Ich hab gestern zwischen Crysis und Gears nur einmal ganz kurz reingeschnuppert, diese ersten 20 Minuten fand ich aber ziemlich ernüchternd: Das ganze Spiel wirkt in seiner Machart (nicht unbedingt die Welt an sich, schwierig zu beschreiben) extrem kalkuliert, glattpoliert und leblos - nicht wie etwas, worin ein paar Begeisterte gerade Jahre an Lebenszeit hineingesteckt haben. Dieses "Problem" hatte ich auch schon bei Doom 3, alles wirkte irgendwie aus Plastik.
Das fehlende Physikmodell trägt auch einen ordentlichen Teil dazu bei, dass man sich in dieser Welt als Beobachter und Fremdkörper fühlt, und nicht als vollwertiger Teil, dessen Aktionen irgendeine Relevanz haben: Wenn ich auf eine Keramikvase schieße und diese Aktion mit einem lauten Klirren und einer billigen, platten Einschussloch-Grafik quittiert wird, frage ich mich, ob ich wirklich schon im Jahr angekommen 2011 bin. In die gleiche Kerbe fällt die Tatsache, dass man Waffen von Gegnern nicht aufheben kann, dass Looting völlig immateriell abläuft (auf Gegner zielen und A drücken) und sämtliche aufhebbare Elemete in der Welt hell schimmern.
Die Verquickung von offensichtlichem Open World und strengst linearen Schlauch-Level nervt mich hier auch gleich wieder: Überall Türen und keine einzige, außer der von der Mission vorgegebene, ist offen. Das war ja im Vorfeld angekündigt, ich hatte aber gehofft, dass es weniger schwer wiegt oder geschickter kaschiert wird. Denn dadurch werden Erkundungstouren, zu der die riesige Welt ja förmlich einlädt, völlig ad absurdum geführt.
Weiter Punkte:
- desaströse (!!) deutsche Synchronisation
- irgendwie seltsames Aiming
Der bis jetzt einzige Lichtblick ist aber die Technik: Für mich stellt sie wohl das Ende der Fahnenstange dar, was auf Konsolen möglich ist. Es mag Spiele geben, die bei Close-Ups besser aussehen, aber ich kenne nichts, was bei einer derartigen Weitsicht so extrem sauber und gut aussieht. Und auch auf mittlere Distanz (IN den eigentlichen Levels) überzeugt das Spiel mit extrem atmosphärischer Darstellung (Lichtstrahlen durch Lamellen am Fenster, etc.) - die Technik hat zwar klare Schwächen in naher Distanz (wenn man direkt vor einem Objekt steht ist die Textur einfach nur noch Brei), das Gesamtbild finde ich aber geradezu herausragend. Wenn man dann noch bedenkt, dass es immer mit 60fps läuft, weiß man, woher Carmack seinen Ruf als Technik-Guru hat.
Bis jetzt wirkt Rage wirklich mehr wie eine Grafikdemo und ich freue mich inständig auf ein Fallout mit dieser Technik. Als Spiel wird Rage mich aber wohl nie vollends überzeugen können, ähnlich wie Doom 3 damals.