dass das auf Dauer nicht gut gehen kann. Wahrscheinlich nichtmals kurzfristig. Aber hochbezahlte Manager sagen „Hey, macht das 200. Musikspiel, es ist noch Kuchen da. Bestimmt“. Mir kommt es so vor, als würden da echt Leute sitzen die meinen, dass sich mit jedem Spiel die potentielle Userbase weiter erhöht, nur weil es dieses Spiel eben gibt. Zwar findet das Weihnachtsgeschäft 2009 jetzt im Frühjahr 2010 statt (da wollten die Publisher mal richtig schlau sein...), aber die das Problem ist nicht gelöst, nur verschoben. Ein „Sommerloch“ gibt es schon lange nicht mehr. Es gibt zu viele Spiele. Vielleicht nicht für uns Spieler, denn wir haben ja die riesige Auswahl. Aber für die Branche.
Und welche Konsequenzen hat das für uns Spieler? Nun, wahrscheinlich nicht sonderlich viele. Der Markt wird sich bereinigen und „gesundschrumpfen“. Merken werden wir das wohl nicht unmittelbar, denn es wird auch weiterhin mehr Spiele geben, als wir spielen können. Einige Publisher und Entwickler werden es wohl nicht schaffen zu überleben, es wird einige 08/15-80%-Wertungsschnitt-Spiele weniger geben. Es wird vielleicht einige frische Ideen in der Branche nicht geben, denn in schwierigen Zeiten verlässt man sich besser auf Altbewährtes. Einige für uns unschöne Tendenzen wie DLC und Pre-Order-Bonus werden wahrscheinlich weiter zunehmen und das schnell. Wenn man kein Entwickler in einem kleinen Studio ist oder Aktien von EA hält, muss man sich als Spieler keine akuten Sorgen machen. Ich gehe aber davon aus, dass in dieser Generation einige Menschen Lehrgeld geben mussten. Ich gehe auch davon aus, dass aus der Hurra-Stimmung Anfang 2000 nicht viel übrig geblieben ist. Dafür ist das jeweils eigene Stück Kuchen viel kleiner als erhofft. Und die Gabel des Tischnachbarn ist immer in Reichweite des eigenen Tellers...
------------------------------------------------------------------------------
Welche Konsequenzen hatte diese Entwicklung für mich persönlich? Nun, ich kann mich erinnern, es war zu Zeiten des SNES, dass ich im Nachhinein betrachtet ein ganz anderes Verhältnis zu Videospielen hatte. Die Wertschätzung für ein einzelnes Spiel war viel höher. Street Fighter II oder Zelda habe ich bis zum Erbrechen gezockt. Es gab schon damals viele Spiele, aber es gab drei, vier Spiele im Jahr, die man sehnlichst erwartet hatte. Die Perlen von damals waren echte Perlen. Perlen gibt es auch heute noch, aber ihr Glanz hat nachgelassen. Selbst nach einem Spiel wie Uncharted 2 verspüre ich heute den „Zwang“, das nächste Spiel einzulegen, es liegen ja noch so viele im Regal. Und wenn mir ein Spiel nicht gefällt, wird direkt das Nächste eingelegt. Immer auf der Suche nach dem nächsten „geilen“ Spiel, auf der Suche nach guten Angeboten. Ich lese im Forum von all den geilen Spielen, tagtäglich. Früher gab es ein Mal im Monat die Videogames und die Maniac... Informations-Überfluss. Ich denke, dass ich damit nicht alleine bin. Dieses Verhalten hat wohl zum Teil auch dazu beigetragen, dass die Branche heute so ist wie sie ist. Wenn wir ein Spiel erst mal gekauft haben, ist es doch letztlich egal, ob es uns gefällt oder nicht. Es ist egal, ob der Entwickler das Herzblut eines Zockers in sein Spiel hat einfliessen lassen, oder ob er seine Ware einfach nur produziert hat. Ich glaube, ich selbst habe an Herzblut eingebüsst. Ich schwimme mit in dieser Entwicklung. Klar, ich bin älter geworden. Ich gehe arbeiten, verdiene mehr Geld und habe weniger Freizeit. Und klar, ich habe auch immer noch Spass am Spielen. Aber es hat sich etwas geändert, ich kann von mir sagen, dass mir das Gefühl, Teil einer gigantischen Industrie zu sein, die nur noch mein Geld möchte, nicht behagt. Trotzdem werde ich noch weiter mitschwimmen und spielen. Sehr inkonsequent, ich weiss...
PS: Wie ich Eingangs bereits sagte, sind das hier nur in Worte zusammengefasste Gedanken über die jetzige Situation. Dies muss keinen interessieren und ich hege keinen Anspruch auf Richtigkeit. Ach ja, und sorry für den langen und teils wohl schwierig zu lesenden Text...
Heute habe ich einen ziemlich ausführlichen Artikel gelesen, dass es der Schweizer Spiele-Industrie wiederholt nicht gut geht. Zwar konnte die PS3 seit dem Release der Slim um 11% zulegen, aber insgesamt ist der Markt sowohl bei Hard- als auch Software stark rückläufig. Ok, der Schweizer Markt alleine ist kein Indiz für eine schwache Branche, aber es ist ja weltweit gesehen nirgends anders. USA, Japan, grosse Teile Europas... alles rückläufig. Selbst der „Musterschüler“ UK fällt immer tiefer. In UK geht das soweit, dass Spiele hier, unabhängig vom schwachen Pfund, quasi verschenkt werden. Modern Warfare 2 ging als bewusster Millionen-Seller in Kaufhäusern für 26 Pfund über die Ladentheke, wenn ein Titel acht Wochen alt ist, bekommt man ihn oftmals für 15 Pfund bei amazon „hinterhergeschmissen“. Aber warum? Im grössten europäischen Markt lassen sich nur noch Stückzahlen machen, wenn der Preis am Boden ist. Das gesamte Preisgefüge in UK ist im Eimer, die UPE ist keinerlei Indiz mehr für den wirklichen Preis. Anscheinend kann aber nur über den Preis verkauft werden.
Wie konnte es soweit kommen? Die landläufige Begründung ist momentan fast immer die Wirtschaftskrise. Klingt ja auch logisch. Aber ich denke, das ist nur die halbe Wahrheit. Wahrscheinlich sogar weniger als die Hälfte. Die Wirtschaftskrise mag einen Prozess beschleunigt haben, der sowieso nicht mehr zu stoppen war. Die Übersättigung des Marktes. Die Übersättigung der Spieler. Warum ich das denke? Ich bin seit nunmehr über 20 Jahren Spieler, verfolge das Geschehen genauso lange. Ich habe die Tiefen der Branche erlebt, ich habe ihren Höhenflug erlebt, als das Medium Videospiele Ende der 90er Jahre vom Nerd-Spielzeug zum Massenprodukt heranwuchs. Jedes Jahr produzierte die Branche mehr Wachstum, jedes Jahr gab es neue Rekordumsätze und Gewinne. Jedes Jahr wuchsen Studios in ihrer Mitarbeiterzahl, die Publisher nahmen immer mehr Geld in die Hand, um immer noch grössere und bessere Spiele zu entwickeln. Jeder wollte ein Stück dieses anscheinend so leckeren und grossen Kuchen, der so rosige Aussichten versprach. Zunächst konnte man sogar davon ausgehen, dass der Kuchen selbst ewig weiter wachsen wird. Aber das tut er nicht. Nicht mehr.
Als Ende 2006 die Wii erschien, war die Branche euphorisch. Der weisse Kasten verkaufte sich schneller als je eine Konsole zuvor. Selbst die scheinbar allmächtige PS2 stand im Schatten dieser VKZ. Die Branche war vor allem deswegen euphorisch, weil die Wii ein ganz neues Klientel bediente und vor allem ERSCHUF. Millionen von Nicht-Spielern (so will man es uns jedenfalls Glauben machen) wurden zu Käufern der Wii, man addierte diese Millionen einfach zum errechneten Potential von 360 und PS3 hinzu. Der Markt schien nochmals zuzulegen. Doch es kam anders. Nintendo verdient sich an seinen eigenen Wii-Spielen dumm und dusselig, viele Publisher beklagen jedoch meist magere Erfolge, ohne die Gründe teils bei sich selbst zu suchen. Und was machen die HD-Konsolen? Auch hier sah es lange Zeit auf den ersten Blick prächtig aus. Zwar klagten einige Entwickler schon früh in der HD-Ära, dass die Kosten aus dem Ruder laufen, aber wen interessiert das schon, wenn man die VKZ von einigen Titeln sieht? Recht schnell haben die dahinter stehenden Publisher allerdings bemerkt, dass man mit VKZ, die vor 10 Jahren noch zu Jubelstürmen taugten, heute kein Gewinn mehr zu machen ist. Trotzdem ging es weiter wie gewohnt. Die Spiele wuchsen weiter, legten (scheinbar) an Qualität zu, wurden zu audiovisuellen Erlebnissen. Und wurden weiter teurer. Viele Entwickler mussten ihre Unabhängigkeit aufgeben und sich schlucken lassen. Electronic Arts hat sich damals etliche Studios einverleibt und wurde zum grössten Publisher weltweit. Und heute? Machen sie Miese ohne Ende und schliessen ein Studio nach dem Anderen. Hoffnungsträger wie Dead Space oder Mirror’s Edge wurden von Presse und Spielern gelobt, haben sich beide über eine Million Mal verkauft, und waren wirtschaftliche Flops. Aktuell entlässt EA abermals über 1.500 Mitarbeiter und schliesst einige Studios. Dabei gab es den ersten Kahlschlag schon Anfang des Jahres. 2009 war eh das Jahr der Studioschliessungen. EA steht unter den grossen Publishern aber auch nicht alleine da, was die Brisanz weiter verdeutlicht. Activision / Blizzard hat im 3. Quartal magere 15 Millionen Dollar Gewinn gemacht. Besser als Miese, aber ohne den Dauerbrenner World of Warcraft und dessen Abo-Modell würde es auch hier weitaus schlimmer aussehen. Auch Take Two hatte schon letztes Jahr schwer zu knabbern. Selbst der Release von GTA IV und dessen VKZ von weit mehr als 10 Millionen Einheiten konnten die Bilanz 2008 nicht wirklich positiv ausfallen lassen. Ein Mega-Seller alleine kann die anderen Spiele nicht auffangen.
Gründe für das schlechte Ergebnis sind zum einen die Kosten aktueller Spiele. HD-Titel kosten in der Entwicklung locker 10 Millionen Dollar und mehr. Also bedarf es Stückzahlen, um diese Kosten wieder reinzuholen. Vielen Stückzahlen. Spiele wie Modern Warfare 2, GTA IV, Halo 3 oder Resident Evil 5 überstrahlen alles und erwecken den Anschein, dass ja alles nicht so schlimm sein kann. Wenn aber Titel wie Red Faction oder Bionic Commando knapp an der Million knabbern, dann ist dies für den Publisher ein Misserfolg. Und so läuft es momentan. Die Titel, die sich richtig gut verkaufen, nehmen den anderen Spielen die Käufer weg. Denn die Statistik zeigt, dass sich selbst der 360-Zocker nur alle 5,5 Monate (!) ein neues Spiel kauft. Der Normalo-Zocker legt sich aktuell also MW2 und AC2 zu, für alles Andere bleibt kein Geld und keine Zeit. Es gibt schlicht zu viele Spiele. Der Kuchen ist nicht weiter gewachsen, es gibt nur mehr Leute, die ein Stück davon abhaben wollen. Die Stücke werden also kleiner. Und einige gehen gar ganz leer aus. Da wird die Industrie auch kreativ, und Publisher, das haben wir ja gelernt, versuchen halt, die Wertungen in Magazinen zu ihren Gunsten zu beeinflussen. Dürfen sie ja, ist ja ihr Produkt. Oder man verhängt gleich ein Review-Embargo bis zum Release. Lieber Kunde, merke dir immer: du DARFST vorbestellen und kaufen, ein Recht auf frühzeitige oder fundierte Information hast du aber nicht. Und hey, sehen wir es positiv. Vier Stunden Singleplayer-Kampagne in einem 60€-Spiel sind halt besser als nur drei Stunden. Was motz ich überhaupt...?
Ich vermisse die Einsicht und eine Reaktion der Entwickler und Publisher auf die jetzige Lage. Beispiel: SingStar läuft gut. Also bringt man Lips. Und Guitar Hero. Und Rock Band. Und Band Hero. Und LEGO Rock Band. Und DJ Hero. Und Drum Hero. Und U-Sing. Und We Sing... Jeder normal denkende Mensch müsste wissen, dass das auf Dauer nicht gut gehen kann. Wahrscheinlich nichtmals kurzfristig. Aber hochbezahlte Manager sagen „Hey, macht das 200. Musikspiel, es ist noch Kuchen da. Bestimmt“. Mir kommt es so vor, als würden da echt Leute sitzen die meinen, dass sich mit jedem Spiel die potentielle Userbase weiter erhöht, nur weil es dieses Spiel eben gibt. Zwar findet das Weihnachtsgeschäft 2009 jetzt im Frühjahr 2010 statt (da wollten die Publisher mal richtig schlau sein...), aber die das Problem ist nicht gelöst, nur verschoben. Ein „Sommerloch“ gibt es schon lange nicht mehr. Es gibt zu viele Spiele. Vielleicht nicht für uns Spieler, denn wir haben ja die riesige Auswahl. Aber für die Branche.
Und welche Konsequenzen hat das für uns Spieler? Nun, wahrscheinlich nicht sonderlich viele. Der Markt wird sich bereinigen und „gesundschrumpfen“. Merken werden wir das wohl nicht unmittelbar, denn es wird auch weiterhin mehr Spiele geben, als wir spielen können. Einige Publisher und Entwickler werden es wohl nicht schaffen zu überleben, es wird einige 08/15-80%-Wertungsschnitt-Spiele weniger geben. Es wird vielleicht einige frische Ideen in der Branche nicht geben, denn in schwierigen Zeiten verlässt man sich besser auf Altbewährtes. Einige für uns unschöne Tendenzen wie DLC und Pre-Order-Bonus werden wahrscheinlich weiter zunehmen und das schnell. Wenn man kein Entwickler in einem kleinen Studio ist oder Aktien von EA hält, muss man sich als Spieler keine akuten Sorgen machen. Ich gehe aber davon aus, dass in dieser Generation einige Menschen Lehrgeld geben mussten. Ich gehe auch davon aus, dass aus der Hurra-Stimmung Anfang 2000 nicht viel übrig geblieben ist. Dafür ist das jeweils eigene Stück Kuchen viel kleiner als erhofft. Und die Gabel des Tischnachbarn ist immer in Reichweite des eigenen Tellers...
------------------------------------------------------------------------------
Welche Konsequenzen hatte diese Entwicklung für mich persönlich? Nun, ich kann mich erinnern, es war zu Zeiten des SNES, dass ich im Nachhinein betrachtet ein ganz anderes Verhältnis zu Videospielen hatte. Die Wertschätzung für ein einzelnes Spiel war viel höher. Street Fighter II oder Zelda habe ich bis zum Erbrechen gezockt. Es gab schon damals viele Spiele, aber es gab drei, vier Spiele im Jahr, die man sehnlichst erwartet hatte. Die Perlen von damals waren echte Perlen. Perlen gibt es auch heute noch, aber ihr Glanz hat nachgelassen. Selbst nach einem Spiel wie Uncharted 2 verspüre ich heute den „Zwang“, das nächste Spiel einzulegen, es liegen ja noch so viele im Regal. Und wenn mir ein Spiel nicht gefällt, wird direkt das Nächste eingelegt. Immer auf der Suche nach dem nächsten „geilen“ Spiel, auf der Suche nach guten Angeboten. Ich lese im Forum von all den geilen Spielen, tagtäglich. Früher gab es ein Mal im Monat die Videogames und die Maniac... Informations-Überfluss. Ich denke, dass ich damit nicht alleine bin. Dieses Verhalten hat wohl zum Teil auch dazu beigetragen, dass die Branche heute so ist wie sie ist. Wenn wir ein Spiel erst mal gekauft haben, ist es doch letztlich egal, ob es uns gefällt oder nicht. Es ist egal, ob der Entwickler das Herzblut eines Zockers in sein Spiel hat einfliessen lassen, oder ob er seine Ware einfach nur produziert hat. Ich glaube, ich selbst habe an Herzblut eingebüsst. Ich schwimme mit in dieser Entwicklung. Klar, ich bin älter geworden. Ich gehe arbeiten, verdiene mehr Geld und habe weniger Freizeit. Und klar, ich habe auch immer noch Spass am Spielen. Aber es hat sich etwas geändert, ich kann von mir sagen, dass mir das Gefühl, Teil einer gigantischen Industrie zu sein, die nur noch mein Geld möchte, nicht behagt. Trotzdem werde ich noch weiter mitschwimmen und spielen. Sehr inkonsequent, ich weiss...
PS: Wie ich Eingangs bereits sagte, sind das hier nur in Worte zusammengefasste Gedanken über die jetzige Situation. Dies muss keinen interessieren und ich hege keinen Anspruch auf Richtigkeit. Ach ja, und sorry für den langen und teils wohl schwierig zu lesenden Text...

