Au weia, heftiger thread.
@Nimble und
@Mingo fühlt euch gedrückt.
Ansonsten finde ich so ein thread gut, hab ab und an auch schon überlegt einen ähnlichen thread aufzumachen weil ich auch Redebedarf zu meiner Krankheit habe.
Hab mich bislang nur nicht durchringen können.
Ich habe jetzt seit 2,5 Jahren long COVID und kann da in Teilen nachvollziehen wie unberechenbar eine autoimmun Erkrankung ist.
Mein Arzt hat unlängst verkündet das wir davon ausgehen müssen das es Wohl momentan so bleibt.
Frag mich ob ich nicht irgendwann sagen kann das ich ME/CFS habe. Wäre im Umgang mit den Behörden und Gesundheitssystem wohl einfacher als "long COVID" als Diagnose.
Ist zum kotzen wie macht- und hilflos man in diesem Land mit dieser Krankheit ist. Es gibt da quasi nix, nicht mal ein scheiß Blutmarker test. Somit immer wieder Leute die behaupten diese Krankheit gäbe es nicht. Klar 2 Millionen erkrankte in Deutschland leiden einfach unter einer massenpsychose.
Nach einer neuen Studie und schätzung leiden oder leideten weltweit 400 Millionen Menschen unter long COVID
https://www.nature.com/articles/s41591-024-03173-6
Das problem ist, das die Zahlen nicht sauber erfasst werden. In Deutschland gibt es nicht mal einen eindeutigen Diagnose Schlüssel weil man sich nicht mit den anderen ländern international einigen konnte.
Viele wissen eventuell nicht mal das ihre Erkrankung die Folge einer COVID Infektion sein könnte und somit long COVID zugerechnet werden müsste. Über 200 Symptome machen es leicht das zu übersehen und getestet wird ja nicht mehr.
Egal, kleiner rant Exkurs. Ich hab mir mittlerweile selbst Geholfen und mit viel lesen und raumprobieren eine Liste von Medikamenten und Hilfsmittel die mich besser über den Tag bringen. Dennoch, quasi jede Woche gibt es einen crash, extreme Erschöpfung (fatigue), schwindel, Migräne. Dann geht nix mehr, manchmal nicht mal mehr Fernsehen. Dunkelheit und ruhe sind dann meine freunde.
Nichts ist mehr planbar. Familienausflüge gehen nur wenn ich eben nicht Grade einen crash habe. Mein Arbeitgeber lässt mich weiterhin aus dem home Office nach eigenem pacing arbeiten. Ich hab trotzdem oder genau deswegen immer wieder Existenz ängste. Meine Frau ist mittlerweile durch, die muss viel kompensieren und hat natürlich auch ständig sorge.
Dazu kommt die Angst das es alles noch schlimmer wird, zumal ich nicht weiß was das virus mir meinem Körper anstellt. Es gibt einfach nicht genug Forschung zum virus. Das was man Weiß ist übel und wird immer schlimmer.
Die größte Theorie ist dass das virus weiterhin aktiv ist und ein virus reservoir in Körper (Darm) bildet. Zumindest bei den fällen wo die Symptome auch nach einem Jahr bestehen.
Die andere große Theorie ist das es eine autoimmun Erkrankung ist (ähnlich MS). Wobei wenn das Virus noch in Körper ist, ist es logisch dass das Immunsystem weiterhin reagiert.
Immerhin hat man bei mehreren Studien das aktive Virus in den Organen von long COVID betroffen gefunden (geht nur via Biopsie), die schon länger als ein Jahr krank waren.
Meine Erfahrungen mit dem Gesundheitssystem sind jedenfalls sehr schlecht. Grade sitze ich dran eine Reha zu beantragen und das ist der hinterletzte Scheiß.
Ich hab die ganzen Diagnosen und Gutachten besorgt, mein Hausarzt den Befund geschrieben, mich durch den online ewig langen Antrag gekämpft und kämpfe nun, weil die Rentenversicherung meine Wunschklinken rauswirft mit "setze hier irgendeinen Grund ein" .
Das zieht sich seit Anfang Oktober und ist nur ein Trauerspiel. Die Klinken die die RV vorschlägt sind so übel, das kann man sich nicht ausdenken. Da sind Leiter der long COVID Reha die sagen "das es lc ja nicht gibt" und das long COVID erkrankte einfach nur Leute sind, "die Mal einen auf Hängematte machen wollen."
Klar, my ass!
Das übel dabei ist, MS erkrankte haben das vor einigen Jahren auch alles mitmachen dürfen und davor HIV erkrankte. Auch dort wurden Leute stigmatisiert mit "Einbildung" und "einfach nur faul". Man sollte meinen, die Halbgötter in weiß würden Mal aus Geschichte lernen.
Aber ich gebe auch nicht auf auch wenn mein Leben nun ganz anders ist, ich hoffe einfach das es doch weg geht oder irgendwas gefunden wird was es besser macht.
Ich vermisse Sport so unfassbar oder auch Mal wieder mehr als 1-2 Stunden am Stück zocken zu können oder Mal ein Familienausflug machen zu können ohne den nächsten Tag im. Bett verbringen zu müssen.
Nochmals alles gute an alle lang erkrankten hier.