Meine Kritik enthält leichte Spoiler
Gerade läuft der Abspann. Das ist er also, der überall hochgelobte Shootergeheimtipp mit der ach so tollen Story.
Für mich beschreibt ein Zitat aus einem Ladebildschirm perfekt SpecOps: The Line: "Kognitive Dissonanz ist das unangenehme Gefühl, bei dem man gleichzeitig zwei Ideen hat, die nicht zusammen passen." So ging es auch Yager: Sie hatten zwei Ideen, die nicht zusammen passen. Im Ergebnis musste ich öfters den Kopf schütteln.
Die eine Idee ist, endlich mal ein ernstes Spiel über den Krieg zu machen. Das auch die schrecklichen Seiten zeigt. Die Idee ist nicht neu, aber im Gegensatz zu der widerlichen kriegsverherrlichenden Gewaltorgie Shellshock, kaufe ich Yager ab, dass sie es ernst meinten. Und einige gelungene Momente hat The Line. Etwa wenn man das erste mal den CIA Typen umlegt und der Kamerad fragt: Warum hast du das getan? Oder auch beim Ende, das zwar weitestgehend vorhersehbar, jedoch in der Inszenierung durchaus clever ist. Über weite Strecken bedeutet Ernsthaftigkeit jedoch einfach, dass die Entwickler ein Antikriegsfilmklischee nach dem anderen durchnudeln. Ob das Gefechte zu klassischer Musik oder die vom Phosphor zerfetzte Mutter mit Kind im Arm ist. Den einzelnen Szenen fehlt die Wucht, sie wirken uninspiriert und wie Effekthascherei, auch weil die Kameraden Dudebro-Oneliner am Laufenden Band raushauen und nicht den Eindruck erwecken, dass sie gerade eine krasse Zeit erleben.
Wo wir bei der zweiten Idee von Yager sind: Die Entwickler meinten, es sei klug ihre Story in einem Gameplaymix aus Gears-Covershooter und CoD-Shooting-Galery umzusetzen. Über Moorhuhnniveau kommen die Feuergefechte selten hinaus, wenn man hundertfach Soldaten und Zivilisten per Headshot beseitigt oder mit brutalen Finishern über den Jordan schickt. Das ganze ist so repetitiv, dass ich trotz der kurzen Spielzeit ab der zweiten Spielhälfte dauernd gegähnt habe. Und es ruiniert die vorhandenen Storyansätze.
Was bleibt? Der lobenswerte Versuch, mal was anderes im Kriegsgenre zu versuchen. Und ein wirklich spektakuläres Leveldesign in einem apokalyptischen Dubai. Aber ganz sicher kein grandioses Spiel. Und sicher auch kein gelungener Schritt zu besserem interaktiven Storytelling.
5/10