Prinny schrieb:
Dachte mir schon, dass es uns da ähnlich ergeht. Ich versuche mich auch damit zu trösten, dass man sich mit seinem Traum privat beschäftigen kann. Eigentlich bin ich sogar der Meinung, dass man sich der Kunst selbstständig und niemals schulisch widmen sollte.
Aber ich schaffe es nicht. Für mich ist jedes Hobby ein anstrengender Akt. Wenn ich für mich lese oder schreibe, wenn ich im Internet bin, oder Freunde besuchen will, auch wenn Wochenende ist oder die Woche gerade erst angefangen hat, belastet mich immer der Druck der Uni und des Nebenjobs.
Meine allgegenwärtigen Gedanken sind "Oh fuck, du musst noch diese Hausaufgabe machen", "Oh shit, bald sind Klausuren" und "Mein Gott, ich muss noch arbeiten".
Und was mache ich? Ich bin total gestresst und mache im Endeffekt gar nichts und stresse mich umso mehr. Eher liege ich apathisch im Bett als auch nur einen Finger für die Uni oder die Arbeit zu rühren. Irgendwann zwinge ich mich dann doch dazu, meist mitten in der Nacht, viel zu spät und lieblos.
Wie auch du beneide ich Menschen, die etwas studieren, das ihnen Spaß macht. Wenn ich meine Freunde sehe, wie sehr sie sich reinhängen um irgendwelche Prozesse und Phänomene zu verstehen, wie sie diskutieren und herumprobieren und ich daneben sitze und mit einem Nicken und stumpfen "Ja, ja" versuche zu signalisieren, dass ich alles schon verstehe und sie sich nicht an mir aufhalten sollen, wünsche ich mir gleichzeitig nichts mehr als auch so eine Leidenschaft für mein Studium und mein Tun zu verspüren.
Es muss so erfüllend sein das zu machen, was einem Spaß macht und sich damit auseinanderzusetzen.. oder wenigstens die Disziplin zu besitzen es durchzuziehen, indem man sich das Ziel all der Mühe vor Augen führt, und sei es nur das Geld.
Ich bin aber völlig hoffnungslos. Ich weiß es nicht zu schätzen, dass ich die Möglichkeit habe später einen respektiven Job zu haben, gut zu verdienen und angesehen zu sein. Auch habe ich momentan den wahrscheinlich besten Nebenjob, den ich mir ausmalen kann und bin total unzufrieden und würde am liebsten kündigen.
Mein Wunsch wäre momentan mich auf den Mond schießen zu lassen und dort etwas in Ruhe spazieren zu gehen.
Schon verrückt, wie sehr sich unsere Situationen ähneln. Wobei es so verrückt wahrscheinlich auch nicht ist. Ist wahrscheinlich das typische "Studium-Abbrecher"-Profil, nur eben ohne das tatsächliche Abbrechen des Studiums.

Aber ich kann das wirklich nachvollziehen.
Dieses Semester hat ein Kommilitone und Freund von mir übrigens sein Studium abgebrochen. Ihm hat man richtig angemerkt, wie er sich die letzten drei Semester so gar nicht für das Studium begeistern konnte und er hat so gut wie keine Prüfungen bestanden. Gegen ihn sah sogar ich wie ein anständiger Student aus (ich bestehe ja zumindest meine Prüfungen), aber er hat dennoch ziemlich lange durchgehalten. Mir hat das lustigerweise in meiner Motivation ungemein geholfen, weil ich mir dachte "Wenn
er noch weitermachen kann, kann
ich das erst recht.".
Zum vierten Semester hat er dann abgebrochen und das hat entschieden dazu beigetragen, dass ich mein Studium auch für mich auch in Frage stelle. Es ist natürlich nicht nett, dass es mir geholfen hat gewissermaßen auf ihn herab schauen zu können (das hab' ich natürlich nie gesagt oder auch nur angedeutet

), aber es hat sich doch als entscheidender Faktor herausgestellt.
Jetzt ist er weg und ich umgebe mich auch nur mit Leuten, wie Du sie oben beschreibst. Oder zumindest mit welchen, die sich mit dem Motto "Hauptsache Student" durchschlagen. Das wird natürlich auch nochmal auf sie zurückkommen, aber so sorgenfrei wäre ich auch gerne.
Wobei ich auch dazu sagen muss, dass ich meinen Studiengang nicht per se schlecht finde, sondern eher das Studieren an sich. Ich bin einfach nicht diszipliniert genug, um bestenfalls semi-interessante und durchaus anspruchsvolle Inhalte aus eigener Motivation heraus zu lernen. Ich lerne eben effizient, aber bei Weitem nicht ausreichend und schon gar nicht so, dass ich mich mal mit gutem Gewissen für einen Beruf bewerben kann.
Und ich hasse, hasse, hasse, HASSE es mich ausschließlich mit Theorie beschäftigen zu müssen. Für mich ist das alles sehr unintuitiv und geradezu weltfremd. Mir fällt es sehr schwer, mich da reinzudenken und ich kann mir nicht vorstellen, das in ein paar Jahren noch adequat in die Praxis umsetzen zu können. Das liegt natürlich in der Natur des Studiums und es liegt an mir, mich um Praxiserfahrungen zu kümmern, aber das Thema Leidenschaft und Motivation hatten wir ja schon...

Da wäre dann wieder das Traumstudium gefragt.
Ich denke daher, die sinnvollste Alternative wäre eine fachähnliche Ausbildung. Die ist straffer organisiert, bestimmt weniger anspruchsvoll als vergleichbare Studieninhalte, praxisnäher und ich denke, mit meiner bisherigen Studienerfahrung hätte ich da durchaus zusätzliche Vorteile.
Mal ganz davon zu schweigen, dass ich meine Eltern finanziell nicht mehr belasten würde.