Ich habe mir nur rund die ersten zehn Posts hier durchgelesen, da ging das Gespräch schon in die befürchtete Richtung.
Kurz meine Ansicht: Ich bin zufrieden Deutscher zu sein. Ich bin in einer Nation aufgewachsen, die große Persönlichkeiten hervorgebracht hat auf allen Ebenen. Sei es in der Physik, der Mathematik, Philosophie, Literatur oder Musik. Deutsche Persönlichkeiten haben wesentlich zur Aufklärung beigetragen und wenn ich mir anschaue wie gottergeben viele Menschen auf der Welt sind, weil sie es nicht anders kennengelernt haben und es sich nicht anders vorstellen können (oder dürfen), dann bin ich heilfroh im aufgeklärten Teil der Welt zu leben. Unserer Bevölkerung geht es relativ gut, das Land ist relativ sicher und wir haben eine relativ gut funktionierende Demokratie. Ich sage bei allem relativ, weil es sicher immer besser ginge, aber im weltweiten Vergleich (und dazu zähle ich jetzt mal nur hochindustrielle Länder) stehen wir gut da.
Was mir weniger gut an unserem Land gefällt ist die notorische Unzufriedenheit in unserer Bevölkerung. Wir jammern auf extrem hohem Niveau. Menschen anderer Länder hätten gerne die Probleme der Deutschen, aber weil unsere Generation in Wohlstand und Sicherheit aufgewachsen ist, nehmen wir das alles nicht mehr war, was hier sehr gut funktioniert.
Brülle ich deswegen inbrünstig die Nationalhymne, habe ein verengtes Weltbild oder bin gar ein Fascho? Nein. Denn patriotisch zu sein ist in keinster Weise derart eng mit diesen Verhaltensmustern und Einstellungen verbunden, wie das einige hier sofort darstellen. Scheinbar ist meine Interpretation des Begriffs etwas lockerer als die der meisten.
Warum haben die Deutschen so ein unglaubliches Problem mit dem Begriff Patriotismus? Ich finde es unerträglich, dass, sobald man äußert stolz auf sein Vaterland zu sein, die Menschen sofort argwöhnisch die Augenbraue heben und einen ausländerfeindlichen Fascho hinter der Aussage vermuten. Diese Angewohnheit haben wir auf der Welt ziemlich exklusiv. Woran das festzumachen ist, lässt sich leicht beantworten und ich finde es ziemlich traurig, dass eine zwölfjährige Schreckensherrschaft unsere Einstellung zu unserem Land derart nachhaltig erschüttert hat, dass all das, was dieses Land zuvor hervorgebracht hat - und wofür wir im Ausland hoch geschätzt werden - nachrangig geworden ist.