Gerade haben meine Freundin und ich uns am Bahnhof in Stabia südlich von Neapel verabschiedet. Sie wird dort in der Nähe für ein halbes Jahr an einer Schule Deutsch unterrichten bevor das Referendariat beginnt. Und Gott, unsere Tränen seit gestern Abend und insbesondere heute Vormittag und mittag am Gleis hätten das ganze Mittelmeer füllen können. Sie so dermaßen heftig weinen zu sehen war brutal und hat es zusätzlich schwerer gemacht.
Jetzt sitze ich hier am Airport und fühle mich so leer und traurig und sie kommt auch überhaupt noch nicht klar alleine in ihrer Wohnung, die erste Woche hier haben wir noch zusammen verbracht.
So wunderschön das Gefühl von Liebe auch ist, das ist für uns beide das erste mal so weit weg und so lange voneinander getrennt zu sein. Wir sind vier Jahre zusammen und super schnell damals eher durch Zufall/Schicksal zusammen gezogen, rückblickend aber immer noch die allerbeste Entscheidung - und jederzeit eine wunderbare Beziehung voller Liebe und Harmonie.
Der Moment am Gleis: wie im Film. Nur dass wir selber die Akteure waren. Erst fiel ein Zug aus, dann Verspätung, Abschied immer weiter aufgeschoben. Er fuhr ein, man konnte gar nicht mehr an sich halten, nach dem allerletzten Kuss kurz vorm Schließen der Türen eingestiegen, sich unter Tränen durchs Fenster angeschaut. Und dann war man weg.
Um mir rum im Zug fängt ein Mann, etwas älter als ich, bitterlich an zu weinen, sagt etwas auf italienisch und gibt mir die Hand. Wer weiß, wen er vielleicht mal für immer verloren hat. Ein Pärchen umarmt sich so fest wie es nur geht und schaut sich in die Augen.
Häuser, Meer und Landschaften ziehen vorbei. Es geht weiter, natürlich, und andere haben im Bezug auf die Liebe schon viel viel schlimmeres durchmachen müssen. Aber es ist gerade hart. Sehr hart. Muss meine Tränen echt zurückhalten.
Im November besuche ich sie ein paar Tage, im Dezember ist sie für zwei Wochen in Deutschland. Diese beiden Zwischenstationen geben viel Kraft. Und mit Sport, viel Zocken und Unternehmungen mit Freunden werde ich mich sicherlich so gut es geht ablenken und anderweitig beschäftigen.
Das musste alles einfach mal raus auch wenn ich wie gesagt weiß dass andere hier sicher viel härtere Sachen durchmachen mussten wie etwa "richtige" Trennungen oder Verluste.
Tja, wer hätte gedacht, dass ich hier so schnell wieder rein poste, diesmal unter völlig anderem Anlass und in einer emotionalen Verfassung, die so schlecht ist, wie seit...keine Ahnung.
Kurz: Die Beziehung steht vor dem Aus. Und alleine das zu schreiben, löst eine so unendlich tiefe Traurigkeit in mir aus. Ich kann den Grund in Worten nur schwer zusammenfassen, gerade für außenstehende, aber ich versuche es mal.
Im Mai 2021 hat ihr ein Kommilitone, den sie nur vom Sehen her kannte, ein simples Bild per Snapchat geschickt, sie wahllos mit in den Verteiler genommen. Ein Gespräch entwickelte sich, harmlos. Mit der Zeit mehr Kontakt, was mir natürlich missfiel. Sie wollte es nicht wahrhaben dass da was entstehen kann. Und dann plötzlich hatten sie und er Gefühle füreinander entwickelt. Wir sind beide damit sehr respektvoll umgegangen, sie hat mir offen alles erzählt, ich habe ihr nie Vorwürfe gemacht da ich weiß dass man Gefühle nicht steuern kann und es nicht ihre Absicht war. Kontaktabbrüche folgten, weil es so natürlich nicht weitergehen konnte für alle Beteiligten. Das war fast 1 Jahr her. In der Zeit war zwischen uns alles gut, wir hatten bis auf dieses Thema nie etwas, was man Streit nennen konnte. Wunderbares erlebt, viel Liebe, Aufmerksamkeiten, Gespräche. Schöner konnte eine Beziehung nicht sein.
Bis auf ein paar Rückfälle in denen sie immer wieder an ihn denken musste und depressive Tage hatte, schien es gut und wir hatten weiterhin die Zukunft, von der wir beide träumten, im Blick. Sogar über eine Hochzeit und Kinder haben wir - halb Spaß, halb Ernst - geredet.
Ich war vom 7.-13.11. bei ihr in Italien, sie hat diese Zeit herbeigesehnt, konnte es nicht abwarten, ist regelrecht ausgerastet.
Vor Ort alles genauso schön wie immer, beim Abschied wieder Tränen und liebe Worte. Ich hätte Italien und vor allem sie bereichert, ich solle nicht gehen. Am Tag nach meiner Rückkehr war sie beim Schreiben anders, distanziert. Wir beide spüren das jeweils sofort bei dem anderen. Ich fragte mich was los ist, war traurig. Verwirrt. Sie wollte es erst nicht sagen. Gestern: “Wir müssen reden.“ Die schlimmsten Worte. Sie hat mir im Telefonat gesagt, dass sie weiterhin sehr oft an den anderen Mann denkt, sogar als ich da war, so den Wunsch hat ihm einfach zu schreiben. Dass sie nur 80% Liebe zurzeit geben kann, nicht 100%. Die ich verdient hätte. Sie ist verwirrt, hasst sich selber für all das, was sie mir antut. Gefühle wären für mich noch da, Liebe auch. Am Montag hat sie ihm geschrieben. Diesen Rückfall hatte ich schon befürchtet. Sie hatte unglaublich viel Zeit in den letzten Wochen um Nachzudenken und der Druck, ihm nicht schreiben zu dürfen, belastet sie so sehr. Und sie tue das vor allem um mich nicht zu verletzen und dass sie so auf Dauer wohl nicht glücklich wird.
Viele harte Worte. Unter Tränen haben wir gesprochen. Ich habe gesagt, dass es dann ja nur in eine Richtung geht und gefragt:“Möchtest du die Beziehung beenden?“ Sie:“Ich kann das nicht“ Und noch mehr Tränen. Wir wussten nicht wie wir das Telefonat beenden sollten. Spätabends hat sie gefragt ob wir heute nochmal telefonieren können. Ich weiß nicht, mit welchem Ziel, denke aber dass nichts mehr zu retten ist aus ihrer Sicht. Vielleicht werden die Worte heute gesprochen?
Gestern habe ich erstmal alle Bilder zuhause abgehängt, bin zu einem Freund gefahren und habe mich betrunken. Niemand versteht, warum sie diesen Drang so sehr hat und dafür 4 Jahre wegschmeißt. 4 Jahre mit einem Menschen, der alles für sie getan hat und tun würde, der sie über alles liebt, immer für sie da war. Und das war alles andersrum genauso. Sie hat mir im September noch gesagt, dass es nie wieder einen Menschen geben würde, der mich so sehr liebt wie sie, in meinem Buch für den Heimweg war ein Text versteckt was ich alles für sie bin. Zum Geburtstag hat sie einen halbstündigen Film über mein Leben zusammengestellt. So vieles mehr. Selbst das Problem letztes Jahr sind wir im Nachhinein mit so viel Respekt und Ehrlichkeit angegangen.
Tja. Und das alles nun für jemand anderen, den sie zwei mal im echten Leben wirklich gesprochen und sonst nur (vieeel) geschrieben hat. Bei dem sie nicht mal weiß, ob „mehr“ überhaupt klappen würde.
Ihr müsst dazu nicht viel sagen, ich muss das nur alles los werden. Egal ob bei Freunden oder hier. In meinem Kopf sind so viele Fragen. Das schlimmste ist, dass ich nichts dafür kann und daher komplett machtlos bin.
Was wird aus der Wohnung? Was ist im Dezember wenn sie über Weihnachten 2 Wochen hier ist? Wird sie gleich Trost in dem anderen suchen? Zusammenkommen?
Kann man das überhaupt mit seinem Gewissen vereinbaren? Muss er nicht immer denken, dass ihm das gleiche wie mir mal passieren kann? Sieht sie nicht immer mein Gesicht in seinem?
Fragen an euch: Was soll ich jetzt tun? Wie geht es weiter? Wie und wann wird es mir besser gehen? Habt ihr sowas mal erlebt? Sie ist mit meinen 32 Jahren meine erste richtige Liebe. (gewesen...?)
Ich frage mich, wie man all die Dinge sagen kann und ein paar Tage später dann sowas. Und mich seelisch so zerstören.