Für mich waren spezialisierte Geräte eher ein notwendiges Übel. Dass ein SNES oder eine PS3 eine spezielle Chip-Architektur hatten, hat die Spiele nicht automatisch besser gemacht. Genauso wenig wie Exklusivtitel. Für Nintendo-Spiele Nintendo-Hardware kaufen zu müssen und für Sony-Spiele eine PlayStation, empfand ich immer als lästig. Das ist für mich so attraktiv, wie für Filme von Warner einen eigenen DVD-Player kaufen zu müssen, nur dass Letzteres eben nie Realität war. Einen echten Mehrwert durch die jeweilige Hardware-Architektur sehe ich rückblickend kaum. Im Gegenteil zeigt gerade ein Spiel wie Metal Gear Solid 4, dass diese Spezialisierung langfristig eher schadet, weil es bis heute nicht neu aufgelegt wurde.
Auch bei Eingabekonzepten war das Ergebnis aus meiner Sicht öfter ein Flop als ein Erfolg. Dual Screen auf Wii U, DS und 3DS fand ich grundsätzlich gut. Beim DS und 3DS wurde das Konzept auch häufig sinnvoll genutzt, bei der Wii U hingegen viel zu selten. Abgesehen davon denke ich bei solchen Experimenten eher an aufgezwungene Bewegungssteuerung auf der Wii, Touch-Steuerung bei Zelda auf dem DS oder ins Mikro pusten bei Super Mario 3D World auf der Wii U. Das wirkte meist eher holprig als gelungen. Ich mag es nicht, wenn eine ganze Konsole um spezielle Eingabemethoden oder Konzepte herum gebaut ist, weil dann zwangsläufig alle Spiele daran angepasst werden müssen. Lieber ist mir ein Ansatz wie bei der Switch, die zwar ein besonderes Konzept hat, dieses aber vor allem dazu nutzt, klassische Spiele flexibel spielbar zu machen, statt sie der Hardware unterzuordnen. Konzepte wie VR oder auch Guitar Hero, Singstar oder Lightguns finde ich deutlich besser, weil die Spiele einzeln dafür angepasst und entwickelt werden und nicht alle Titel der Plattform es unterstützen müssen.
Ich glaube außerdem, dass sich der Markt weiter in eine bestimmte Richtung entwickeln wird. Dedizierte Konsolen von Sony und Microsoft sind im Kern ein Verlustgeschäft und lohnen sich nur, weil die Nutzer anschließend viele Spiele kaufen und über Lizenzgebühren von Drittherstellern Geld hereinkommt. Für Sony funktioniert dieses Modell noch, für Microsoft offenbar immer weniger. Für Microsoft ist ein Kunde, der Game Pass auf dem PC nutzt, profitabler als einer auf der Xbox, weil die Konsole subventioniert wird und damit zunächst ein Minus darstellt. Im Grunde wäre Microsoft lieber in einer Position wie Valve, die Lizenzgebühren kassieren, ohne selbst Hardware herstellen zu müssen. Bei Sony trägt das Hardwaregeschäft derzeit noch, weshalb ein Wechsel zu einem reinen Account- und Plattformmodell für sie schwieriger ist.
Langfristig halte ich diese Entwicklung dennoch für wahrscheinlich, ähnlich wie bei Filmen und Musik, wenn auch etwas verzögert aufgrund technischer Einschränkungen. Viele der wirtschaftlich erfolgreichsten Spiele der Welt wie Roblox, Fortnite oder Minecraft laufen auf extrem schwacher Hardware. Das sind Service-Games, die über Jahre hinweg gespielt werden und auf nahezu jeder Plattform verfügbar sind. Für solche Spiele wollen Konsumenten keine zusätzliche Hardware kaufen. Sie laufen auf dem Smartphone oder auf dem PC, den man ohnehin besitzt. Immer mehr Menschen werden so spielen. Gleichzeitig wird der Markt für Spiele, die wirklich leistungsstarke Hardware erfordern, und für Spieler, die diese Hardware zwingend zu Hause stehen haben wollen und nicht lieber streamen, kleiner. Wenn dieser Markt schrumpft, lohnt es sich für Konsolenhersteller immer weniger, teure Hardware zu subventionieren und auf hohe Verkaufszahlen bei Third-Party-Spielen zu hoffen. Zumal maximale Grafikqualität auf eigener Hardware ohnehin auf dem PC besser zu erreichen ist. Das heißt die Leute, die gute Optik auf eigener Hardware wollen, sind sowieso auch auf dem PC besser aufgehoben. Die Konsole ist heute schon eher der Ort für Leute die keine teure Hardware und eher Plug & Play wollen. Das bietet aber Streaming viel mehr. Wenn nur noch wenige Spieler Wert auf lokale Hardware ohne Streaming legen, wird das auf offener Hardware stattfinden, also auf dem PC. Dort können Plattformbetreiber, Spieleentwickler und Hardwarehersteller unabhängig voneinander agieren, und der Kunde entscheidet selbst, was zu ihm passt, egal ob ein 400-Euro-PC oder ein 2500-Euro-PC.