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REVIEW The Walking Dead: 400 Days [Review]

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Bruce Willis ist von Anfang an tot. Achtung Spoiler!

The Walking Dead (TellTales Adventure, nicht dieser unsägliche Shooter) zählt zu den besten Spielen des letzten Jahres, obwohl das „Spiel“ weder regulären Kampf noch nennenswerte Rätsel bot und das Versprechen, sich den Entscheidungen des Spielers anzupassen, eine einzige Seifenblase war. Warum soll das noch mal so gut gewesen sein? Ach ja, Atmosphäre und Charaktere. Aber hätte es denn dafür nicht auch ein Film oder Buch getan?

Bu-uch?

Klares Nein! Nur durch die eigene Interaktion mit den Charakteren über einen längeren Zeitraum aus der Sicht Lees und nur dadurch, dass die Entscheidungen aktiv durch den Spieler getroffen werden, entsteht ein ungeahntes Band mit den Charakteren dieser Spielwelt. Wäre nett gewesen, wenn man nicht zur Halbzeit den gesamten Cast verloren hätte, aber bisschen Schwund ist wohl immer. The Walking Dead nutzt das Medium mit all seinen Stärken und erweitert die Definition des Begriffes Spiel. Grund zur Freude besteht also, wenn demnächst der Nachfolger bereit steht. Bis dahin überbrückt 400 Days die Zeit.

400 Days ist ein downloadbares AddOn, es wird also der Besitz des Originals vorausgesetzt. Auf der PS 3 erwerbt ihr für 4,99 Euro zwei Dateien, sodass ihr sowohl mit der Disk-Version als auch der digitalen das AddOn spielen könnt. Der Xbox360 Marketplace ist in dieser Hinsicht nicht so klar, weswegen ich auf einen dortigen Kauf verzichtet habe. Glück daher, dass ich als pedantischer Spinner mit mittlerem Anflug von OCD von fast allem mehrere Exemplare besitze (allein fünf Versionen von Heavy Rain und vier von God of War III).

LosStopSchade...

400 Days ist eine Zusammenstellung von fünf Geschichten, jede ca. 15 bis 20 Minuten lang sowie einem folgenden Epilog, der durchaus massive Auswirkungen auf Season 2 haben könnte. Jede Geschichte handelt von einer anderen Hauptfigur. Hierin liegt das größte Problem des AddOn. Wo man mit Lee knapp acht Stunden Zeit hatte, sich mit Charakteren und Welt zu identifizieren, sind es hier mal knapp 15 Minuten. Dass dies möglich ist, hat Naughty Dog mit dem Intro von The Last of Us bewiesen. TellTale gelingt es nicht immer.

Ich starte mit Vince. Vince erschießt augenscheinlich jemanden und rennt davon. Schnitt. Wir sitzen im Gefangenenbus. Vince unterhält sich mit zwei Mitgefangenen (einem Wallstreetbetrüger und einem Kinderficker, wobei der Begriff grad in den Staaten auch auf 18jährige zutreffen, die ihre 17jährige Freundin anfassen. Es fällt schwer, einen Mann als Schwerverbrecher anzusehen, dessen Tat nach deutschem Recht nicht mal eine Ordnungswidrigkeit darstellen würde). Ich soll mich entscheiden, was ich denen mitteile. Bin ich ehrlich? Bereue ich meine Tat? Warum habe ich sie begangen? Und während ich so meine Optionen ansehe, denke ich mir: WOHER ZUR HÖLLE SOLL ICH DAS WISSEN?

Ich kenne den Macker seit ca. 90 Sekunden. Ich weiß nicht, wen er erschossen hat und warum. Ich weiß nicht, was Vince motiviert. Hat er Frau? Kinder? Eltern? Freunde? Einen Wellensittich? Ist er pessimistisch? Optimistisch? Sarkastisch? Ist er Zahnarzt? Müllmann? Postbote? Was ist los hier? Wer wie was wieso weshalb warum? Keine Ahnung? Die Option „...“ erscheint die einzig richtige. Dann kommen auch schon Zombies rein, ich schieß einem der beiden das Bein weg, damit wir die Fußketten lösen und damit endet die Episode auch schon. Oh weia...

Der nächste im Bunde ist Russel, der zu Fuß unterwegs in... weite Ferne. Ist auch egal. Er wird angesprochen von einem Herrn im Pickup. Im ersten Eindruck wirkt er wie ein ziemlicher Kotzbrocken und arbeitet sich dann zum perversen Psychopathen hoch. Nach einer kurzen Schießerei auf einer Tankstelle müssen wir uns entscheiden, ob wir ihm dabei helfen, ein Rentner-Ehepaar abzuknallen oder ihn einfach machen lassen und abhauen. Eingreifen is' nicht.

Bonnie macht sich an einen verheirateten Mann ran und schlägt dessen Frau den Schädel ein. Ok, da passiert noch etwas mehr und eigentlich ist es ja auch ein Versehen, aber wie die Dame mit dem zermatschten Schädel Schuldvorwürfe macht, ist schon ziemliche Komik.

Shels Episode könnte die beste sein. Shel ist Teil einer Gruppe, die sich, nicht unähnlich Lees Gruppe, zu einer kleinen Gemeinschaft zusammen gefunden haben und ihr Domizil mit allen Mitteln schützen. Wenn ein Dieb erwischt wird, ist zu entscheiden, wie mit ihm verfahren wird, wobei die Optionen nicht wirklich zimperlich sind. Ähnliches wird erwartet, wenn ein Dame innerhalb der Gruppe zur Diebin wird.

Die letzten beiden im Bunde sind Wyatt und Eddie, die sich den amüsantesten Dialog der Serie bisher liefern und damit unmittelbar sympathisch wirken. Mehr passiert nicht, außer dass ein Unfall und ein Eintreffen unbekannter Verfolger die beiden trennt.

Im Anschluss werden die überlebenden Charaktere überredet, sich einer neuen Gruppe anzuschließen, wobei die Entscheidungen, die ihr bisher getroffen habt, mit beeinflussen, wer sich euch anschließt oder nicht.

„Ich hätte gern ein Erdbeereis. Nein, doch lieber Vanille.“
*Durch deine selbstsüchtige Einstellung wurde gerade Kalifornien ausgelöscht*

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Mit Ausnahme von Vince, dessen Episode als Totalausfall gelten muss, finden sich in allen Geschichten die gleichen Stärken, Charaktere, moralischen Dilemma und die gleiche Vielschichtigkeit wie im Hauptspiel. Gleichwohl fehlt auf Grund der Länge der Effekt und die sichtbare Auswirkung der Entscheidungen. Ihr trefft die Entscheidung, den Dieb leben zu lassen und nach einem Zeitsprung erzählt euch ein NPC, welche Auswirkungen das hatte (Tip: Leute starben!). Ich weiß nicht, ob jede Episode das Zeug zu einer vollwertigen Veröffentlichung als für sich stehende Geschichte gehabt hätte, grad bei Vince zweifel ich das an, aber so wirken die Geschichten wie kurze Zusammenfassungen wesentlich längerer Ereignisse.

Erstaunlich ist nach wie vor, wie gering die Rolle der Zombies letztlich ist. In zwei Episoden tauchen die Untoten gar nicht auf, in den restlichen drei teilweise nur für Sekunden. Einzig in Vinces Folge haben sie einen größeren Auftritt.

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Letztlich scheitert 400 Days nicht an Atmosphäre (reichlich vorhanden), Charakteren (auch vorhanden, wenn auch nie lang) oder Drama. Mit kaum mehr als einer guten Stunde Spielzeit für insgesamt sechs Charaktere bleibt ein Spiel, das sich vor allen durch die Tiefe seiner Charaktere einen Namen gemacht hatte, zwangsweise enttäuschend oberflächlich. Es ist zu erkennen, was hier möglich gewesen wäre, aber durch das Konzept nicht aufgehen konnte.

400 Days bietet den einen oder anderen guten Moment und zeigt erstmalig auch einen Überblick darüber, wie andere Überlebende mit der Situation umgehen. Wenn sich der Staub gelegt hat, ist 400 Days aber kaum mehr als ein Teaser und damit im Endeffekt Werbung für Season 2.

Und ich weiß nicht, wie es euch geht, aber wenn wir jetzt schon für Werbung Geld bezahlen, sehe ich mit etwas Not der kommenden Generation entgegen.
 
Ich glaube, ich werde mir den DLC garnicht erst laden. :D Die Lust ist vollkommen weg (nicht erst seit dem Review, schon vorher). Die 5. Episode der ersten Staffel kaufte ich auch erst 4 Wochen nach dem Erscheinen. Kein gutes Zeichen. Das Konzept funktioniert wohl nur einmalig bei mir. Season 2 könnte glatt an mir vorbeigehen, wer weiß.
 
Da ich ja nicht gespoilert werden will kann ich Barts Review leider noch nicht lesen.

Kann mal jemand kurz zusammenfassen, ob da nun

[] für 400 MS Points kaufen

oder

[] für 400 MS Points nicht kaufen

bei raus kommt?
 
Sind halt 5 kurze Episode 5 verschiedener Charaktere. Wenn Du The Walking Dead geliebt hast, wirst Du ca. 2h recht gut unterhalten. Nicht so überragend wie das Hauptspiel, aber ich habe den Kauf nicht bereut.
 
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