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Verbrechen der Nazis: Fühlt ihr euch schuldig?

Fühlt ihr euch schuldig?

  • Ja

    Stimmen: 4 2,4%
  • Nein

    Stimmen: 166 97,6%

  • Umfrageteilnehmer
    170

Benutzer, welche sich diesen Thread anschauen:

Anubis schrieb:
Ich glaub auch das die Regierung aus einem guten Grund, immer nur vom Holocaust spricht, nie aber von anderen Völkermorden. Es würden doch extreme Debatten auslösen, würden alle Leute in den Schulen über Völkermorde weltweit richtig aufgeklärt werden.

Das kann ich nicht bestätigen. In meiner Schule haben wir auch den Völkermord in Ruanda und andere durchgenommen. Die Regierung selbst spricht im Zusammenhang mit dem Kosovo-Einsatz der Bundeswehr auch häufig von dem dort stattgefundenen Völkermord.


Ansonsten denke ich, gibt es noch einen Grund, der den Holocaust von anderen Völkermorden unterscheidet: Der Holocaust ist - und das soll jetzt nicht arrogant klingen - in der ach so zivilisierten westlichen Welt geschehen. Viel schlimmer noch: Er wurde vom Volk der Dichter und Denker ausgeführt. Den in der Vorstellung des Westens barbarischen Russen ist sowas ja zuzutrauen, den Chinesen auch, genauso wie irgendwelchen Buschmännern aus Afrika oder anderen Völkern, die man nicht als zivilisiert ansah. Aber einer der größten Völkermorde aller Zeiten geschah im Westen, mitten unter den zivilisiertesten Völkern, die man kannte. Ich denke, dieser Umstand schockte und schockt die Menschheit so am Holocaust.

Das schockt mich zumindest so daran. Es waren wir (im übertragenden Sinne). Wir Deutschen, ein Volk, das Goethe, Wagner, den Buchdruck und das Rentensystem hervorgebracht hat. Ein Volk, dass geregelte Arbeitszeiten hatte und abends ins Kino oder in die Oper ging.
 
Ja aber nicht in der Intensität und längst nicht in jeder Schule. Ansonsten denke ich auch dass das der Grund war. Wobei auch vorher schon die Hochkulturen die grauenhaftes Aktionen gestartet haben.
 
BAZONG schrieb:
kingpin68 schrieb:
Das sehe ich ganz genauso.

Ich nicht. Dieses hätte wäre wenn ist eigentlich ein Ablenkungsmanöver und bringt nix, weil es nicht so gewesen IST !

Den Holocaust macht einzigartig diese Industrialisierung, Rationalisierung, Einteilung in verschiedene Spezialgebiete/"Arbeitsschritte", in Vernichtungsstationen quasi, "Tod als Fließbandproduktion", mit Sollstückzahlen und all den Rechnungen, die dahintersteckten. Und die Kaltschnäuzigkeit und kühle, "sachliche" Härte, mit der das geschah. Mit der Akribie des Dokumentierens und Erfassens.

Jeder Völkermord ist auf seine Art einzigartig. Wie kann man sich anmaßen solche ungeheuerlichen Verbrechen an die Menschheit zu bewerten und sowas wie eine Rangliste zu machen?!?
 
Ich bin mir der Verbrechen der Nazis bewusst, fühle mich aber nicht schuldig. Meine Generation ist kein Täter, die entsprechende Generation der betroffenen Völker/Religion kein Opfer. Meine Meinung !
 
Yoigen schrieb:
Oxblood schrieb:
Warum sollte ich mich schuldig fühlen für etwas, mit dem ich nichts zu tun habe? Erbschuld ist ein dämliches Konzept.

Und Stolz? Bist du stolz auf manche Ereignisse die deine Verwandten oder dein Volk betrifft?

Stolz und Schuld lassen sich schwer vergleichen. Eher passt hier der Vergleich zwischen Stolz und Scham. Wenn er sich für die Taten schämt, passt es doch. Wenn er auf die Taten seiner Vorfahren stolz ist, passt es auch. Schuldig kann man sich nur fühlen wenn man irgendwie daran beteiligt war mMn.
 
Da hat er aber nicht ganz unrecht. Unter (vielen) Politologen/Historikern gilt der Holocaust als einziger industrieller Massenmord der Geschichte als einmalig (grausam).
Eigentlich fasst es BAZONG sogar sehr gut zusammen. Eine der fortschrittlichsten Zivilisationen der Welt wählt unter tobendem Applaus einen Mann, der ein ganzes Volk auslöschen will und es dann auch mit einer nie dagewesen Genauigkeit und Organisation macht.

Schuld empfinde ich nicht, aber eine Scham, die man auch bei der Familie oder Freunden fühlen kann, aber in einer unverzeihlichen Intensität.
 
kingpin68 schrieb:
Jeder Völkermord ist auf seine Art einzigartig. Wie kann man sich anmaßen solche ungeheuerlichen Verbrechen an die Menschheit zu bewerten und sowas wie eine Rangliste zu machen?!?

Ich habe nirgends eine "Rangliste" erstellt. Oder wo ist die zu finden...Erster...Zweiter..Dritter...Sechsundachzigster....??? Wo denn bitte ?
Für mich ist eben schlimmer, was z.B. Breivik getan hat (mit der Planung und der Absicht dahinter), als wenn jemand einen Einzigen umbringt.
Da nimmt man natürlich eine Bewertung vor und das kann man auch. Eine Rangliste finde ich in der Tat geschmacklos, aber die habe ich hier nie verfasst.
 
BAZONG schrieb:
kingpin68 schrieb:
Jeder Völkermord ist auf seine Art einzigartig. Wie kann man sich anmaßen solche ungeheuerlichen Verbrechen an die Menschheit zu bewerten und sowas wie eine Rangliste zu machen?!?

Ich habe nirgends eine "Rangliste" erstellt. Oder wo ist die zu finden...Erster...Zweiter..Dritter...Sechsundachzigster....??? Wo denn bitte ?
Für mich ist eben schlimmer, was z.B. Breivik getan hat (mit der Planung und der Absicht dahinter), als wenn jemand einen Einzigen umbringt.
Da nimmt man natürlich eine Bewertung vor und das kann man auch. Eine Rangliste finde ich in der Tat geschmacklos, aber die habe ich hier nie verfasst.

Naja vielleicht habe ich mich mit der "Rangliste" falsch ausgedrückt, aber meiner Meinung nach kann und sollte man Völkermorde nicht kategorisieren, in eine Schublade stecken, bewerten und sagen das war jetzt der schlimmste Völkermord von allen. Sowas finde ich einfach respektlos.

Und Breivik würde ich auch nicht mit einen "normalen" Mörder vergleichen. Breivik halte ich für einen psychisch kranken Amokläufer mit einen starken Drang zum töten, um das umzusetzen und zu rechtfertigen, hat er sich seine eigene kranke Welt erschaffen.
 
Lord EKKA schrieb:
Yoigen schrieb:
Oxblood schrieb:
Warum sollte ich mich schuldig fühlen für etwas, mit dem ich nichts zu tun habe? Erbschuld ist ein dämliches Konzept.

Und Stolz? Bist du stolz auf manche Ereignisse die deine Verwandten oder dein Volk betrifft?

Stolz und Schuld lassen sich schwer vergleichen. Eher passt hier der Vergleich zwischen Stolz und Scham. Wenn er sich für die Taten schämt, passt es doch. Wenn er auf die Taten seiner Vorfahren stolz ist, passt es auch. Schuldig kann man sich nur fühlen wenn man irgendwie daran beteiligt war mMn.

Wie kann man auf Taten seiner Vorfahren stolz sein? Stolz kann man auch nur sein wenn man irgendwie daran beteiligt war und was dazu beigetragen hat. Deswegen find ich es immer wieder Humbug wenn Leute sagen: Ich bin stolz ein Deutscher, Türke oder sonst was zu sein.
 
kingpin68 schrieb:
Naja vielleicht habe ich mich mit der "Rangliste" falsch ausgedrückt, aber meiner Meinung nach kann und sollte man Völkermorde nicht kategorisieren, in eine Schublade stecken, bewerten und sagen das war jetzt der schlimmste Völkermord von allen. Sowas finde ich einfach respektlos.

Und Breivik würde ich auch nicht mit einen "normalen" Mörder vergleichen. Breivik halte ich für einen psychisch kranken Amokläufer mit einen starken Drang zum töten, um das umzusetzen und zu rechtfertigen, hat er sich seine eigene kranke Welt erschaffen.

Es gibt Amokläufe mit null Opfern und es gibt welche mit vielen Opfern. Hier kann man doch von schlimmer oder nicht so schlimm sprechen. Natürlich kann man das.
Und natürlich war Steinhäuser Tat (Erfurt) letztlich schlimmer als die von Bastian B. (Emsdetten).
 
kingpin68 schrieb:
Und Breivik würde ich auch nicht mit einen "normalen" Mörder vergleichen. Breivik halte ich für einen psychisch kranken Amokläufer mit einen starken Drang zum töten, um das umzusetzen und zu rechtfertigen, hat er sich seine eigene kranke Welt erschaffen.

Seh ich nicht so. Nur weil der Fremdenhass bei jemandem soweit geht, dass er zur Waffe greift - und dies auch nach eigenen Angaben jederzeit wiederholen würde - kann man doch nicht gleich mit dem gelben Zettel winken und ihn damit schuldunfähig machen.

Nach der Logik hätte man ja Hitler, hätte er denn überlebt, nie offiziell verurteilen können. Weil, wenn Brevik schon geisteskrank sein soll, was war der dann?
 
BAZONG schrieb:
Es gibt Amokläufe mit null Opfern und es gibt welche mit vielen Opfern. Hier kann man doch von schlimmer oder nicht so schlimm sprechen. Natürlich kann man das.
Und natürlich war Steinhäuser Tat (Erfurt) letztlich schlimmer als die von Bastian B. (Emsdetten).

Ein Amoklauf mit Null Opfern gibt es nicht, auch Verletzte sind Opfer, dennoch kann man das nicht gleichsetzten mit einen Amoklauf wo Menschen sterben.
Dort wo Menschen sterben kann man meiner Meinung nicht sagen, der hat nur 4 Menschen umgebracht, dass war nicht so schlimm wie der der 8 Menschen umgebracht hat, für mich ist jeder Mord gleich schlimm. Natürlich ist man umso mehr betroffen je höher die Opferzahl ist, dennoch halte ich so eine Abwägung für moralisch nicht vertretbar.
 
JohnnyWohlfahrt schrieb:
Seh ich nicht so. Nur weil der Fremdenhass bei jemandem soweit geht, dass er zur Waffe greift - und dies auch nach eigenen Angaben jederzeit wiederholen würde - kann man doch nicht gleich mit dem gelben Zettel winken und ihn damit schuldunfähig machen.

Nach der Logik hätte man ja Hitler, hätte er denn überlebt, nie offiziell verurteilen können. Weil, wenn Brevik schon geisteskrank sein soll, was war der dann?

Wie war das mit Äpfel mit Birnen...

Seinen angeblichen Fremdenhass halte ich für eine Alibierklärung, damit er seinen krankhaften Trieb zu töten auf dieser Insel ausleben konnte. Bei seiner Aussage im Gerichtssaal soll er, als er über die Morde sprach, auch sehr erregt gewesen sein, was auch in das Profil eines Triebtäters passen würde. Aber das sind alles nur Vermutungen, wie es wirklich in ihm aussieht werden wir wohl nie erfahren.

Ich weiß garnicht wie man hier ständig Hitler und Brevik in einen Topf werfen kann. :?
 
kingpin68 schrieb:
Seinen angeblichen Fremdenhass halte ich für eine Alibierklärung,...

Nö, der hasst alles Fremde. Das ist schon wirklich so.

Und Hitler und Breivik werden nicht "in einen Topf geworfen", sondern nur durch die gleiche Brille betrachtet. Wenn schon, denn schon. Ich halte beide für genauso wenig geisteskrank, wie Al Kaida, NSU oder die RAF-Mitglieder.
 
Schnitzelbrötchen schrieb:
Deswegen find ich es immer wieder Humbug wenn Leute sagen: Ich bin stolz ein Deutscher, Türke oder sonst was zu sein.


Find ich ja auch. Aber wie soll ich mir dann diese Hupkonzerte nach nen Spiel erklären? Ist vllt. nicht dasselbe, aber ich kann es einfach nicht verstehen wie sich Menschen über eine Sache freuen können die sie nicht betrifft. Egal welcher Nationalität.
 
Du bist also kein Fan von irgendetwas? Oder vielleicht ein Fan, der seine Emotionen immer heimlich, still und leise für dich selbst auslebst?

Kann ich verstehen. Ich kann aber auch die Menschen verstehen, die sich als Symbol ihrer Freude ein Fähnchen ans Auto pappen und hupend durch die Stadt fahren.

Stolz ist ein Ausdruck von Glück und Zufriedenheit. Das kann Dinge betreffen, die man selbst erreicht hat oder im Kollektiv. Muss man dafür direkt involviert gewesen sein?
 
kingpin68 schrieb:
Ein Amoklauf mit Null Opfern gibt es nicht, auch Verletzte sind Opfer, dennoch kann man das nicht gleichsetzten mit einen Amoklauf wo Menschen sterben.
Dort wo Menschen sterben kann man meiner Meinung nicht sagen, der hat nur 4 Menschen umgebracht, dass war nicht so schlimm wie der der 8 Menschen umgebracht hat, für mich ist jeder Mord gleich schlimm. Natürlich ist man umso mehr betroffen je höher die Opferzahl ist, dennoch halte ich so eine Abwägung für moralisch nicht vertretbar.

Deine Meinung, die ich jedoch nicht teile. Für mich ist der Holocaust mit seinen Auswüchsen halt schlimmer und schwerwiegender als ein Massenmord an 8 Menschen oder so.
Ansichtssache.
 
Zimtzicke schrieb:
Muss man dafür direkt involviert gewesen sein?

Sollte man für Stolz schon irgendwie, oder? :?

Ich persönlich - aber das habe ich auch schon öfter geschrieben - halte Nationalstolz für absoluten Blödsinn. Worauf soll man denn bitte stolz sein? Das man zufällig innerhalb einiger imaginärer roter Linien auf der Landkarte geboren wurde? Das ist ein Grund für Stolz?
Man kann ja gerne glücklich sein, hier zu wohnen. Da hab ich nix gegen. Geht mir auch so. Aber Stolz sollte es nur für eigene Leistung geben. Und wer hat hier bitteschön was geleistet, dass er stolz sein könnte, ein Deutscher zu sein?
 
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