Strike! Joss hat es wieder mal geschafft. Eine Lehrbuchfortsetzung ohne (für einen Comicfan) nennenswerte Kritikpunkte. Wobei sich Age of Ultron tatsächlich anders anfühlt als sein Vorgänger - und ich daher beide Meinungen ("Gefällt mir besser..." bzw. "... weniger als Teil 1") absolut verstehen kann. Er lässt nämlich ein wenig dessen Leichtigkeit und zynischen Witz vermissen und ist stattdessen deutlich ernster, dramatischer und persönlicher. Die selbstverliebten Sprücheklopfer und strahlenden Vorzeigehelden treten beiseite und machen Platz für die bisherigen Nebencharaktere, neue Figuren und menschlichere Geschichten. Was jedoch nicht heißt, dass man nun komplett auf Witz oder Action verzichten müsste. Im Gegenteil, gerade im Actionbereich setzt Whedon noch eins drauf und serviert fulminante Massen-Helden-Schlachten. Und damit hat er eigentlich den erstaunlichen Spagat geschafft, den er in frühen Interviews immer angesprochen hatte, dessen Verwirklichung mir aber nahezu unmöglich schien: Nämlich den ersten Teil nicht einfach zu kopieren und die Geschichte persönlicher zu erzählen, ohne auf Comicaction, -Witz und -Motive zu verzichten.
Ich ziehe meinen Hut. Man muss erst mal 12+ eigenwillige Superheldencharaktere an einen Tisch bekommen, ohne, dass das Endprodukt total zerfahren oder lächerlich wirkt. Eine wahnsinnige Leistung, die hier und da sicher mit Klischees zu kämpfen hat, zuweilen etwas gezwungen wirkt (manche One-Liner) und wieder "nur" eine typische, vergleichsweise eindimensionale Comicgeschichte mit vereinzelten Schlaglöchern (Bspw. die Tümpel-Szene mit Thor: Wozu? Habe darin keinerlei Sinn erkannt. Als hätten sie da einfach 'ne Szene für den Blu-ray Directors Cut entfernt.) darstellt, insgesamt aber hervorragend funktioniert und genau das Liefert, was ich von einem Avengers erwarte: Eine Plattform für viele verschiedene Comic-Charaktere, die hier endlich miteinander interagieren können, Action, Bombast, Witz, einen (gerade für einen "Roboter") gelungenen Bösewicht und Gefühl im richtigen Moment. Wie gesagt, ein wenig anders (düsterer und nicht ganz so locker-leicht) eingefärbt als sein Vorgänger - man spürt deutlich die Anfänge der dramatischen Ereignisse, die uns in den nächsten Marvel-Produktionen erwarten werden -, alles in allem aber eine Wohltat für jeden Fan. Überhaupt steigen sie hier diesmal erstaunlich tief in die Comicmaterie bzw. ihr vorhandenes Filmuniversum hinab - Neueinsteiger müssen sich zwingend die anderen Filme ansehen, da sie es sonst schwer haben dürften.
Gibt übrigens keine Post-Credit-Szene. Nur ein "Ausblick" nach dem "animierten Abspann".
Persönlich würde ich AoU auf eine Stufe mit Cap 2 stellen, gleich hinter den Guardians und The Avengers 1. Im direkten Vergleich war Teil 1 nämlich pointierter, "runder" und hatte den besseren Gegenspieler - an Loki und seine herrlichen (Wort)Gefechte mit jedem einzelnen Avenger kommt einfach so schnell niemand heran.

Und die Guardians spielen bei mir eh in einer eigenen Liga. In den letzten Jahren habe ich kaum einen Film häufiger gesehen und trotzdem noch keinerlei Ermüdungserscheinungen feststellen können. AoU wird, wegen seines ernsteren Grundtons, wahrscheinlich schneller ermüden. Daher: AoU im oberen Drittel, aber nicht an der Spitze. Gelungene Fortsetzung und feinster Fanservice.