
Ich hatte schon mit Fallout 3 eins der intensivsten Spielerlebnisse als Rollenspieler. Meine Sammelleidenschaft wurde bedient, viele Fragen stellte man sich dauernd (wozu braucht man was),
bekam tonnenweise Höhlen, Gegenden, Landschaften, Fraktionen, Gegner und Möglichkeiten diese zu einem ganz eigenen Spielvergnügen zu machen.
Damals konnte ich "im Nachgeschmack" lediglich die ständige Düsternis und Schmutzigkeit bemängeln. Naja, zuletzt war man halt ein praktisch unsterblicher Draufgänger den nichts erschrecken konnte. Machte dann auch keinen Spaß mehr.
Nach einigen hundert Stunden jedenfalls.
Damals - denn nun kommt
Hardcore.
Wie immer bei grossen Spielen bin ich schon bei der Gesichtskonfiguration schnell überfordert. Meine Güte, wer denkt sich eigentlich diese ganzen Namen allein für so viele Bärte aus????

Daran und an noch soooo vielen Kleinigkeiten erkenne ich immer Entwickler-Liebe. Diese spürt man nur bei ganz wenigen Spielen und kann sie auch nur geniessen, wenn man nicht mit der Lupe auf Fehlersuche geht (Texturen, Grafik, blabla).
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Ok, da steh ich nun in nem verranzten Zimmer hinten in der halbdunklen Ecke und lausche nem Typen von der kassenärztlichen Vereinigung warum meine OP nun nicht so toll verlaufen ist......
Aha, ich soll ihm folgen.
Für mich immer genau DIE Aussage, meine Handlungen ins Gegenteil zu kehren.
Mal sehen, was der Knacker so alles vor mir versteckt. Sah nicht danach aus,
als würde er sich immer ans BTM-Gesetz halten.

Treffer.
Gleich vor mir lagern die Drogen, die Arzttasche, unbekannte Getränke und Blubberkram.
Eine der ersten Attribut-Punkte, die ich mir gönnte, waren 2+ auf Stärke.
War klar, das ich viel schleppen muss die nächsten Monate.
Ausserdem Wahrnehmung, Intelligenz und Beweglichkeit.
Nun wollte der Arzt sich auch noch nen Psych-Bonus auf seiner Rechnung erschleichen, bat mich auf die Couch.

In Unterwäsche.
Na toll.
Reden.
Aber nie wurde ich geiler in eine Rolle geführt.

Erst schnelle Antworten auf Prägewörter, dann Bewertung von Situationen,
schliesslich Rohrschach.
Keine Chance irgend was "am besten so oder so" zu beantworten, haute ich die Antworten nur noch aus dem Bauch raus - so fühlte es sich am besten, eigensten an.
Ich holte Punkte in "Dietriche", "Schusswaffen" und "Wissenschaft".
Zum guten Schluss gab ich mir noch die Adjektive "Gutmütig" und "Ruhige Finger".
Wer im Hardcore überleben will, muss sich sicher sein was er wann
und wozu klaut oder wie er es erpressen kann.
Nach meiner Überzeugung jedenfalls.
Also einstecken.
Herrlich viel Platz, wenn man so in Unterwäsche im Halbdunkel steht und noch nix hat.
Also rammschte ich Vorkriegsbücher, Medikamente, Tränke und was da so rumlag an mich.
Gut, der Alte gibt mir auch noch was er so hatte und stellt keine Fragen nach seinem Eigentum.
Ein "danke" rutscht mir noch raus - ich hör noch wie er mir irgendwas zu ruft, egal - erst mal raus da.
Bääääämmm!
Waaaaa...????
Ein
blauer Himmel, ein Vogel flattert erschreckt auf. Wind weht durch die Büsche, überall lebt die Umgebung.
In der Ferne (Weitsicht einfach enorm!) blinken Lichter.
Ich bin mitten in einer kleinen Stadt.
Zitternd vor Erregung was mich erwartet, stolper ich ums Haus herum und lande vor nem Roboter. Kurz dachte ich an nen Clash-Trapp (hiessen die so in Borderlands?),
da kam er zu mir. Ich lachte, war das wirklich Lucky Luke als Gesicht?
"Howdy, mein Freund"
Ich grinste nur dümmlich - total genial die Kiste. Erklärte mir meine nächsten Schritte und löste in mir wieder das urtypische Rollenspieler-Verhalten aus: Erst mal was anderes machen, mich umsehen. *grins*
Ich betrat das erste Haus und tastete mich im dunklen Raum von Regal zu Regal und steckte ein....
Karma verloren - Karma verloren - Karma verloren....ö.h
Nicht meine Art sonst, ehrlich - aber bevor ich Hunger oder Durst leide.....
Im nächsten Haus bekam ich schon am Eingang ein Deja-vu - die Schule.
Im früheren Fallout der erste Ort der Angst, aber auch einer viele Dinge zu finden.
Und tatsächlich, ich fand...
Erst Gegner, dann meine Waffe, dann den V.A.T.S.-Mode, dann das Pipboy-Licht,
dann nochmals die Farbe in Fallout, dann auch wieder Hefte zum lesen und lernen.
In dieser Reihenfolge übrigens, war ganz schön hektisch.

Naja, bin halt etwas tollpatschig am Anfang.
Kaum draussen, sehe ich Kakteen deren Früchte ich sammeln kann (!!!!!!endlich!!!!).
Als ich zum Kramerladen kam, war der erste Tag schon rum - es war dunkel. Der Typ
natürlich am pennen. Geil wie die Bewohner immer aufstehen und sich dir zuwenden.
Ich erinnere mich an einen "Sandmann-Modus".
Ups, böses ICH - Ruhe.
Im Sortiment hat der Typ Sachen, die ich am liebsten alle haben möchte!
Ohne viel Erklärungen steckte ich viele Spielkarten ein, deren Bedeutung
ich nicht mal im Ansatz kenne. Was solls - heisst ja Vegas, oder?

Im Gegenzug nahm er auch meine geklaute Beute, ohne zu mucken.
Jetzt noch schnell rüber zum Saloon, da sollen n paar Leute Infos für mich haben.
Plötzlich und unerwartet ein greller Bildschirm: Du dehydrierst und leidest bereits
an Krankheitssymptomen.
Heilige ........
Schnell wird mir die Bedeutung von reinem Wasser klar, oder warum bei den vielen verschiedenen Lebensmitteln teilweise mehrere Wirkungen beschrieben werden.
Wo ist Rüdiger Nehberg, wenn man ihn braucht?
Also, wenn dieses nicht DAS Fallout ist weiss ich auch nicht.
Es lebt, ich lebe! Athmo pur, perfekter Einstieg.
Willkomen in Vegas!
