Also bei mir ist die Luft so schnell wieder raus gewesen, wie sie drin war. Irgendwie macht das X-Com zu meiner Enttäuschung des Jahres 2012. Woran liegt's?
Nachdem ich erstmal die Grundprämisse des Spieles - was tot ist bleibt tot, es ist nie genug Geld für alles da und jede Entscheidung hat einen Pferdefuß (meistens finanzieller Art) - verinnerlicht hatte, wurde das Spiel mit atemberaubendem Tempo furchtbar langweilig.
Was wurde nicht alles in den Reviews geschrieben, wie einem die Soldaten ans Herz wachsen und wie schlimm es ist, wenn ein Veteran ins Gras beißt. Ist es das wirklich? Wie können einem diese gesichtslosen Spielfiguren ohne jeglichen Background und ohne den geringsten Anteil an der - ohnehin nicht vorhandenen - Geschichte ans Herz wachsen? Weil ich ihren Haarschnitt verändern und sie in pinkfarbene Anzüge stecken kann? Soldaten wachsen nach und das ziemlich schnell. Als es das erste Mal drei meiner Veteranen zerlegt hat, war ich auch zunächst ziemlich entsetzt. Aber binnen kurzer Zeit sind andere in ihre Fußstapfen getreten und ich habe die Toten zu keinem Zeitpunkt vermisst. Ans Herz wachsen...pffft....die Zeit als ich mit meinen Spielzeugindianern gekuschelt habe, ist schon lange vorbei. Und nix anderes sind die Soldaten in dem Spiel.
Dann die Gefechte. Ja, ich habe auf dem normalen Schwierigkeitsgrad gespielt. Keine Ahnung, ob die K.I. in den höheren Graden mehr drauf hat. Interessiert mich aber auch nicht wirklich. So wie sich mir das Ganze dargestellt hat, hängt der Ausgang der Schlachten zu 50% davon ab, wie meine Position ist, wenn ich die Aliens triggere (bzw. neue gespawnt werden) und wieviel Glück meine Leute im Overwatch-Modus haben, wenn das dann passiert. Geht dieser eine Moment im Gefecht zu meinen Gunsten aus, ist der Rest ein Kinderspiel ohne jeglichen Anspruch. Falls nicht, bin ich am Arsch, ohne auch nur irgendwas dagegen tun zu können. Uninteressant...
Der Basisbau ist auch eine Angelegenheit, die sich wie Kaugummi zieht. Mal abgesehen davon, wie lächerlich es ist, dass ich als letzte Linie der Verteidigung das Geld knapper zugeteilt kriege als ein Niedriglohnaufstocker (und wenn die Länder böse werden, kriege ich gar nix mehr - was macht ihr denn damit? Es aufessen, während ihr hofft, dass die Aliens von selber wieder abhauen?), muss man gerade am Anfang ewig warten, bis da mal was läuft. Höhle ausheben, Einrichtung bauen...25 Tage glatt rum. Omg...In der Zwischenzeit ein wenig am Globus drehen. Ja, ich würde gern einen neuen Satellliten starten. Aber dazu brauche ich einen weiteren Uplink und für den brauche ich Ingenieure, die ich wiederum ohne Workshop nicht kriege, den ich aber nicht bauen kann, weil meine verschissene Energieversorgung nicht ausreicht, die ich nicht aufstocken kann, weil die völlig verblödeten Nationen mir ein MONATSBUDGET VON 365$ ZUGESTEHEN!!!

Aber dafür habe ich meinem Sergeant Chavez einen Spitznamen gegeben. Toll, toll, toll...
Als runder Abschluss kommt noch hinzu, dass - wie schon erwähnt - im Grunde überhaupt keine Story erzählt wird. Oh, Aliens geortet. Hinfliegen, totmachen, zurückfliegen, Labor bauen, Autopsie machen, rinse and repeat. Booooooring.
Ich bin ehrlich gesagt ziemlich entsetzt, wie sich das Spiel mir gegenüber schlussendlich präsentiert hat. Ich war mir sicher, dass das voll auf meiner Wellenlänge liegt. Sogar nach der Demo war ich noch begeistert. Aber wie das eben so ist - zwei Bockwürste sind noch lecker, nach der dritten wird's langsam eklig. Immer das Gleiche funktioniert halt nur, wenn der Rest stimmt (Story, Präsentation => MGSR, MP3 etc. ). Und da kackt X-Com bis zu dem Punkt, an dem ich angelangt war, vollkommen und absolut gnadenlos ab. Hab's wieder verscherbelt.
