Foren Aktuelles Erstellen Mitglieder Anmelden

KT "Mentales Trilemma" -Philosophie für Jedermann. Dow Jones sucht interessierte Leser..

Benutzer, welche sich diesen Thread anschauen:

Zimtzicke schrieb:
Soweit verstehe ich das. Oder auch nicht. Oder ich verstehe das Problem einfach nicht. :D

Also der Grundgedanke des Trilammers ist wohl, dass wir uns keinen Reim darauf machen können, wie etwas Mentales auf etwas Physikalisches wirken können soll. Wir wissen, wie etwas physikalisches auf etwas physikalisches wirkt, mit Hilfe der Naturgesetzte. Aber das Mentale fällt da komplett heraus. Alles was wir erklären können ist das Zusammenspiel der Physik. In unserem Selbstverständnis als Mensch sind wir aber nicht nur einen Ansammlung von Atomen. Wir sagen von uns, dass es nichts anderes als unserer Wille sein kann, der unsere Handlungen "steuert". Da wir aber, wie gesagt, nur physikalische Verursachung, sprich eine Vorstellung von Kausalität haben, haben wir absolut keine Ahnung, wie das eigentlich gehen soll, dass mein "Wunsch" meinen Arm bewegt. Trotzdem steht es für uns außer Frage, das wir das können. Auf die Frage, wer hat meinen Arm angehoben wollen wir "ICH wars" antworten.
Leider, so scheint es, haben wir gar kein Recht diese Antwort zu geben. Der Grund warum wir diese Antwort nicht geben können, ist das Trilemma.

1.) Mentales verursacht Physikalisches --> Wille den Arm zu heben, hebt den Arm.
2.) Wenn der Wille den Arm heben kann, dann wird er das immer auf die gleiche Art und Weise tun können --> Gesetz
3.) Im Bereich des Mentalen gibt es keine Gesetze --> Ich kann mich dazu entscheiden den Arm nicht zu haben. Und nichts führt dazu, dass ich den Arm heben will.

Ansonsten würde ich als absoluter Laie schon sagen, dass alle drei Annahmen für uns Menschen richtig sein können, ohne im Widerspruch zu stehen.

Nun, in der Ursprungsform ist das nicht möglich. Aber, wir könnten die drei Annahmen verändern, so dass wir nicht viel verlieren, oder sie komplett töten. Wir könnten sagen: Es gibt nichts Mentales, oder wir sagen es gibt dort keine Kausalität, aber Prinzipien oder wir sagen, es gibt Mentales, aber es ist nicht verantwortlich.

Eben weil wir Menschen ganz individuell sind, vieles, aber nicht alles erklärbar ist und gerade unser Bewusstsein manchmal auf die physische Welt "scheisst". Vielleicht kann man Liebe als Beispiel bringen?

Genau, aber wenn wir darauf "scheißen" stellt sich die Frage, wie es überhaupt möglich ist, überhaupt etwas zu können. Wir können nicht mal erklären, wie es möglich ist unseren Arm zu heben, wenn wir das nicht auf die Kette kriegen. Von Liebe sprechen wir da noch gar nicht.


Jedenfalls würde ich Annahme 1 und 3 eher in betracht ziehen.

Würde ich auch machen. Ich würde auch an der Kausalität drehen, solange bis es passt. Oder ich würde keine kausale Verbindung vorschlagen, sondern eine logische. Das ist auch interessant.
 
@ Dow

Und jetzt sind wir an dem Punkt angekommen, was meine erste Antwort eigentlich überspitzt ausdrücken sollte.

Wir werfen Fragen in den Raum um etwas zu erklären, was nicht erklärbar ist. Wir haben die Antwort bereits.
 
Zimtzicke schrieb:
@ Dow

Und jetzt sind wir an dem Punkt angekommen, was meine erste Antwort eigentlich überspitzt ausdrücken sollte.

Wir werfen Fragen in den Raum um etwas zu erklären, was nicht erklärbar ist. Wir haben die Antwort bereits.

Nein, wir haben die Antwort überhaupt nicht. Nicht einmal im Ansatz. Wir gehen wie selbstverständlich davon aus, aber völlig ohne Grundlage. Geklärt ist da noch gar nichts. Das zeigt auch die Antworten der unterschiedlichen Wissenschaften. Für Neurowissenschaftler sind wir Automaten. Ganz klar, da gibt es nichts dran zu rütteln. Die ersten dort schreiben schon eine neue Rechtsordnung. :lol:
 
EDIT: Ich bin so langsam. :lol:

Ne ne, Zimtzicke, als Philosoph musst du die Annahmen stärker auseinandernehmen. d: Alle 3 Annahmen zusammen beißen sich.

Nehmen wir an, 3 ist wahr. Dann gehe ich morgen aus dem Haus und verliebe mich in eine bildschöne Frau. Ich verliebe mich in sie, weil sie die Eine ist. Ich kann nicht sagen, wieso, aber sie ist es. Dieses Ereignis ist rein mental! Ich verliebe mich nicht aufgrund von Sinnesreizen.

Wenn jetzt noch 2 wahr ist, ist die Interaktion zwischen mentalen und physikalische Ereignissen strengen Gesetzen unterworfen. Das beißt sich mit 3 nicht, da ich ja rein mental verliebt bin.

Wie soll aber jetzt noch 1 wahr sein? Okay, kleiner Vermerk, da ich das auch erst mit dem Wikiartikel über das Bieri-Trillema verstanden habe. Der erste Punkt meint, dass mentale Ereignisse, z.b. mein Verliebt-sein, eine physikalische Ursache haben. Das kann hier aber nicht sein. Ich habe mich ja 'einfach so' verliebt UND mentale und physikalische Interaktionen sind strengen Gesetzen unterworfen. (Hier ist der Knackpunkt, den Punkt muss man nachvollziehen können. Vielleicht wird es aber im nächsten Absatz klarer.)

Jetzt schauen wir uns eine andere Kombination an, damit man überhaupt die letzte besser versteht. Dieses mal ist 1 wahr. Also hat mein Verliebt-sein eine physikalische Grundlage. Ich habe mich verliebt, weil sie so schön ist. Sie spricht meine Reize an. Ich bekomme ein gutes Gefühl, wenn ich sie sehe, ein extrem gutes, ein geiles, sogar!

Kann jetzt 3 noch wahr sein? Ja, natürlich, mentale Ereignisse sind weiterhin nicht vorbestimmt. Aber das geht nur, wenn es keine strengen Regeln bezüglich der Interaktion zwischen physikalischen und mentalen Ereignissen gibt. Denn ich hätte mich trotz allem nicht verlieben müssen.

Streichen wir wieder 3 und nehmen 2 an. Ich habe mich also wegen ihrer Reize in sie verliebt und das war ein strenges Gesetz. Die Natur sieht in ihr eine perfekte Partnerin für mich. Es ist vermutlich von beiden Seiten genug sexuelle Anziehung da um sich fortzupflanzen. Dann fußt dieses mentale Ereignis aber nicht mehr auf Willkür. 3 wird ausgeschlossen.


Okay, ich muss zugeben, dass ich etwas unter Stress bin. Muss in 5 Minuten los und beim Schreiben blickte ich selbst nicht mehr ganz durch. Zwei Absätze höher hätte ich die Kombination deutlicher machen müssen. Vielleicht ahbe ich das alles aber eh etwas verdreht. Vielleicht hilft es aber auch jemandem weiter. :lol:
 
Dow Jones schrieb:
Zimtzicke schrieb:
@ Dow

Und jetzt sind wir an dem Punkt angekommen, was meine erste Antwort eigentlich überspitzt ausdrücken sollte.

Wir werfen Fragen in den Raum um etwas zu erklären, was nicht erklärbar ist. Wir haben die Antwort bereits.

Nein, wir haben die Antwort überhaupt nicht. Nicht einmal im Ansatz. Wir gehen wie selbstverständlich davon aus, aber völlig ohne Grundlage. Geklärt ist da noch gar nichts. Das zeigt auch die Antworten der unterschiedlichen Wissenschaften. Für Neurowissenschaftler sind wir Automaten. Ganz klar, da gibt es nichts dran zu rütteln. Die ersten dort schreiben schon eine neue Rechtsordnung. :lol:

Wäre dieses Automatendenken nicht charakteristisch für Behaviourismus und hat man sich da nicht schon lange eingestanden, um die These aufrecht halten zu können, das es sehr wohl einen inneren psychischen faktor gibt der das Handeln beeinflusst um diese drastische bezeichnung des "automaten daseins" zu entschärfen? Ich bin ein ziemlicher noob auf dem Gebiet aber so hab ich das in Erinnerung :?
 
Noch ein Wort zu dieser "Entweder das oder das" - Logik :
Diese Sichtweise ist einfach total veraltet.
Schrödingers Katze ist theoretisch tot und lebendig zugleich !!

Oder gehts hier eigentlich nur darum zu klären ob der Mensch einen freien Willen hat oder eben keinen ?

Ist vielleicht etwas off-topic (es geht im Grunde um ein paradoxon-ähnliches Thema):

Wie ist das Universum enstanden (bzw die Existenz dessen, meinetwegen vieler bzw unendlich vieler Univeren) ?
Aus dem Nichts ? Wie kann etwas aus Nichts entstehen (also ohne grundlegende Anfangsbedingungen) ?
Oder die Anfangsbedingungen waren schon immer da, hatten keinen Anfang. Wie kann das sein ? Mit Logik kann man sich zwar eine Antwort geben (etwas war schon immer da imo), aber wie kann etwas schon immer da sein ?
 
SirHorst schrieb:
Dow Jones schrieb:
Zimtzicke schrieb:
@ Dow

Und jetzt sind wir an dem Punkt angekommen, was meine erste Antwort eigentlich überspitzt ausdrücken sollte.

Wir werfen Fragen in den Raum um etwas zu erklären, was nicht erklärbar ist. Wir haben die Antwort bereits.

Nein, wir haben die Antwort überhaupt nicht. Nicht einmal im Ansatz. Wir gehen wie selbstverständlich davon aus, aber völlig ohne Grundlage. Geklärt ist da noch gar nichts. Das zeigt auch die Antworten der unterschiedlichen Wissenschaften. Für Neurowissenschaftler sind wir Automaten. Ganz klar, da gibt es nichts dran zu rütteln. Die ersten dort schreiben schon eine neue Rechtsordnung. :lol:

Wäre dieses Automatendenken nicht charakteristisch für Behaviourismus und hat man sich da nicht schon lange eingestanden, um die These aufrecht halten zu können, das es sehr wohl einen inneren psychischen faktor gibt der das Handeln beeinflusst um diese drastische bezeichnung des "automaten daseins" zu entschärfen? Ich bin ein ziemlicher noob auf dem Gebiet aber so hab ich das in Erinnerung :?

Nein, ist es nicht. Der klassische Behavioursimus der 30iger Jahre ist natürlich veraltet und das würde heute niemand mehr sagen. Aber der Kognitivismus, der alles Bedeutsame in die physischen Grenzen unseres Gehirns packt hat gerade Hochkultur. Tot ist da noch lange nichts. Die Gegenargumente haben sich natürlich ebenfalls angepasst. An der Grundsatzunterscheidung, die das Trilemma aber offenbart hat sich nichts geändert. Es zeigt sich aber, dass eine Möglichkeit das Trilemma aufzulösen natürlich mit einer anderen Auflösungsstrategie ins Konflikt steht.

@Extraleben
Ich weiß nicht, was du immer mit Schrödingers Katze möchtest. Das löst das Problem nicht einmal im Ansatz. Denn selbst wenn die Quantenphysik in bisher allen Belangen zutreffen würde, wären unsere Handlungen nichts weiter als das Ergebnis eines Zufalls. Auch hier verlieren wir unser komplettes Selbstverständnis. Davon mal abgesehen, dass auch in der Quatenphysik eindeutige "Entweder-Oder" Zustände gibt, die nur nicht vorhersehbar sind. Schrödingers Katze ist am Ende des Experiments, ganz klar tot oder ganz klar lebendig. Nur bis zum Zeitpunkt der Messung ist der Zustand nicht klar und nicht entscheidbar.
 
Dow Jones schrieb:
1.) Mentales verursacht Physikalisches --> Wille den Arm zu heben, hebt den Arm.

2.) Wenn der Wille den Arm heben kann, dann wird er das immer auf die gleiche Art und Weise tun können --> Gesetz

3.) Im Bereich des Mentalen gibt es keine Gesetze --> Ich kann mich dazu entscheiden den Arm nicht zu haben. Und nichts führt dazu, dass ich den Arm heben will.

Annahme 1 ist klar. Ich will den Arm heben, also gebe ich meinem Arm den "Befehl", sich zu heben.

Annahme 3 ist klar. Wenn ich mich aus irgendeinem Grund dazu entschliesse, den Arm nicht zu heben, dann lasse ich es eben.

Bei Annahme 2 wird es schwieriger, da aufgrund Annahme 3 keine Gesetzmässigkeit möglich ist. Wäre der Wille zum Arm heben immer vorhanden, dann ja. Im realen Leben aber nicht.

Im wiki-Artikel wird auch das Beispiel "Angst" als mentales Ereignis und "Weglaufen" als physikalisches Ereignis genannt. Auch hier entfällt die Gesetzmässigkeit, denn ich muss nicht weglaufen. Mutige Menschen z. B. stellen sich ihrer Angst und versuchen die Situation anders zu bewältigen.

Oder aber der Traum. Im Traum kann ich Angst verspüren (was ja ein mentales Ereignis ist), aber ich kann physisch garnicht weglaufen.

Wenn du mich fragst, ist Annahme 2 nur in der Theorie vertretbar, im wahren Leben aber nicht.
 
Ja, ich meine, es ist auch völlig legitim nach dem ersten Nachdenken eine der drei Annahmen zu streichen. Davidson spricht eben von Gesetzen und das muss man natürlich überhaupt nicht teilen. Ich selbst habe ja in meinen eigenen Aufsatz geschrieben, dass ich das für eine berechtigte Alternative halte.

Das behebt aber ein Problem nicht. Was biete ich als Alternative an. Ich will von Kausalität und Verursachung sprechen. Ich will den Arm heben, und hebe den Arm. Aber wie funktioniert es? Wir können nicht einfach weiter von Kausalität sprechen (Annahme 1) und dann dazu nehmen, dass dies ohne Gesetzte funktioniert (Annahme 3). Als Vergleich: Wir schmeißen einen Stein durch eine Scheibe und wir sprechen hier von Ursache und Wirkung, weil der Stein unter selben Bedingungen die Scheibe immer notwendigerweise kaputt machen wird. Wir würden uns echt wundern, wenn der Stein die Scheibe nur manchmal, oder nur ganz zufällig kaputt macht. Und das Problem stellt sich an irgendeiner Stelle auf für den Menschen.

Ist denn mein Wille nur manchmal dafür verantwortlich, dass ich den Arm hebe? Oder ist es zufällig? Das ist gar nicht so einfach.

Also ich will die Denkleistung gar nicht schmälern bei einer der Annahmen Bauchschmerzen zu bekommen, darum geht es ja. Und man kann sich und sollte sich auch dazu entscheiden das Problem zu lösen. Aber man kann nicht, und das ist der Hinweis, eine Annahme ersatzlos streichen.
 
Mein Wille benötigt ein Motiv, um den Arm zu heben. Hitler war so ein Motiv. Steine können es auch sein. Die pure Lust am Werfen ebenso. Würde ich laienhaft aber praxisorientiert sagen! :D
 
Urgs schrieb:
Mein Wille benötigt ein Motiv, um den Arm zu heben. Hitler war so ein Motiv. Steine können es auch sein. Die pure Lust am Werfen ebenso. Würde ich laienhaft aber praxisorientiert sagen! :D

Das sind auch alles Gründe, um den Arm zu heben. Aber der Punkt ist, wenn ich die Gesetze abschaffe und diese für nicht intuitiv halte, dann muss ich angeben unter welchen Bedingungen sich mein Arm hebt, wenn ich als Motiv Hitler, Steine oder Lust am Werfen habe. Wenn ich Steine sehe, habe ich dann immer Lust den Arm zu heben? Oder nur manchmal? Wonach entscheidet es sich? Es gibt ja keine Gesetzmäßigkeiten mehr, die haben wir ja mit Annahme 2 gestrichen.
 
@ Dow

Um dein Beispiel aufzugreifen. Annahme 1 und 2 haben für den Steinwurf gegen die Scheibe eine Gesetzmässigkeit. Immer, wenn ich den Stein in die Scheibe schmeisse, geht sie kaputt. Im Falle von Annahme 3 werfe ich den Stein einfach nicht.

Annahme 1 und 2 können also in der physischen Welt richtig sein, sobald die mentale Komponente dazu kommt, nicht mehr.

Was mich aber interessiert: was möchte der Philosoph damit "beweisen"? Ich meine, es ist zumindest für mich als Laien ziemlich offensichtlich, dass Annahme 3 niemals (!) unter rationalen Gesichtspunkten lösbar sein wird. Der Wille unterliegt eben nur bedingt Gesetzmässigkeiten.

Warum wollt ihr eine Alternative? Was treibt einen Philosophen dazu an?
 
Das können immer noch hochkomplexe Gesetzmässigkeiten sein, die sich im Gehirn in Sekundenbruchteilen abspielen. Möglicherweise welche, die diese strenge entweder/oder-Trennung des Trilemmas sprengen. Da bestehen in der unentwegten Abfolge solcher Entscheidungen möglicherweise beide Möglichkeiten gleichzeitig.

Im Alltag würde man schlichtweg sagen, es hängt von der Tagesform ab, ob ich Lust habe den Arm zu heben.
 
Zimtzicke schrieb:
@ Dow

Um dein Beispiel aufzugreifen. Annahme 1 und 2 haben für den Steinwurf gegen die Scheibe eine Gesetzmässigkeit. Immer, wenn ich den Stein in die Scheibe schmeisse, geht sie kaputt. Im Falle von Annahme 3 werfe ich den Stein einfach nicht.

Annahme 1 und 2 können also in der physischen Welt richtig sein, sobald die mentale Komponente dazu kommt, nicht mehr.

Was mich aber interessiert: was möchte der Philosoph damit "beweisen"? Ich meine, es ist zumindest für mich als Laien ziemlich offensichtlich, dass Annahme 3 niemals (!) unter rationalen Gesichtspunkten lösbar sein wird. Der Wille unterliegt eben nur bedingt Gesetzmässigkeiten.

Warum wollt ihr eine Alternative? Was treibt einen Philosophen dazu an?

Nunja, wir haben ja zugestanden, dass es unser Wille sein soll, der den Arm hebt. Und zwar nur der Wille. Deshalb wollen wir hier von Kausalität sprechen. Immer genau dann, wenn es diesen Willen zum Armheben gibt, dann hebe ich den Arm.
Da waren wir uns noch alle einig.

Was heißt nun aber Kausalität? Wie verstehen wir das? Und das ist Annahme zwei. Wann immer wir genau eine Ursache für etwas angeben wollen, wollen wir auch sagen, dass es bei beliebig vielen Fällen immer so ablaufen MUSS. Das ist Kausalität. Der Stein ist kausal für das zerbrechen verantwortlich, wenn er es IMMER unter selben Bedingungen tun wird. Ansonsten nicht. Beim Willen wollen wir das auch so machen. Wenn ich darauf poche, dass mein Wille für etwas verantwortlich sein soll, und nur dieser, dann spreche ich von Kausalität und von Kausalität zu sprechen heißt von Gesetzen zu sprechen. Ob ich den Stein dann wirklich werfe, oder mich entscheide es nicht zu tun, ist egal. Solange mein Wille dafür verantwortlich für mein Handeln ist, muss es hier Gesetze geben. Ich kann nicht einfach sagen, ich werfe den Stein nicht. Auch hier muss es Gesetze geben, die angeben, warum ich es nicht geworfen habe.

Auf der anderen Seite wollen wir unseren Willen gerne unabhängig von Gesetzen betrachten, können es aber nicht.

Also Philosoph wollte ich hier erst einmal gar nichts beweisen. Ich stelle 3 Annahmen auf, die für sich genommen verständlich sind, aber zusammengenommen nicht mehr.
Für unser Rechtssystem, für unsere Ethik, für unsere Wissenschaft ist es aber fundermental dieses Problem zu verstehen. Je nachdem wie ich das versuche aufzulösen, werden sich die anderen Gesellschaftssysteme daran anpassen.

Urgs schrieb:
Das können immer noch hochkomplexe Gesetzmässigkeiten sein, die sich im Gehirn in Sekundenbruchteilen abspielen.

Zeit ist kein Faktor. Wichtig ist nur, dass diese Ereignisse trennbar sind. Und ja, es könnten immer noch hochkomplexe Gesetze sein, aber dann haben wir Annahme 2 doch nicht abgeschafft. Die Annahme sind, was das genaue Ausbuchstabieren anbelangt ziemlich offen.

Wir könnten hier von Nano-Sekunden sprechen, von höchst komplexen Gesetzen, das ist alles egal, solange es unser Verständnis von Kausalität nicht über Bord gehen lässt.
 
Naja, wie ein berühmter Philosoph mal sagte:

Der Mensch kann wohl tun, was er will, aber nicht wollen, was er will.
 
Also den Text im Anfangspost finde ich sehr gut und verständlich geschrieben.

Ändert natürlich nichts daran, dass es dieses "Trilemma" nicht gibt, weil die 3. Annahme einfach völlig aus der Luft gegriffen ist.

Es gibt keinen einzigen wissenschaftlichen Beweis, nicht einmal schlüssige Indizien, dass im "Bereich des Mentalen" irgendwelche anderen Regeln zur Anwendung kommen, als jene physikalischen Regeln die für den Rest des Universums gelten.

Wer für eine "Anomalie des Mentalen" tatsächlich schlüssige Indizien finden würde, der wäre wohl ein Fall für den Nobelpreis für Physik. Gab es bis jetzt aber nicht, und es deutet alles darauf hin, dass es das auch nicht geben wird. :D
 
Osa-chan schrieb:
Es gibt keinen einzigen wissenschaftlichen Beweis, nicht einmal schlüssige Indizien, dass im "Bereich des Mentalen" irgendwelche anderen Regeln zur Anwendung kommen, als jene physikalischen Regeln die für den Rest des Universums gelten.

Wer für eine "Anomalie des Mentalen" tatsächlich schlüssige Indizien finden würde, der wäre wohl ein Fall für den Nobelpreis für Physik. Gab es bis jetzt aber nicht, und es deutet alles darauf hin, dass es das auch nicht geben wird. :D

Dann bist du aber an einer Konsequenz vorbei geschrammt. Natürlich finden wir Annahme 3 nicht in der Welt der Physik. Deshalb streichen doch auch Physiker die dritte Annahme komplett - Und damit alles, was wir an Willensfreiheit ausweisen wollen. Die Frage ist nur, ob das Mantra der Naturwissenschaft so stark ist, dass wir unsere Selbstbeschreibung ändern wollen. Die 3. Annahme wird so aber nicht die Existenzberichtigung entzogen und für unsinnig erklärt, sondern sie fällt im Zuge der Antwort der Physiker über Bord. Das sind aber zwei verschiedene Szenarien.

Die Frage ist doch, wie etwas Mentales etwas Physikalisches verursacht, nicht, ob etwas Mentales nicht doch etwas Physikalisches ist. Davon mal ab sollte man nicht den Eindruck erwecken, dass in der Welt der Physik alles geklärt ist. Die stehen mit jedem Tag vor mehr Problemen als ihnen Lieb ist. Wolf Singer hat das mal sehr schön zusammengefasst. Er sagte sinngemäß: Früher hätten wir gesagt, dass es nur noch eine Frage von wenigen Jahren ist, bis man alle Vorgänge des Gehirns erklären und berechnen könnte. Früher, so sagte er, haben wir geglaubt, dass wir 70% von dem verstehen, was im Gehirn vorgeht...jetzt sind es nicht einmal mehr 30%.

EDIT:
Wie gesagt, ich will nicht die verschiedenen Möglichkeiten zur Lösung bestreiten. Da gibt es viele kreative Lösungen. Ich würde aber schon dafür argumentieren, dass es das Trilemma wirklich gibt.
 
Dow Jones schrieb:
Die Frage ist nur, ob das Mantra der Naturwissenschaft so stark ist, dass wir unsere Selbstbeschreibung ändern wollen.

"Unsere" Selbstbeschreibung? Also meine Selbstbeschreibung kommt jedenfalls ohne Esoterik aus.

Und auf nichts Anderem fußt die dritte Annahme. Aussagen, Annahmen und Behauptungen, die keinerlei wissenschaftliche Grundlage haben, sondern sogar im Gegenteil wissenschaftlichen Erkenntnissen und Hinweisen widersprechen, gehören nun mal zum Bereich der Esoterik.


Wir müssen also eines klarstellen: Wollen wir auf einer wissenschaftlichen Ebene diskutieren, oder nicht?

Bleiben wir auf einer wissenschaftlichen Ebene, dann ist die Lösung für das angebliche "Trilemma" eben sehr einfach: Die dritte Annahme ist aus der Luft gegriffen und das "Trilemma" existiert daher nicht.


Oder aber du möchtest auf einer esoterischen Ebene diskutieren, worauf ich persönlich aber keine Lust habe, weil ich dies als zwecklos erachte. ;)
 
Zurück
Oben