Ich habe mir lange überlegt, ob ich zu diesem Thema noch was schreiben soll, da eigentlich alle persönlichen Sichtweisen dargelegt wurden.
Ich möchte aber trotzdem noch die Geschichte von meinem Vater erzählen (hab sie in einem anderen Thread schon kurz angerissen), die meine Sichtweise auf Dinge stark definiert hat.
Mein Vater hat sein Leben lang hart bei Siemens gearbeitet. Er ist früh um halb acht aus dem Haus gegangen und ganz selten vor sieben oder acht Uhr abends wieder nach Hause gekommen. Oft genug hat er am Wochenende gearbeitet und ich kann mich nicht erinnern, dass er irgendwann mal krank geschrieben war.
Wenn er Geld für etwas Teueres ausgegeben hat, dann war das immer etwas, was der ganzen Familie genutzt hat und nie etwas nur für sich selber. Bevor er das Geld ausgegeben hat, hat er sich wochenlang informiert. Geld für sich selber auszugeben hat ihm glaube ich körperliche Schmerzen bereitet.
Er hat immer an`s Alter gedacht und jeden Cent angelegt, der übrig war. Deswegen war er sehr oft in irgendwelche Unterlagen von der Bank vertieft und saß ganze Abende vor seinen Excel-Tabellen.
Bei der Steuererklärung war er so genau, dass er deswegen das ganze Wochenende in seinem Arbeitzimmer verschwunden ist.
Er hat mich oft kritisiert, weil ich nicht genug tun würde, um mich für später abzusichern und ich hatte regelmäßig deswegen mit ihm Streit, obwohl ich irgendwie der Meinung war, dass er wohl Recht hat.
Heute ist er 67 Jahre alt. Im Dezember hat er seltsame körperliche und geistige Auffälligkeiten gezeigt. Im Januar wurde bei ihm ein Gehirntumor diagnostiziert. Im Februar konnte er keinen Satz mehr mit mehr als 3 Wörtern formulieren und selbst mit Gehhilfe keine 10 Meter mehr laufen.
Wenn ihn der Tumor nicht in naher Zukunft umbringt, wird er den Rest seines Lebens ein Pflegefall bleiben und abends vergessen haben, was er zu Mittag gegessen hat.
Spätestens jetzt bin ich der Meinung, dass man sein Geld mit vollen Händen ausgeben und sich alle erreichbaren Träume erfüllen sollte.
Klar sollte es immer Faktoren im Leben geben, die man nicht mit Geld kaufen kann und die immer über den materiellen Gütern stehen müssen. Bei mir sind das meine Frau, mein Sohn und die Leidenschaft, die ich in meine Sportart investieren kann. Ohne meine Familie wäre mir mein ganzes Hab und Gut nichts Wert.
Aber niemand kann mir erzählen, dass es nicht etwas gibt, was er sich gerne leisten möchte und wofür man eben doch Geld braucht. Ein eigenes Haus, ein Roadster als Zweitwagen, teuere Uhren, das Heimkino, die Kreuzfahrt in der Karibik.
Natürlich sollte man nicht nur des Kaufens wegen Geld ausgeben. Der Akt des Kaufens ist nur eine Ersatzbefriedigung. Man darf nicht verlernen, sich an den Dingen selbst zu erfreuen, die man sich gegönnt hat.
Außerdem sollte man nicht immer das Bedürfnis haben, seine Schätze anderen Menschen unter die Nase reiben zu müssen. Wenn man an der Filmsammlung für 5000 Euro nur noch dann Freude hat, wenn der Nachbar neidisch vor dem Regal steht, dann läuft irgendwas schief.
Außerdem sollte man lernen, den Luxus seinen persönlichen Verhältnissen anzupassen. Wenn ich Durchschnittsverdiener bin, kann mein Sommerspielzeug eben "nur" ein MX-5 sein und kein Wiesmann. Und der Schüler muss eben manchmal mit dem Gebrauchtspiel vom Game Stop leben und die Collectors Edition vom neuesten Blockbuster Game für 200 Euro muss bei Amazon bleiben.
Luxus auf Pump ist nicht mein Ding und am Monatsende sollte in der Regel kein Minus in der Bilanz stehen.
Und zu guter letzt habe ich mir vorgenommen, mir jeden Tag vor Augen zu führen, wie gut es mir doch geht, und dass die ganzen schönen Dinge, die mir mein Leben versüßen keine Selbstverständlichkeit sind. Es gibt Länder, da sind die Menschen froh, wenn sie den Tag überleben und ich rege mich auf, wenn ich einen Tag mal nicht auf den Diablo-Server komme
